Sebastian Puschner
Ausgabe 4515 | 06.11.2015 | 06:00 56

Unser Freund, der Neoliberalismus

Alternativen An nichts haben wir uns so abgearbeitet wie am herrschenden Dogma. Zeit für eine Wende

Im Freitag der vergangenen Woche taucht das Wort „neoliberal“ neunmal auf. Mit fünf Nennungen hat das jüngste Ressort dieser Zeitung, der monatlich erscheinende und von mir verantwortete Wirtschaftsteil, den Löwenanteil daran. Mir ist nicht wohl bei dieser Bilanz, auch wenn ich mir sicher bin, dass sie ein Ausrutscher ist und nicht stellvertretend steht für alle bisherigen 13 Ausgaben.

„Neoliberal“, dieses Wort, es ist so einfach, so bequem, so abgedroschen – ich meine das ernst. Jede und jeder meint sogleich zu wissen, wovon die Rede ist. „Neoliberal“ steht synonym für „böse“, und zugleich für „übermächtig“. Unentrinnbar. Alternativlos. Der Wirtschaftsteil aber will genau so nicht sein. Er soll das mächtig und möglich machen, was eine Alternative sein könnte. Natürlich muss er ebenso ein Ort sein, an dem die vornehmste Qualität des Freitag aus 25 Jahren seine Fortsetzung findet: die scharfsinnige Kritik der bestehenden Verhältnisse. Aber mit dem Wirtschaftsteil haben wir auch eine Brücke in die Zukunft zu bauen versucht, weil diese Kritik zum Selbstzweck zu werden, in Zynismus und damit faktisch Toleranz des Bestehenden umzuschlagen droht. Es gibt Alternativen, mögen sie und ihre Protagonisten noch so klein sein und mag der Glaube an sie von vielen als noch so naiv belächelt werden. Vollgeld, solidarische Landwirtschaft, Gemeinwohlökonomie, es gab im vergangenen Jahr hier einiges davon zu lesen.

Da nun die bloße Thematisierung solcher Ansätze das alle privaten und öffentlichen Sphären immer stärker durchdringende neoliberale Paradigma freilich nicht in Auflösung versetzen wird, trifft es sich gut, dass gerade das neue Buch des US-Wirtschaftshistorikers Philip Mirowski auf Deutsch erschienen ist: Ich sehe Untote leben länger. Warum der Neoliberalismus nach der Krise noch stärker ist (Matthes & Seitz 2015, 325 S., 29,90 Euro) als eine Art Geburtstagsgeschenk für den Freitag. Über 300 Seiten zur Frage, warum der Neoliberalismus, an dem sich diese Zeitung seit 1990 und Linke insgesamt schon viel länger abarbeiten, heute erfolgreich wie nie zuvor ist.

Linke Obsession

Mirowski widerlegt die jüngste Blüte der linken Obsession für den Neoliberalismus: Den Glauben einiger Linker an die Behauptung neoliberaler Denker nämlich, das Phänomen als solches gebe es gar nicht oder es sei zu diffus, um es einer klaren Analyse zu unterziehen. Es gibt den Neoliberalismus, mögen seine Protagonisten sich auch selbst nicht neoliberal nennen. Und er lässt sich sehr wohl fassen, weil er eben nicht auf eine dunkle Verschwörung zurückgeht. Sondern maßgeblich auf das Treffen von drei Dutzend Denkern, unter anderem Friedrich von Hayek, Milton Friedman, Walter Eucken, Karl Popper und Wilhelm Röpke 1947 am Mont Pèlerin in der Schweiz, von wo aus sie einen Neuanfang für den ihrer Meinung nach im 20. Jahrhundert diskreditierten Liberalismus starteten. Haben sich die Forschungsprogramme etwa Friedmans und Röpkes in den Folgejahren auch teils weit auseinanderentwickelt: Die Mont Pelerin Society (MPS) ist die innerste Puppe der neoliberalen Matrjoschka, Hochschulfakultäten unter anderem in Chicago und Freiburg wurden zu ihrem nächstgrößeren Ring, umgeben wiederum von Stiftungen (in Deutschland etwa Bertelsmann), Denkfabriken und Medien, allen voran Rupert Murdochs News Corporation.

1992

Hutprobe Vier Herausgeber sind gefunden. Und das im Ost-West-Proporz: der Diplomat und Publizist Günter Gaus wie die Sozialwissenschaftlerin Gerburg Treusch-Dieter mit westdeutschem – der Theologe und DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Ullmann sowie der Schriftsteller Christoph Hein mit ostdeutschem Hintergrund. Gaus schreibt am 7. Februar unter der Überschrift Moral-Monopoly einen ersten Leitartikel über die neuen Gessler-Hüte, die man im vereinten Deutschland grüßen müsse, um ideologisch auf der Hut zu sein.

Der Startpunkt dieses neoliberalen Kollektivs liegt dort, wo sich heute die Linke noch befindet: in der Bedeutungslosigkeit – eine Folge des Untergangs wirtschaftsliberaler Konzepte durch die Große Depression 1929. Dass es seine in den 1980er Jahren gewonnene Vormachtstellung in der Finanzkrise behauptet hat, ist nicht unwesentlich auf das Zusammenraffen seiner Kräfte zurückzuführen, für das ein MPS-Sondertreffen im März 2009 in New York sinnbildlich steht.

Wer den Neoliberalismus in Zukunft mit Substanz und Nüchternheit kritisieren will, dem sei die Lektüre der 13 Punkte empfohlen, auf die Mirowski dessen Programm verdichtet hat: Das neoliberale Dogma ist durch und durch konstruktivistisch; es braucht zur Durchsetzung seiner Ziele Autoritäten und einen starken Staat, dichtet zugleich dem Markt einen natürlichen Charakter, einen menschlicher Erkenntnis unzugänglichen evolutionären Ursprung an und entzieht sich der Debatte um die daraus offenkundig resultierenden Widersprüche, indem es die Ontologie dieses Marktes im Ungefähren belässt und ihn schlicht zum unschlagbar besten Prozessor von Informationen erklärt. Der Staat wird im praktischen Neoliberalismus nicht kleiner, sondern im Gegenteil durchgreifender in der Durchsetzung marktradikaler Programmpunkte – der Abbau der Grenzen für den Kapitalverkehr, die aktive Unterstützung unfehlbarer Unternehmen und die Förderung der als produktiv gewerteten Ungleichheit allen voran. Ein armer Mensch geht eher in der für ihn vorgesehenen Rolle des Unternehmers seiner selbst auf, wenn er Reichen nacheifern kann.

Maßnahmen wie die in Verfassungsrang erhobene Schuldenbremse brauchen zwar demokratische Legitimation durch die Bevölkerung. Doch die Zwangsläufigkeiten jenes angeblich naturwüchsigen Marktes, der immer und für alles eine Lösung hat, stecken die Grenzen der Demokratie ab und zeigen so, dass die von Neoliberalen aufs Schild gehobene „Freiheit“ nichts ist als ein großer Bluff. Ähnlich verhält es sich mit der zentralen Bedeutung der für die Armen vorgesehenen Gefängnisse und mit der rein rhetorisch aufrechterhaltenen Anschlussfähigkeit an die christliche Rechte.

So wohltuend es ist, dank Mirowski eine griffige Beschreibung des Neoliberalismus zur Hand zu haben, so gefährlich ist es, sich nun an der Vielzahl schreiender Widersprüche darin abarbeiten zu wollen – Stoff für 25 weitere Jahre böte sie.

Finanzkrise und Klimawandel

Doch man bedenke, dass das neoliberale Denkkollektiv derweil die Öffentlichkeit mit seinen mehrgleisigen Strategien zum Umgang mit den beiden großen Herausforderungen unserer Zeit bombardiert, Finanzkrise und Klimawandel. Gleis eins: Leugnung. Den Klimawandel gibt es nicht, die Finanzkrise hatte mit orthodoxer Wirtschaftswissenschaft nichts zu tun. Gleis zwei: Mehr Markt – Bankenrettung und Emissionsrechtehandel. Gleis drei: Innovationen, und zwar in Gestalt neuer Finanzmarktprodukte, die reichen wie armen Käufern in einer Phase weltwirtschaftlicher Stagnation neuen Wohlstand versprechen, sowie als Geo-Engineering, das CO2-Emissionen von der Bedrohung zum neuen Geschäftsmodell macht. All diese sechs Strategien werden kein Problem lösen und sie dominieren doch den öffentlichen Krisendiskurs.

Statt weiter wie das Kaninchen vor der Schlange zu erstarren, stände es Linken gut zu Gesicht, den Diskurs endlich wieder selbst mit Strategien zu fluten. Und zwar nicht mit solchen, die beim Zurücksehnen in eine angeblich gute alte Zeit keynesianischer Wirtschaftspolitik, sozialistischer Sozialstaatlichkeit und regulierter Finanzmärkte stehen bleiben. Sondern mit neuen Ideen und Erzählungen, die dem einsamen Ich des Neoliberalismus ein solidarisches Wir der Arbeiterinnen, der gewerkschaftlich Organisierten, der Armen, der Klimafreunde oder der genossenschaftlich organisierten Bankkunden entgegensetzen.

Mirowski lesen, Mund abwischen, die Alternativen ins Licht rücken – das ist meine Devise für den Beginn der nächsten 25 Jahre Freitag. Wenn sich dabei, der Einfachheit halber und um Zeichen zu sparen, noch ab und an das Wort „neoliberal“ findet, dann wissen Sie ja jetzt, was gemeint ist.

Info

Dieser Artikel ist Teil der Jubiläumsausgabe zum 25. Geburtstag des Freitag

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 45/15.

Kommentare (56)

Moorleiche 06.11.2015 | 10:41

„„Neoliberal“, dieses Wort, es ist so einfach, so bequem, so abgedroschen – ich meine das ernst. Jede und jeder meint sogleich zu wissen, wovon die Rede ist. „Neoliberal“ steht synonym für „böse“, und zugleich für „übermächtig“. Unentrinnbar. Alternativlos. Der Wirtschaftsteil aber will genau so nicht sein. Er soll das mächtig und möglich machen, was eine Alternative sein könnte.“

Ja.

Dieser Neoliberalismus, der (angeblich) hinter allem steckt, ist vollkommen ungreifbar und damit zwar eine prima Projektionsfläche, aber eben auch keiner Veränderung zugänglich, was ja Unfug ist.

Der Staat wird im praktischen Neoliberalismus nicht kleiner, sondern im Gegenteil durchgreifender in der Durchsetzung marktradikaler Programmpunkte – der Abbau der Grenzen für den Kapitalverkehr, die aktive Unterstützung unfehlbarer Unternehmen und die Förderung der als produktiv gewerteten Ungleichheit allen voran.“

Wieso? Das verstehe ich nicht. Ist das dann noch der souveräne „Staat“ den wir meinen, wenn wir davon reden, wenn er nur noch Erfüllungsgehilfe ist?

Doch die Zwangsläufigkeiten jenes angeblich naturwüchsigen Marktes, der immer und für alles eine Lösung hat, stecken die Grenzen der Demokratie ab und zeigen so, dass die von Neoliberalen aufs Schild gehobene „Freiheit“ nichts ist als ein großer Bluff.“

Ja, das neoliberale Versprechen war ja: Lasst den Markt frei agieren, alles andere – soziale Beglückungen, tolle Werte und Rechte usw. - kommt dann schon. Es wurde nicht gehalten, das kann man m.E. auch sehen, ohne links sein zu müssen.

Gleis eins: Leugnung. Den Klimawandel gibt es nicht, die Finanzkrise hatte mit orthodoxer Wirtschaftswissenschaft nichts zu tun.“

Das ist nicht allein dem neoliberalen (Glaubens)System anzulasten, so agiert jedes System.

Kuhn hat es analog für die Wissenschaft aufgezeigt.

Aber die Phase der aktiven und aggressiven Leugnung ist ja schon eine Abwehrreaktion. Kräftige Systeme nehmen Kritiker erst gar nicht zur Kenntnis.

Statt weiter wie das Kaninchen vor der Schlange zu erstarren, stände es Linken gut zu Gesicht, den Diskurs endlich wieder selbst mit Strategien zu fluten.“

Tja.

Die Linken haben es aber nicht so mit dem Individuum. Ihr – m.E. reichlich blödes – Mantra ist, sich gegenseitig zu versichern, dass einer allein niemals was ausrichten wird.

Man braucht das Kollektiv, manchmal die Revolution, Proletarier aller Länder … oder einen Führer oder eine Partei, die dann stellvertretend das Beste für die armen Menschen rauszuholen versucht. Damit hat man sich bereits klein gemacht.

Damit spielen sie dem Neoliberalismus in die Karten und lehnen die stolzen Individuen, die es bräuchte, um selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu entscheiden, was man will und was man nicht will, ab.

Mirowski lesen, Mund abwischen, die Alternativen ins Licht rücken – das ist meine Devise für den Beginn der nächsten 25 Jahre Freitag.“

Oder eben das Individuum stärken.

Ich weise gebetsmühlenartig und obsessiv auf den Zusammenhang von Neoliberalismus undNarzissmus hin, nicht um die eine Worthülse gegen die andere auszutauschen, sondern um-Seinen zweiten Ansatzpunkt aufzuzeigen. Ich-Stärke ist das, was die Karre aus dem Dreck zieht, wenigstens zu einem großen und ergänzenden Teil.

Ich teile die Meinung, dass wir nicht in Angst erstarren müssen, es bringt nur nix, immer nur zu bellen und dann auch noch vorm falschen Baum zu stehen.

gelse 06.11.2015 | 11:09

>>Und zwar nicht mit solchen, die beim Zurücksehnen in eine angeblich gute alte Zeit keynesianischer Wirtschaftspolitik, sozialistischer Sozialstaatlichkeit und regulierter Finanzmärkte stehen bleiben.<<
Richtig.
Ich hatte immer wieder mal als Denkanstoss u. A. die Mondragón Corporación Cooperativa in die Diskussion gebracht. Ist aber offenbar ziemlich unbeliebt.

gelse 06.11.2015 | 11:17

>>…oder einen Führer oder eine Partei, die dann stellvertretend das Beste für die armen Menschen rauszuholen versucht.<<
Das entspricht auch meiner Erfahrung: Die meisten Leute sind derart im Geführtwerden verhaftet, dass sie sich keinerlei selbständige Aktion zutrauen. Wahrscheinlich müssen wir sehr klein anfangen: Mal irgendetwas tun, dass nicht durch Vorgesetze, Konsumwerbung usw. abgesegnet ist. Oder erst mal überhaupt was Eigenes denken…

Moorleiche 06.11.2015 | 11:25

Wir brauchen uns vor allem nicht permanent einreden zu lassen, alles was wir täten und dächten seien nur fremdbestimmte Suggestionen.

Das ist in der Argumentation vollkommen zirkulär, also für die Katz'. Damit beweist man sich seine eigenen Glaubenssätze, was nicht sonderlich originell ist.

Ja, ich bin tatsächlich von dem überzeugt, was mich überzeugt.“ Glückwunsch.

Kühn wäre es, die grundlegenden Vorannahmen, die Prämissen, Präsuppositionen, Glaubenssätze, Dogmen, gewohnten Denkwege mal zu hinterfragen und nicht immer und immer und immer und immer wieder nach dem gleichen Muster aufzulösen.

Freiheit ist tatsächlich billiger zu haben, als man oft denkt.

schna´sel 06.11.2015 | 12:09

"Der Staat wird im praktischen Neoliberalismus nicht kleiner, sondern im Gegenteil durchgreifender in der Durchsetzung marktradikaler Programmpunkte – der Abbau der Grenzen für den Kapitalverkehr, die aktive Unterstützung unfehlbarer Unternehmen und die Förderung der als produktiv gewerteten Ungleichheit allen voran. Ein armer Mensch geht eher in der für ihn vorgesehenen Rolle des Unternehmers seiner selbst auf, wenn er Reichen nacheifern kann."

Das passt so einhundertprozentig auf die Schröder Agenda, das ich mich jetzt wirklich frage, ob der Autor das neoliberale Dogma skizziert, oder das beschreibt, was von der SPD übrig geblieben ist.

Sascha 06.11.2015 | 12:22

Man sollte sich nicht nur anschauen, wo die ideologischen Wurzeln des Neoliberalismus liegen, sondern auch wie es zu seiner praktischen Umsetzung kam. Das erste Experimentierfeld für die heiligen Dogmen des Neoliberalismus war bekanntlich Chile während der Militärdiktatur von 1973-90. Die "Chicago-Boys", die Ideologen des Neoliberalismus, mißbrauchten Chile als Labor, wo sie ihre dubiosen Theorien testen konnten. Später Anfang der 80er Jahre folgten dann die USA mit den Reaganomics und Großbritannien mit dem Thatcherismus. Gemeinsam ist ihnen allen, dass es sich um eine gezielte Strategie handelte, um die Arbeiterklasse zu schwächen. Denn die Arbeiterbewegung war in den 60er und 70er Jahren besonders stark und verhalf den Arbeitern in den Fabriken zu relativem materiellem Wohlstand und jedenfalls mehr Lohn und Sozialleistungen als zuvor. Diese Erfolge der Arbeiterbewegung sollten durch den Neoliberalismus wieder rückgängig gemacht werden. Es handelt sich also auch um eine Form von Klassenkampf von oben, der bessere Verwertungsbedingungen für das Kapital durchsetzen sollte. Die Folgen spüren wir bis heute: schwache Gewerkschaften, tendenzielle Lohnsenkungen, Zerschlagung des Sozialstaates und Privatisierung/Kommerzialisierung von allem, was der Mensch zum Leben braucht.

