Schoppe

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RE: Die Opfer-Logik | 25.08.2015 | 13:24

„Die Diskussionen in den maskulistischen Foren und Blogs folgen oft denselben Mustern. Männer sind Opfer, werden diskriminiert, und keiner schaut hin.“

Diesen Eindruck hätte Frau Bust-Bartels nicht, wenn sie sich auch einmal anderswo als bei wgvdl.com informieren würde. Die abschließenden Hinweise auf Breivik-Verbindungen bleiben unbelegt – mit gutem Grund: Es gibt diese Belege nicht. Der Breivik-Verweis ist damit eine politischen Verleumdung, die dem Zweck dient, sich mit den Positionen der Verleumdeten nicht auseinandersetzen zu müssen. Was aber ist denn an den Positionen von „Maskulisten“ so schlimm, dass Bust-Bartels es offenkundig vermeiden möchte, sich diese Positionen überhaupt einmal anzusehen?

Arne Hoffmann und der linke Maskulist „Leszek“ haben die Formulierung vom „integralen Antisexismus“ geprägt: Geschlechtsbedingte Benachteiligungen sind aus dieser Perspektive grundsätzlich abzulehnen, unabhängig davon, ob sie Männer oder Frauen treffen. Die These, dass Sexismus allein Frauen betreffen könne, ist aus dieser Sicht selbst sexistisch. Das sehen Feministinnen sicherlich anders – mit Breivik hat es aber offenkundig nichts zu tun.

Richtig ist allerdings, dass in vielen Foren und Kommentarspalten häufig behauptet wird, geschlechtsbedingte Benachteiligungen von Männern oder Jungen anzusprechen sei ein Tabu - insbesondere in Institutionen, die sich selbst als links verstehen. Diesen Eindruck teile ich.

Dass ein Argument häufig verwendet wird, bedeutet allerdings ja noch nicht, dass es falsch ist. Wenn Frau Bust-Bartels behauptet, dass zwei plus zwei fünf ergebe – ihr dann jemand antwortet, das sei falsch, zwei und zwei ergäbe vier – dann wäre es nicht sonderlich überzeugend, wenn sie dann einfach nur genervt entgegnen würde, dieses Argument höre sie immer wieder.

„Sie empfinden sich als Opfer einer Gesellschaft, deren Schaltstellen von Feministinnen beherrscht würden.“ Mir ist dafür schon häufig der Begriff „Staatsfeminismus“ begegnet. Der Begriff ist tatsächlich nicht haltbar, wenn er suggerieren soll, wir lebten in einem durch und durch feministisch geprägten und beherrschten Staat. Er ist aber in anderer Hinsicht sinnvoll:

Der Feminismus, den wir heute erleben, ist – anders als insbesondere die proletarische Frauenbewegung vom Beginn der vergangenen Jahrhunderts – schon längst keine Graswurzelbewegung mehr, sondern hält sich nur noch durch die Verankerung in öffentlich finanzierten Institutionen: Parteien(-stiftungen), Universitäten, Gleichstellungsbüros etc. Es ist kennzeichnend für heutige Feministinnen, die Stärke und die Problematik dieser Position nicht wahrzunehmen.

„Individuelles Scheitern ist mit dem traditionellen Bild des starken Mannes nicht vereinbar.“ Es ist ein Klischee, dass Kritik am Feminismus im Festhalten an herkömmlichen Rollenbildern wurzle. Tatsächlich sind auffällig viele Männer, die heute feministische Positionen kritisieren, selbst einmal als Feministen gestartet – und kennen sich in feministischer Theorie oft auch besser aus als Feministinnen, denen sie im Netz begegnen.

Nach meiner Erfahrung ist eine zentrale These dieser Kritik, dass feministische Positionen konservative, ja reaktionäre Geschlechterbilder (Frau als Opfer und Beherrschte, Mann als Täter und Herrscher; das Kind gehört zur Mutter) reproduzieren und als Teil einer „progressiven“ Politik verkaufen. Dass Bust-Bartels und andere die Kritiker als Loser hinstellen, die mit ihren eigenen Verlust- und Versagenserfahrungen nicht zurechtkommen, knüpft ebenfalls an reaktionäre Männlichkeitsklischees an. Dass solche „Loser“ (die übrigens tatsächlich oft durchaus erfolgreiche Männer sind) für ihre Positionen gute Gründe haben könnten, spielt dann nämlich überhaupt keine Rolle mehr.

Zwei Beispiele für diese guten Gründe. Jungen fallen schon lange in den Schulen zurück, werden nachweisbar bei gleicher Leistung schlechter benotet, sind auf den Gymnasien stark unterrepräsentiert, auf den Förderschulen und Hauptschulen stark überrepräsentiert. Das interessiert eine „linke“ Politik, der es doch angeblich um soziale Gerechtigkeit geht, überhaupt nicht – die GEW hat sogar eine (wissenschaftlich miserable) Schrift herausgebracht, die nachweisen sollte, dass die offenkundigen Benachteiligungen von Jungen kein ernstzunehmendes Problem sind.

Und: Die massiven rechtlichen Benachteiligungen von Trennungsvätern sind nur gemildert, nicht abgebaut – es gibt, gerade auch auf den Druck rot-grüner Frauengruppen, noch immer keine Gleichberechtigung von Vätern und Müttern. Die deutsche Rechtssituation vor der letzten, erst durch Gerichtsentscheidungen erzwungenen Gesetzesänderung hat Menschenrechte und Grundrechte verletzt, über Jahrzehnte hinweg und auf Kosten Hunderttausender. Dies nicht nach Meinung einiger Maskulisten, die verlorenen Privilegien nachjammern – sondern nach dem Urteil der zuständigen Gerichte. Was aber schreiben Sie?

„Die eigenen Privilegien werden beim maskulistischen Opfer-Denken aber nicht einfach nur verdrängt, man identifiziert sich mit der gesellschaftlichen Position der Frauen und projiziert die Dominanz der eigenen Gruppe auf die Frauen beziehungsweise den Feminismus.“

Wenn also Väter darüber klagen, dass ihnen willkürlich die Möglichkeit zu Sorge für ihre Kinder genommen wird – dann geht es diesen Vätern NATÜRLICH überhaupt nicht darum, dass ihnen willkürlich die Möglichkeit zur Sorge für ihre Kinder genommen wird. EIGENTLICH verdrängen sie aus Gründen der Schuldabwehr das Bewusstsein für ihre eigene Herrschaftsposition – identifizieren sich zu diesem Zweck mit der von ihnen unterdrückten Frau – projizieren Schuld und Herrschaftsverhalten aber dann ausgerechnet in die von ihnen beherrschte Frau – und regen sich dann NUR DESWEGEN darüber auf, dass sie willkürlich ihre Kinder nicht oder kaum noch mehr sehen können. NUR SO, und nicht andees, lassen sich die Proteste der Trennungsväter schlüssig erklären.

Im Ernst??

Ganz ehrlich: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Frau Bust-Bartels oder Herr Pohl selbst glauben, was sie da behaupten.

In meinen Augen gehört es zu den großen Versäumnissen „linker“ Politik in den letzten Jahrzehnten, dass klare und offene Kritik an feministischen Positionen weitgehend unterblieb oder gar aktiv unterbinden wurde. Das ist aus zwei Gründen fatal.

Erstens führt die unbezweifelte Überzeugung, wir würden in einem „Patriarchat“ leben, dazu, dass Verletzungen der Menschen- und der Grundrechte von Männern und Jungen als unwichtig wahrgenommen werden – es trifft ja immer „Herrscher“, die etwas an der Situation ändern könnten, wenn sie nur wollten.

Zweitens hat die Fixierung auf „Geschlechterverhältnisse“ abgelenkt von allen – gewaltigen – sozialen Problemen, die nicht im Sinne einer patriarchalen Herrschaft gedeutet werden können. Der Feminismus ist nicht für die deutliche Orientierungslosigkeit heutiger linker Politik verantwortlich – aber er hat einen großen Anteil daran, diese Orientierungslosigkeit zu verdecken und zu zementieren.

RE: Das Recht stärkt nun auch die Männer | 08.02.2013 | 19:52

Die Frage nach den unterhaltssäumigen Müttern lässt sich z.B. mit einer Studie des Familienministerims beantworten. Aus ihr geht hervor, dass weniger als die Hälfte der unterhaltsberechtigten Väter auch tatsächlich Unterhalt von den Müttern erhalten. Damit ist die Zahlungsmoral der Mütter deutlich schlechter als die der Väter. Dass das statistisch ein geringeres Problem ist, weil mehr Kinder bei der Mutter als beim Vater leben, hilft den betroffenen Vätern und den Kindern ja auch nicht weiter.

Vgl. S. 108

http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/PRM-24073-SR-Band-228,property=pdf,bereich=,sprache=de,rwb=true.pdf

RE: Das Recht stärkt nun auch die Männer | 08.02.2013 | 14:49

Das neue Kindschaftsrecht vermeidet das gemeinsame Recht auf Kindessorge von Anfang an und ermöglicht eine gemeinsame Sorge nur dann, wenn Männer einen Antrag darauf stellen und Frauen dem nicht widersprechen. Es signalisiert also einerseits Männern, dass sie Verantwortung für ihre Kinder nur dann übernehmen müssen, wenn sie es auch wollen - und es fordert andererseits Frauen regelrecht dazu auf, nach Gründen zu suchen, den Vätern die gemeinsame Sorge vorzuenthalten (anstatt nach Möglichkeiten, die gemeinsame Sorge zu tragen). Und selbst dieses stückchenweise Zugestehen von Väterrchten geht Frau Baureithel noch zu weit. Was soll das?

"Spätestens seit dem Quotenstreit der achtziger und neunziger Jahre entwickelt sich eine männerrechtlerische Sturmabteilung wider den feministischen Durchmarsch der Frauen. Sie agiert auf seriös-juristischer Ebene, indem sie vor Gerichten die angebliche Diskriminierung von Männern skandalisiert; und sie fightet insbesondere in maskulistischen Onlineforen, wo der Verhaltenskodex ganz bewusst missachtet wird." Das ist eine Sammlung von Klischees: Väter, die sich für das recht zur Kindessorge einsetzen, werden gemeinsam mit anderen Männern allen Ernstes als Nazis präsentiert ("Sturmabteilung ", also: SA), Diskriminierungen von Männern können selbstverständlich nur "angebliche" Diskriminierungen sein, und wer im Internet für Grundrechte von Männern oder Jungen - oder für gleiche Rechte von Männern und Frauen - eintritt, ist allein deshalb schon ein Pöbler.

Es wird Zeit, sich von solchen reaktionären Klischees zu verabschieden.