Smartphone gestohlen?

Handy Was wenn das iPhone oder ein Smartphone gestohlen ist? Kann man es auch orten wenn die Karte entnommen ist? Wie hilft die Polizei?
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Apple, Google und Microsoft nutzen bei jedem Smartphone bestimmte Daten wie den Standort um z.B. die Positionsdaten für Google Maps zu ermitteln. Bei den meisten Betriebssystemen muß das allerdings vom Nutzer vorher freigegeben werden ("Darf Ihr Standort verwendet werden?").

Smartphone gestohlen, Ortung möglich?

Doch was ist wenn das iPhone bzw. Smartphone gestohlen wurde und die Karte entfernt wurde? Damit ist die Verbindung in Ortungssysteme wie z.B. iCloud von Apple unterbrochen - das Gerät kann nicht mehr geortet werden.

Smartphones wie iPhone verfügen jedoch über viele Identifikationsnummern:

  • Modell-Nummer
  • Seriennummer
  • IMEI-Nummer (ID)
  • ICCID-Nummer

Eindeutige Identifikation ist technisch möglich

Bei der Netzanmeldung überträgt ein Smartphone seine eindeutige Identifikationsnummer (IMEI bzw. ID). Und mit dieser Nummer kann die Position immer eindeutig einem bestimmten Handy zugeordnet werden. Auch wenn die Eigentümer-Karte entfernt bzw. durch eine andere Karte ausgetauscht wurde.

Gute Hacker könnten zwar eine IMEI in einem Smartphone knacken und umprogrammieren. Aber nicht jeder Dieb ist gleich ein so professioneller Spezialist und die Original-IMEI ist eingebrannt. Und mit Sicherheit ließe sich auch dieses Problem mittels Updates beheben. Und Software-Updates kennen alle Smartphone-Nutzer inzwischen als notwendiges Übel.

Das Problem scheint, daß sich nicht alle Anbieter und Hersteller zusammenschließen, um diesem Problem endlich echte Abhilfe zu schaffen.

IMEI-Datenbank

Bereits 2009 forderte Bärbel Höhn (Die Grünen) die Einführung einer IMEI-Datenbank. Auch der Focus berichtete darüber, 300.000 Handys wurden damals jährlich in Deutschland gestohlen.

Laut Angabe einiger großer Mobilfunkanbieter (E-Plus, Telekom und O2) würde die Einrichtung einer Datenbank rund 20 Millionen Euro kosten - ohne die Kosten einer laufenden Aktualisierung. Die Kosten klingen unglaublich hoch, aber wenn man sich die Gewinnzahlen der Konzerne ansieht, kann man sich dem Gedanken kaum erwehren daß diese sich das leisten könn(t)en:

Fast alle Mobilfunkanbieter konnten bei gleichbleibenden oder leicht rückgängigen Umsatzzahlen in den letzten Jahren ihre Gewinne steigern:

Kaum zu glauben, daß diese Konzerne zusammen sich keine 20 Millionen Investition für diese Datenbank "leisten können" die in ganz Europa oder sogar weltweit Millionen Kunden dieser Unternehmen glücklich machen würde.

Und was tut die Polizei?

Die Polizei in Deutschland führt (Stand 2012) bereits eine bundesweite IMEI-Datenbank von gestohlenen Geräten die zur Anzeige gebracht wurden. Die Polizei ist auch in der Lage die Geräte zu orten - jedoch nur im Fall eines Schwerverbrechens bzw. organisierten Verbrechens mittels richterlicher Anordnung dazu rechtlich befähigt.

Der "normale" Dieb ist schon längst nicht mehr wie früher an den SIM-Karten und kostenlosem telefonieren interessiert: die Karten werden normalerweise sofort entfernt und das Smartphone über die Werkseinstellungen zurückgesetzt. Um so ärgerlicher für die bestohlenen Eigentümer: Smartphones mit Wert über 500 Euro (ohne Neuvertrag) sind inzwischen die Regel und darum ein unglaublich beliebtes Diebesgut geworden. Der "neue Besitzer" braucht sich im Moment also kaum davor fürchten entdeckt zu werden: auf den großen Internet-Verkaufsplattform wird ordnungsgemäßes Eigentum sowie die Eingabe der IMEI-Nummer nicht abgefragt. Normalerweise sind die Geräte auch nicht gesperrt, also mit jeder üblichen SIM-Karte mobilnetzunabhängig wieder weiter zu verwenden.

Technisch ist es also möglich gestohlene Geräte zu erkennen, jedoch wird bisher nichts unternommen und lieber weiter vom "immensem Aufwand" und den "hohen Kosten" gesprochen.

Hersteller auch in der Pflicht

Doch allein eine simple Geräte-PIN (gab es früher schon mal wie z.B. beim Palm) würde viele Diebe abschrecken. Die Einführung wäre allerdings eher ein Diebstahl-Schutz und Herstellersache. Wenn es gestohlen ist, kann nur noch eine Ortung bzw. Identifikation über das Netz helfen. Warum ortet dann Apple nicht über iTunes gestohlene iPhones? Auch das wäre eine Möglichkeit. Allerdings käme Apple dann "nur" an eine eMail-Adresse heran, die aber mit einer Kreditkarte verknüpft sein muß. Auch das wäre ein Weg.

22:54 18.09.2012
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