Ratatörskr 06.11.2015 | 13:40

"Ich-Stärke ist das, was die Karre aus dem Dreck zieht, wenigstens zu einem großen und ergänzenden Teil.

Ich teile die Meinung, dass wir nicht in Angst erstarren müssen, es bringt nur nix, immer nur zu bellen und dann auch noch vorm falschen Baum zu stehen."

Ich-Stärke, welche ist gemeint? Die der individuellen Feudalherren oder die der Menschen, die wie in Griechenland , in ihrer individuellen Ich-Stärke sich ein starkes Individuum wählten, das dann auch gleich von den anderen Ich-gestärkten zusammengefaltet wurde!

Welchen Baum hätte sich Tsipras aussuchen sollen, den der neoliberalen schwarzen Null der Austeritätspolitik?

Am Beispiel Griechenlands lässt sich die Stärke dieser Ich-Stärke-These ablesen.


iDog 06.11.2015 | 18:13

Es ist einfach der Kapitalismus - stupid - als Herrschaftssystem auf ökonomischer Basis , der in der Endphase - man nennt das heute Neoliberalismus - eines Geldsystemzyklus so ist wie er ist , weil die Finanz-und Wirtschaftsdiktatur ihre Herrschaft, inklusive Struktur , die Eignetumsverhältnisse erhalten möchte, obwohl sie die Macht eventuell einbüßen könnte , wenn es schräg oder anders läuft als vorgesehen, weil zB. andees als das letzte mal das fameuse Wachstum aus physikalischen Gründen nie wieder kommt ... wer verhindert diesemal die sozialistischen oder sonst eine "Revolution", bzw. Wende ?

Doie besagte, rigide Alterantivlosigkeit ist dem Umstand geschulde , dass die gesamte Herrschaftsstruktur auf den Faktor Wachstum aufsetzt. Wenn das wegbricht wird die ökonomische Gouvernance zum Vabanque-Spiel. Man flüchztet sich offensichtlich in Destabislieirungsprozesse , Krisenmodellle, etc.. Chaos ist leichter zu regieren als welche Ordnung auch immer zu schaffen.

MaggieStone 06.11.2015 | 18:57

Was ist,wenn wir Ich-Stärke dahingehend übersetzen, schlau,trickreich und,falls erforderlich, hinterhältig zu agieren (die Hinterhältigkeit dessen übernehmend, das sich der Person entgegenstellt).

Was bringt der stärkste Ruf nach Tariflohn,wenn man mit einer privatisierten Bahn redet? Das verstehe ich schon (obgleich ich mir nicht anmaße, dessen Sinn zu beurteilen)

Ich erlebe das als Student immer wieder. Es ist wirklich nicht so,dass jede/r seine Grenzen voll auskostet...

Nil 06.11.2015 | 18:58

Die Linken müssen sich weiterentwickeln und zu integraleren Weltbildern kommen, um bessere PRoblemlösungen anzubieten. WIr leben alle in einem globalen Dorf, deshalb müssen wir Integral werden oder aber zugrunde gehen.

Nachfolgend aus dem Parteiprogramm der ersten integralen Partei der Erde. es lohnt sich reinzuschauen. und danke für den Beitrag.

Positionen

Integrale Erziehung und Bildung

Integrale Gesundheit

Integrale Wirtschaft

integrale Migrationspolitik

integrale Friedensarbeit

Integrale Gesellschaft

integrale Klima- und Energiepolitik

Moorleiche 07.11.2015 | 11:12

Hallo Ratatörsk.

Ich-Stärke, welche ist gemeint?“

Die psychologische.

Die der individuellen Feudalherren oder die der Menschen, die wie in Griechenland , in ihrer individuellen Ich-Stärke sich ein starkes Individuum wählten, das dann auch gleich von den anderen Ich-gestärkten zusammengefaltet wurde!“

Für oder gegen was soll das ein Argument sein?

Wenn auch ein starkes Ich nicht immer das kriegt, was es will, können wir auf Ich-Stärke auch verzichten, höre ich da raus.

Streichen Sie „ich-stark“ und setzen sie „gebildet“ oder „demokratisch“ ein, würden Sie die implizite Forderung dann aufrecht erhalten?

Welchen Baum hätte sich Tsipras aussuchen sollen, den der neoliberalen schwarzen Null der Austeritätspolitik?

Am Beispiel Griechenlands lässt sich die Stärke dieser Ich-Stärke-These ablesen.“

Kann ich daran beim besten Willen nicht erkennen.

Moorleiche 07.11.2015 | 11:20

Vielmehr als die technische Nutzlosigkeit der "Ich-Stärke" (was auch immer das dann bedeutet..) ...“

Ich-Stärke bedeutet ein integriertes Selbst zu haben, was u.a. damit einhergeht, dass die Affinität zu extremistischen Weltbildern abnimmt, die Kritikfähigkeit zunimmt und man sich Wertesystemen (die nicht einfach ein Verlängerung des eigenen Selbst darstellen) verpflichtet fühlt.

Zudem geht es damit einher, den Mut zu haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, das ist Kants zentrale Forderung an ein freies und eigenverantwortliches Individuum.

Ratatörskr 07.11.2015 | 12:47

"Streichen Sie „ich-stark“ und setzen sie „gebildet“ oder „demokratisch“ ein, würden Sie die implizite Forderung dann aufrecht erhalten?"

Nein, geschätzte Moor(l)eiche, wenn Ich-Stärke aus der Psychologie gesehen zu verstehen ist, möchte ich den Begriff mit "Selbstwert" übersetzen, schon, weil die Ich-Stärke zunächst einem Kampfbegriff nahesteht, und zwar in doppelter Hinsicht!

Das übergroße Ich und Meine Stärke kommt vermutlich aus dem Sprachlabor der Philosophie der "Erfolgreichen", die in ihren Seminaren durchaus ihr Gegenüber in der Rhetorik des ABC der Beeinflussungskunst unterrichten.

