Haie gut, Menschen nicht so sehr

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Ich spreche nicht mehr über Politik, sondern über Haie. Haie sind gar nicht so gefährlich, sondern haben bloß eine schlechte Lobby.

Ich will nicht mehr über Politik sprechen, ich will über Haie sprechen. Es gibt nichts, was Politik und Haie gemeinsam haben. Das ist der Grund, warum ich über Haie sprechen will.

Ich habe einen Dokumentarfilm über Tigerhaie gesehen. Er fesselte mich. Die Taucher tauchten mit ihren Kameras bis an die unendlich mächtigen Gebisse der Haie heran. Ich dachte: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Haie die Taucher töten.“

Doch der Film zeigte nicht einen Hai-Angriff. Stattdessen berichtete der Film aus der Sicht der Haie. Ich kam ins Grübeln. In dem Film sagte ein Experte: „Wir wissen viel zu wenig über Haie.“

Der Erzähler erklärte, dass Haie Menschen selten angreifen, wenn die Menschen sie nicht provoziert haben. Ich las darauf im Internet, dass das Risiko, durch einen Hai-Angriff zu sterben, nicht so hoch ist, wie auf dem Weg zum Meer durch einen Autounfall.

Das Problem ist aber, dass Haie eine schlechte Lobby haben. In dem Film „Der weiße Hai“ hat der Hai nur schlechte Eigenschaften und sieht sehr künstlich aus. Wenn irgendwelche Meeresbewohner Menschen retten, sind es Delfine. Hingegen lese ich nie, dass Haie Menschen retten oder dass Delfine Menschen angreifen. Wenn Steven Spielberg den Film „Der weiße Delfin“ gedreht hätte, dann wäre nun der Delfin der gnadenlose Killer.

Dadurch wirkt der Hai viel böser, als er ist. Das ist wie mit den Reisebussen. Man hört immer nur, wenn ein Reisebus verunglückt, aber nie, wenn ein Reisebus ohne Unfall sein Ziel erreicht. Es ist spektakulärer Haie zu zeigen, die Menschen angreifen, als Haie, die keine Menschen angreifen und einfach nur durchs Meer schwimmen.

Zumal die Haie sehr primitive Tötungswerkzeuge haben, nämlich Zähne. Elegante Harpunen haben nur Menschen. Dadurch wirkt ein Hai-Tod weniger grausam als ein Menschen-Tod. Der Film machte außerdem klar, dass die Haie nur im Wasser angreifen, also sozusagen im Hai-Zuhause. Das Hai-Zuhause ist nicht das Zuhause des Menschen. Er ist im Wasser nur zu Gast.

Der Film kam zu dem Ergebnis, dass nicht der Hai die größte Gefahr für den Menschen ist, sondern der Mensch die größte Gefahr für den Hai. Jedes Jahr sterben tausende von Haien, weil Fischer sie töten oder weil sie in Netzen stecken bleiben, die die Küstenwache zum Schutz vor den Haien im Meer ausgelegt hat.

Dabei wäre es doch so einfach: Der Mensch bleibt an Land, der Hai bleibt im Wasser. Der Hai hat damit kein Problem, der Mensch hingegen schon. Er findet ständig neue Gründe, warum er unbedingt ins Wasser muss, zum Beispiel Spaß und Geld verdienen. Dabei kann er das an Land doch auch.

Ich wollte wirklich nicht über Politik sprechen.

Dieser Text ist Teil meiner Kolumne "About a Boy", die jeden Freitag bei RP Online erscheint. Mehr Folgen gibt es hier.

07:58 27.07.2009
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