Anschlag auf Gaspipeline: Wer sind die Täter?

Meinung Steckt Russland hinter dem Anschlag? Waren es die USA? Und wem nutzt die Zerstörung der Pipeline am meisten? Es gibt nur eine Antwort: Wir müssen uns an Unsicherheiten gewöhnen
Ausgabe 39/2022
Wer war das?
Wer war das?

Foto: Imago/ZUMA Press

Vielleicht ist es aus Radek Sikorski einfach herausgeplatzt. „Thank you, USA“, schrieb er auf der Online-Plattform Twitter über ein Bild, das die aufgewühlte Oberfläche der Ostsee zeigt – vom Ort des Angriffs auf die Gaspipelines Nord Stream 1 und 2. Stecken die USA hinter der Attacke, in deren Folge nahe Bornholm nun Gas aus drei riesigen Lecks ins Meer entweicht? Immerhin war Sikorski zwischen 2007 und 2014 Polens Außenminister, ist Mitglied des Europaparlaments, sitzt dessen Delegation für die Beziehungen zu den USA vor und nennt die US-Historikerin Anne Applebaum von der US-Denkfabrik Council of Foreign Relations seine Ehefrau. Die hat durchaus gute Beziehungen in US-Regierungskreise. Sikorski jedenfalls zitierte nach dem Anschlag auf die Pipelines gleich noch US-Präsident Joe Bidens Versprechen vom 7. Februar zu Nord Stream 2: „Wir werden dem ein Ende setzen“, ebenso Bidens Antwort auf die anschließende Frage, wie die USA dies schaffen wollen: „Ich verspreche Ihnen, dass wir in der Lage sein werden, das zu tun“.

Vielleicht aber stimmt auch, was einige deutsche Medien vermuten: Dass Russland seine eigenen, in Osteuropa wie den USA verhassten Pipelines zerstört hat, um – ja, um was? Noch mehr Unsicherheit in Europa wie an den Energiemärkten zu stiften? Die Attacke den USA unterzuschieben? Günstig wäre die Gelegenheit gewesen. Schließlich, so meldete es das Redaktionsnetzwerk Deutschland vor Tagen, „bewegen sich derzeit viele Nato-Kriegsschiffe in der Ostsee“, sammelte sich ein großer US-Kampfverband „östlich von Bornholm“.

Oder hat Russland am Ende die falschen Röhren getroffen? Am Dienstag, zwischen dem Anschlag auf Nord Stream 1 und dem auf Nord Stream 2, feierten Regierungsvertreter Polens, Dänemarks, Norwegens und der EU die Eröffnung der Pipeline Baltic Pipe, durch die nun Gas von Norwegen nach Polen fließt – und die die konkurrierenden Nord-Stream-Röhren am Grund des Meeres kreuzt. Hatte nicht die CIA jüngst vor Anschlägen auf Pipelines gewarnt?

Fakt ist: Wir wissen es nicht. Der Nebel der allseitigen Kriegspropaganda wird auch diese neuerliche Eskalation umhüllen. Das ist jetzt unser Alltag. Und die Frage, wem es nützt, dass Nord Stream nun vollends brachliegt, bringt noch keine Antwort, wer diesen Anschlag ausgeführt hat.

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Geschrieben von

Sebastian Puschner

stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter Politik

Sebastian Puschner studierte Politik-, Verwaltungswissenschaften und Philosophie in Potsdam und wurde an der Deutschen Journalistenschule in München zum Redakteur ausgebildet. Bei der taz arbeitete er als Redakteur im Berlin-Ressort. 2014 wechselte Sebastian Puschner zum Freitag, wo er den monatlichen Wirtschaftsteil mit aufbaute. Seit 2017 ist er verantwortlicher Redakteur für Politik, seit 2020 stellvertretender Chefredakteur. Er interessiert sich besonders für Politik und Ökonomie von Hartz IV bis Cum-Ex sowie für Fragen zu Geopolitik, Krieg und Frieden.

Sebastian Puschner

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