Aus Politik wird "Polytrick"

Bildungsoffensive Die Bezeichnung "Polytrick" leitet sich, wie viele richtig vermuten, von dem alten und unmodern gewordenen Begriff „Politik“ ab....
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Polyitrick

Die Bezeichnung Polytrick leitet sich, wie viele richtig vermuten, von dem alten Begriff „Politik“ ab. Einfluss auf diese zeitgemäße Weiterentwicklung der ursprünglichen Bezeichnung „Politik“, hatten zweifelsohne auch die berühmten, von den öffentlich rechtlichen Medien vielfachst interviewten Politiker Tick,Trick und Track. Wobei letzterer Name mit großer Wahscheinlichkeit auch zu der Wortassoziation „Traktat“ im gegenwärtigen politischen Kontext nachhaltig beigetragen hat, was ja bekannterweise oft mit „Pamphlet“ oder „Schmähschrift“ gleichgesetzt werden muss. Letztlich geht mit dem wachsenden Bedarf an Politytricktikern auch sicherlich die Tatsache einher, dass an den meisten, neu ausgelobten Referenzuniversitätsstandorten, auf Drängen der „Sponsoren“, Lehrstühle für „Polytricktraktick“ eingerichtet wurden. Die große Nachfrage nach Studienplätzen im Bereich Polytricktraktick wächst pro Quartal um gut 10%, so die Auskunft des Wissenschaftsbeirats der Bundesregierung. Auf eine gute Resonanz hatte man zwar gehofft, mit einem solch überwältigenden Echo unter den angehenden Studentinnen und Studenten und dem unvermutet beeindruckenden Ausmaß des Interesses an Polytrick, so der designierte Minister für Heimat und Bildung der Bundesregierung, Herr Scheublind, hatte aber niemand rechnen können. Er sagte in einem Interview wörtlich: „von der oft, der Jugend unterstellten Polytrickverdrossenheit, sei in Wirklichkeit nichts zu merken“. Der „schon reflexartig“ geäußerten Kritik aus dem Lager der Linksfraktion und von Teilen der Grünen, erteilte Scheublind eine scharfe Absage. Sobald der Staat die mühevoll errungenen, großartigen Segnungen der Demokratie durch gezielte Maßnahmen, entgegen harter Widerstände rettet, komme nun ausgerechnet Gegenwehr von denen, die sich stets als „Superdemokraten“ gebären - das sei geradezu absurd.

Man hätte im Wissenschaftsministerium eigens ein Büro für die Koordination dieses rasant wachsenden und bedeutenden Wissenschaftszweiges eingerichtet, um die gesellschaftlichen Auswirkungen einer besorgniserregenden, zunehmenden Demokratietransparenz in Teilen der Bevölkerung moderierend abzufedern.

Angesichts der wachsenden Nachfrage an Studienfächern wie Polytracktaktik, Internationale Multipolytricktick und Demotricktechnik, werde, auch im Sinne einer Chancengleichheit für alle daran gearbeitet, neuen, attraktiven und der Zeit angemessenen dualen Ausbildungsmodellen, in Form einer Berufsausbildung, eben auch für junge Menschen ohne Abitur auf den Weg zu verhelfen - daran, so Scheublind ebenfalls im Interview mit der BILDungszeitung, werde hart gearbeitet und mit den Ländern - schließlich sei "Bildungspolitik ja Ländersache“ - um eine richtungsweisende Lösung gerungen. Die Schwesterparteien der Union im Bund seien sich auch darin völlig einig, dass guter, modernisierter Polytrickunterricht an allen weiterführenden Schularten, spätestens ab Klasse 8, ein weiterer Garant dafür sein könnte, die gesteckten Ziele schnell zu erreichen und mehr junge Menschen für Polytrick zu begeistern. Bildungspolitik sei und bleibe das „A und O“ einer funktionierenden Demokratie. Die Bundesregierung sei sehr zuversichtlich, dass die schleichend anwachsende Volkssouveränität, durch das gegenwärtige Maßnahmenpaket mit dem Namen „Das Erreichte bewahren“ , welches sich die Regierung im übrigen gut 1,6 Milliarden € kosten lässt, nicht zu den befürchteten gesellschaftlichen Veränderungen führt und so Wohlstand und Sicherheit für alle auf dem heutigen Niveau erhalten bleiben. Darauf könne sich die Bevölkerung verlassen, so Scheublind im Interview.

Informierte Kreise in Berlin haben mehrfach munkeln hören, dass Scheublind mit diesem Prestigeprojekt offenbar direkt „Anlauf“ auf das Kanzleramt nimmt. Wird dieses Projekt ein Erfolg, hat sich Scheublind auch wahrlich für dieses hohe Amt empfohlen. Das ist nicht nur aus Berlin zu hören, auch in München sieht man offenbar ausgezeichnete Chancen, nach der kommenden Bundestagswahl einen vielversprechenden Vertreter aus den eigenen Reihen, nach Jahren guter Arbeit im Dienste der Gesellschaft, in das Amt des Regierungschefs und damit ganz nach oben zu bekommen.

23:02 08.08.2019
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