Sebastian Puschner
08.06.2017 | 13:06 26

Offensiv geht anders

Wahlkampf Martin Schulz hat die Renten-Pläne der SPD vorgestellt. Die sind immerhin gar nicht so schlecht – und doch wenig mehr als die trübe Aussicht auf koalitionäres Weiter-so

Offensiv geht anders

Auf der Suche nach einer öffentlichen Hand, die schützt

Foto: Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Stabile Renten statt mehr Geld für die Rüstung – die Verteidigungslinie des SPD-Kanzlerkandidaten gegen die Union steht. Warum aber ist es eine Verteidigungslinie, die Martin Schulz nach der Vorstellung des sozialdemokratischen Konzepts für die Altersvorsorge zieht? Ein Blick nach Österreich würde genügen für den Anbeginn einer Offensive. Einer Offensive, die die öffentliche Hand stärkt, sodass sie sich wieder schützend den Zumutungen drohender Altersarmut entgegenstellen, die Teilprivatisierung zurückdrehen und das vor bald zwei Jahrzehnten geopferte Ziel der Sicherung des Lebensstandards im Rentenalter durch die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) reanimieren kann.

Es mag daran liegen, dass das SPD-Konzept nur bedingt dazu taugt, "die Hegemonie des modernisierten Neoliberalismus nach dem Modell Merkel in der öffentlichen Debatte zu brechen" und so mitunter die "trübe Aussicht auf die nächste Runde im bundespolitischen 'Weiter-so'" reproduziert.

Nicht bis 70 schuften

Es vermag lediglich den Raubbau der Konservativen an diesem Bereich der Daseinsvorsorge einzuhegen, so listen es die Sozialdemokraten fein säuberlich in einer tabellarischen Gegenüberstellung mit sieben Spalten auf: keine weitere Erhöhung des Rentenalters gegen das von CDU-Nachwuchshoffnung Jens Spahn postulierte Arbeiten bis um die 70. Stabiles Niveau und stabile Beiträge gegen den vermeintlichen Unions-Realismus, der ersteres weiter senken und zweitere weiter steigen zu lassen droht.

Den Beitragssätze steigen lassen will auch die SPD, von aktuell 18,7 Prozent auf 21,9 Prozent im Jahr 2030. Sinken soll nach sozialdemokratischen Vorstellungen auch das Niveau, wenn auch nur von 48,2 auf 48,0 Prozent 2030. Offensiv geht anders. 53 Prozent fordert die Linke. Für 50 Prozent haben manche Sozialdemokraten noch gekämpft, und immerhin aus dem von SPD-Sozialministerin Andrea Nahles noch Ende 2016 postulierten "mindestens" in "mindestens 46 Prozent" zwei Prozentpunkte herausgeholt.

Doch "immerhin" ist zu wenig, soll es um mehr als das Ziel einer Fortsetzung des Daseins als Junior-Koalitionspartner gehen. In dessen Gestalt könnte die SPD sicher ein bisschen etwas durchsetzen von ihren grundlegend richtigen Vorstellungen. Zu denen gehören eine zehn Prozent über der Grundsicherung liegende Solidarrente für langjährige Beschäftigte, die Einbeziehung bisher nicht versicherter Selbstständiger in die gesetzliche Rentenversicherung und das ehrliche Eingeständnis, dass das System der Umlagefinanzierung nach aktuellen demographischen Prognosen und ohne weitere Privatisierung auf einen gehörigen Zuschuss aus Bundesmitteln angewiesen sein wird.

Die eigentliche Frage

Auf 78,1 Milliarden Euro summieren sich die von der SPD proklamierten Mehrkosten bis 2030, was Unions-Fraktionschef Volker Kauder sogleich dazu veranlasst, vor der Mehrbelastung der Jüngeren zu warnen. Die gilt es zu vermeiden, da hat er Recht. Kauder geht es aber nicht darum, die Jungen zu schützen, indem er sie gegen die Alten auszuspielen versucht. Er will einer Debatte um die eigentliche Umverteilungsfrage – oben versus unten, reich versus arm – nur ja keinen Raum geben.

Der SPD böten sich für diese, die richtige Debatte viele Ansatzpunkte: die Anhebung oder Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze etwa, um Einkommensstarke in stärkere Verantwortung für die Sozialversicherung zu nehmen. Das hat vor kurzem sogar die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung für den Weg zur Bürgerversicherung in der Krankenvorsorge angedacht. Oder eine Umverteilung über die Steuerpolitik. Doch in dieser Frage sind die SPD-Pläne noch nicht bekannt.

Kommentare (26)

erftstadtboy 08.06.2017 | 14:33

"immerhin gar nicht so schlecht" findet s.puschner also ein rentenniveau von 48% des letzten nettoeinkommens.

dass in österreich bis dato fast 80% gezahlt werden können (und nicht nur dort), scheint wohl ein biblisches, nicht zu erklärendes wunder zu sein, so dass man in schland mit 48% "immerhin gar nicht so schlecht" dasteht. selbst die 53% der linken sind da doch eher peanuts.

das alles ist altersarmut per gesetz. meine generation wird das ausbaden, es gibt berechnungen die von bis zu 50% armutsrenten in 2030 ausgehen. auch ich werde eine hartz4-rente erhalten ("grundsicherung im alter"), das ist jetzt schon absehbar, zumindest wenn alle so bleibt wie es ist. daran hat weder die demografie noch andere herbeigeschwafelte gründe schuld, sondern einzig und allein ideologische entscheidungen zugunsten der kapitaleliten.

aber was soll man von schulz, einem agenda2010-apologet, auch anderes erwarten (er hat im spd-präsidium alle wichtigen vorhaben von hartz4 über finanzmarktderegulierung bis zur leiharbeits-deregulierung mitgetragen). wahrscheinlich muss die spd noch viel weiter absacken (was ich ihr langsam wünsche), bis endlich mal ein umdenken dort einsetzt (bis dahin arbeitet nahles munter weiter a.d. umschichtung von umlagefinanzierter auf kapitalgedeckte rente).

Urmel 08.06.2017 | 17:08

Eigentlich bin ich voll und ganz bei Ihnen.
Ich glaube nur nicht, dass man in Österreich dieses Rentenniveau auf Dauer halten wird. Zukunftssicher ist das dortige System mitnichten. Egal ob umlagefinanzierte oder kapitalgedeckte Rente, die Aussichten sind beschissen. Das darf man nur nicht laut sagen und als Politiker schon mal gleich gar nicht. Die wollen aber auch nicht Ihre Rente sichern, die sind im hier und jetzt mit ihren Gedanken, aber sicher nicht bei Ihnen im Jahr 2030.
Aber ich find`s gut, dass gerade die SPD die Rente als Wahlkampfthema nimmt - da können die nur verlieren.
So dermaßen alles verkacken wie auf dem Arbeitsmarkt, das geht bei der Rente gar nicht mehr. Da braucht man nicht einmal die SPD.
Und da kann auchFrau Nahles nichts verschlimmbessern.
Die Vorstellungen der SPD bleiben grotesk.

Fatalistische Grüße

Urmel 08.06.2017 | 18:32

Das Problem sind eigentlich nicht die derzeitigen Renten, da könnte auch unsere Regierung, hier und momentan, locker und üppig drauflegen (steuerfinanziert). Das Problem kommt in der Zukunft. Wenn sich nämlich die wirtschaftliche Lage in der BRD ändert, dann geht es richtig in die Grütze. Alle Hochrechnungen gehen nämlich von der derzeitigen (nicht Grütze, sondern Lage) aus. Die Rente ist ein wirklich heißes Eisen, da spielen alle Parteien mit gezinkten Karten.
Österreich macht es sicherlich gerade wesentlich besser, aber verlässlicher sicher nicht.

