Sehstaerke.

„Alles fängt immer damit an, dass da Menschen sind, die es sich leisten können, die richtigen Fragen zu stellen.“
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RE: Schrei nach Freiheit | 29.01.2012 | 15:07

Ohne mich nun zu sehr in diese Debatte einzumischen, schließlich hat sie mein Text ja gerade hervorgerufen, möchte ich dennoch gerne ein paar Dinge klarstellen.

Diese Fotos erreichten mich von meinem Freund aus Syrien, versehen mit der Bitte, sie einem möglichst großen Publikum zugänglich zu machen.

Selbstverständlich sind sie, wie miauxx zutreffend feststellte, in dem Sinne gestellt, dass sie gerade unser aller Aufmerksamkeit hervorufen sollen.

Womit ich dennoch vorsichtig wäre, ist eine inhaltliche Bewertung der Aktion. Im Endeffekt will ich auch hier in die gleiche Kerbe schlagen, wie miauxx zuvor: Aus der Ferne, noch dazu geschützt durch die Anonymität des Internets, verbittet sich meines Erachtens jegliches Urteilen über Menschen, die sich in einer solchen Situation wiederfinden.

Klar, auch ich bin gegen Krieg, auch ich habe mit Grausen die Bilder des exekutierten Gaddhafi in Lybien vernommen, doch schließen sich solche Bilder und ein einfacher Appell nach Freiheit wirklich aus?

Schändlich mag die Art und Weise der Kriegsführung sein, die Art und Weise der Instrumentalisierung der Notsituation wie in Lybien durch die westlichen/NATO-Mächte, doch das Verlangen in Freiheit zu leben, hat nichts Schändliches.

Mein syrischer Freund, der im Übrigen eher ein zurückhaltender Mensch ist, hat sich bewusst dazu entschieden, mit diesen Bildern an die Öffentlichkeit zu treten - eben gerade weil er bereit ist, für seinen Wunsch nach Freiheit gewisse Risiken einzugehen.

Bevor wir das Bestreben dieser Menschen, dieses Volkes aus der Ferne, versehen mit einer Prise pazifistischer Arroganz, verurteilen, sollten wir uns vielleicht eher in Mitgefühl und Solidarität üben statt in Besserwisserei und Zynismus.

Denn letztendlich tun wir dann nichts anderes, als das was wir den kriegsführenden Westmächten vorwerfen - wir instrumentalisieren die syrische Bewegung, indem wir uns selbst eine Deutungshoheit über ihre Sache zusprechen.