seriousguy47

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seriousguy47
RE: Demokratie, over | 13.10.2017 | 17:22

Jetzt habe ich doch glatt den amerikanischen "Traum" vergessen, der ja in Wahrheit vor allem von den Siegern im sozialdarwinistischen Rattenrennen als Traum empfunden wird, für viele andere zumindest objektiv aber ein Albtraum war und ist - selbst wenn das so fest in den Köpfen verankert ist, dass selbst die Verlierer meinen, der " Traum" gelte auch für sie.

Mir fallen da ganz andere - und bessere - Gründe für ein Requiem ein.

Dieser sogenannte "Traum" ist und war schon immer eine Ideologie mit eingebauter Wirklichkeitsverleugnung. Er beinhaltet vieles, was zu träumen lohnt, aber das Adjektiv "amerikanisch" macht ihn zur Lüge.

RE: Demokratie, over | 13.10.2017 | 17:20

Jetzt habe ich doch glatt den amerikanischen "Traum" vergessen, der ja in Wahrheit vor allem von den Siegern im sozialdarwinistischen Rattenrennen als Traum empfunden wird, für viele andere zumindest objektiv aber ein Albtraum war und ist - selbst wenn das so fest in den Köpfen verankert ist, dass selbst die Verlierer meinen, der " Traum" gelte auch für sie.

Mir fallen da ganz andere - und bessere - Gründe für ein Requiem ein.

Dieser sogenannte "Traum" ist und war schon immer eine Ideologie mit eingebauter Wirklichkeitsverleugnung. Er beinhaltet vieles, was zu träumen lohnt, aber das Adjektiv "amerikanisch" macht ihn zur Lüge.

RE: Demokratie, over | 13.10.2017 | 17:08

Nachdem mein Firefox abgestürzt ist und "Lazarus" offenbar tot ist, ist leider auchd er Kommentar weg. Deshalb jetzt der Versuch einer Kurzversion.

1. Der hiesige mediale Blick ist in der Tat auf 1968 eingeengt, aber auch hierzulande gab es eine Demokratiebewegung davor und die führte zum zeitweiligen Aussetzen des CDU-Staates durch eine sozialliberale Koalition und in einem zweiten Anlauf zum bereits neoliberal korrumpierten Rot-Grün.

Da wir in den 60er Jahren keine mit den USA vergleichbare Bürger(un)rechtssituation hatten, war die hiesige Demokratiebewegung deutlich unspektakulärer und gewann an Dramatik erst durch die Gegnerschaft zum Vietnamkrieg. Das heißt aber weder, dass wir keine Demokratiebewegung vor 1968 gehabt hätten, noch bedeutet es, dass die nicht mit dem verknüpft gewesen wäre, was in den USA passierte.

Es bedeutet lediglich, dass die Medien sich auf ein marxistisch angehauchtes Studententum fokussierten und alles andere ausblendeten. Diese Darstellung von "1968" war und ist "Fake News" und es wäre an der Zeit, sie als das zu entlarven.

Auch die Demoratiebewegung hierzulande war älter und breiter an Teilnehmern und Weltbildern. Und sie war nicht hauptsächlich im Marxismus verwurzelt, sondern in einer "Popkultur" im weitesten Sinne. Damit genügte sie allerdings nicht dem deutschtümelnden Anspruch an "Ernsthaftigkeit", weswegen man die Sache dann auf "1968"und "Dutschke" einengte.

Eine Demokratiebewegung im Sinne der "Massen" war es aber weder hier noch dort. Es war eine Massenbewegng im Wesentlichen derjenigen, die heute als "Elite" verunglimpft werden. Und sie konnte nur solange erfolgreich sein, wie die "breite Masse" sich für Politik nicht interessierte und die Medien mitspielten.

Soviel dazu.

2. "In parlamentarischen Demokratien hat eine Revolution nur dann Erfolg...."

In parlamentarischen Systemen können Revolutionen insofern keinen Erfolg haben, als parlamentarische Systeme dazu da sind, durch evolutionäre Weiterentwicklungen Revolutionen überflüssig zu machen. Gibt es dennoch eine Revolution, dann hat entweder das parlamentarishe System nicht (mehr) funktioniert, muss also erst hergestellt werden. Oder es wird abgeschafft und durch ein nicht parlamentarisches System ersetzt.

