Sebastian Puschner
Ausgabe 1417 | 07.04.2017 | 06:00 13

Der Staat muss ran

Managergehälter Deutsche Vorstandschefs verdienen um bis zu 190-mal mehr als ihre Belegschaft. Die schwarz-rote Bundesregierung wird an derartigen Gefällen nichts mehr ändern

Der Staat muss ran

Ist Bernd Scheifele 190-fach so gut wie alle anderen?

Foto: DeFodi/Imago

Mit Zement lässt sich Asche machen. 706 Millionen Euro Überschuss hat HeidelbergCement, weltweit die Nummer zwei in diesem Markt, 2016 erzielt. Der Chef kommt dabei besonders gut weg: Bernd Scheifele bringt es auf das 190-Fache des durchschnittlichen Verdienstes eines Beschäftigten in seiner Firma – in keinem anderen deutschen Unternehmen war die Differenz 2016 größer, gleichwohl liegt sie im Trend. Verdiente 2005 ein Dax-Vorstand noch 42-mal so viel wie ein Beschäftigter, war es 2014 das 57-Fache. Doch es lohnt nicht, auf die angebliche Gier deutscher Manager zu schimpfen. Vielmehr verhält es sich mit dieser Dimension der Ungleichheit hierzulande wie mit ihren zahlreichen anderen Dimensionen: Sie sind allesamt Folgen grundsätzlicher politischer Weichenstellungen, die fast niemand ernsthaft wieder rückgängig zu machen gedenkt.

Nicht über Gehaltsexzesse im zweistelligen Millionenbereich an sich ist zu reden, sondern vor allem über die, die sie mit ermöglichen oder aber ihnen machtlos gegenüberstehen: die Gewerkschaften. Ausdruck ihrer Machtlosigkeit ist die gerade veröffentlichte Erklärung von sechs IG-Metall-Mitgliedern, die etwa bei VW, Siemens und Daimler im Aufsichtsrat sitzen und so mit an Entscheidungen zur Vorstandsvergütung beteiligt sind: „Wir fordern, dass der Aufsichtsrat dazu verpflichtet wird, verbindliche, unternehmensspezifische Obergrenzen für die Gesamtvergütung von Vorständen festzulegen“, ausgerichtet am „durchschnittlichen Entgelt der Beschäftigten“.

Ähnliches hatte vor kurzem die SPD auf die Agenda der Großen Koalition gesetzt – dass es mit der Union nicht zu machen sein würde, war da schon klar. Inzwischen ist es amtlich. Die „Vertragsfreiheit“ führen die Konservativen stets ins Feld, in die die Politik nicht zu stark eingreifen dürfe. Mit anderen Worten: Der Markt geht vor, der Staat hat nichts zu melden.

Ohne stärkere Eingriffe der öffentlichen Hand aber werden Urteile über Deutschland auch in Zukunft so ausfallen wie das jüngste der EU-Kommission: Die günstige Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung sei nicht bei allen gleichermaßen angekommen. Der Staat muss ran und schlichtweg den einen mehr wegnehmen, den anderen mehr geben. Das gilt für die Einkommen, für die Vermögen und gerade auch für Wohnraum und für vieles andere.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 14/17.

Kommentare (13)

gelse 07.04.2017 | 08:09

Grundlage ist das Prinzip:
Geld -> investieren -> Geld‘ –> investieren -> Geld‘‘ -> investieren -> Geld‘‘‘ -> usw.

Dieses System setzt Geld so ein, dass es mehr Geld einbringt. Dazu gehören selbstverständlich motivierende Gehälter für Manager: Je mehr sie vom Kuchen abbekommen, desto mehr bemühen sie sich darum, dass er möglichst gross wird.
Es wird immer wieder mal propagiert, Profitnehmer sollten die Gehälter an der Spitze der Profitgeberhierarchie begrenzen. Warum sollten sie sich darauf einlassen?
Das oben beschriebene Prinzip dient der Mehrung des privaten Reichtums. Besitzer des Reichtums werden von der Kritik sorgfältigst ausgenommen, weil quasi göttlich.
Die alle paar Jahre wieder mal aufgekochte Diskussion um die Managergehälter, die zuverlässig am geheiligten Prinzipe des Privatprofitscheffelns zerschellt, ist also nichts anderes als eine Ablenkungsdebatte.

