Merkel und Steinmeier – die Telefonaffäre (5)

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In dieser Woche lasse ich Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier jeden Abend miteinander telefonieren. In der fünften Folge erwischt der Außenminister die Kanzlerin mit einem anderen und spricht mit Merkels Mann.

Angela Merkels Handy klingelt.

Angela Merkel: Ja, Merkel.
Frank-Walter Steinmeier: Hallo Frau Merkel, ich bin’s.
Merkel: Oh, Herr Steinmeier. Sie wissen ja, das wird ein teures Gespräch für uns beide.
Steinmeier: Wieso?
Merkel: Na ich bin doch in Pittsburgh beim Weltfinanzgipfel. Hi hi.
Steinmeier: Warum kichern Sie denn?
Merkel: Ich kicher doch gar nicht.
Steinmeier: Was steht denn an beim Weltfinanzgipfel?
Merkel: Ach, wir Europäer tun so, als seien wir für eine Beschränkung der Boni, dann sagt Obama ‚Nix da‘ und dann fahren wir wieder nach Hause und alle sind glücklich. Hi hi.
Steinmeier: Jetzt haben Sie aber gekichert.
Merkel: Ich darf doch wohl mal kichern dürfen. Es gibt ja sonst nichts zu lachen.
Steinmeier: Vielleicht nehmen Sie die Sache mit den Boni mal ein wenig ernster.
Merkel: Sie wissen doch, von wem wir die meisten Spenden… Peer, jetzt hör doch mal auf mich zu kitzeln. Ich muss noch kurz mit Herrn Steinmeier sprechen.
Steinmeier: Haben Sie da gerade mit Peer Steinbrück gesprochen?
Merkel: Wie kommen Sie denn darauf?
Steinmeier: Ich weiß doch, dass er mitgeflogen ist.
Merkel: Nun ja, wir waren gerade in einer Besprechung, als Sie anriefen.
Steinmeier: In einer Besprechung, in der Herr Steinbrück Sie kitzelt?
Merkel: Tja.
Steinmeier: Und außerdem duzen Sie ihn, während Sie mich weiter siezen.
Merkel: Ähm… wir müssten dann auch mal weitermachen… Peer, jetzt hör doch mal auf… ja du darfst gleich wieder das Kommunistische Manifest brüllen.
Steinmeier: Ach und brüllen darf er auch für Sie? Ich habe schon verstanden. Schön, dass sie sich so gut verstehen, er wird ja vermutlich Ihr neuer Finanzminister.
Merkel: Er ist doch schon mein Finanzminister.
Steinmeier: Schönen Abend noch.
Merkel: Seien Sie doch nicht gleich eingeschnappt.
Steinmeier: tuuut, tuuut, tuuut.
Merkel: Herr Steinmeier, haben Sie gerade ein Telefon imitiert?

Steinmeier legt auf und sitzt eine Weile vor dem Telefon. Dann sagt er: „Was die kann, kann ich schon lange.“ Er wählt eine Nummer.

Joachim Sauer: Ja.
Steinmeier: Herr Sauer, sind Sie das?
Sauer: Ja. Frau Merkel ist nicht da. Ich glaube, Sie ist in Sydney.
Steinmeier: Ich möchte nicht mit Frau Merkel sprechen.
Sauer: Sonst wohnt hier aber niemand.
Steinmeier: Doch, Sie.
Sauer: Achso, stimmt.

(Stille)

Steinmeier: Herr Sauer?
Sauer: Ja.
Steinmeier: Ich wollte mit Ihnen sprechen.
Sauer: Achso.

(Stille)

Steinmeier: Wollen Sie nicht wissen, warum?
Sauer: Nein.
Steinmeier: Ich wollte Sie fragen, ob wir nicht Freunde werden wollen.
Sauer: Achso.

(Stille)

Steinmeier: Nun, wollen Sie?
Sauer: Nein.
Steinmeier: Aber überlegen Sie doch mal. Ich bin Außenminister, ich habe Macht.
Sauer: Meine Frau ist mächtiger. Habe ich gehört. Und Sie haben ab nächster Woche keine Macht mehr.
Steinmeier: Mist! Aber in dieser Woche bin ich es noch. Ich könnte Sie von meinem Fahrer abholen lassen. Wir könnten pokern.
Sauer: Ich denke nicht.
Steinmeier: Nur dieses eine Spiel.
Sauer: Ab nächster Woche spiele ich sowieso mit Westerwelle.
Steinmeier: Da haben Sie Recht.
Sauer: Selbstverständlich.
Steinmeier: Darf ich Sie noch etwas fragen?
Sauer: Ja.
Steinmeier: Hat Frau Merkel Ihnen gegenüber erwähnt, dass sie mich duzen möchte?
Sauer: Einmal sagte sie: Bevor ich Steinmeier duze, esse ich ihn lieber auf.
Steinmeier: Oh.
Sauer: Darf ich Sie etwas fragen?
Steinmeier: Ja.
Sauer: Welches Amt übt Frau Merkel eigentlich in der Regierung aus?
Steinmeier: Ähm… Bundeskanzlerin.
Sauer: Also doch. Danke und Gute Nacht.
Steinmeier: Gute Nacht.

Dieser Text ist Teil meiner Kolumne "About a Boy", die bei RP Online erscheint. Mehr Folgen gibt es hier.

07:08 25.09.2009
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