Kommentare von Sebastian Puschner

Sebastian Puschner 12.06.2016 | 17:43

Warum nicht bei den Fakten bleiben, Philipp9x?

Dass sein Deutsch nicht gut genug sei, das war die subjektive Einschätzung von Lehrern und potentiellen Ausbildungsbetrieben. Er hat sie per bestandener Prüfungen praktisch Lügen gestraft.

125 Euro im Monat bekommt er nach Abzug dessen, was an das Jugendamt geht, diverse staatliche Leistungen wie z.B. Wohnungskosten muss er davon nicht mehr decken. Außerdem geht es hier nicht um einen Lohn, sondern um die Ausbildungsvergütung, in Bayern für die Branche durchschnittlich 713 Euro im ersten, 804 im zweiten und 896 im dritten Ausbildungsjahr. Ich stimme sofort zu: Ausbildungsvergütungen gehören Berufs-übergreifend massiv erhöht. Die duale Ausbildung ist aber eben ein Ausbildungs- und kein alleiniges Arbeitsverhältnis. Vereinfacht gesagt: Es gibt keine dicke Kohle, aber einen Abschluss, der etwas wert ist und vor gewissen Ausbeutungsverhältnissen schützen kann.

Und ja, nennen Sie es naiv, neoliberal, konservativ oder wie auch immer: Dass es sehr "vernünftig" sein kann, eine Ausbildung zu absolvieren, das unterschreibe ich uneingeschränkt. Es ist in diesem Sinne ebenso vernünftig, junge Geflüchtete in den Ausbildungsmarkt zu integrieren anstatt Sie in Ein-Euro-Jobs, Leiharbeit und andere Segmente des Niedriglohnsektors bzw. in gänzlich unregulierte und kaum statistisch erfasste Sphären des Arbeitsmarktes zu schicken.

Im Übrigen läuft das mit der berufsschulischen Bildung für junge Geflüchtete gerade in Bayern durchaus beachtlich: Das dortige Bildungsministerium hat schon 2011 die Berufsschulpflicht für Flüchtlinge und Asylbewerber bis 21, auf Antrag sogar bis 25 Jahre anerkannt und zieht das Programm der Berufsintegrationsklassen, die in zwei Jahren Sprach-, Berufsvorkenntnisse und somit Ausbildungsreife vermitteln sollen, immer größer auf, da natürlich der Bedarf, sprich: die Zahl der jungen Geflüchteten, enorm gestiegen ist.

Es ist nicht immer alles schwarz-weiß.

Sebastian Puschner 10.06.2016 | 20:45

Liebe_r Mccormick,

bei aller berechtigten Kritik an die "Flexibilisierung" des deutschen Arbeitsmarktes, an der politisch gewollten Schöpfung eines riesigen Niedriglohnsektors, an den weithin schlechten Beschäftigungsbedingungen in der Gastro – die duale Ausbildung in Deutschland ist eine Errungenschaft, ob Ihnen das nun gefällt oder nicht. Alle entsprechenden Erhebungen zeigen: Wer eine Ausbildung absolviert, der kann Arbeitgebern sehr viel anders gegenübertreten als Ungelernte, selbstbewusster, mit aussichtsreicheren Forderungen auf höhere Bezahlung, arbeitsrechtlichen Schutz, überhaupt auf ein sozialversicherungspflichtiges, unbefristetes Beschäftigungsverhältnis. Nicht zuletzt haben Gewerkschaft hier noch einen vergleichsweise leichten Zugang, um Menschen zu organisieren, um sie zur Mitgliedschaft zu bewegen. Zahlreiche kampfkräftige Ausbildungsvertretungen und junge Betriebsräte zeugen davon.
Ob Reza A. schon Mitglied einer Gewerkschaft ist? Ich weiß es nicht, vermute: Nein. Es gibt eben im Konkreten wie im Allgemeinen noch viel zu tun. Jungen Geflüchteten aber zuvorderst Zugang zur dualen Ausbildung zu verschaffen, das halte ich für zutiefst sinnvoll. Eine Ausbildung ist noch der beste Schutz vor Ausbeutung via Tagelöhnerei, Niedriglohnsektor und Leiharbeit – und inzwischen ja auch Abschiebung, vgl. die 3+2-Regelung.
Ich habe vor kurzem eine überaus engagierte Mitarbeiterin der IHK Schwaben kennenlernen dürfen, die Tag und Nacht für die Ausbildungsmarktintegration junger Geflüchteter arbeitet und durfte dabei auch einmal mehr lernen, dass Arbeitgeber und Unternehmer eben nicht immer "die bösen Ausbeuter" sind, ich weiß schon: Sie halten das für zutiefst naiv, und Angela Merkel hat alle Flüchtlinge sowieso nur "eingeladen", damit deutsche Arbeitgeber noch hemungsloser ausbeuten können usw. usw.... Aber mit schwarz-weiß-Brille sieht man eben nicht die Unternehmer, die auch Bürger sind, die einen Flüchtling in die Ausbildung nehmen, obwohl sie bisher befürchten mussten, dass er morgen abgeschoben wird und das Unternehmen mit einem unbesetzten Ausbildungsplatz dasteht: https://www.freitag.de/autoren/sebastianpuschner/ein-gespuer-fuers-matching
Dass, andererseits, die Ausbildungsvergütungen in vielen Branchen sehr viel höher sein sollten und müssten als sie sind, das ist freilich unbestritten.