Maria Franic 07.04.2017 | 10:13

Der Staat wird nichts daran ändern. Uns sagt man immer, der Markt würde es richten. Ist eben alles leistungsgerecht, sagt man uns. Pech für Altenpfleger/innen, Krankenhauspersonal und die ganzen echten Leistungsträger, die in dem Spiel keine Rolle spielen. Ich habe mich mit einer der Altenpflegerinnen unterhalten, die meine Mutter so aufopfernd und liebevoll betreut hatten. Sie sagte mir, sie hätte seit 6 Jahren keine Gehaltserhöhung bekommen. Das ist Deutschland, oben wird abkassiert und unten können die Leute sehen, wo sie bleiben.

G.A. 07.04.2017 | 17:33

Ich verstehe die Diskussion um Managergehälter überhaupt nicht.

Es handelt sich um kapitalistische Gesellschaften, die das Ziel haben maximalen Profit zu generieren.

Dabei ist mir völlig egal, welcher Teil des erwirtschafteten Gewinns an die Anteilseigner beziehungsweise an das Management geht, welches in der Regel auch Anteilseigner ist.

Es wäre eine ganz andere Sache, wenn über einen höheren Beitrag der Unternehmen an die Gesellschaft diskutiert würde. Das käme dann indirekt der Belegschaft zugute und würde auch automatisch die Managergehälter reduzieren.

Ich kann auch keine Machtlosigkeit von sechs IG-Metall-Mitgliedern erkennen, wohl aber dass die Gewerkschaft als Ganzes ihre Macht zu wenig nutzt, warum auch immer…

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Ehemaliger Nutzer 11.04.2017 | 20:48

Ich habe prinzipiell kein Problem mit einer guten Bezahlung von Managern. Solange sie ihren Job gut machen, sollen sie meinetwegen Millionen verdienen. Im deutschen Mittelstand bewegen sich die Vorstandsgehälter in normalen Dimensionen.

Problematisch wird es aus meiner Sicht, wenn Menschen wie Winterkorn & Co. die Karren in den Dreck ziehen, sich als millionenfache Betrüger am Kunden entpuppen und dann auch noch für den Abgang fürstlich entlohnt werden. Da läuft etwas gründlich schief.

In solchen Situationen ist der Staat(sanwalt) gefordert!

Nicht bei der Gehaltshöhe.

gelse 12.04.2017 | 05:01

>>Problematisch wird es aus meiner Sicht, wenn Menschen wie Winterkorn & Co. die Karren in den Dreck ziehen…<<

Abgasnormen, unter anderem, werden via KorruptionParteispenden geregelt. Ein allzu auffälliger Fall wurde 2013 mal öffentlich diskutiert.*
Im Allgemeinen ist das kein Thema.
Winterkörner werden natürlich auch dafür belohnt, dass sie den Volkszorn auf sich nehmen um das Eigentümerinteresse zu schützen, wenn mal was schiefgeht.

* http://www.spiegel.de/politik/deutschland/union-erhaelt-riesenspende-von-bmw-eignern-klatten-und-quandt-a-927871.html

https://www.lobbycontrol.de/2013/10/grossspenden-der-bmw-grossaktionaere-quandtklatten/

gelse 12.04.2017 | 05:02

>>Problematisch wird es aus meiner Sicht, wenn Menschen wie Winterkorn & Co. die Karren in den Dreck ziehen…<<

Abgasnormen, unter anderem, werden via KorruptionParteispenden geregelt. Ein allzu auffälliger Fall wurde 2013 mal öffentlich diskutiert.*
Im Allgemeinen ist das kein Thema.
Winterkörner werden natürlich auch dafür belohnt, dass sie den Volkszorn auf sich nehmen um das Eigentümerinteresse zu schützen, wenn mal was schiefgeht.

* http://www.spiegel.de/politik/deutschland/union-erhaelt-riesenspende-von-bmw-eignern-klatten-und-quandt-a-927871.html

https://www.lobbycontrol.de/2013/10/grossspenden-der-bmw-grossaktionaere-quandtklatten/

Hjoburg 13.04.2017 | 12:25

Ich würde keine Begrenzung befürworten, statt dessen genauso konsequent alle Einkunftsarten, wie in der Schweiz Prozentual belasten. Wenn jemand der Millionen bekommt, (verdienen kann man diese Summen nicht) sollte eine genauso hohe Abgabenlast haben, wie ein Facharbeiter. Aber sowohl die unsäglichen Beitragsbemessungsgrenzen, und die legalen Steuertricks, sich ganz legal arm zu rechnen, führt dazu, dass heute ein Facharbeiter Prozentual eine höhere Belastung hat, als jemand er Millionen bekommt.