Community84 08.06.2017 | 18:35

Erst kommt wertvolle Arbeit. Punkt 1 ist die Arbeit (immer noch), Punkt 2 ist die Rente, die eigentlich daraus resultiert, welche Arbeit verrichtet wurde. Aber wenn ich sehe, wie mit Tieren umegangen wird, die nur noch Leistungsschweine sind, dann lässt sich das Schritt für Schritt auch auf Arbeitsplätze übertragen. Und es ist eine Frage, die Arbeitsplätze bei näherer Betrachtung heute und in Zukunft aussehen und aussehen sollen. Aber darüber ist das Gelübte der Unternehmensgeheimnisse der Unternehmungsführung und die Schweigemauer der dort Beschäftigten oder überhaupt das Schweigen, wie Arbeitsplätze sich verändern und verändert haben. Diese Internas, von denen Politiker nichts wissen können, sind aber auch Externas, die sehr politisch sind. Oder anders gefragt, wie sich Konsum verändert hat. So wie man arbeitet, so konsumiert man auch? Und so sieht hinterher auch die Rente aus und die Gesundheit. Diese Zusammenhänge sind ohne Meinung der Bürger und der Gesellschaft indiskutabel. Und wenn Lothar de Meziére über eine Leitkultur spricht, die u.a. das Händeschütteln betont, dann frage ich mich in diesem Zusammenhang, ob er das nicht mit gewisser Ironie gedacht haben könnte, genauso wie seine Äußerung, zu lesen war es im Internet vor wenigen Jahren (höchstens ein oder zwei Jahren), dass man sich schon mal rechtzeitig um die Vorräte im Haus kümmern sollte, Konserven und Getränke. Er sagt das einmal und dann war es eben nur eine Phrase oder auch nicht, denn mit dem fiktiven Fall ist es so eine Sache, eintreten kann er ja immer. Ob es nun eher ein Herzensanliegen des Innenpolitikers ist oder der Bürger, die diese Leitkultur fordern oder ob es nicht sogar das Barometer ist, das solche Politiker ja doch nur zurückspiegeln. Dort wo aber ganz geschwiegen wird, da kann sich auch nichts verändern oder spiegeln und wenn es mir um die Rente geht, dann möchte ich auch als Rentner/Rentnerin wissen, wie sich Arbeitsplätze verändern und wenn ja, ob das gut, schlecht ist und wenn gut, dann dürften auch die Renten sicher sein, ansonsten läuft was mit der Arbeit schief. Aber Arbeit, dieser Begriff ist immer nur dieser Begriff Arbeit, ohne sich mit den Branchen näher beschäftigen zu müssen. Im Zweifel spricht man von der Robotik und der Technologie. Was hat das mit Arbeit und Renten zu tun, wenn Renten Renten sind und Arbeit Arbeit. Es ist schon etwas sehr plump geworden mit dieser Politik. Trotzdem ist es richtig, dass Martin Schulz die Themen der SPD sieht. Aber man sieht nicht, wie das immer gemacht wurde und jetzt an der Zeit ist, dass man nicht mehr im alten Schema der SPD verweilen kann, weil die Globalisierung mit diesem alten Schema nicht harmonisiert aufgrund von Veränderungen die nicht nach Schema F so politisch sozialverträglich sind, weil hier ganz andere Veränderungen existieren, die nicht mehr mit der Befriedung von Renten und sonstige Sozialpolitik für den Bürger zu handeln sind. Da überfordert sich die Politik und die Bürger ständig, es sei denn man zieht an einem Strang. Man kann nicht rückschrittlich von Renten und Sozialpolitik sprechen, wenn ständig in die Hochrüstung Geld fließt, auch in sonstigen Überfluss. Es ist ganz einfach, es reicht das für alle, was früher mal weniger war, so dass es für alle gereicht hat. Und es soll ja auch passiert sein, dass es nicht für alle gereicht hat. Aber dann muss man die Gründe hierfür auch sehen, dass es Gründe gab, dass der Mensch immer nur als unzureichend und ein Störfaktor im Rad der Wirtschaft und des Fortschritts gesehen wurde. Das hat teils gut und teils schlechter funktioniert. Wenn Unternehmen nur noch Krieg untereinander sind, welcher Größere schluckt den Kleineren. Der Kleinere kommt noch mit einem satten Almosen davon, aber die ganz Kleinen dieses Almosenunternehmens muss man über früher oder später ja doch entlassen. Dann zeigt sich ja, dass der Kleinere (Unternehmen) auch über früher oder später verloren hat. Die großen Fische (Unternehmen) bekriegen sich unter sich. Was hat das noch mit Renten oder Arbeitsplätzen zu tun. Hat es, das ist gut erkannt und muss so bleiben. Aber wer A sagt, der muss auch B sagen und C. Nicht immer nur A, dass es nur an den Renten, Löhnen etc. liegt. Wenn das Vertrauen in den Gesamtüberblock und den Gesamtzusammenhang und Zusammenhalt marode ist, dann liegt es für mich an der Rüstungsindustrie, der den Handel auf Dauer kräftig ruiniert und auch die demokratischen Kräfte zerbröselt. Ansonsten sage ich auch selbstverständlich, die Themen, die SPD-nah sind, bleiben, aber das Tau ist am anderen Ende, wo dran gezogen wird. Also richtig ist A, geht aber nicht, ohne das B und C. So utopisch es ist, aber über Blödsinn muss man sprechen können. Da muss sich Politik verändern, man muss Blödsinn benennen können. Ein Politiker, der heute noch klug ist, hat die Schieflage nicht verstanden. Aber ich frage mich auch gesellschaftlich beim Bürger, wo nun dasselbe Problem zu sehen ist, wir übertrumpfen uns in Klugheit, kaum einer würde es wagen von Blödsinn zu sprechen, oder ist viel Schlimmeres passiert als der Rüstungswahnsinn? Das würde ich gerne einmal wissen, was denn noch schlimmer ist als Arbeitsplätze und Spielzeuge und eine Industrie, deren Anteile direkt immer in die Rüstung gehen. Eine solchen Anteil ist der Arbeit von Kindern, Familien und Arbeitsploätzen nicht würdig. Ist nach meinem Verständnis auch kein Gemeinwohl. Und dieser Rüstungswahnsinn ist der einzigste Blödsinn. Und wer das ausblendet, der müsste dann aber auch Gründe haben, für den schlimmeren Blödsinn. Hat er das nicht, dann kann er ja gleich sagen, es ist alles kein Problem, man bildet sich das alles nur ein. Aber dann ist es leider auch in der Auswirkung so, kein Problem und dann hat auch die Bevölkerung nicht zu klagen, denn die Zustimmung gibt man dann im Einklang dazu.

