Deo gratias

Werbekritik Aus dem südafrikanischen Fernsehen wurde ein Deo-Spot verbannt, weil sich ein Christ von wollüstigen Engeln in seinen Gefühlen verletzt fühlte. Eine gute Seite hat das

Der Deodorant-Hersteller Axe hat den Einfluss südafrikanischer Christen unterschätzt, als er sich entschied, sein Produkt mit Engeln zu bewerben. Drei Viertel der rund 44 Millionen Südafrikaner sind Christen. Für die Verbannung eines Werbespots aus dem Fernsehen reichte die Beschwerde von einem: Weil der sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt fühlte, verbot die zuständige Aufsichtsbehörde den Axe-Spot. Begründung: „Darin sind Engel zu sehen, die ihren himmlischen Rang allein für irdisches Begehren aufgeben.“

Das blasphemischen Filmchen erfüllt alle naheliegenden Erwartungen an die Werbung für ein Männerdeo: Bewohner einer italienischen Kleinstadt schrecken auf, weil plötzlich junge Frauen mit Heiligenschein und großen Flügeln krachend vom Himmel fallen; natürlich sind ihre Haare allesamt wallend lang, ihre Kleider ultrakurz. Magisch angezogen streben die Engel auf einen dunkelhaarigen Jüngling zu, der seinen schlanken Körper gerade auf eine Vespa schwingen will. Die Engel schließen ihre bis dahin lasziv leicht­geöffneten Münder und nehmen ihre Heiligenscheine ab, um sie auf dem Straßenbeton zerschellen zu lassen. „Axe bringt sogar Engel zu Fall“, heißt es im Abspann.

Dass nun die Christen den Spot zu Fall gebracht haben, ist in Ordnung – auch für Agnostiker. Denn zum einen verschwindet so wenigstens ein bisschen billige Klischee-Drescherei aus dem Fernsehen. Und zum anderen riecht Axe eh unangenehm nach Amateur-Fußballern, die zu faul zum Duschen waren.

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14:01 10.11.2011
Geschrieben von

Sebastian Puschner

stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter Politik
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Ausgabe 42/2021

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