Wenn dann aus der "Ich-Stärke" eine "Wir-Stärke" wächst, geht dieses an ihrem Ziel vorbei! Das genau zeigt die Politik gegenüber Griechenland. Die Menschen waren sich ihrer "Wir-Stärke" bewußt und wählten die alte Regierung ab, zum Leidwesen der "Ich-Starken" in der EU im Zusammenspiel mit der schwarzen Null u. Merkel in Deutschland. Sie hatten bereits vor der Wahl ihre Ich-starke-Beinflussungskunst eingesetzt und zeigten nach der Wahl ihre geballte Ich-Stärke. Sie zeigten sich in ihrem Selbstwert der Ich-Stärke weder gebildet, noch demokratisch. Wissen und Bildung hätten die Austeritatspolitik analysiert und verhindert u. die demokratische Entscheidung des Volkes in seiner "Wir-Stärke" er-"tragen" können.

Bitte überzeugen Sie mich, ohne die Kunst der Beeinflussung.

Ratatörskr 07.11.2015 | 13:30

Das sind zwei gewichtige Punkte, die Du anführst. Stärke ist grundsätzlich notwendig aber in ihrer positiven Wirkung der Ethik Ehrlichkeit! Wer sich so darstellt, tricksi u. hinterhältig, ist ein eigentlich schwacher Gegner.

Die sachliche Überzeugung bedarf keiner Rhetorik des ABC's der Beeinflussungskunst!

Zur Redlichkeit, auch im Sport, gehört die Gleichwertigkeit der Gegner. So wird der Ruf nach dem Tariflohn "stark" in der gesammelten Stärke der Gemeinschaft im Selbstwertgefühl des Rechts. Dabei ist die gesammelte Überzeugung maßgebend, nicht nur eine juristische Konstellation. Der Einzelne AN agiert mit der Ehrlichkeit seines Selbst(Ich)bewußtseins, einen berechtigten Anspruch vor Gericht zu erkämpfen, den der Zusammenschluss der ehrlichen Ich-Stärke bereits ausgehandelt hat.

Nur so kommt Stärke u. Demokratie zu einem schützenswerten Ergebnis. Das wäre schön. Aber die Trickserei beginnt schon mit einer Beeinflussungskunst. Das ist das kleine Einmaleins, 1 + 1 = 2 ist und wird auch getrickst keine 3! Und einmal 1 x 1 bleibt 1.

Moorleiche 07.11.2015 | 15:01

„Das übergroße Ich und Meine Stärke kommt vermutlich aus dem Sprachlabor der Philosophie der "Erfolgreichen", die in ihren Seminaren durchaus ihr Gegenüber in der Rhetorik des ABC der Beeinflussungskunst unterrichten.“

Nein, das ist ein terminus technicus der Psychologie und alles andere als ein Kampfbegriff.

Hat nichts mit Größenwahn und Selbstüberschätzung zu tun, im Jejenteil.

Eine Annäherung finden Sie hier.

Also bitte nicht mit den Selbstoptimierungsparolen der Managerseminare verwechseln.

Jetzt der Versuch zu überzeugen:

Ein starkes und damit integriertes Ich hat die Möglichkeit besser abzuwägen und selbst (auf dem Boden selbstgewählter Prämissen) zu entscheiden, als ein schwaches, das sehr oft in schwarz/weiß Muster und Urteile zurückfällt, auch bei hoher Intelligenz.

Genau das ist es aber, was Freiheit meint, das starke oder integrierte Ich kann situationsadäquat und nicht stereotyp entscheiden, auch über den Neoliberalismus.

Ratatörskr 07.11.2015 | 15:45

Danke für Ihren Hinweis. Mit dieser Analyse bin ich einverstanden.

"Jemand, der über Leichen geht und Rücksichtslosigkeit als starken Willen verkauft, steht ebenfalls im Verdacht ein eher schwaches Ich zu haben. Auch wenn jemand sehr charismatisch oder dämonisch daherkommt, so mag er auf seine Mitmenschen beeindruckend wirken, doch oft genug ist das ebenfalls eine Kompensation gefühlter Ich-Schwäche."

So hat die Stärke des Ich ihren Wert.

Moorleiche 07.11.2015 | 16:08

Mit dem Begriff der Wahrheit stehe ich seit geraumer Zeit etwas auf Kriegsfuß, obwohl ich kein allzu postmoderner Interpret bin.

Stärke heißt in dem Kontext dann aber, sich den Luxus erlauben zu können, die Meinung des anderen wenigstens anzuhören und für die Dauer des Diskurses immer mal wieder empathisch einzunehmen.

Das ist eigentlich keine vollkommen absurde und unerfüllbare Forderung, aber vieles scheitert bereits daran.

Exilant 07.11.2015 | 17:29

"Neoliberalismus" steht auch für die "Durchökonomisierung" aller gesellschaftlichen Bereiche.

Wenn wir heute von Rechtsextremismus, von PEGIDA und von AfD sprechen, müssen wir erkennen, daß dieser gefördert wurde, weil er mit seiner menschenverachtenden, sozialdarwinistischen Ideologie den Herrschenden nutzt.

Und prompt fingen Leute an, im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdiskussion, wieder den Mindestlohn aufzuweichen.

Ohne eine einseitige, vom Neoliberalismus geleitete Arbeitgeber-Interessen bevorzugende öffentliche Diskussion wäre diese Forderung nicht möglich.

Der Alltag ist konkret, jenseits von abgehobenen akademischen Diskussionen.

Sei es, wie radgefahren wird, das Handy benutzt und anderes, kann man schon von einer pathologischen Rücksichtslosigkeit und Aggressivität sprechen, die natürlich mit einer entsolidarisierten Gesellschaft zu tun hat, in der auch viel Angst existiert, weil jeder "selbst dran schuld ist".

