So jung kommen wir immer zusammen

Satire Die Drei Fragezeichen wollen endlich älter werden. Doch die Verantwortlichen haben was dagegen.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
So jung kommen wir immer zusammen

Foto: Topical Press Agency/ AFP/ Getty Images

Der Junge mit dem Gesicht des Zwiebackpackung-Kindes beugt sich herüber und zeigt auf seine Wange. „Hier, sehen Sie… Sie müssen schon genau hingucken!“ Und tatsächlich: Barthaare. Wenn auch bloß ein paar. „Wissen Sie, wie lange ich dafür gebraucht habe? Mindestens drei Wochen. Wenn ich Pech habe, sind sie morgen wieder weg, weil ich mich im Schlaf gewälzt habe.“

Justus Jonas könnte der glücklichste Teenager der Welt sein. Er ist klug, er lebt im sonnigen Kalifornien und er ist zusammen mit seinen beiden Freunden Peter Shaw und Bob Andrews Hauptdarsteller der erfolgreichen Detektivserie „Die Drei Fragezeichen“. Über 160 Fälle hat das Trio bereits gelöst und es damit in Deutschland zu Weltruhm gebracht. Doch glücklich ist Justus schon lange nicht mehr. „Ich möchte endlich älter werden“, sagt er, „aber die Verantwortlichen bei der Produktionsfirma lassen mich nicht.“ Er wisse selbst nicht genau, wie alt er sei. Auto fahren dürfe er zwar schon, das ist in den USA bereits mit 16 gestattet, aber zur Schule müsse er noch immer gehen. „Ich kann dieses Gebäude nicht mehr sehen“, klagt er. „Seit 30 Jahren betrete ich diese Schule, werde am Ende jedes Schuljahres versetzt und habe doch noch immer keinen Abschluss.“ Auch auf seiner Wunschliste: ein Bart, eine eigene Wohnung und ein Bier in der Kneipe bestellen. „Ich verlange nur, mich wie ein ganz normaler Mensch entwickeln zu dürfen.“

Seine beiden Detektivkollegen stimmen ihm zu. Bob Andrews stört vor allem, dass er zwar häufig mit Frauen anbandelt, bis auf ein bisschen Flirten aber nichts mit ihnen läuft. Weil die Serienmacher das nicht für angemessen halten. Peter Shaw wird in seiner Kritik grundsätzlicher: „Das Problem ist, dass viele Hörer längst Erwachsene sind. Die wollen mit den Kassetten zurück in ihre Kindheit. Und in der soll sich nichts ändern. Auch wir nicht. Nicht das Alter und nicht der Charakter. Ich bin seit 30 Jahren der Typ, der bei jeder Gefahr das große Zittern bekommt. Allmählich reicht es mir.“

Justus pflichtet ihm bei. „Ich würde mal gerne ein paar Kilo abnehmen, aber nein, ich muss das Pummelchen bleiben, das zwar schlau ist, bei Frauen aber keine Chance hat.“ Sie hätten ja schon mit den Verantwortlichen gesprochen, seien aber auf wenig Verständnis gestoßen. Seid doch froh, ihr habt ständig Sommerferien, habe einer sogar gesagt.

Weil sich die drei Ermittler damit nicht zufrieden geben wollen, haben sie Kontakt mit Tarzan von der TKKG-Bande aufgenommen. „Eigentlich ist der unter unserem Niveau, weil er so ziemlich jedes Problem mit Gewalt löst“, sagt Justus, „Aber wir wussten uns nicht anders zu helfen.“ Tarzan, seit jeher ein Kämpfer für die Gerechtigkeit, hat Hilfe versprochen. Wie die aussehen soll? „Nun ja“, sagt Justus, „er kann Judo, vergessen Sie das nicht. Seine Kampfbilanz ist sagenhaft.“ Mit so ein paar Hörspielproduzenten werde der locker fertig. „Am besten, Sie melden sich in ein paar Wochen noch mal, dann wissen wir mehr. Unsere Kontaktdaten haben Sie, oder?“ Der Reporter der Wahrheit schüttelt den Kopf. „Bitte, zwingen Sie mich nicht, es schon wieder zu tun…“, sagt Justus, seufzt und zieht etwas aus seiner Hosentasche. „Hier ist unsere Karte.“

11:20 19.07.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare