Sebastian Puschner
Ausgabe 0417 | 08.02.2017 | 06:00 10

„Es geht um das eine reichste Prozent“

Interview Ulrich Schneider kämpft als Chef der Paritäter mit Leib und Seele für eine echte Umverteilungspolitik

„Es geht um das eine reichste Prozent“

„Viele zählen vielleicht nicht zu den Armen, sie haben aber richtig Sorge“

Foto: Daniel Seiffert für der Freitag

Mangelnde Präsenz kann man ihm nicht vorwerfen. Seit den 1990er Jahren ist Ulrich Schneider Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Letzterer ist neben AWO, Rotem Kreuz, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, Caritas und Diakonie einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege hierzulande. Schneider kämpft für soziale Gerechtigkeit, gegen Armut und deren Leugnung – in vielen Talkshows, auf Podien wie dem der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung vergangenen November (der Freitag 51/2016), mit Büchern; sein neuestes hat er am Montag mit dem Armutsforscher und Bundespräsidentschaftskandidaten der Linken, Christoph Butterwegge, als Gast in Berlin vorgestellt. Es trägt den Titel Kein Wohlstand für alle!? Wie sich Deutschland selber zerlegt und was wir dagegen tun können.

der Freitag: Herr Schneider, ich bin gerade durch Berlin-Mitte gelaufen, von meinem zu Ihrem Büro. Dabei kam ich durch eine Unterführung mit Matratzen, Schlafsäcken und Menschen, die dort leben. Hat es Vergleichbares vor 30 Jahren gegeben?

Ulrich Schneider: Nein, zumindest insofern nicht, als die Obdachlosigkeit in Deutschland so stark gestiegen ist, um 50 Prozent in den vergangenen Jahren, 40.000 Leute leben inzwischen auf der Straße. In Berlin ist es so extrem, weil viele Menschen aus Osteuropa hinzugekommen sind und im Winter 1.000 Notschlafplätzen einige tausend Obdachlose gegenüberstehen.

Warum diese Zunahme?

Obdachlosigkeit ist letztlich immer ein Mangel an Wohnungen. Es wird da häufig drum herumgeredet: Die haben ja psychische Probleme, Suchtprobleme und so weiter. Braucht ein Mensch mit Suchtproblemen etwa keine Wohnung? Hunderttausende bezahlbare fehlen heute. Den Letzten beißen die Hunde, das sind die Obdachlosen.

„Wir neigen (zu Recht) dazu zu denken, dass das die Welt ist, in der wir leben müssen“, zitieren Sie in Ihrem neuen Buch den jüngst verstorbenen Soziologen Zygmunt Bauman: „Wir folgern (zu Unrecht), dass es zu dieser Art von Welt keine Alternative gibt und auch keine Alternative geben kann.“

Ja, und ich sehe zwei Dinge, die da eine große Rolle spielen. Das eine: Nicht jede Ungerechtigkeit führt zu Empörung. Obdachlosigkeit empört jemanden im Zweifelsfalle genauso wenig wie die 3.100 Euro, die Ex-VW-Chef Martin Winterkorn täglich an Betriebsrente kassiert. Wir wissen, das sind systematische Ungerechtigkeiten, aber sie sind zu sehr Alltag, zu abgeschliffen, um sich zu empören.

Und der zweite Aspekt?

Die Spurrillen, aus denen wir nicht rauskommen. Denkschemata, die auf Behauptungen basieren, die als bewiesenes Wissen gelten und suggerieren, dass etwa Wettbewerb gut und Profit nötig ist, um die Wirtschaft in Gang zu halten. Dass Eigentum immer gut und richtig ist. Gerade die jüngere Generation ist da reingewachsen, ohne dass ihr klar wäre, dass viele Bereiche einst anders organisiert waren als heute. Wir hatten früher gemeinnützigen Wohnungsbau und eine Zeit, in der Pflegeeinrichtungen keinerlei Rendite erwirtschaften durften. Wir halten an Schemata wie dem vom Wettbewerb fest, auch wenn sie Tag für Tag widerlegt werden. In dieser Hinsicht ist das Postfaktische nichts Neues, sondern etwas, das diese Gesellschaft seit Jahrzehnten stabilisiert.

Sie sind im vergangenen Jahr der Linken beigetreten. Warum?

Ich hatte jahrelang mit Parteien überhaupt nichts am Hut, hielt die hochnäsig für Leute, die sich über Gott und die Welt streiten, Anträge hobeln. Das hat sich schlagartig geändert mit Aufkommen Pegidas, der AfD, mit der Erkenntnis: Wenn wir verhindern wollen, dass Deutschland in übler Weise nach rechts abdriftet, dann müssen wir uns in den Parteien engagieren. Wir haben eine Parteiendemokratie, die hat positive und negative Seiten. Aber ich sah tatsächlich eine Art staatsbürgerliche Pflicht, mich da jetzt stärker zu engagieren und nicht nur rumzumeckern. Die Partei, die für mich da am ehesten in Frage kam, war die Linke, wegen der Umverteilungsfrage, der Sozial- und Gleichheitspolitik.

Was sagen Sie zur Debatte über die Äußerungen Ihrer Parteifreundin Sahra Wagenknecht?

Da müssen Sie mir sagen, welche Äußerungen Sie konkret meinen, denn darüber wird ja unheimlich wabbelig diskutiert.

Die jüngsten im „Stern“ etwa, über unkontrolliert offenen Grenzen als Anreiz für Flüchtlinge, nach Deutschland zu kommen, und als Teil einer vielschichtigen Mitverantwortung Angela Merkels für den Anschlag in Berlin.

Den Zusammenhang kann ich nicht nachvollziehen. Es gibt einen Kontext, klar, aber ich sehe keinen kausalen Zusammenhang zwischen der richtigen Entscheidung damals, die Grenze zu öffnen und den Menschen zu helfen, und dem, was Schreckliches auf dem Berliner Breitscheidplatz passiert ist.

Finden Sie Sahra Wagenknechts Äußerungen schwierig?

Ach, ich bin echt nicht der Parteihengst, der sagt: alles muss konform gehen, alle müssen meiner Meinung sein. Ich nehme ihre Äußerungen als Meinung wahr, ich bin da anderer Meinung. Wissen Sie, ich bin mit Leib und Seele Paritäter, und in unserem Verband ist von der Mentalität her durch und durch Vielfalt angesagt.

Mich hat Ihr neues Buch an die Bücher Wagenknechts erinnert: Es geht viel um die Zeit der guten alten Bundesrepublik, als die soziale Marktwirtschaft angeblich noch funktionierte.

Ich gebe zu, mir schon manchmal so vorzukommen, als erzählte ich vom Krieg. Gerade wenn ich mit jungen Leuten zu tun habe und sage, dass ich immer noch nicht nachvollziehen kann, warum sonntags Geschäfte geöffnet sein müssen. Eine Moderatorin hat mich mal mit Entsetzen im Blick gefragt, ob ich sonntagmorgens keine frischen Brötchen wolle; ich konnte nur sagen: Wenn dafür jemand aufstehen muss, dann nicht. Dann esse ich eben Brot.

Zur Person

Ulrich Schneider, 58, wurde in Oberhausen geboren und lebt heute in Berlin. Er hat Erziehungswissenschaft studiert und in Münster promoviert. Dort leitete er ein Gemeinwesenarbeitsprojekt mit den Schwerpunkten Familienhilfe, Kinder- und Jugendarbeit. Beim Paritätischen Gesamtverband war er etwa als Referent und DDR-Beauftragter tätig, bevor er 1999 Hauptgeschäftsführer wurde. Am 1. Februar erscheint sein neues Buch Kein Wohlstand für alle!? (Westend 2017, 240 S., 18 €)

Sollten wir nicht viel mehr und viel mutiger über die Zukunft sprechen als über alte Zeiten?

Um Dinge zu beurteilen und dann zu völlig neuen Lösungen zu kommen, kann ich ja nur auf dem aufbauen, was ich erlebt habe, was ich an Wissen habe, und das ist, da ich kein Prophet bin, in erster Linie retrospektiv. Ich muss, um Alternativen entwickeln zu können, den Leuten zeigen: Es ist denkbar und es ist machbar. Einen schlagenden Beweis, dass man sonntags ohne ein frisches Brötchen vom Bäcker überlebt, den hatten wir in der früheren Bundesrepublik nun mal über Jahrzehnte hinweg (lacht).

Aber müssen wir immer noch, wie Sie im Buch, auf der Hartz-IV-SPD unter Gerhard Schröder rumhacken, bringt uns das weiter?

Das ist ein Schlüssel, um zu verstehen, wie der Neoliberalismus zu solchem Erfolg kommen konnte. Mit der Agenda 2010 wurden Institutionen, die Sicherheit gewähren sollten, gefräst, die gesetzliche Rente etwa. Das Prinzip der Lebensstandardsicherung hatte ausgedient, es galt fortan das Primat der Beitragsstabilität. In dem Moment, in dem mit der Sozialdemokratie der Hauptgegner überlief, in einer Zeit, in der die Linke nicht mehr im Bundestag vertreten und keine Opposition mehr da war, da bekamen die Menschen nur noch mit: Neoliberalismus, Neoliberalismus, Neoliberalismus. Das prägt eine ganze Gesellschaft und setzt sie in die Spurrillen, von denen ich sprach.

Sozialministerin Andrea Nahles will das Rentenniveau bis 2045 auf 46 Prozent halten. Sie fordern 53 Prozent. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft sagt: Schon 50 Prozent würden im Jahr 2029 dann 52 Milliarden Euro mehr kosten.

Beim besten Willen: Das ist nicht die Welt. Wir haben hier heute ein Bruttoinlandsprodukt von mehr als drei Billionen Euro. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir im Land mit dem fünftgrößten BIP der Welt 52 Milliarden stemmen können. Das wird den Versicherten ja heute schon zugemutet, es heißt: Dann riester halt, spar hier und da noch was. Abliefern sollen es die, die es definitiv nicht haben. Ich fordere, dass die es finanzieren, die es haben. Das sind nun einmal vor allem sehr gut Verdienende und auch Arbeitgeber.

Sie wollen einen klaren Wechsel in der Steuerpolitik. Ist dieses Land im Jahr 2017 bereit für die Eigentumsfrage, die Sie stellen?

Dieses Land war zumindest 2013 dazu bereit. Wir hatten schon damals das Bündnis Umfairteilen, aus vielen zivilgesellschaftlichen Gruppierungen, Gewerkschaften, unterstützt von drei Parteien: SPD, Grüne, Linke. Die haben heute noch eine Mehrheit im Bundestag.

Wie kommt dieses Land dann in Zukunft dahin, die von Ihnen vorgeschlagenen Steuern auf Höchsteinkommen, Vermögen, große Erbschaften sowie Börsentransaktionen zu realisieren?

Indem wir deutlich machen, wer da besteuert werden soll. Es geht um das reichste Prozent in Deutschland, 99 Prozent haben damit kaum etwas zu tun. Es muss zudem klar sein, wofür das Geld ausgegeben werden soll. Bildung, Pflege, Teilhabe etwa, vor allem aber geht es um eine Einsicht: Das sind ja mittlerweile die untersten 40 Prozent, die Probleme haben. Die nicht alle zu den Armen zu zählen sind, bei denen es aber ungeheuer eng wird, wenn etwas passiert – und sei es die kaputte Waschmaschine. Die Folgen sind häufig mit Ratenverträgen, Konsumentenkrediten und einem Dispo stets am Anschlag verbunden. Diese Familien haben richtig Sorgen.

Und Sie haben einen guten Job, Herr Schneider. Kennen Sie jene Lebensrealitäten der unteren 40 Prozent aus eigener Anschauung?

Klar. Wer sich nicht im Nobelviertel hinter Wohlstandsmauern zurückzieht und das Haus nur noch mit der Karosse verlässt, kommt mit diesen 40 Prozent tagtäglich in Berührung. Man darf sie eben nicht nur als Verkäufer oder Krankenschwester sehen, sondern als Menschen. Ich kaufe auf dem Markt beim Händler nicht nur mein Gemüse ein, sondern ich unterhalte mich mit ihm, na klar.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 04/17.

Kommentare (10)

na64 09.02.2017 | 16:06

Zu die ungleiche Gesellschaft.

Was ungleich in der Gesellschaft verteilt ist, ist der Verbrauch von Energie in Form von z.B. Gütern die wir produzieren und auch benutzen wollen. Ich fühle mich gut und zufrieden wenn ich als Mensch viel Energie verbrauchen kann, darin baden, schwimmen kann und empfinde dies als ein Erfolgreichen Lebenszustand, wenn viel von dieser Energie mich in meiner Umgebung umhüllt und ich sie jederzeit abgreifen kann, ohne mir Gedanken machen zu müssen, was das für Konsequenzen haben könnte. So lasse ich mein Bewusstsein auf Erfolg schwimmen. Unsere Inspiration für unsere Arbeiten.Wir bezeichnen dies auch als Kultur. Die Arbeit an Energiegewinnung um Energie verbrauchen zu können. Ob es gerecht oder ungerecht bei diesen Prozessen zugeht interessiert nicht wirklich. Energie ist die Beute und die wird gejagt für den Glanz und Gloria einer eigenen Lebensauffassung. Da aber die Ressourcen für die Energiegewinnung unserer Lebensart, wie wir unseren Energiehunger befriedigen wollen immer geringer werden, werden automatisch die Mittel für uns, für diese Lebensauffassung von befriedigter Zufriedenheit und Sicherheit in der Gesellschaft, durch Teilhabe an diesem Energieverbrauch mittels der Arbeit die wir verrichten, mittels elektronischer Geräte und bevorzugter anderer Waren immer mehr schwinden und zurück bleiben sichtbare heranwachsende Müllberge . Menschliche Müllberge blenden wir aus unserem Sichtfeld aus, um unsere gewohnten Inspirationen und Motivationen für unsere Lebensgestaltung beibehalten zu können.
Was soll man hier noch großartiges dazu sagen!?.Unsere zukunftsorientierte Lebensweise besagt einen Hang an Inspirationen aus der vergangen Zeiten einer Kulturauffassung an Wertevorstellungen die wir hochhalten, um als Jäger nach Beute zu trachten, da das ja unsere Natur ist, so zu handeln.
Je länger das noch so weitergeht wird eigentlich jedem unbewusst schon klar das wir in diesen Dimensionen nicht mehr denken dürfen und wir anfangen sollten unsere innewohnende Natur zu verlassen, welche uns zu unseren gewohnten Auffassung von Leben, wie wir es kennen und praktizieren in immer gleichen Mustern und Schemen gefangen hält. Ein gutes Beispiel für die veränderte Richtung und Sicht im Umgang mit Energie, Arbeit und Umwelt sind autarke Häuser die Ihren eigenen Strom erzeugen, ohne das diese über ein Netz mit Energie eingespeist werden. Das verändert auch die Sicht auf unsere Industrie, auf unsere Arbeit. Vieles was wir zur Zeit als Arbeit betrachten ist dem bedienen von Charakterrollen gewidmet, obwohl hier jeder ein abstraktes Denken benötigt. Da in jeder Arbeit abstrakt gedacht wird, ist jede Arbeit gleich an Wert. Politik und Besitzstreben weis das zu verhindern.

Gehen wir mit Energie anders um, so wird man auch das Wort Arbeit neu Klassifizieren. Das ist aber nicht Industrie 4.0, die leider dies bekannte Armutsbildnis in unseren Köpfen hervorbringt, da man in den gewohnten Denkstrukruren gefangen ist.

ernstjuxmann 09.02.2017 | 21:54

"

Wie kommt dieses Land dann in Zukunft dahin, die...

Das ist einfacher als man denkt! Im Jahr 2009 gingen mit der Initiative "Appell für eine Vermögensabgabe" 23 reiche Deutsche in die Öffentlichkeit und forderten eine Besteuerung der großen Vermögen, die 1997 von einer CDU-FDP-Regierung abgeschafft wurde. Vielleicht hat es dazu aber sogar hier ein Diskussion gegeben ? Aber bis heute hat dieser Appell bei unserer Regierung und speziell unserem Finanzminister keinen Eindruck hinterlassen.

gelse 09.02.2017 | 22:33

>>Eine Moderatorin hat mich mal mit Entsetzen im Blick gefragt, ob ich sonntagmorgens keine frischen Brötchen wolle...<<
In der oberschwäbischen Kleinstadt, in der ich bis 1980 wohnte gab es auch am Montag keine frischen Semmeln: Die Bäcker hatten noch den "blauen Montag", den die Gesellen Jahrhunderte zuvor mal erstritten hatten. Aus heutiger Sicht tiefstes Mittelalter und uns ging gut damit: den Einen, weil sie eine 5-Tage-Woche hatten. Uns Anderen, weil wir am Montag leckeres gesundes dunkles Brot assen, dass sich länger hält.

gelse 10.02.2017 | 09:00

>>Im Jahr 2009 gingen mit der Initiative "Appell für eine Vermögensabgabe" 23 reiche Deutsche in die Öffentlichkeit und forderten eine Besteuerung der großen Vermögen,...<<
Ich kann mich an Diskussionen erinnern, im Sinne von: "Reichtumsbesitzer würden ja liebend gerne mehr Steuern bezahlen, aber die hartleibige Regierung erlaubt es ihnen nicht".
Als ich einwarf: "Dann sollten die mal, statt öffentlich rumzunölen, ihren Lobbyisten auftragen für die Reichtumsbesteuerung zu agieren": Da herrschte betretenes Schweigen: So war das natürlich nicht gedacht... ;-D

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Ehemaliger Nutzer 10.02.2017 | 09:44

Solange es in Deutschland Armut, Mangelernährung, Obdachlosigkeit, Stromsperren, Zweiklassenmedizin und dergleichen gibt, geht es mitnichten um das reichste Prozent. Dem Anspruch eines funktionierenden Sozialstaates hat sich jeder zu stellen, besonders die, die von der Politik der letzten Jahre profitiert haben, während andere einbüßen mussten.

Die Oberschicht und die obere Mittelschicht haben hinzugewonnen, während die Unterschicht und die untere Mittelschicht massiv verloren haben. Es geht hier nicht um Luxusbedürfnisse, sondern um Kultur- und oft Grundbedürfnisse, die nicht befriedigt werden können.

Das Reduzieren dieses Problems auf eines des reichsten einen Prozent ist ein Einverständnis mit der Entsolidarisierung der Gesellschaft.

Wenn ich mir ansehe, wie viele Luxusschlitten allein der Firma Porsche in der Stadt an mir vorbeiziehen, während bettelnde und Pfandflaschen sammelnde Menschen am Straßenrand stehen, wird deutlich, dass es um mehr geht, als um ein Prozent.

Die öffentliche Infrastruktur ist in großen Teilen in einem sehr schlechten Zustand, eine Ghettobildung deutet sich vielerorts an. Für viele Menschen ist der Einkauf in Discountern und Ein-Euro-Läden die einzige Möglichkeit, einzukaufen, was jedem ökologischen und sozialen Anspruch widerspricht.

Ich wette, mit solchen Beobachtungen könnte man Bücher füllen, ohne sich zu wiederholen.

Und nur auf diesem Niveau ist der deutsche Gewinn der oberen Schichten zu halten, obwohl wir seit langer Zeit gegen die Maastricht-Kriterien verstoßen. Wir müssen die Binnennachfrage durch Stärkung der unteren Schichten beleben, statt Luxus für die oberen Schichten wahrscheinlicher zu machen.

Das von Merkel unter dem Namen 'marktkonforme Demokratie' hier vertretene, neo-amerikanische Kapitalismusmodell ist bereits in den USA durch soziale und ökologische Verwerfungen gekennzeichnet und ist kein erstrebenswertes und wie ich denke, auch nicht mit unserem Grundgesetz vereinbar.

Reinhold Schramm 12.02.2017 | 13:43

A) Vorsätzliche Wohnungsnot im Reichtumsland Bundesrepublik Deutschland – 2014/2015 –
http://www.trend.infopartisan.net/trd0115/t110115.html

B) Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) berichtet zum aktuellen Armutsbericht am 19.05.2008 wie folgt: „Die Dimension des Armutsproblems wird umso deutlicher, wenn man berücksichtigt, dass die Armutsschwelle trotz der hohen Inflation von 2003 bis heute (von 938 auf 781 Euro) abgesenkt wurde.“

Info.-Empfehlung:
20.05.2008: Der Armutsbericht der Bundesregierung ist ein Schwindel nach unten!
http://archiv.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/allg/schramm.pdf

C) Die fünf reichsten Deutschen besitzen so viel wie 32 Millionen: 40 % der untersten Bevölkerung. Das Privatvermögen des reichsten Prozents sogar das von 80 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung. Das Privatvermögen des reichsten Prozents der Deutschen wäre genug, die bundesdeutschen Staatsschulden komplett zu bezahlen, für den Bundeshaushalt im Jahr 2014 aufzukommen und noch genug Geld übrigzuhaben, um ein Jahr lang die gesetzlichen Krankenversicherungen vollständig zu finanzieren.

Die soziale Ungleichheit und Armut beseitigen!
http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2015/01/oxfam_schramm.pdf

Markou Spyros 18.02.2017 | 19:26

Zunächst möchte ich Herrn Schneider zu seinem humanistischen Werk gratulieren.

Dieser schlechte Zustand ist das Resultat der absurden Austeritätspolitik von Schäuble und Merkel, auf ganz Europa.

In den Jahren der Krise, seit 2008, hat sich die Lage verschlimmert, zum großen Ruhm der Golden-Boys, wie der bekannte Ökonom, JOSEPH STIGLITZ, und Nobelpreisträger, in seinem Buch : "Der Triumph der Habgier", 2012, schreibt.

Sowohl in den USA, als auch in Europa, die Vetreter des Neoliberalismus haben gesorgt, die Banken zu retten und die Rechnung bezahlen wir.

Bei uns in Griechenland haben die ..."Retter" ein gorßes Experiment gemacht, das jetzt bereits 7 Jahre dauert: Sie haben systematisch und per Plan des IMF und Mister Schäuble ein ganzes Volk ruiniert.

Der Plan heißt einfach: Wir gewähren dem Land 110 Milliarden Kredite, wovon 95% an die Banken- ausländische und griechische- gingen und das Volk soll zahlen, mit Kürzungen, Kürzungen überall und Überbsteuerung.

Die Folge: Das Land verlor 25% des BIP, 1.4 Millionen arbeitslose= 26%, Jugendarbeitslosigkeit = 40%, 12.000 Selbstmorde in einem Land, in dem früher Selbstmorde selten waren, die Armut hat sich verdoppelt, viele Leute suchen in den öffentlichen großen Mülleimern etwas zum Essen...

Auf dem Arbeitsmarkt hat der IFM alles vernichtet, keine Tarifverhandlungen, kein Schutz für die Arbeitnehmer, herrscht einfach das Gesetzt des Dschungels: Tausende arbeiten für nur 100 Euro im Monat, viele arbeiten für nur wenige Stunden i.d. Woche und wann der Arbeitgeber will...

Seriöse Juristen sagen, daß hier das EU-Recht mehrmals zerbrochen wird, aber wen kümmert es...

In der letzten Zeit, zeigt Herr Schäuble sein graues Gesicht noch einmal und will mehr Blut, er blockiert die laufende 2.Überprüfung und verlangt, daß der Kanibalismus in Griechenland weiterläuft, bis alles Asche wird..

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Ehemaliger Nutzer 27.02.2017 | 11:45

Also zu dem Interview und dem sich daraus Erhellendem:

der engagierte Interviewte scheint HEHR zu sein, begibt sich aber auf unsicheres Terrain, wenn er aufzeigen will, wo man ansetzen sollte, um was im System zu verbessern.

Sein Job ist, den Brosamen, den ihm die Gesellschaft aus Schatullen, die er beruflich nicht ergruenden kann, ueberlaesst, redlich zu verwalten und, natuerlich, er hat ja zu funktionieren, immer mal mehr anzumahnen. Das erwartet man beruflich auch von ihm.

Denn die Brosamen reichen nicht, wie die Schilderung eindruecklich zeigt.

Das Problem, welches er aus seiner Sicht nicht sehen kann, ist:

jene, die den Brosamen geben, muessen knauserig damit sein, weil sonst nicht genuegend allgemeine Abstiegs-Angst geschuert werden wuerde, um das Letzte an Leistung aus allen Arbeitssklaven herauszuholen, die (noch) die "Gnade" der Arbeit oder eines Jobs "geniessen" duerfen.

Die Wahrheit ist also Framing:

niemand soll auf die Idee kommen, von den Maschinen und Automaten (fuer Broetchen und Autos), die immer mehr die Lebendsklaven unaufhaltsam ersetzen werden, etwa zu besteuern. Etwa deren Produktivitaet....

Denn das wuerde ja die Apparate verteuern und den Profit der darlehensgebenden Banken (Zinseszins) fuer die Automateninvestition verringern.

Und die Haupt-Anteilseiger der profitierenden Banken sind natuerlich jene Privaten, die auch die automatisierten Herstellungsfabriken betreiben und sich als grossmuetige Arbeitgeber feiern lassen.

Also:

Sozialabgaben sind Zwangseintreibungen vom Hungerlohn Schuftender fuer die Industrie und Handel, die beide nur deshalb noch ein Interesse an welchen Minimaleinkommen irgendwelcher bloeden Arbeiter oder zettelsortiereden Angestellten (Bank- und Discounter-Kassierer, Finanzangestellte) haben, damit es welche gibt, die billigst von Maschinen gebackene Broetchen und Autos, am besten auf Pump fuer Zins- und Zinseszins noch kaufen wollen und koennen.

Natuerlich mit Wachstumkoeffizient, am liebsten exponentiellen und mit erklaerten Inflationszielen (EU-Zentralbanksteurung).

Und damit die Zettelsortierer um Systemwassertraeger wie Schaeuble oder Innenministerien auch ihre Pensionen noch bezahlt bekommen koennen, haut der Staat auf die hochgepuschten Preis-Luftnummern (durchschnittlich 40% Zinseszins-Anteile derzeit auf jedem Preis fuer eine Ware und Dienstleistung) auch noch "Mehrwertsteuer" (welch sprachtechnisch gar nicht mehr verdeckte Verhoehnung) noch obendrauf.

Also, bei dieser generellen Abkoche von uns allen, verharmlosend als "Markwirtschaft" oder einstmals gar "Sozialmarktwirtschaft" gelabelt, muss natuerlich irgendwo auch mal ein bisschen christlich grossartiger Armenpfennig abgezweigt werden, um den ganzen Betrug muehsam glaubhaft zu kaschieren.

Der dieser Betrugsmasche noch die Kroenung gebende Wahrheit ist, dass jene Banken, alle (samt der US Fed) nicht nur in den gleichen privaten Anteileigner-Haenden liegen, (siehe oben), sondern unsere gewaehlten Politkomiker diesen Privatbanken auch ueberlassen, rund 85 Prozent unseres Geldgesamtumlaufes (alles Giralgeld) selber komplett aus der Luft zu erschaffen und dies als deren Bilanzzugewinn (in den Bahamasniederlassungen) zertifizieren zu lassen.

Sollte ein Komikerstaat sich erfrechen, das mal unterbinden zu wollen (Varoufakis wollte von Schaeuble/Eurogruppe damals eine zeitlich begrenzte Ausnahmegenehmigung) werden sich IWF (alles Privatbanken mit halbprivaten Zentralbanken, Troikas usw.) ploetzlich einig, dann den Zinswuergestrick toedlich zuzuziehen anzudrohen.

Varoufakis hatte aber noch einen vermeintlichen Joker in der Tasche: ein paar disks mit den Kapitaltransferdaten von 500 Tausend reichen Privatleuten. Deren Geldtransfers in sowie rein und raus aus Griechenland. Rund 20 Jahre zurueck.

Und sagte, diese Daten wolle er einsetzen, Stichproben aehen gut aus, damit GR die 85 Milliarden Kredit der Eurogruppe pp. gar nicht braeuchte, ein paar zig weniger nur, als Ueberbrueckungsgeld bis zur Auswertung und Eintreibung. Er brauche nur die Rueckendeckung des IWF beim internationalen Eintreiben dieser zur GR-Staatfinanzen-Rettung hinreichenden Steuerschulden.

Das war allerdings ein taktischer Fehler: sowas kann man nicht mit den Privatbanken dieser Welt und ihren Anteilseignern machen, ob nun der Euro explodiere oder nicht. Er muesse vom Verhandlungstisch verschwinden, sonst liefe mit den Privatleuten dieser Welt gar nichts mehr fuer sein Land.

Wir sollen uns zusammen mit den Wohlfahrtsverbaenden nur um die Brosamenquellen bemuehen, bitte sehr.

Die Strukturgedanken unseres Systems haben in "Elite"-Haenden zu bleiben, basta!

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Ehemaliger Nutzer 27.02.2017 | 11:59

Also zu dem Interview und dem sich daraus Erhellendem:

der engagierte Interviewte scheint HEHR zu sein, begibt sich aber auf unsicheres Terrain, wenn er aufzeigen will, wo man ansetzen sollte, um was im System zu verbessern.

Sein Job ist, den Brosamen, den ihm die Gesellschaft aus Schatullen, die er beruflich nicht ergruenden kann, ueberlaesst, redlich zu verwalten und, natuerlich, er hat ja zu funktionieren, immer mal mehr anzumahnen. Das erwartet man beruflich auch von ihm.

Denn die Brosamen reichen nicht, wie die Schilderung eindruecklich zeigt.

Das Problem, welches er aus seiner Sicht nicht sehen kann, ist:

jene, die den Brosamen geben, muessen knauserig damit sein, weil sonst nicht genuegend allgemeine Abstiegs-Angst geschuert werden wuerde, um das Letzte an Leistung aus allen Arbeitssklaven herauszuholen, die (noch) die "Gnade" der Arbeit oder eines Jobs "geniessen" duerfen.

Die Wahrheit ist also Framing:

niemand soll auf die Idee kommen, von den Maschinen und Automaten (fuer Broetchen und Autos), die immer mehr die Lebendsklaven unaufhaltsam ersetzen werden, etwa zu besteuern. Etwa deren Produktivitaet....

Denn das wuerde ja die Apparate verteuern und den Profit der darlehensgebenden Banken (Zinseszins) fuer die Automateninvestition verringern.

Und die Haupt-Anteilseiger der profitierenden Banken sind natuerlich jene Privaten, die auch die automatisierten Herstellungsfabriken betreiben und sich als grossmuetige Arbeitgeber feiern lassen.

Also:

Sozialabgaben sind Zwangseintreibungen vom Hungerlohn Schuftender fuer die Industrie und Handel, die beide nur deshalb noch ein Interesse an welchen Minimaleinkommen irgendwelcher bloeden Arbeiter oder zettelsortiereden Angestellten (Bank- und Discounter-Kassierer, Finanzangestellte) haben, damit es welche gibt, die billigst von Maschinen gebackene Broetchen und Autos, am besten auf Pump fuer Zins- und Zinseszins noch kaufen wollen und koennen.