Und man ist so blöd und spricht es nicht aus, redet über dieses und jenes, aber die Hauptursache, der Rüstungswahnsinn, das geht irgendwie auch an der Bevölkerung größtenteils vorbei. Wie macht man das, dass man die Bevölkerung für solche Themen interessiert, denn man weiß ja nicht mal, wie man den Abstellknopf betätigen soll. Außerdem wäre das einfach getan, aber wessen Ressort ist das? Doch nicht das der Leute und Menschen überhaupt, sondern das Ressort eines Tieres oder eines Waffengeistes, der nicht sichtbar ist, weil er nicht eindeutig verantwortlich ist, ist nur ein Gerät, weiter nichts. Und über Geräte kümmert sich kein Mensch auf Dauer, da lässt man es auch mal schleifen, was normal ist, aber das Gerät bleibt. Vielleicht muss es so sein, man kümmert sich um die Nebensächlichkeiten, Familie, Arbeit, Renten, eben Sozialpolitik. Und das Gerät der Rüstung ist und bleibt die Hauptsache. und das terrorisiert jegliche Sozialpolitik.

Es fehlt nur ein einziger Punkt. Das ist die Einigkeit, das auf einen Nenner zu bringen, dass der Rüstungswahnsinn gestoppt werden muss, dass es eine Erneuerung der Arbeit, dass es Investitionen und Innovationen geben kann, die sich nicht nur immer aus dem einen Topf begründen. Das lässt doch alles andere absterben. Und wenn das keiner sieht, dann soll man sich nicht einbilden, dass man Politik betreibt, sondern man macht eben weiter, so wie immer. Es geht auch gar nicht anders. Denn warum sollte man etwas abschaffen, das demokratisch ist, nicht weiterbetreiben, auch wenn etwas anderes eingetreten ist, das undemokratisch ist, die Hochrüstung und der Hochrüstungskampf des Kapitals des größeren Systems, das das kleinere verschlingt. Und da ist ja SPD und LINKE auch in der Lage, während andere Parteien für den Waffenexport und Rüstungsindustrie plädieren. Es ist die Rüstung, die schon lange das Problem ist. Aber dieses Schweigen, das darüber immer noch herrscht und dass es keine Einigkeit diesbezüglich gibt. Das ist das einzigste Problem, das ich habe. Würde sich das mal ändern, sehe ich gute Möglichkeiten, dann man die Gelder wieder an der richtigen Stelle besser ansetzt, denn durch die Hochrüstung wird das ja verhindert.