Beste Grüße, S.P.

Sebastian Puschner 19.05.2016 | 18:51

Ich verstehe Sie nicht. Der ganze Text dreht sich doch darum, dass der Abschluss zwar allenthalben als großer Erfolg gefeiert wird, es aber eigentlich nicht ist. Und wenn ich in Bezug auf die Reallohnsteigerung nochmal die 4,8 Prozent erwähne, dann heißt das einfach: Am Ende der 21 Monate werden die Beschäftigten tatsächlich ein nicht viel kleineres Plus von 4,8 Prozent auf dem Konto haben – vorausgesetzt, die Inflation bleibt so niedrig wie derzeit, was ja durchaus nicht unwahrscheinlich ist... Für die Metaller ist der Abschluss in der Tat nicht so schlecht, aber gesamtwirtschaftlich gdeacht müsste er eben viel, viel höher sein. Fünf Prozent auf 12 Monate etwa, wie geschrieben. Der revolutionäre Klang indessen bezieht sich ja auf dort, wo wir herkommen: 15 Jahre devoter Lohnzurückhaltung.

Sebastian Puschner 11.03.2016 | 12:28

Sehr geehrtes Nordlicht,

wer hätte wohl noch 1835 bei 40 km/h im Zug zwischen Nürnberg und Fürth sich vorzustellen vermocht, in gar nicht allzu ferner Zeit mit noch viel höherer Geschwindigkeit mit der Eisenbahn von Hamburg nach London zu reisen? Doch selbst wenn es heute nicht gelingen sollte, die Grenzen des chemisch heute vorstell- und machbaren zu sprengen – es spricht ja nichts gegen eine Mobilitätswelt, in der das elektrische Automobil die Kurz- und andere, emmissionsfreie oder -arme Fortbewegungsmittel die Langstrecke bedienen.

Beste Grüße,

S.P.

Sebastian Puschner 03.03.2016 | 15:43

Hier die entsprechende Stelle:

"Gefährliches Meth der Amateurköche

Die Intuition sagt einem, dass Gott oder die Natur schon wissen werden, warum sie den Mohn und den Hanf wachsen lassen, dass aber so schlimmes Zeugs wie Crystal Meth seine Existenz keiner Naturwüchsigkeit verdankt – es ist übles Menschenwerk und sollte so behandelt werden wie andere üble Menschenwerke, Mord, Diebstahl, Betrug. Man muss es verbieten. Man soll es, anders als die Drogen, die eh in der Welt sind, nicht legalisieren, man darf es gar nicht erst herstellen.

Das Dumme ist nur, das Crystal Meth ja verboten ist. Und gleichzeitig immer populärer wird. Und weil die Produktion nicht kontrolliert wird, fließen die giftigen Rückstände der Crystal-Meth-Küchen ins Abwasser, und niemand hindert Amateure daran, mit ihrem Amateurkönnen sehr schlechtes, unreines Crystal Meth zu kochen, was für den, der es dann raucht, eine Lebensgefahr bedeuten kann.

Es wird der Gesellschaft also nichts anderes übrigbleiben, als auch die unsympathische Droge Methamphetamin zu legalisieren, damit Produktion, Vertrieb, Konsum kontrolliert werden können. Und man ist versucht zu sagen, dass damals, als die Droge unter dem Namen Pervitin erst frei und dann auf Rezept relativ leicht erhältlich war, davon die Welt auch nicht untergegangen ist.

Nur ist sie eben untergegangen, weil Pervitin die Droge war, welche die Soldaten der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg enthemmte und antrieb. Ach, es ist kompliziert: Muss man Diesel verbieten, weil es die Panzer der Wehrmacht angetrieben hat?"

Hier nochmal der Artikel-Link.

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