3. Was bei Chomsky scheinbar völlig unbeachtet bleibt, ist die Tatsache (?), dass wir nach dem Zweiten Weltkrieg und den Menschenvernichtungslagern, sowie durch die Systemkonkurrenz mit sozialistischen Systemen eine historische Ausnahmesituation hatten, die es für eine kurze Zeit zwingend/ möglich machte, dass Werte und Moral nicht nur verbal einen höheren Stellenwert in westlichen Systemen bekamen. Zumindest dem Anspruch nach gab es für eine kurze Zeit eine größere Chancengerechtigkeit, die wieder dem kapitalistischen Alltag weichen musste, sobald sich die Systeme wieder konsolidiert hatten.

Es war eine Ausnahmesituation, aus der sich nach meiner Einschätzung keine allgemeine Regel ableiten lässt außer der, dass selbst der Kapitalismus in einer Ausnahmesituation Soziales zulassen mag.

Aus dem Wiedererwachen der extremen Rechten hier wie dort scheint mir allerdings die Erkenntnis zwingend, dass eine zunehmende Verblödung in Schulen und durch Medien uns mit ziemlicher Sicherheit auf demokratischem Wege in einen neuen Faschismus führen könnte.

RE: Rheinkapitalismus Reste aufgeflogen? | 28.07.2017 | 10:25

Die Annahme, die Selbstkastration der Politik sei systemrelevant trifft nur kurzfristig zu. Langfristig zerstören sich Systeme selbst, wenn sie zur Korrektur und Anpassung an veränderte Umwelten nicht mehr fähig oder willens sind.

Und ich gehe mal davon aus, dass wir uns darin einig sind, dass der "Markt" sich zwangsläufig selbst zerstört, wenn Politik nicht regulierend eingreift.

RE: Das Kartell | 28.07.2017 | 10:18

Ich sag mal so: Das wäre das eigentliche Thema, das zu debattieren wäre. "Dieselgate" ist ein relevanter Nebenaspekt. Die Institutionalisierung eines massenhaften Individualverkehrs und seine mentale Verknüpfung mit "Freiheit" und "Selbstverwirklichung" sind auch in meiner Sicht das eigentliche Problem.

Aber selbst wenn man angesichts der Schäden, die "Dieselgate" zuzuschreiben wären, dieses aktuelle Thema in den Vordergrund stellen möchte, ist es weder gerechtfertigt noch zielführend, die ganz konkrete Verantwortung der Verbraucher nicht anzusprechen.

Gerade da, wo Autoabgase den größten Schaden anrichten, in den großen Städten, gibt es sehr wenige Argumente für die Nutzung von Privat-PKWs. Wer hier mit einem Finger auf die Autoindustrie zeigt, hat immer noch ein paar Finger, die auf ihn/ sie selbst zurückzeigen. Darauf wollte ich in erster Linie hinweisen.

In Wahrheit ist es doch so, dass diese ständigen Hysterisierungen und Schuldzuweisungen keinen anderen Zweck verfolgen als die Selbstentlastung, die vor allem darauf hinweisen, dass es für viele äußerst schmerzhaft ist, das eigene Auto einfach mal stehen zu lassen.

Die Industrie hat den Schummeldiesel produziert, genutzt wird er aber im Übermaß von anderen. Und selbst "Dieselgate" scheint sich bei genauerem Hinsehen etwas differenzierter zu gestalten, als üblicherweise dargestellt:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.diesel-skandal-fuer-saubere-abgase-sind-grosse-mengen-adblue-noetig.088ed0ac-f4d6-49ce-91d4-371acdde1b63.html

RE: Das Kartell | 27.07.2017 | 22:50

Alles richtig. Es fehlt nur etwas. Die BRD will mehrheitlich die Marktwirtschaft und hat - soweit hinreichend finanziell ausgestattet - offenbar großen Spaß am Konsum. Die Bilanzen der hier kritisierten Automobilindustrie lassen die Schlussfolgerung zu, dass das, was die Damen und Herren der Automobilindustrie hierzulande im Angebot haben, sich sehr gut verkauft.