Sebastian Puschner 08.06.2017 | 18:39

"Immerhin gar nicht so schlecht" finde ich die Einbeziehung Selbstständiger in die Gesetzliche, eine Solidarrente und das Eingeständnis, dass die Umlagefinanzierung ohne "Demographiezuschuss" des Bundes, wie es die SPD nennt, weiter unter Druck geraten wird. Wobei sich letzterer eben auch etwa durch die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze ersetzen ließe, zweitere viel höher sein und nicht nur für "langjährig Beschäftigte" ohne Erwerbsbiohraphiebrüche gelten müsste und erstere sowieso alle in ein öffentliches System ohne teilprivatisierten Dimensionen zusammenführen sollte.

Etwas anderes übrigens, ohne dass das jetzt hier in den Kommentaren dezidiert zum Ausdruck gekommen wäre: den "wir-kriegen-eh-keine-Rente"-Narrativ finde ich suboptimal, weil unpolitisch. Es mag ein lange, schwerer Weg sein, aber der Kampf um eine für alle würdige Rente ist zu wichtig, um ihn per Selbstaufgabe dem oberen Prozent zu überlassen.

Beste Grüße,

S.P.

Urmel 08.06.2017 | 18:57

den "wir-kriegen-eh-keine-Rente"-Narrativ finde ich suboptimal
Das stimmt natürlich, aber es wird sich jede Partei mit einem Umbau der Rente schwer tun, denn da vergrätzt man Wähler - egal ob man wirklich was verändern wollte. Beitragsbemessungsgrenze? Auch da würde ich Ihnen zustimmen, obwohl der Nutzen massemäßig eher marginal ausfallen würde (immerhin). Bei den Selbstständigen wird es schwierig für die Kleinen, das könnte man aber abfangen.
Eine wirkliche Rentenreform geht aber nur über den Arbeitsmarkt und eine andere Teilhabe der Arbeitnehmer am Gewinn. Meine Meinung. Und die SPD ist da die letzte Partei, der ich das zutrauen würde.

karamasoff 08.06.2017 | 20:12

Und zwar noch länger als man denkt, denn laut Schulzes "Dann bin ich, wenn alles gut läuft im 12. Jahr Kanzler" auf die Frage nach der Rente im Jahre 2029, kann man nur folgern, daß er das

1. nicht ernst gemeint hat, was wiederum schließen läßt, daß er die ganze Kandidaturchose für ne Art Unterhaltungssendung hält,

oder

2. er es völlig ernst meint, was mich zur Vermutung treibt, daß er sich für Realitäten (speziell für seine eigene) nicht interessiert oder interessieren kann,

was dann letztendlich vermuten lässt, daß es Merkel noch öfters werden kann und zwar ohne Probleme und ohne sPD.

gelse 09.06.2017 | 23:00

>>Rentner/Rentnerin wissen, wie sich Arbeitsplätze verändern und wenn ja, ob das gut, schlecht ist und wenn gut, dann dürften auch die Renten sicher sein, ansonsten läuft was mit der Arbeit schief. Aber Arbeit, dieser Begriff ist immer nur dieser Begriff Arbeit, ohne sich mit den Branchen näher beschäftigen zu müssen. Im Zweifel spricht man von der Robotik und der Technologie.<<
Es wird über Technik* gesprochen und nicht über Inhalte und Ziele der Arbeiterei, ja. Würde man sich auf Ziele konzentrieren, dann stellte sich ja schnell heraus, dass ein Teil der Arbeitsergebnisse für das Gemeinwohl und das persönliche Wohl uninteressant sind, ein weiterer Teil ist sogar schädlich. Daraus ergäbe sich, dass die Lebensarbeitszeit geringer sein könnte wenn wir uns auf die Erstellung von konkreten Gebrauchswerten** konzentrieren könnten, ohne das Ziel der Bereicherung von Arbeitskraftkäufern.

