Ein guter Christ hat nicht schwul zu sein!

Homosexualität Die Identitätsstörung: Der Umgang von freien evangelischen Gemeinden mit dem Thema Homosexualität und "Christentum".
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"Wir leben noch nicht in der neuen Welt Gottes, in der es keine Krankheit und kein Leid mehr gibt." Stimmt. Denn vor allem eine Geißel hält die Menschheit noch für uns bereit: Die Homosexualität, das gotteslästerliche Schwulsein.

Die Verfasser dieser Glaubenssätze sind evangelisch, genauer freievangelisch, und repräsentieren die Bundesleitung der Freien evangelischen Gemeinden (FeG) in Deutschland. Seit 2004 sind die Glaubenssätze in der Broschüre Homosexualität im Spannungsfeld von Gesellschaft und Gemeinde festgeschrieben und stehen jedermann frei und öffentlich zur Verfügung. Alles, was in diesem Artikel steht, ist dieser Broschüre entnommen.

Werfen wir also einen kleinen, natürlich nur ausschnittsweisen Blick in die freievangelischen Sexualansichten:

Homosexualität als krankhafte Störung

Sie ist "Ausdruck der Gebrochenheit der menschlichen Natur". Sie ist heilbar durch Gottes Hilfe, durch Fachleute und Seelsorger. Eine "Identitätsstörung", eine "Beziehungsstörung".

Bekennt sich schwule Gemeindemitglied, muss "wie bei anderer Sünde Seelsorge und heilsame Gemeindekorrektur" geübt werden mit dem Ziel, "den Betroffenen zur Umkehr zu führen." Mit den Betreffenden sei zu sprechen, "wenn homosexuelles Verhalten als normal, gut und unveränderbar dargestellt" werde bzw. als eine mögliche Form der Sexualität propagiert wird.

Der homophile Christ lebe zölibatär!

Es ist dem "homosexuell empfindenden Christen unangemessen, an homosexuellem Verhalten festzuhalten, so wie es für heterosexuell empfindende Christen unangemessen sei, an Unzucht oder Ehebruch festzuhalten." Der "homophil empfindende Christ" soll demnach versuchen, ein "Leben in disziplinierte sexueller Abstinenz zu leben" – es sei denn, sie könnten "ihre sexuelle Orientierung ändern und eine Beziehung in einer Ehe von Mann und Frau" leben.

Rettung ist möglich

Denn Rettung vor dem Schwulsein ist möglich, versichern die optimistischen Christenmenschen. Denn "entgegen Behauptungen von Lesben- und Schwulenverbänden" sei "die sexuelle Ausrichtung eines Menschen nicht unabänderlich": Im "Veränderungprozess" könne durch die "verwandelnde Kraft des Heiligen Geistes" Heilung erfahren werden.

Natürlich nicht über Nacht: Die Hinwendung zur von der "Identitätsströung" Homosexualität hin zur Heterosexualität ist ein langer Prozess, wird unterstützt von Fachleuten und Seelsorgern und kann"drei bis zehn Jahre" dauern könne. Nach nur zwei Jahren darf demnach noch niemand behaupten, von der schwulen Sünde geheilt zu sein... Außerdem ist "eine dauerhafte Begleitung bzw. Supervision wichtig".

Deutschland muss keinen Fundamentalismus importieren

Für alle, die meinen dass wir keine Fundamentalisten in diesem Land bräuchten: Sie sind schon längst da. Wer sich eine offene und tolerante Gesellschaft wünscht, sollte keine Angst vor dem Islam haben - er sollte zunächst mal bei seinen freievangelischen Brüdern und Schwestern in der gelebten Ökumene nachfragen. Homophobie ist, nicht nur in der FeG, deutsche Leitkultur und wird es bleiben.

14:46 03.03.2017
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Geschrieben von

schumporat

Autor, Texter, Leser, Redakteur, Techniker
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