Kommentare von Sebastian Puschner

Sebastian Puschner 24.06.2017 | 18:51

"Und ich gedenke das so lange beizubehalten, wie es keine Alternative zum „Parteienkartell aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNE“ gibt."

Abgesehen von der Terminologie des Kartells, die ich in diesem Zusammengang für suboptimal halte, finde ich diesen Satz inkonsistent, weil Sie von CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNEN schreiben, und dann folgern, es gäbe für Sie keine Alternative, also gehen Sie nicht wählen. Nicht soviel die Übermacht der Akteure in einem "Zusammspiel", zweifelsohne ein solches, reproduzieren, wäre mein Rat. Das reproduziert nur TINA.

Sebastian Puschner 08.06.2017 | 18:39

"Immerhin gar nicht so schlecht" finde ich die Einbeziehung Selbstständiger in die Gesetzliche, eine Solidarrente und das Eingeständnis, dass die Umlagefinanzierung ohne "Demographiezuschuss" des Bundes, wie es die SPD nennt, weiter unter Druck geraten wird. Wobei sich letzterer eben auch etwa durch die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze ersetzen ließe, zweitere viel höher sein und nicht nur für "langjährig Beschäftigte" ohne Erwerbsbiohraphiebrüche gelten müsste und erstere sowieso alle in ein öffentliches System ohne teilprivatisierten Dimensionen zusammenführen sollte.

Etwas anderes übrigens, ohne dass das jetzt hier in den Kommentaren dezidiert zum Ausdruck gekommen wäre: den "wir-kriegen-eh-keine-Rente"-Narrativ finde ich suboptimal, weil unpolitisch. Es mag ein lange, schwerer Weg sein, aber der Kampf um eine für alle würdige Rente ist zu wichtig, um ihn per Selbstaufgabe dem oberen Prozent zu überlassen.

Beste Grüße,

S.P.

Sebastian Puschner 18.05.2017 | 11:54

Guten Tag,

erstens: ich stelle nicht B90/Die Grünen als alleinige Initiatoren des Ausschusses dar, gleich im ersten Satz steht ja: "Die Opposition hatte im Bundestag gerade den Cum-Ex-Untersuchungsausschuss beantragt..."

Zweitens: meine Kritik bezieht sich auf die quantiative und v.a. qualitative Nutzung des Fragerechts bei den Zeugenbefragungen. In den letzten Fragerunden war es leider häufig so, dass alle Fraktionen verzichteten, bis B90/Die Grünen an der Reihe waren und somit nur deren Obmann Schick nachbohrte bis zum letzten. Meines Erachtens nach sagt das etwas darüber aus, wie intensiv man sich auf die Befragungen in dieser hochkomplexen Materie vorbereitet hat bzw. sich vorzubereiten im Stande war, wieviel Zuarbeit also etwa die Obleute erfahren haben.

Drittens: die "großen und richtigen finanzpolitischen Slogans" sind nicht im Sinne einer inhaltlichen Herabwürdigung gemeint, ganz im Gegenteil. Ich stimme dem letzten Absatz dieses FAZ-Textes zu: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/kommentar-der-grosse-steuerbetrug-15014510.html

Beste Grüße,

S.P.

Sebastian Puschner 12.06.2016 | 17:43

Warum nicht bei den Fakten bleiben, Philipp9x?

Dass sein Deutsch nicht gut genug sei, das war die subjektive Einschätzung von Lehrern und potentiellen Ausbildungsbetrieben. Er hat sie per bestandener Prüfungen praktisch Lügen gestraft.

125 Euro im Monat bekommt er nach Abzug dessen, was an das Jugendamt geht, diverse staatliche Leistungen wie z.B. Wohnungskosten muss er davon nicht mehr decken. Außerdem geht es hier nicht um einen Lohn, sondern um die Ausbildungsvergütung, in Bayern für die Branche durchschnittlich 713 Euro im ersten, 804 im zweiten und 896 im dritten Ausbildungsjahr. Ich stimme sofort zu: Ausbildungsvergütungen gehören Berufs-übergreifend massiv erhöht. Die duale Ausbildung ist aber eben ein Ausbildungs- und kein alleiniges Arbeitsverhältnis. Vereinfacht gesagt: Es gibt keine dicke Kohle, aber einen Abschluss, der etwas wert ist und vor gewissen Ausbeutungsverhältnissen schützen kann.

