Klassische Musik als Kampfmittel?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Man hat ja sonst nichts zu tun. Also mal wieder ein paar Sätze zu einer amüsanten Zeitungsnotiz von heute morgen. Unter der Überschrift Kampfmittel Klassik veröffentlicht die StZ in der Rubrik Kulturrepublik eine (online kostenpflichtige!) Notiz zur Klassikbeschallung von Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen in Hamburg, Berlin und München. Vivaldi, Mozart und Tschaikowski (München) scheinen sich dabei als geeignete Mittel zu erweisen, um Drogendealer oder Obdachlose zu vertreiben. Besonders intensiv scheint Mozart zu wirken, dem ja fälschlicherweise (?) auch schon mal eine durchschlagende Wirkung bei der Produktion von Genie-Babies zugeschrieben wurde.
Stellt sich die Frage, warum dann nicht gleich John Cage oder wenigstens Arnold Schönberg? Ganz einfach: man will ja nur die unerwünschten Personen, nicht aber die Fahrgäste vertreiben. Die Dosis macht's. Und die gemäßigte Klassik scheint eben beim "ordentlichen" Bürger das Wohlbefinden zu verstärken und ihm ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, während es bei den un- oder fehlsozialisierten Prolls Unbehagen und Fluchtreflexe hervorzurufen scheint. Vielleicht bekommen sie dabei Flashbacks, in denen sie, zum Klang von Schwesterchens Violinübungen, von Lawinen von Omis exakt geknickten Sofakissen erschlagen werden....?
Wie dem auch sei, ich habe natürlich gleich gegoogelt. Bei der Eingabe von "Kampfmittel Klassik" fand ich nichts außer dem StZ-Text. Besonders schön aber fand ich die hilfreiche Anmerkung, englisch-sprachige Einträge zum Thema könne ich unter der Rubrik "Classical Warfare" finden. Und da kam mir natürlich gleich der Gedanke, ob Herr Westerwelle den Kampf gegen die Taliban nicht vielleicht mal mit, nun ja, vielleicht etwas aktuellem aus Donaueschingen versuchen könnte....Oder mit einer Operninszenierung von Martin Kusej....?
Ich habe es dann aber doch lieber unter "Musik in öffentlichen Räumen" versucht. Und siehe da: es gibt schon eine wissenschaftliche Arbeit dazu: Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum, epOs-Music, Osnabrück 2005
(www.epos.uni-osnabrueck.de/music/templates/buch.php?id=65&;;;page=/music/books/k/kluj006/pages/9.htm )! (Link trifft leicht daneben, deshalb bitte blättern!)
Und so wurde aus einer harmlosen Montagmorgenfrühstückslektüre
am Ende wieder mal Arbeit.
Und falls Sie sich nun die Arbeit machen wollen, dieses Thema selbst noch wissenschaftlich zu vertiefen und dabei ihre neuronalen Systeme der ordnenden Kraft der Klassik aussetzen möchten, dann habe ich noch einen kleinen häuslichen Kampfmitteltipp für Sie, das Musikstück der Woche von SWR2:

www.swr.de/swr2/-/id=7576/otnbb1/index.html ;;; . (Johann Ludwig Krebs).

15:27 25.01.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

seriousguy47

Bürger aus Stuttgart. Themen: Gesellschaft, Psyche, Politik. Mit Home, aber ohne Page.
seriousguy47

Kommentare 12

Avatar
rahab | Community
Avatar
Avatar
rahab | Community