Dass Gebrauchswerte konsumiert werden können wenn sie mal erstellt sind, versteht sich von selbst. Es gibt keinen vernünftigen Grund, Leute von der Nutzung auszuschliessen, nur um mehr exportieren zu können als importiert wird.
Daraus ergibt sich: Eine umfassende Versorgung auch nach Ende der Lebensarbeitszeit ist möglich.

*als hätte es in den vergangenen Jahrhunderten keine technische Entwicklung gegeben

** Gebrauchswert: Im Gegensatz zum Tauschwert der reale Nutzwert eines Arbeitsergebnisses.
Arbeitsergebnis: Was bei der Arbeiterei herauskommt: Nahrungsmittel, Kampfdrohnen, medizinische Behandlungen, Sturmgewehre, Kleidung, Dividenden, Wohnraum, Zeitungen, Panzerhaubitzen, Bier, Wein, Klopapier, Industriepizza, Uboote, Konzerte, Fahrmaschinen…

Es ist halt nicht erlaubt zu glauben was wir wissen. Und es ist schwer, die Idiotie der Glaubenssozialisation zu überwinden. Aber es könnte sich lohnen ;-)
Hier.

In Griechenland und, noch schlimmer, in Afrika und Bangladesh* geht schon mehr.




Ideenverwirklicher 10.06.2017 | 17:01

Die Schlacht um Themen und Lösungen endet notwendig in unentwirrbarem Überbietungswahnsinn. Bevor ich mich mit Themen und Maßnahmen befassen, muss ich einen Rahmen haben, aus dem sich erklärt/ableiten lässt, warum ich gerade das, was ich will, will. Stattdessen: Bastelstunde, Rumgefrickele.

Und: die inneren Erklärungen sind deshalb so schlecht, weil sie nur negative Beschreibungen sind. Es soll ein Bollwerk geben gegen...... Statt dass man ein Bild von gelingendem Zusammenleben entwickelt, das allen nützt.

Ich bin selbst Selbständiger - und ich habe nichts gegen die Einbeziehung von Selbständigen. Aber es gibt noch eine weitere Gruppe, die einbezogen werden muss, gerade wenn ich Gerechtigkeit verkünde: die Beamten. Und jetzt schreien alle: "Oh Gott, bloß nicht."

Das ganze Rumgemurkse ließe sich relativ leicht auflösen. Ich muss die "Sicherungssysteme" und das Steuersystem zusammensehen. Eigentlich weiß jeder, wie's geht. Aber jedesmal tut man einzelnen Berufsgruppen/Wählergruppen/Lobbyisten weh.

(a) Jeder Einnahmenerzieler, also jeder Arbeiter, Angestellte, Selbständige und Beamte zahlt in die gesetzliche Krankenversicherung und in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Wem die Leistungen, die er dann erhält, nicht reichen, kann sich gerne zusätzlich versichern, aber eben zusätzlich.

(b) Jeder als Teil des Sozialgefüges Staat - Arbeiter, Angestellter, Selsbtändiger, Beamter, nicht Arbeitender zahlt Steuern gemäß seinem Einnahmen. Und man möge bei Steuern endlich von Gerechtigkeit aufhören. Die Individualgerechtigkeit hat uns zu einem unentwirrbaren Dschungel an Regelungen geführt. Und nichts hat sich verbessert. Außerdem: gefühlt gibt es in den letzten 30 Jahren 10 verschiedene Steuerentwürfe, und jetzt schon wieder nen neuen. Waren die Entwerfer vorher alle blöd?

(c) Was soll man SPD und CDU eigentlich an Versprechungen glauben? Da hab ich das intellektuelle Problem, warum sie in Zukunft etwas tun wollen, das sie bisher nicht getan haben, obwohl sie es hätten tun können. Wenn sie es bislang nicht hätten tun können wegen des Koalitionspartners, dann kann man gleich weghören, weil die Wahrscheinlichkeit einer neuen Konstellation die unwahrscheinlichste ist.

erftstadtboy 12.06.2017 | 16:40

kampf in allen ehren, sehe ich auch so.

aber einbeziehung i.d. gesetzliche von selbstständigen ändert nichts a.d. armutsrente, wenn die einkünfte als selbstständiger nicht hoch sind. was immer häufiger der fall ist, z.b. im medienbereich (bin ich selber tätig), bei den ganzen scheinselbstständigen und kleinen krämern aller art. dieser anteil an "armen" selbstständigen steigt weiter und weiter.