Und ja, nennen Sie es naiv, neoliberal, konservativ oder wie auch immer: Dass es sehr "vernünftig" sein kann, eine Ausbildung zu absolvieren, das unterschreibe ich uneingeschränkt. Es ist in diesem Sinne ebenso vernünftig, junge Geflüchtete in den Ausbildungsmarkt zu integrieren anstatt Sie in Ein-Euro-Jobs, Leiharbeit und andere Segmente des Niedriglohnsektors bzw. in gänzlich unregulierte und kaum statistisch erfasste Sphären des Arbeitsmarktes zu schicken.

Im Übrigen läuft das mit der berufsschulischen Bildung für junge Geflüchtete gerade in Bayern durchaus beachtlich: Das dortige Bildungsministerium hat schon 2011 die Berufsschulpflicht für Flüchtlinge und Asylbewerber bis 21, auf Antrag sogar bis 25 Jahre anerkannt und zieht das Programm der Berufsintegrationsklassen, die in zwei Jahren Sprach-, Berufsvorkenntnisse und somit Ausbildungsreife vermitteln sollen, immer größer auf, da natürlich der Bedarf, sprich: die Zahl der jungen Geflüchteten, enorm gestiegen ist.

Es ist nicht immer alles schwarz-weiß.

Sebastian Puschner 10.06.2016 | 20:45

Liebe_r Mccormick,

bei aller berechtigten Kritik an die "Flexibilisierung" des deutschen Arbeitsmarktes, an der politisch gewollten Schöpfung eines riesigen Niedriglohnsektors, an den weithin schlechten Beschäftigungsbedingungen in der Gastro – die duale Ausbildung in Deutschland ist eine Errungenschaft, ob Ihnen das nun gefällt oder nicht. Alle entsprechenden Erhebungen zeigen: Wer eine Ausbildung absolviert, der kann Arbeitgebern sehr viel anders gegenübertreten als Ungelernte, selbstbewusster, mit aussichtsreicheren Forderungen auf höhere Bezahlung, arbeitsrechtlichen Schutz, überhaupt auf ein sozialversicherungspflichtiges, unbefristetes Beschäftigungsverhältnis. Nicht zuletzt haben Gewerkschaft hier noch einen vergleichsweise leichten Zugang, um Menschen zu organisieren, um sie zur Mitgliedschaft zu bewegen. Zahlreiche kampfkräftige Ausbildungsvertretungen und junge Betriebsräte zeugen davon.
Ob Reza A. schon Mitglied einer Gewerkschaft ist? Ich weiß es nicht, vermute: Nein. Es gibt eben im Konkreten wie im Allgemeinen noch viel zu tun. Jungen Geflüchteten aber zuvorderst Zugang zur dualen Ausbildung zu verschaffen, das halte ich für zutiefst sinnvoll. Eine Ausbildung ist noch der beste Schutz vor Ausbeutung via Tagelöhnerei, Niedriglohnsektor und Leiharbeit – und inzwischen ja auch Abschiebung, vgl. die 3+2-Regelung.
Ich habe vor kurzem eine überaus engagierte Mitarbeiterin der IHK Schwaben kennenlernen dürfen, die Tag und Nacht für die Ausbildungsmarktintegration junger Geflüchteter arbeitet und durfte dabei auch einmal mehr lernen, dass Arbeitgeber und Unternehmer eben nicht immer "die bösen Ausbeuter" sind, ich weiß schon: Sie halten das für zutiefst naiv, und Angela Merkel hat alle Flüchtlinge sowieso nur "eingeladen", damit deutsche Arbeitgeber noch hemungsloser ausbeuten können usw. usw.... Aber mit schwarz-weiß-Brille sieht man eben nicht die Unternehmer, die auch Bürger sind, die einen Flüchtling in die Ausbildung nehmen, obwohl sie bisher befürchten mussten, dass er morgen abgeschoben wird und das Unternehmen mit einem unbesetzten Ausbildungsplatz dasteht: https://www.freitag.de/autoren/sebastianpuschner/ein-gespuer-fuers-matching
Dass, andererseits, die Ausbildungsvergütungen in vielen Branchen sehr viel höher sein sollten und müssten als sie sind, das ist freilich unbestritten.

Beste Grüße, S.P.

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