Wenn Innenminister ganz feucht träumen

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Mitunter wollen Dinge nicht geschehen, die wir als selbstverständlich erachten - eine freundliche Behandlung bei Behörden als Beispiel - und auf der anderen Seite sehen wir Vorgänge sich realisieren, von denen wir zu hoffen gewagt hatten, dass wir sie nach ausserhalb unserer Fantasie verbannen dürften. Solch eine Angelegenheit ereignet sich vor unseren staunenden Augen, in einem kleinen Königreich unterhalb des Meeresspiegels.
Wir wir aus der schönen, traditionsreichen Stadt Den Haag hören müssen, werden dort seit jüngstem, genauer: seit Mitte April, sämtliche Wohnungen verschiedener Stadtteile von Amts wegen und gegebenenfalls mit Zwang besichtigt.

Ein Auszug der dortigen Durchführungsverordnung, im englischen Original:

In The Hague, we want pleasant and safe neighborhoods. For this reason, we are inspecting all homes in your neighborhood. For each address, we will see if the rules and regulations are met.

All rooms of the residence are subject to this inspection. The cooperation of all residents is therefore a necessity.

We’d like to point out that this is not a voluntary inspection. You are obliged to cooperate. If you refuse to cooperate , we’d like to point out that we are legally entitled to enter the premises with a legal warrant and without the cooperation of the owner and/or occupant(s).

Nachgeschoben wurde dann noch die Begründung, dass doch alles nur zum Besten der Bewohner sei, schliesslich ginge es vorrangig um die Überprüfung der Einhaltung von Brandschutzvorschriften.
Ja nee, is klar.
Der spannende Teil der Show ist dann nämlich - ganz brandschutzvorschriftenfrei - der Passus:

If an illegal situation is found during the investigation, you will receive notice about further proceedings as soon as possible.

Aha. Wir durchsuchen Ihre Wohnung nach illegalen Nutzpflanzen, Sozialhilfeverstösse und Raubkopien. Und im Sinne einer freundlichen und sicheren Nachbarschaft machen wir das, mitten in Europa, ohne Richter, ohne Beschluss und nicht einmal auf Verdacht, sondern flächendeckend, stadtviertelweise.

Liebe Freitag-Leser! Gefällt ihnen so was? Leiden Sie unter Einsamkeit? Langeweile? Oder ist ihr Mariuana unauffindbar? Da wissen wir was: Machen Sie Ihr Kreuz am 27.9.2009 bei einer grossen Volkspartei Ihrer Wahl. Dann kommen die freundlichen Menschen vom Ordnungsamt schon bald zu Ihnen - vorausgesetzt, sie wohnen downtown und nicht in einem Villenviertel.
Wenn Sie nicht in der Unterstadt hausen, bleiben Sie allerdings allein. Oder sie ordern ein paar ukrainische Call-Girls. Die bringen auch gerne Drogen mit. Ironie Ende.

Wir würden so gern mal ein bisschen Werbung für die Piratenpartei machen. Aber immer kommen uns andere zuvor und machen das für uns. Auch gut.

Quelle: rop.gonggri.jp/?p=89

09:13 09.07.2009
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Geschrieben von

schwarzbart

Seit 35 Jahren Computerkid, und Weltenbummler, Koch, Jazzer, Autor. Und neuerdings Parteimitglied. Rückschlüsse auf meinen Nick sind ausdrücklich erwünscht.
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