Sikkimoto 20.04.2017 | 00:42

Da wäre ich vorsichtig so zu tun als ob die horrenden Managergehälter so durch Leistung (Mehrung des Kuchens) gerechtfertigt wären.

Was ist ein Manager? Ein Manager übernimmt die Führung eines Betriebes für Eigentümer, die selbst nicht führen wollen. Diese Eigentümer haben idR so viel wirtschaftlichen Sachverstand wie ein Stück Brot. Alles was die wollen ist ein schneidiger Kerl der suggeriert: "Alles ist gut. Dein Geld ist in guten Händen. Ich regel das. Du kannst dich entspannt zurück lehnen". Dieses Gefühl muss ein Manager bedienen können und dieses Gefühl ist den Eigentümern ohne ökonomischen Sachverstand sehr, sehr viel Geld wert. Im Prinzip eignet sich jeder, der die Wesensmerkmale Workaholic und Hochstapler vereint zum Manager.

Bei den Eigentümern geht es in dieser Frage um Existenzängste. Hätten sie den ökonomischen Sachverstand zu beurteilen wer ein geeigneter Manager ist, bräuchten sie keinen - sie könnten das Unternehmen selbst führen. Wenn dann offenkundig absurde Gehaltsforderungen gestellt werden greift ein irrationaler Umkehrschluss: Wer so auftritt, muss sein Geld ja wert sein, denkt sich der Eigentümer und bezahlt. Und wenn er sich hat komplett verarschen lassen mit den lächerlichsten Forderungen am Markt, dann ärgert man sich nicht etwa, sondern freut sich an der Illusion, damit auch den bestmöglichen Mann für den Job gefunden zu haben.

gelse 20.04.2017 | 04:13

>>Da wäre ich vorsichtig so zu tun als ob die horrenden Managergehälter so durch Leistung (Mehrung des Kuchens) gerechtfertigt wären.<<
„Leistung“ ist eine Worthülse ohne Inhalt.* Deswegen habe ich ja die Funktion beschrieben:
>>Dieses System setzt Geld so ein, dass es mehr Geld einbringt. Dazu gehören selbstverständlich motivierende Gehälter für Manager: Je mehr sie vom Kuchen abbekommen, desto mehr bemühen sie sich darum, dass er möglichst gross wird.<<
Dass es auch dort ein paar Blender gibt verwundert nicht weiter: Wo gibt es die nicht?
Aber das ist nicht das Problem.** Das Problem ist das Prinzip, dass Geld Geld bringen muss und mehr Geld noch mehr Geld. Die „Leistung“ für Umwelt, Gesundheit, Weltfrieden ist dabei im besten Falle null, in der Regel ist sie negativ.

>>Ein Manager übernimmt die Führung eines Betriebes für Eigentümer, die selbst nicht führen wollen.<<
Erben können den Laden an den Meistbietenden verhökern und den Erlös in irgendwelche Fonds investieren: Dann richten sie ihre Erwartungen eben an die Fondsmanager. Und die investieren den ihnen anvertrauten Reichtum wiederum in Konzernanteile und richten Profiterwartungen an das Konzernmanagement. Auch hier wieder das Prinzip, dass alles betriebliche Arbeiten der Reichtumsmehrung dient: Kapitalistische Manager sind immer Funktionäre der Reichtumsmehrung. Das Problem ist die Reichtumsmehrung und nicht dass es dafür Funktionäre gibt. Ob ein Eigentümer das Profitscheffeln selber besorgt oder an Funktionäre delegiert ändert nichts am Prinzip G -> G‘ -> G‘‘ -> G‘‘‘

*Eine Leistung könnte auch darin bestehen, dass man irgendwo ein Loch baggert und wieder zuschaufelt.

**Vielleicht sind schlechte Manager, die nicht das Maximum an Profit aus einem Konzern herausholen, für Umwelt, Gesundheit und Weltfrieden günstiger als gute Manager? ;-)