Seifert

Journalist / Publizist / interessiert an Fragen der sozialen Ökologie
Seifert
RE: Das abgespaltene Gute | 01.11.2017 | 13:40

Lieber Michael, danke für deine klare Antwort!

Herzlicher Gruss, Kurt

RE: Das abgespaltene Gute | 01.11.2017 | 12:14

Liebe Anne Mohnen, vielen Dank für die Blumen! Luthers Schrift kenne ich bis jetzt nur in Auszügen.

Herzliche Grüsse, Kurt Seifert

RE: Das abgespaltene Gute | 30.10.2017 | 19:42

Wenn Sie die Bibel als Tatsachenbericht lesen wollen, dann haben Sie weitgehend recht. Doch es geht hier um anderes, das Andere: Beziehungen zwischen Menschen und zu dem, was sie "Gott" nennen. Glaube, Liebe, Hoffnung - das lässt sich nicht messen, berechnen, mit der Behauptung vermeintlicher Tatsachen widerlegen. Sie halten offenbar an alten Bildern von Kirche und Theologie fest, die zwar da und dort noch Geltung einfordern, aber im Grunde genommen schon längst überholt sind. Lesen Sie Dorothee Sölle oder Eugen Drewermann oder Leonardo Boff oder viele andere DichterInnen und DenkerInnen, für die die Welt weit über das hinausgeht, was "faktisch" erscheint!

RE: Das abgespaltene Gute | 30.10.2017 | 19:31

Herzlichen Dank, dass Sie sich hier eingemischt haben! Das scheint ja sonst eine reine Männer-Diskussion zu sein. Ihren Blog zur Frage der offenen Grenzen habe ich mit Interesse gelesen.

RE: Das abgespaltene Gute | 30.10.2017 | 10:58

Die Debatte zum Beitrag von Michael Jäger zeigt wieder einmal das ganze Elend "linker" Religionskritik: Der christliche Glaube sei "widerlegt", heisst es da beispielsweise - als ob es sich beim Glauben um eine hinterwäldlerische Erklärung der Welt handeln würde. Im Beitrag von Jäger wird hingegen mit Bezug auf Martin Luther ausgeführt, "Gott" sei ein Begriff für jene Kraft, die uns "selbstsicher" macht. Lässt sich eine solche Kraft denn einfach "widerlegen"?

Ein anderes Beispiel: "Gott ist tot". Friedrich Nietzsche wusste immerhin noch, dass "wir" ihn getötet haben - und nun leben wir in einer Gott-losen Welt. Das war das Problem, das den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer als Gefangenen der Nazi-Schergen existenziell umtrieb: Gott selbst wollte unsere Mündigkeit. Wir sind es geworden, indem wir uns von ihm abgewendet und anderen Göttern - beispielsweise dem Mammon - zugewendet haben. Wir haben Gott als "Arbeitshypothese" nicht mehr nötig. Doch nun kommt die paradoxe Wende: Gott leidet wie wir an der gottlosen Welt. Und das macht den Christen aus: "das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben", heisst es in einem Gefängnisbrief von Bonhoeffer vom Juli 1944.

Der Gott der Bibel ist eben nicht der Sieger-Typ, mit dem wir uns narzisstisch identifizieren könnten, sondern der Gott, der ans Kreuz geschlagen wird - ein Gott, der an der Seite der Armen und Ausgeschlossenen dieser Welt steht. Das "Reich Gottes", von dem Jesus aus Nazaret gesprochen hat, soll gerade den in der Welt als Niedrigsten Verstandenen verheissen sein.

In der Nachfolge des Nazareners den eigenen, wie auch immer fragmentierten Beitrag zum Guten in der Welt beizutragen: das verstehe ich unter Christentum.

RE: Diktator oder Reichseiniger? | 24.07.2017 | 12:05

Liebe Anne Mohnen

Ich weiss, dass ich mich mit dieser Besprechung auf einem ziemlich schwierigen Gelände bewege. Sie haben recht: Diktator und Reichseiniger - das muss keine Alternative sein. Die Frage hinter diesem Titel sollte wohl eher lauten: Welche der beiden Rollen steht im Vordergrund unserer Wahrnehmungen?

Mit dem Ende des Kaisertums, das für die Einheit des Reiches gesorgt hatte, stellte sich die Frage: Gibt es eine Kraft, welche die Einheit auf neuer Grundlage wiederherstellen kann, oder bleibt das Land zersplittert - und damit eine Einladung an die imperialen Mächte, sich der Schätze dieses Landes zu bedienen? Anders als die Guomindang war die Kommunistische Partei in der Lage, ein Programm zu entwickeln, welche das Land einte. Und hier gebührt Mao Zedong - wie immer man sonst zu ihm stehen mag - eine zentrale und entscheidende Rolle. Dies vor allem deshalb, weil er ein Sensorium für die Bauernfrage hatte. Mao wollte einen anderen Weg als Moskau gehen - und das zeigte sich nicht zuletzt an dieser Frage. Die Industrialisierung sollte von den Dörfern ausgehen. Diese Politik erwies sich dann aber als gewaltiger Fehlschlag, wie die grosse Hungerkatatrophe Ende der Fünfzigerjahre zeigte. Auch das Experiment der Volkskommunen in den Sechziger- und Siebzigerjahren musste wieder rückgängig gemacht werden.