Man hat also produziert, was die Mehrheit will. Und wenn die Damen und Herren Konsumenten eben ein SUV wünschen, um jeden Morgen die 10 Meter zum ALDI zu fahren, dann wird Entsprechendes eben gebaut.

Und wenn eine Politik laufend signalisiert, dass man die Regeln, die von der EU kommen für dumm hält und das, was man selbst an Regeln setzt, nur als Placebo gedacht ist, dann kann man im Ernst von keinem Manager erwarten, dass er sich als Umwelt-Heiliger lächerlich macht und den Verlust von tausenden von Arbeitsplätzen riskiert.

Was passieren kann, wenn sich einer dennoch auf ein relativ rationales und umweltgerechtes Experiment einlässt, kann man am "Smart" studieren, der sich nach meiner Kenntnis bis heute nicht rechnet und seine ökologische Unschuld auch längst zugunsten des Absatzes verloren hat.

Es macht eben einen Unterschied, ob man, wie Tesla, bei Null anfängt oder ob an dem, was man ausprobiert bereits tausende Existenzen hängen. Da geht man dann doch lieber auf Nummer sicher.

Außerdem wird in der ganzen Dieselgate-Debatte verschwiegen, dass auch die deutsche Automobilindustrie seit mindestens 1994 an einer automobilen Alternative arbeitet, dem Brennstoffzellenauto. Dass man das bislang nicht in den Griff bekam, mag man beklagen. Verschweigen allerdings ist unredlich. Jetzt aber will man offenbar durchstarten.

Auch kann jeder, dessen Herz für die Umwelt und deutsche Autos schlägt, bereits heute sein Fahrzeug auf Erdgasbetrieb umstellen. Ist es die Schuld der Autoindustrie, wenn das kaum jemand tut?

Dass man Hybridfahrzeugen und Elektroautos gegenüber skeptish war, ist durchaus nachzuvollziehen. Die Luft ist damit zwar sauberer, die Umweltbilanz scheint aber durchaus unstritten zu sein.

Und damit bin ich wieder beim Verbraucher. Auch mit Dieselfahrzeugen lässt sich die Qualität unserer Stadtluft verbessern. Wenn man sie in der Garage lässt und den öffentlichen Nahverkehr und seine Beine (be)nutzt.

So gesehen ist die Dieselgate-Hysterie wieder mal eine typisch scheinheilige Sündenbock-Debatte. Und was eine einstige Bhagwahn-Mamsell mal in einem SPIEGEL-Interview sagte, mag auch die deutsche Autoindustrie für sich in Anspruch nehmen: Die Leute wollen betrogen werden. Also betrügen wir sie.

Solange aber die, die betrogen werden wollen, nicht mal selbstkritisch in den Spiegel schauen, sondern mit dem SPIEGEL Sündenbock-Bashing betreiben, wird sich nichts nachhaltig ändern.

RE: Integrierte Flüchtlinge werden abgeschoben | 27.07.2017 | 22:01

Ihr Kommentar enthält strafrechtlich relevante Verleumdungen/ üble Nachrede- Sollte er nicht gelöscht werden, erstatte ich Anzeige.

RE: Rheinkapitalismus Reste aufgeflogen? | 27.07.2017 | 13:45

Also, was sinnvolle Absprache und was Kartellverstoß ist, muss wohl im Einzelnen noch geklärt werden.

Auch wäre zu klären, ob für die Industrie Politiker nur inkompetente und korrupte Deppen sind, die man zu Recht an der Nase herum führen darf. Oder ob Industrie und Politik gemeinsam den Bürger für den so zu behandelnden Idioten halten.

Eines aber ist jetzt hoffentlich deutlich geworden: die chronische Allianz zwischen Industrie und Regierung führt am Ende in ein Desaster, weil es nicht langfristigem Überleben, sondern kurzfristiger Gier und Bequemlichkeit dient.

Wenn schon Marktwirtschaft und Demokratie, dann muss immer klar bleiben, dass dabei unterschiedliche Interessen miteinander um ein Ergebnis ringen müssen. Die Sebstkastration der deutschen Politik gegenüber der Industrie ist also zwangsläufig systemzerstörend.