Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ahnung wars. Ein Gedanke unter anderen, der mich an diesem Samstag zum Freitag führte. Ein ganz besonderer Gedanke, der den Sinn seines Daseins wie ein großes Geheimnis gehütet hat.

Ist da etwas ganz Besonderes?... frage ich mich. Offensichtlich.

Die folgenden Worte wirken auf mich wie ein Zünder: "Der Ex-Finanz­minister Peer Steinbrück (SPD) hat gerade zu ver­stehen gegeben, der Euro befinde sich in keiner Krise. Vielmehr gebe es eine Krise von Staaten der Eurozone." An diesem Punkt glüht in mir der Wunsch, meine Antwort auf diese Frage zu geben. Um das zu tun, muss ich mich anmelden, ein Profil erstellen und erfahre erst danach, dass ich einen Blog für mich schaffen kann.

Eigentlich kein Ziel, dass ich beim Aufwachen ins Auge gefasst hätte.

Erst dann lese ich weiter: "Ist das so?", fragt der Freitag.

"Heiner Flassbeck: Das ist falsch – Punkt. Nein – Ausrufezeichen!"

Worte sind relativ. Sachlich ist der Ökonom möglicherweise im Recht. Das kann und möchte ich hier auch nicht bewerten. Doch sinnvoll ist die Ökonomie nie. Sinnvoll ist immer die Frage, die sich dem Anfang nährt und damit der Ursache ergründet, die ihre Wirkung zeigt, wie der Eisberg seine Spitze.

Was war zuerst? Der Euro oder die Staaten der Eurozone? Natürlich die Staaten.

Was war zuerst? Die Staaten oder die Bürger im Staat? Selbstverständlich die Bürger.

Was war zuerst? Der Bürger in seinen Rollen oder der Mensch? Der Mensch.

Stimmt. Der Mensch war am Anfang, als weder Geld noch Staaten da waren, erst recht keine Banken, keine Politik, keine Börsen. Auch keine Familie, viel weniger Vereine. Sie alle sind bloss "Rahmen", in denen Menschen sich entfalten können, und aufeinander geschichtet wie eine Pyramide, die mit einem Stein beginnt und auf seiner Spitze den Kollos trägt.

Naheliegend, dass wir vom hohen Ross der Sachlichkeit absteigen und mit der somit gegebenen Bodenhaftung dem Menschen und seiner Rolle in dieser Krise auf den Zahn fühlen.

Wieso erwägt das keiner? Weil der Mensch in der Rolle als bürgender Bürger dies im Umgang mit sich selbst auch versäumt und immer auf andere schaut, andere beschuldigt, andere herabsetzt, wo Selbstverantwortung gefragt ist. Das beste Beispiel dieser Tage ist der Freiherr zu Guttenberg.

Wieso wird der Rahmen des Lebens mit dem Leben selbst verwechselt?

Weil der Mensch den Rahmen für sein Leben - den Körper - mit dem Leben selbst verwechselt, das von Entscheidungen frei von Umständen und Anderen lebt.

Weil der Mensch denkt, sein Gehirn würde entscheiden und seine Hormone ihn steuern und verkennt, dass beide bloss "Körperteile" sind, die ohne Lebensgeist in ihre Bestandteile zerfallen und im Schoß der Mutter Erde einkehren.

Weil der Mensch an das Bauchgefühl glaubt und verkennt, wie er sich mit dem zusammengesetzten Wort täuscht, an dessen Anfang der Bauch steht, wo der Resonanzraum der Begierde beheimatet ist.

Weil der Mensch an die Mär glaubt, er sei für andere da und berufen, sich selbst zu verleugnen und sich für andere zu opfern.

Weil der Mensch an die Macht des Geldes glaubt und verkennt, dass Lebenskraft die Währung im Leben ist, die sich aus freien Entscheidungen UND Taten nährt.

Wieso werden immer weiter Schulden gemacht, obwohl klar ist, dass die Tilgung - auch in Deutschland! - immer verschoben wird?

Weil die Menschen überall auf den Wellen der Schuldzuweisung reiten und die Last der Schuld in sich selbst vermehren, die im Schuldenberg sichtbar ist.

Weil der Mensch im Leben zu "ALLEM" bereit ist, außer dem EINEN das Leben möglich macht: seine Entscheidungen und Taten selbst verantworten und einsichtig wahrnehmen, dass sie Wirkung ihn zur Ursache führt, wenn er kindlich offen und frei von Dogmen und Gewohnheiten hinschaut, fragt, hinterfragt.

Das Beispiel das mir die Augen geöffnet hat, ist der Krebs.

Fremdartige Zellen vereinnahmen die gesunden Zellen eines Organs. Wer gibt ihnen das Recht? Wer die Macht? Die Entscheidungen des Herrn der Zellen und Organe natürlich, der sich so lange von anderen und Sachen vereinnahmen lässt, bis das Gleichgewicht in seinem Bewusstsein kippt und alles andere wichtiger ist als er selbst.

Das Beispiel das meine Einsicht zur Krebsursache auf der Ebene der Entscheidungen bestätigt, ist Fremdenfeindlichkeit. Je fremder ein Mensch sich selbst ist, je stärker er von Gewohnheiten und Traditionen, Erwartungen und Schuldzuweisung statt Selbstverantwortung vereinnahmt ist, um so eher neigt er zu Fremdenfeindlichkeit oder zu ihrem Gegenpol: Verherrlichung des Fremden im Namen der Solidarität.

Die alles klärenden Fragen für die Rolle des Menschen sind:

Ist der Mensch der Diener der Sache oder die Sache Anlass für befreiende Entscheidungen und Taten.

Ist der Mensch zum Hüter der "Rahmen" oder der Rahmen für die Entfaltung des Menschen da.

Ist der Mensch zur Abhängigkeit von anderen verdammt, wie TINA - there is no alternative - immer wieder beschwört? Oer ist der Mensch frei zu entscheiden, das zu tun, was das folgende Gleichnis fordert, um frei zu sein. Hier ist das Gleichnis vom Affen, der sich freiwillig gefangen hält:

Der Affe sieht den Krug mit Nüssen und folgt dem Instinkt, sich die Nahrung zu holen. Folgerichtig steckt er die Pfote in den Krug und angelt sich eine Nuss. Mit der Nuss in der Faust wird der Hals des Krugs zu eng. Der Krug bleibt standhaft. Der Affe stur und starr in seinem Willen, getragen von Habgier.

So lange der Mensch sich als Nachfahre des Affen - und damit als Körper - versteht und Habgier mit ihren Neffen, Nichten und der ganzen Sippschaft als Recht im Leben beansprucht, wird er auch weiterhin auf den Wellenlängen der Schuldzuweisung sein Dasein fristen, die Schuldenlast in seinem Ich vermehren und dazu beitragen, dass die Staaten weiter Schulden türmen: Spiegel der Schuldlast von mindestens sieben Jahrtausenden. Gibt es einen Ausweg?

Natürlich. Tun, was der Affe im Gleichnis versäumt und wahrnehmen, wie Entscheidungen und Taten für Selbstverantwortung aus Abhängigkeiten befreien.


13:11 03.12.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Ingeborg Seinn

Himmelblau ist die freie Entscheidung. Wie ich dazu komme? Der Himmel ist tatsächlich ein Eindruck und für den Menschen bestimmt: Spiegel seiner Schöpfernatur. Gemeint ist die Kraft, schöpferisch für sich selbst zu sein statt wissend Waren als Werte in die Welt zu setzen, ohne Bezug zu sich selbst.
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