RE: Das Handke-Urteil | 13.12.2019 | 16:57

Vielen Dank für diesen sehr guten Artikel. Endlich einmal wird Peter Handke ernst genommen und respektiert - nicht einfach nur beschimpft, wie es so viele Journalisten jetzt taten. Ein trauriger Höhepunkt war die Bezeichnung Handkes als Kretin in der TAZ, oft wurde er auch als Faschist diffarmiert. Da frage ich micht, woher kommt nur dieser Hass , diese Meutenmentalität von Leuten, die von sich selber meinen, sie wären die Guten und leider ist eher das Gegenteil der Fall.

Nun zum Artikel. Insoweit stimme ich mit der Autorin überein, dass Handkes Schriften zum Thema Jugoslawien nicht nur bloßes Beiwerk zu seinem poetischen Schaffen sind - aber ich bin dennoch nicht der Meinung, dass sie sein Hauptwerk sind. Dazu ist das Gesamtwerk Handkes viel zu umfangreich, zu komplex und vielschichtig. Es ist im übrigen großartig - der LIteraturnobelpreis für Handke war überfällig. Übrigens stand Handke mit seiner Haltung zu Serbien und zum Kosovokrieg damals gar nicht allein. Viele führende Intellektuelle Deutschlands u.a. Rudolf Augstein und Claus Peymann lehnten den Kosovokrieg vehement ab und verurteilten den völkerrechtswidrigen Angriff der Nato. Nur allzugut habe ich in Erinnerung, wie einseitig die meisten Medien die Ereignisse berichteten, wie Politiker teilweise Lügen verbreiteten. So rechtfertigte Joseph Fischer den Natokrieg damit, dass er ein neues Auschwitz verhindern wollte. Die Serben wurden einhellig als böse dargestellt bzw. ihr Leid in vielen Medien ausgeklammert. Teilweise setzte die Nato Uranmunition ein mit schrecklichen Auswirkungen bis heute, darüber berichtet die Schweizer Zeitung Zeitfragen. In einer Reportage der Sendung "Streitkräfte und Strategien" - NDR Info - wurde berichtet, dass kosovarische UCK-Kämpfer von westlicher Seite extra in Lagern bereits vor dem Kosovokrieg ausgebildet wurden, um im Kosovo Gewalttaten gegen Serben zu verüben, um eine Gegenreaktion zu provozieren und damit einen Natoangriff zu rechtfertigen. Es war im Grunde schon damals u.a. auch ein Stellvertreterkrieg des Westens gegen Russland. Milosevich sollte auch deshalb weg, weil er mit Russland verbündet war. Die Kriegsverbrecher der kosovarischen Seite kamen erst spät oder gar nicht vor ein Gericht. Ohne diese Einseitigkeit hätte auch Peter Handke nicht so reagiert. Er beschrieb selbst, dass ein Urteil in der französischen Presse, die Geburtsstadt von Milosevich sei seelenlos ihn dazu brachte, zur Beisetzung dieses Diktators zu fahren - wo es ihm weniger um Milosevich als um diese Einseitigkeiten ging, Peter Handke hat in der Süddeutschen Zeitung das Massaker in Sreb. als das schlimmste Kriegsverbrechen seit dem 2. Weltkrieg bezeichnet. Was wollen denn Handkes Gegener noch? Und die meisten dieser Leute haben Handke gar nicht gelesen und sind wohl auch gar nicht in der Lage und willens dazu. Nun ja, diese Leute werden schnell vergessen sein, während man Handke auch in 300 Jahren noch lesen wird, sollte die Menschheit bis dahin überleben.