Natuerlich mit Wachstumkoeffizient, am liebsten exponentiellen und mit erklaerten Inflationszielen (EU-Zentralbanksteurung).

Und damit die Zettelsortierer um Systemwassertraeger wie Schaeuble oder Innenministerien auch ihre Pensionen noch bezahlt bekommen koennen, haut der Staat auf die hochgepuschten Preis-Luftnummern (durchschnittlich 40% Zinseszins-Anteile derzeit auf jedem Preis fuer eine Ware und Dienstleistung) auch noch "Mehrwertsteuer" (welch sprachtechnisch gar nicht mehr verdeckte Verhoehnung) noch obendrauf.

Also, bei dieser generellen Abkoche von uns allen, verharmlosend als "Markwirtschaft" oder einstmals gar "Sozialmarktwirtschaft" gelabelt, muss natuerlich irgendwo auch mal ein bisschen christlich grossartiger Armenpfennig abgezweigt werden, um den ganzen Betrug muehsam glaubhaft zu kaschieren.

Der dieser Betrugsmasche noch die Kroenung gebende Wahrheit ist, dass jene Banken, alle (samt der US Fed) nicht nur in den gleichen privaten Anteileigner-Haenden liegen, (siehe oben), sondern unsere gewaehlten Politkomiker diesen Privatbanken auch ueberlassen, rund 85 Prozent unseres Geldgesamtumlaufes (alles Giralgeld) selber komplett aus der Luft zu erschaffen und dies als deren Bilanzzugewinn (in den Bahamasniederlassungen) zertifizieren zu lassen.

Sollte ein Komikerstaat sich erfrechen, das mal unterbinden zu wollen (Varoufakis wollte von Schaeuble/Eurogruppe damals eine zeitlich begrenzte Ausnahmegenehmigung) werden sich IWF (alles Privatbanken mit halbprivaten Zentralbanken, Troikas usw.) ploetzlich einig, dann den Zinswuergestrick toedlich zuzuziehen anzudrohen.

Varoufakis hatte aber noch einen vermeintlichen Joker in der Tasche: ein paar disks mit den Kapitaltransferdaten von 500 Tausend reichen Privatleuten. Deren Geldtransfers in sowie rein und raus aus Griechenland. Rund 20 Jahre zurueck.

Und sagte, diese Daten wolle er einsetzen, Stichproben aehen gut aus, damit GR die 85 Milliarden Kredit der Eurogruppe pp. gar nicht braeuchte, ein paar zig weniger nur, als Ueberbrueckungsgeld bis zur Auswertung und Eintreibung. Er brauche nur die Rueckendeckung des IWF beim internationalen Eintreiben dieser zur GR-Staatfinanzen-Rettung hinreichenden Steuerschulden.

Das war allerdings ein taktischer Fehler: sowas kann man nicht mit den Privatbanken dieser Welt und ihren Anteilseignern machen, ob nun der Euro explodiere oder nicht. Er muesse vom Verhandlungstisch verschwinden, sonst liefe mit den Privatleuten dieser Welt gar nichts mehr fuer sein Land.

Wir sollen uns zusammen mit den Wohlfahrtsverbaenden nur um die Brosamenquellen bemuehen, bitte sehr.

Die Strukturgedanken unseres Systems haben in "Elite"-Haenden zu bleiben, basta!


ironpolem 28.02.2017 | 11:04

Ich selbst schreibe öfter Leserbriefe in meiner Tageszeitung. Ich sehe die elt genau so wie Herr Schneider. Auch mit der Linken geht es mir ähnlich. Ganz oft rufen mich mir unbkannte Leser an und bedanken sich bei mir für meine Kommentare zu der aktuellen sozialoder Wirtschftspolitik. Und immer wieder höre ich: "Meine Umgebung versteht mich nicht. Die schauen mich an, als würde ich chinesisch sprechen. Warum sehen nicht alle Mneschen, was da gelaufn ist und läuft (neoliberale Politik, Privarisierungsorgien, Auf Profit getrimmte Altenheime und Krankenhäuser usw.)

Wo fangen die Probleme an? In den Schulen! Da wird nicht über die Realität gesprochen sondern über die Theorien. Im Studium geht es wieter. Die meisten Wirtschaftsprofessoren haben ihre Seele verkauft. Ein rümliche Ausnahme ist z.B. Prof. Bontrup. Da werden Tausende junge Menschen auf Spur gebracht und müssen in Prüfungen bestimmte Wirtschaftstheorien nachbeten um zu bestehen. AAuch der Fritag ist ein rümliche Ausnahme, wenn es um die Medien geht. Alle anderen sind längst angepasst und schreiben, was dem System dient.