Den Menschen Existenzsicherheit zu geben, muß also die Losung der Zukunft lauten. Selbstredend, hilft das auch gegen den Rechtsextremismus, der nicht im Fernsehen zu sehen ist.

Ratatörskr 07.11.2015 | 18:33

Ich habe weder mit der Wahrheit Probleme, schon gar nicht mit der Anhörung. Im Kontext der Unwahrheit steht die Arroganz der Ich-Stärke im Gegensatz zur Stärke des Ichs. Siehe hier aktuell:

http://www.ossietzky.net/21-2015&textfile=3273

Cecilia Malmström, EU-Handelskommissarin. – Ihnen untersteht die Außenhandelspolitik der EU für deren 28 Mitgliedsstaaten, und Ihre Mitarbeiter/innen versuchen gerade, die TTIP-Verhandlungen mit den [...]

Entspricht die Haltung der Frau Malmström nicht nur einer "unerfüllbaren Forderung" die Wahrheit offenzulegen? Ich denke, sie ist eine Offenbarung der Schwäche ihrer überzogenen Ich-Stärke und die Flucht in die Arroganz.

MaggieStone 08.11.2015 | 03:17

Ich bin nicht davon überzeugt,dass trickreiches,listiges Verhalten ein Zeichen von Ich-Schwäche ist. Im Gegenteil, in gewissen Situationen halte ich es für das erweiterte Repertoire einer sehr ausgeprägten Ich-Stärke (verstanden im positiven Sinne) .

Wir leben unter einem Sachzwang, den Malmström nicht besser hätte auf den Punkt bringen können. Man muss sich diese Aussagen mal auf der Zunge zergehen lassen… oder lieber nicht. Ein weiteres Beispiel wäre das radikale Desinteresse der EU-Minister an Varoufakis' Vorschlägen zur Schuldenfrage (dies kann man nun glauben oder nicht), Zitat: "Might as well have sung the swedish anthem".

Falls Trickserei als irgendeine Art von Beeinflussung verstanden wurde, dann ist das,für das, was ich sagen wollte, irreführend. Meine Überlegung wäre eher die: Wenn es,grob gesprochen,zuträfe,dass manche Institutionen mit gewissen Dingen "davonkommen", warum darf das nicht für das Individuum gelten? Welche (moralische?) Instanz bestimmt die Grenze zwischen Ich-Stärke und Ich-Schwäche?

Nochmals ein Beispiel aus Griechenland,das sicher bekannt ist. Offiziell arbeitete Syriza seit Beginn am Plan B/X. Das wurde "natürlich" als Trickserei etc. tituliert (man las von Einbrüchen in die Serverräume des Finanzministeriums usw.) Nur, was war die Alternative? Kapitalverkehrskontrolle. Ehrliche Frage, inwiefern hilft hier der kategorische Imperativ?

rioja 08.11.2015 | 04:47

"Die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut." (Martin Buber)

Bald wird er dazu gezwungen sein. Entweder - Oder. tertium non datur. Die 1% sind am Ende angekommen. Die 99% auch. Liberal, neoliberal, sozialdarwinistsich, alles nicht mehr wirklich relevant. Es geht ums Überleben des Planeten. Das gegenwärtige Paradigma ist am Ende. Kein Markt der Welt wird die bereits vorhanden Schäden je "reparieren" können. Der technokratische Ansatz, das Mensch-Maschine-Modell sind game over. Das System führt sich selbst ad absurdum. Es gibt kein links oder rechts. Es gibt nur leben oder sterben. Sie suchen z.Zt. noch wie verrückt nach der V2. Immer noch die alte Hüte von der Wunderwaffe, der Wunderrezeptur, nur, um den status quo zu halten. Wir dürfen gespannt auf das Jahr 2020 blicken. Da wird es drei Dinge geben, von Tragweite: 1. Gaza unbewohnbar. 2. mission mars one 3. urban operations in the year 2020 NATO. Neoliberal? Links? Dass ich nicht lache!

Moorleiche 08.11.2015 | 14:27

Hallo Maggiestone.

Welche (moralische?) Instanz bestimmt die Grenze zwischen Ich-Stärke und Ich-Schwäche?“

Ich spreche hier von einem technischen Begriff der Psychologie, der von daher keiner moralischen Legititmation bedarf, weil das eine andere Kategorie ist.

Ich-Stärke heißt hier ein integeriertes und konsistentes Bild von sich selbst und von, für das eigene Leben, wichtigen anderen Personen zu haben.

Im Gegensatz zu einer sogenannten Identitätsdiffusion, die sich dadurch auszeichnet, dass das Selbstbild und das wichtiger anderer in wesentlichen Punkten hochgradig widersprüchlich ist, wenn es überhaupt gelingt, ein anderen Menschen über Äußerlichkeiten hinaus zu beschreiben. Die Identitätsdiffusion markiert die Grenze zwischen integriertem Ich und schwerer Persönlichkeitsstörung.

Nun kann man fragen, was das in einem Text über den Neoliberalismus zu suchen hat.

Otto Kernberg schreibt:

„In Übereinstimmung mit Green vertrat ich die Ansicht, dass die Unfähigkeit, sich einem Wertesystem verpflichtet zu fühlen, das über Grenzen selbstsüchtiger Bedürfnisse hinausgeht, gewöhnlich eine schwere narzisstische Pathologie widerspiegelt. Die Verpflichtung gegenüber einer Ideologie, die sadistische Perfektionsansprüche stellt und primitive Aggression oder durch konventionelle Naivität geprägte Werturteile toleriert, gibt ein unreifes Ich-Ideal und die mangelnde Integration eines reifen Über-Ichs zu erkennen. Die Identifizierung mit einer "messianischen" Ideologie und die Akzeptanz gesellschaftlicher Klischees und Banalitäten entspricht daher einer narzisstischen und Borderline-Pathologie. Dem gegenüber steht die Identifizierung mit differenzierten, offenen, nicht totalistischen Ideologien, die individuelle Unterschiede, Auotnomie und Privatheit respektieren und Sexualität tolerieren, während sie einer Kollusion mit der Äußerung primitiver Aggression Widerstand leisten - all diese Eigenschaften, die das Wertesystem eines reifen Ich-Ideals charakterisieren. Eine Ideologie, welche die individuellen Unterschiede und die Vielschichtigkeit menschlicher Beziehungen respektiert und Raum für eine reife Einstellung zur Sexualität läßt, wird den Personen mit einem höher entwickelten Ich-Ideal attraktiv erscheinen. Kurz, Adorno, Green und ich stimmen darin überein, dass Ich- und Über-Ich-Aspekte der Persönlichkeit das Individuum zu übergroßer Abhängigkeit von konventionellen Werten prädisponieren. Es ist berechtigt zu sagen, dass der spezifische Inhalt des Konventionellen durch soziale, politische und ökonomische Faktoren beeinflusst wird: Die Universalität der Struktur der Konventionalität in der Massenkultur jedoch und ihre Attraktivität für die Massen sind nach wie vor erklärungsbedürftig.“
(Otto Kernberg, Ideologie, Konflikt und Führung, Klett-Cotta, 1998 S.297f )

Der Neoliberalismus stellt diese Perfektionsansprüche, die Reden von Optimierung und Selbstoptimierung sind Legion, das passt u.a. prima zu der Einkürzung des Individuums auf jemanden der gut oder sogar perfekt funktionieren sollte. Und dann ist da die andere Seite derselben Medaille, die Spaßgesellschaft, die alles cool findet, weil sie sich nicht festlegen kann oder will. Den Neoliberalismus allein zu kritisieren greift, wie schon erwähnt, zu kurz, aber wenn man die Zusammenhänge zwischen innen und außen sieht, ist das m.E. hilfreich.

MaggieStone 08.11.2015 | 19:20

Hallo Moorleiche,

ich fürchte, dass ich den Begriff an falscher Stelle verwendet habe. Was ich ansprechen wollte, war der politische Missbrauch des Begriffs und der daraus folgenden,moralischen, Vorstellung, was eine ich-starke Person "hier und heute" ausmacht. Das hat ja durchaus konkrete Effekte,die wir nicht per Wunschdenken aus der Welt schaffen. Ich spreche da,glaube ich,von nichts anderem,als wenn Sie sagen "oft billiger zu haben, als man denkt".

Moorleiche 09.11.2015 | 09:33

"ich fürchte, dass ich den Begriff an falscher Stelle verwendet habe."

Kein Problem, ich wollte diese psychologische Sicht auch nur mal darstellen um einen Gegen- oder Parallelentwurf zur politischen Arbeit aufzuzeigen.

Demokratie klappt nicht ohne dass wenigstens einige Mitgleider der Gesellschaft überzeugte Demokraten sind und Demokratie (die mehr als nur den Namen hat) funktioniert auch nicht, wenn es große Anteile narzisstischer Pathologie in der Bevölkerung und in den Idealen des Mainstream gibt. Der Neoliberalismus fährt damit aber vorzüglich.

denkzone8 09.11.2015 | 15:06

aus der perspektive einer weite-linien-historiographie wird uns das zusammenpassen von charakter-typen und historischen ereignissen/bewegungen evident sein. auch, daß z.b. fuchterregene, heroisch-eingestellte, gegen schmerz unempfindliche machos für beute-züge ala dschingis khan, wikinger und adolf h. ein besseres match abgeben als verträumte, kontemplative mönche, die das kopieren älteren kulturguts besser hinkriegen. man wird leicht festellen können, das gesellschaftssysteme prägen und geprägte bestimmte g-systeme gut unterstützen oder gar nicht gut. was ist damit gewonnen?

kritikaster 09.11.2015 | 20:41

Der Begriff „Neoliberalismus“ hängt mir auch zum Hals raus. Der Devise „Mund abwischen, die Alternativen ins Licht rücken“ kann ich nur zustimmen. Ich wünschte mir aber mehr Aufklärung statt einem Hochamt für die Wort-Rauchbombe „Neoliberalismus“.

Der Begriff Neoliberalismus wirbelt nur Staub auf und hilft niemandem weiter. Ich kenne keinen Begriff, der in zwei Versionen einen größeren Spagat hinterlässt:

> Die Freiburger Schule um Walter Eucken steht für das Konzept des Ordoliberalismus – auch soziale Marktwirtschaft genannt: Die Freiburger Schule spannt den Bogen von funktionierenden Marktmechanismen bis hin zur soziale Gerechtigkeit. Marktmechanismen sichern die freie Preisbildung, die Geldwertstabilität, die Vertragsfreiheit und das Privateigentums. Die soziale Absicherung soll über aktive Wettbewerbspolitik und über Regulierung der Einkommensverteilung geleistet werden.

> Die USA-geprägte Alternative um Friedrich von Hayek steht für die Selbststeuerungskräfte des Marktes – auch Monetarismus genannt: Die Monetaristen vertrauen auf die Selbststeuerungskräfte des Marktes und sehen in der staatlichen Rahmensetzung eine gefährliche Einflussnahme auf den freien Markt.

Die Variante Monetarismus mit den Selbststeuerungskräften des Marktes ist fast immer der Stein des Anstoßes und zündet die linke Wut. Aber Differenzieren ist leider keine linke Tugend.

Alternativen ins Licht rücken heißt daher auch, klare Begriffe setzen und keine Nebelkerzen zünden. Vorschläge und klärende Begriffe erwarte ich woanders.

Die Märkte leiden heute unter zwei Akteuren: Zum einen sind dies die Oligopole, die sich als ungezügelte Herrscher auf den Märkten bewegen und sogar über Lobbisten Gesetzesvorlagen schreiben, und zum anderen ist das die gelähmten Politik, die sich als Schoßhund der Oligopole geriert statt den Märkten Rahmenbedingungen für nachhaltiges Handeln und Chancengleichheit für Alle zu setzen.

