selmo

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Von der Unmöglichkeit gerechten Strafens | 30.09.2011 | 02:52

Kommentare wie gerade der letzte, decken auf, warum dem Artikel unbedingt Recht zu geben, aber gleichzeitig an ihm zu kritisieren ist, dass die Autorin auf halbem Weg stehen geblieben ist.

Ja, es gibt keine gerechte Strafe. Und genau deswegen hat das Strafrecht keinen Platz in einem aufgeklärten Rechtssystem. Es gehört abgeschafft.

Ein Strafurteil nach dem derzeit geltenden System kann in den Augen der Opfer nie hart genug sein, weil es eine wesentliche Funktion, die das Strafrecht angeblich gewährleisten soll - die Genugtuung - gerade nicht erfüllt.

Das Strafrecht dient, allen Stammtischreden selbsternannter Opferschützer zu Trotz, tätsächlich ganz anderen Zwecken. Die Staatsgewalt demonstriert damit den übrigen Untertanen, dass sie ein Verhalten des Einzelnen missbilligt, um andere von der Nachahmung abzuhalten. Dementsprechend ist der Geschädigte der Missetat auch nicht Herr des Verfahrens, sondern allenfalls als Zeuge dessen Werkzeug, und dementsprechend unwürdig wird er auch im Prozess behandelt.

Ein aufgeklärtes Rechtssystem würde auf solche Machtdemonstrationen verzichten, und statt dessen darauf dringen, dass den echten Interessen des Opfers gedient werde. Denn recht betrachtet hat ein Opfer keinen Anspruch auf Rache, sehr wohl aber auf umfassende Wiedergutmachung des angerichteten Schadens.

Dem ist jedoch mit einer Bestrafung des Täters mitnichten gedient. Mag das Opfer im Angesicht der Verurteilung oder gar einer Exekution noch so zufrieden sein - spätestens am nächsten Morgen wird es feststellen, dass die Stichwunde immer noch schmerzt, das angezündete Haus immer noch verbrannt und das geplünderte Konto immer noch leer ist. Und was dann ? Noch eine Bestrafung, damit die Zufriedenheit zurückkehrt ? Und am übernächsten Tag wieder ?

Dadurch, dass der Staat seine Bestrafung umsetzt, nimmt er dem Opfer zumeist auch noch jede reale Chance, von dem Täter eine Wiedergutmachungsleistung zu erlangen. Ein Sträfling erzielt nicht nur in der Haft keine Einkünfte, aus denen er Schadensersatz und Schmerzensgelder bestreiten könnte; im Zweifel ist spätestens danach seine Existenz so ruiniert, dass er auch dann nie wieder dazu imstande sein wird. Und selbst wenn ihm nur eine Geldstrafe aufgebrummt wird, sorgt wiederum der Fiskus dafür, dass seine Anprüche hieraus vorrangig vollstreckt werden.

Ein Rechtssystem, das sich wirklich um die Opfer kümmern würde, hülfe ihm, den Sachverhalt zu ermitteln und aufzuklären, würde dann dem Täter aber statt einer Bestrafung die Wiedergutmachung auferlegen, und dem Opfer bei deren Durchsetzung nach Kräften beistehen.

Dass dazu dann auch Schmerzensgelder gehören, die sich weit oberhalb der derzeitigen Sätze bewegen müssten (die Angehörigen eines Mordopfers bekommen nach derzeit geltender Rechtslage als Schadensersatz gerade einmal die Bestattungskosten ersetzt), versteht sich dabei nachgerade von selbst.

Ceterum censeo: Schafft das Strafrecht ab, und stärkt stattdessen die zivilrechtliche Unterstützung der Opfer bei der Durchsetzung ihrer wahren Interessen !

RE: In der gläsernen Fabrik | 30.09.2011 | 02:09

Ja wenn's denn mal nur so einfach wäre.

Jauch ist gar nicht so einfältig, wie er bewiesen hat, als er in den schrecklichen 80ern noch als Korrespondent beim BR-Hörfunk tätig war, und nicht nur als Kärtchenhalter oder Quizmaster.

Umso schwerwiegender ist sein jetziges Seichttum. Und nein, das ist kein Schreibfehler. Nur ein Audruck der Verzweiflung.