was die angestellten angeht: menschen, die ihr leben lang ohne unterbrechung ca. 2000eu brutto verdient haben, bekommen bei um die 50% eine rente in hartz4 höhe. wurde alles berechnet.

und ihren vorschlägen ("müsste") stimme ich zu, nur werden die nicht stattfinden. nicht mit der fdpcduspdgrüne-partei. oder glauben sie wirklich, dass diese vier parteien die dt. versicherungsidustrie (allainz und co/privatisierte renten) aufs spiel setzen, die im globalen wirtschaftsmachtkampf sehr wichtig sind?

im übrigen gehöre ich nicht der "wir-kriegen-eh-keine-Rente" fraktion an, sondern eher der "wenn-wir-eine-auskömmliche-rente-haben-wollen-müssen-wir-einen-extrem-harten-konflikt-mit-den-eliten-eingehen"-fraktion an. und ich meine einen wirklich harten konflikt, wie es ihn seit 1945 nicht gegeben hat.

Urmel 12.06.2017 | 18:57

Kapitalgedeckt bringt momentan keine Rendite - zumindest nicht Ihnen (dem Leistungsempfänger).

Umlagefinanziert? Da spricht der demografische Wandel dagegen. Entweder die Jungen zahlen mehr oder die Rentner bekommen weniger. Da wird die Solidarität zur Phrase. Generationenvertrag hin oder her.

Das Problem ist, es gibt keine zukunftssichere Lösung. Drum verkauft die SPD jetzt ja Betriebsrenten, damit sie überhaupt was im Portfolio hat.




gelse 12.06.2017 | 21:08

>>…einen wirklich harten konflikt, wie es ihn seit 1945 nicht gegeben hat.<<
Allerdings.
„Wir sind so produktiv, dass wir einen grossen Exportüberschuss schaffen müssen, weil wir ja nicht wissen wohin mit unserer Produktivität“
„Trotzdem werden wg. Industrie 4.0 einige Millionen Menschen nicht mehr arbeiten können und müssen anderweitig versorgt werden“
„Die noch Arbeitenden sind aber so unproduktiv, dass für die Mitversorgung von Nichtmehrarbeitenden (Rentnern) nicht viel übrig bleibt. Oder sie müssen mehr als zumutbar abgeben.“
Das sind die alltäglichen Eiertänze, und niemand will was merken.
Warum? Zwischen Produzieren und Konsumieren ist der private Profit geschaltet, dem dient alles Arbeiten. Und eben nicht der Versorgung mit Arbeitsergebnissen, die ist ein vernachlässigter Nebeneffekt. Um den Zustand zu überwinden, braucht es die organisierte Aktion aller Profitgeber. Mit ein paar Verzierungen ohne das grundsätzliche Problem lösen zu wollen kommen wir nicht weiter. Das gilt auch, aber nicht nur für die Renten.

erftstadtboy 16.06.2017 | 09:41

die demographie ist bei der ständig steigenden produktivität kein problem. das ist meiner ansicht nach propaganda zur angsterzeugung, umleitung von geld, fragmentierung der beherrschten, usw.

die demographie hat sich i.d. letzten 100 jahren viel massiver verschoben als i.d. letzten 20jahren und wahrscheinlich den zukünftigen 30jahren.

zu rentner weniger, junge mehr bei umlagerente: es gibt noch weitere stellschrauben, z.b. lohnerhöhungen im rahmen des produktivitätszuwachses (finden i.d. letzten 20jahren nicht statt in d-land) führt zu höheren rentenbeiträgen, vermögenssteuer wiedereinführen zur stützung der rente, usw.usw., das geld ist da.

weil bzgl. der demographieentwicklung andere besser argumentieren können als ich ein paar links:

zwei zehn jahre alte artikel von gerd bosbach, die immer noch zutreffen, der erste gut durchargumentiert
http://www.linksnet.de/de/artikel/20020
http://www.nachdenkseiten.de/?p=246

und: bundesregierung revidiert bev-prognosen (aha), wurde kaum drüber berichtet, leider i.d. jw nur gegen bezahlung, der erste abschnitt ist aber so lesbar
https://www.jungewelt.de/2017/02-03/021.php