Ich bin kein China-Experte, doch vermutlich haben Sie recht, wenn Sie schreiben, das Schicksal der KP werde sich daran entscheiden, wie sie in Zukunft mit den Bauern (und - nicht zu vergessen! - den Arbeitern) umgehen wird. Für mich stellt sich die Frage: Ist in China eine bürokratische Klasse an der Macht, die im Bündnis mit dem einheimischen Kapital regiert und dafür sorgen wird, dass sich daran nichts ändert, oder gibt es in diesem System noch einen Funken an Sozialismus / Kommunismus, der bewirken kann, dass das Land auf einen nicht-kapitalistischen Weg zurückkehrt - und dies mit deutlich weniger Menschenopfern als frühere Revolutionen?

Herzliche Grüsse, Kurt Seifert

RE: Diktator oder Reichseiniger? | 24.07.2017 | 11:20

Es geht mir nicht so sehr um die "schlagenden Argumente", sondern um eine andere Sichtweise. Die kann man bestreiten, aber man sollte sich mit ihr zuvor auseinandergesetzt haben. Diese andere Sichtweise besteht m.E. darin, dass in der vorliegenden Biografie Mao Zedong nicht auf die Rolle eines Massenmörders reduziert wird, wie das in den sonst üblichen Darstellungen vielfach der Fall ist (z.B. im Buch von Jung Chang und Jon Halliday: Mao. Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes).

Ich bin davon überzeugt, dass es im Kern der Kulturrevolution nicht um einen kriminellen Akt ging, sondern um den Versuch, die feudalistischen und bürokratischen Strukturen aufzubrechen, welche die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft behinderten. Dieses Aufbrechen kostete sehr vielen Menschen das Leben, wie schon ein Jahrzehnt zuvor der sogenannte Grosse Sprung nach vorn - das darf keinesfalls geleugnet werden! Die Frage ist allerdings, ob es ohne Mao und den chinesischen Kommunismus besser herausgekommen wäre.

Wir tun ja oft so, als ob der Weg des "freie Westenn" nicht auch von unzähligen Opfern gesäumt wäre. Dabei verdrängen wir ganz gewaltig: die Hungertoten, die von der "Entwicklung" an den Rand Gedrängten, die Toten der "Anti-Terror"-Kriege, etc. Jakob Augstein schrieb am 17. Juli 2017 in einem Beitrag über die G20-Ausschreitungen auf Spiegel Online u.a. folgendes: "Niemand im Westen würde eine wirklichkeitsnahe Dauerrepräsentation der globalisierten Ungerechtigkeit aushalten. Wir würden daran moralisch zerbrechen. Wir leben von der Verdrängung."

Eine ganz andere Frage ist, wie die heutige Staatsmacht in China eingeschätzt werden soll. Hat sich Maos Warnung vor den "Machthabern auf dem kapitalistischen" Weg bestätigt oder handelt es sich tatsächlich noch um ein sozialistisches Land, wie der kürzlich verstorbene Theodor Bergmann meint? Eine Diskussion darüber fände ich sehr spannend - auch hier in der Freitag-Community!

RE: Die Bewohnbarkeit der Erde sichern | 05.07.2017 | 14:32

Lieber Michael! Wie hiess das bei Antonio Gramsci: "Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens". Bleibt die Frage, wo wir den Optimismus des Willens hernehmen.

Kürzlich las ich in einem Gesprächsband die folgenden Sätze von Alain Badiou, der sich mit seinem deutschen Verleger Peter Engelmann unterhält: "Wie kannst Du denn erwarten, eine positive Alternative vorzufinden, wenn Du Dich nicht selbst für eine solche positive Alternative einsetzt? Du willst eine positive Alternative sehen? Dann fang an, Dir selber Gedanken zu machen! Du kannst nicht einfach fordern, dass es irgendeine Kraft geben müsse. Nein, wenn es eine Kraft geben soll, dann muss das zuerst Deine eigene sein!" (Alain Badiou: Für eine Politik des Gemeinwohls. Im Gespräch mit Peter Engelmann. Wien: Passagen Verlag, 2017, S. 42 - auch dieses Buch wäre eine Besprechung wert!)

Ja, so ist es wohl: Wenn wir nicht selbst beginnen, immer von Neuem, nach Alternativen zu suchen, werden sie nicht entstehen!

Herzliche Grüsse, Kurt

P.S.: Ich wollte dir eine Email senden, doch dein Postfach scheint voll zu sein.

RE: Die Bewohnbarkeit der Erde sichern | 05.07.2017 | 14:18

Liebe Anne Mohnen, herzlichen Dank für Ihr Feedback!

Herzliche Grüsse, Kurt Seifert

RE: Der fragwürdige Modernisierer | 24.04.2017 | 13:04

Didier Eribon geht in seiner Analyse in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 16. April 2017 noch ein Stück weiter: Falls Macron zum neuen Präsidenten gewählt werde, müsse man damit rechnen, dass Marine Le Pen in fünf Jahren bereits in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen die 40-Prozent-Marke überschreiten könne. Das folgt sicherlich nicht, dass es besser wäre, der Dame jetzt schon zur Macht zu verhelfen. Ihr Sieg muss auf jeden Fall verhindert werden! Doch ihre Niederlage ist noch nicht die Rettung der Demokratie in Frankreich. Mehr Gerechtigkeit wird es auch in Frankreich nur geben, wenn die Ideologie des Neoliberalismus, die ein Macron vertritt, endlich Schiffbruch erleidet. Dies wird dann möglich sein, wenn sich die Linke erneuert und attraktiv für jene wird, die sich vom Kapitalismus nichts mehr versprechen können.