Steuern statt Kuschen heißt die Devise für die Demokratie – mehr dazu unter:

> https://www.freitag.de/autoren/kritikaster/der-gezaehmte-finanz-markt

> https://www.freitag.de/autoren/kritikaster/der-markt-die-verkannte-errungenschaft

denkzone8 11.11.2015 | 11:03

ist mir neu,daß analysieren zur erstarrung führt(bei genauem hinsehen : auf fotos wirkt marx wirklich steif.)... tierische vergleiche,so bildhaft sie sein mögen, schließen schiefheit bis zum kentern nicht aus. wer diskurse fluten will, sollte mit damm-bauern rechnen. was gut zu gesicht steht, sollte man eitlen überlassen. etwas mit gänsefüßchen zitieren,ist mit zittern verwandt..schweig still, du teuflisches lästermaul auf meiner linken schulter. mein engel zur rechten: kümmer dich um die eine,zutreffende analyse,die die steinernen verhältnisse zum tanzen bringen wird, wenn die idee die massen ergreift! tja,und strategien sind dann nachrangig.oder?

denkzone8 11.11.2015 | 12:50

märkte leiden hören ist bedenklich. wenn konsumenten stöhnen, lauschen die produzenten, wie sie es mit marktgerechteren produkten abstellen können. aber nur bei z a h l u n g s k r ä f t i g e r nachfrage, geld-los defizitäres interessiert sie nicht, absatz zu preisen unter herstellungskosten plus gewinn ist über-lebens-gefährlich! angewendete in der produktion hört man selten laut stöhnen. und wenn, dann gilt das schnell als system-relevant-unverantwortlich. denn zur gewinn-versprechenden waren-produktion sind sie im betrieb versammelt, nicht um sie glücklich zu machen. eher hört man die unternehmens-leitung über wirksame medien stöhnen: daß die überzogenen ansprüche der belegschaft markt-gerechte preise gefährden....kannst du die botschaft hören?

efa 12.11.2015 | 15:26

Historisch gesehen wurde der Begriff "Neoliberalismus" von Alexander Rüstow in die Welt gesetzt, der aber damit eher Konzepte im Stile der sozialen Marktwirtschaft assozierte.
Die Ökonomen die sich am Mont Pelerin trafen hatten einen gemeinsamen Nenner: sie suchten nach Ansätzen die nicht wie die von den Nazis gelenkte Kriegswirtschaft oder die sozialistische Planwirtschaft vollständig der staatlichen Kontrolle unterworfen waren. Man war sozusagen traumatisiert von diesen extremen Systemen und suchte nach Alternativen.
Erst 20 Jahre später wurden durch die Förderung der US Elite genau die Theoretiker extrem gepusht die extrem marktliberale Konzepte favorisierten: Hayek und später Friedmann.
Insofern ist die Darstellung im Artikel unzutreffend: während die Mont Pelerin Gruppe von 1947 eher breitbandige liberale Ansätze vertrat passten Hayek und Friedmans pseudoreligiöse Ansätze wie Arsch auf Eimer zu den ultrareaktionären Konzepten der US Geldelite: „Soziale Gerechtigkeit“, spottete Hayek 1981, „ist einfach ein quasi-religiöser Aberglaube, den wir bekämpfen müssen, sobald er zum Vorwand wird, gegen andere Menschen Zwang anzuwenden. Der vorherrschende Glaube an soziale Gerechtigkeit ist gegenwärtig wahrscheinlich die schwerste Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Zivilisation.“ Der Staat solle bestenfalls die Aufgabe haben das Funktionieren der Märkte zu garantieren, möglichst ohne grössere Eingriffe, eben die "marktkonforme Demokratie".
http://www.cicero.de/kapital/visionen-des-ein%C3%A4ugigen/36793

denkzone8 12.11.2015 | 16:49

dank fürs verwendbare zitat. sicher gibt es graduelle unterschiede in den konzeptionen des n-l. was spürbar ist, ist die praxis des n-l. erkennungs-merkmal ist der angriff auf den kern des sozial-staats, abwehr seiner (demokratisch- legitimierten) regulationen, privatisierung der lebens-risiken, entgrenzung der gewinn-möglichkeiten. historisch gesehen das gegenteil von dem was sozialdemokraten der frühen stunde als "freien volks-staat" auf die fahnen geschrieben hatten. um so bitterer für sie: der genick-bruch durch schröder & co...

Exilant 21.11.2015 | 14:42

Was heute in der "Frankfurter Rundschau" auf S.14/15 mit der Überschrift "Eine zivilisierte Gesellschaft braucht hohe Steuern" in einem Interview mit Sir Anthony Atkinson geschrieben steht, genau dies meine ich in meinem Beitrag vom 7.11.. Ein Teil der Gesellschaft verhält sich nicht mehr zivilisiert. Damit meine ich jetzt keine Fremde, sondern Einheimische.

Rüdiger Heescher 12.12.2015 | 20:43

Wir haben in den letzten 15 Jahren es geschafft Neoliberalismus als Synonym für das Böse zu etiketieren. Jetzt wird es Zeit es beim Namen zu nennen: Der Kapitalismus

Ich würde daher empfehlen jetzt immer nur noch den Begriff Kapitalismus zu verwenden. Das würde auch gleichzeitig ausschliessen wieder einen Rückfall der keynsianistischen Romantik zu huldigen, der uns ja erst aufgrund seiner Schwäche und Selbstüberschätzung den Kapitalismus bändigen zu können in seiner Dynamik, den Neoliberalismus eingebrockt hat als logische Folge.

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Ehemaliger Nutzer 12.12.2015 | 20:55

Na, da lasse ich mich überraschen, wie das Freitag-Wirtschaft-Ressort nun den Markt mit Alternativen flutet. Hoffentlich nicht mit kosmischer Theologie und ähnlich abgehobenen Konstrukten, die zwar schillern, aber bei der leisesten Realitäts-Berührung wie Seifenblasen zerplatzt ...