Die bengalische Machthaberin

Wahl in Bangladesch Macht kann menschlich und autokratisch machen. Das zeigt die Biographie der Premierministerin von Bangladesch, Scheich Hasina Wajed.
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Seit 10 Jahren regiert Scheich Hasina Wajed (71) als Premierministerin Bangladesch. Indem sie 700.000 Rohingya-Flüchtlinge willkommen hieß, verdiente sie sich die Bezeichnung „Mother of Humanity“. Gleichzeitig steht sie aber für eine starke Beschränkung der Meinungsfreiheit. Scheich Hasina, eine Autokratin?

Am 30. Dezember 2018 findet die 11. Parlamentswahl statt in Bangladesch. Als autokratische „Mother of Humanity“ träumt Scheich Hasina davon, wieder Premierministerin zu werden.

Sie ist dieTochter des Staatsgründers Mujibur Rahman. 1971 wurde Bangladesch nach einem blutigen Krieg mit dem heutigen Pakistan unabhängig. 4 Jahre später wurde ihre ganze Familie bei einem Militärputsch ermordet. Zu diesem Zeitpunkt waren Scheich Hasina und ihre Schwester zufällig in Deutschland, weil Hasinas Mann dort als Wissenschaftler arbeitete. Hasina lebte sechs Jahre im Exil – vor allem in Bonn. Erst 1981 kehrte sie nach Bangladesch zurück und übernahm die Führung der damals oppositionellen sozialistischen Awami-Liga.

Auch etwa 700.000 Rohingya leben heute in Bangladesch fern der Heimat – und die exilerprobte Premierministerin hat ein Herz für sie.

Wegen der ethnischen Säuberungen in Myanmar flüchteten die Rohingya im Herbst 2017 ins Nachbarland. Die bengalische Regierung begrüßte sie freundlich und half ihnen, ein neues Leben in Bangladesch anzufangen, obwohl eines der größten Probleme in Bangladesch die Überbevölkerung ist. Scheich Hasina sagte dazu: „Wir sind nicht reich und wir haben 160 Millionen Einwohner. Wenn wir 160 Millionen Menschen füttern können, können wir auch 500.000 oder 700.000 mehr füttern. Wir können unser Essen teilen.“

Wegen dieser flüchtlingsfreundlichen Haltung gewann sie national und international viel positive Aufmerksamkeit und Unterstützung. Deswegen hätte sie es einerseits verdient, wieder Premierministerin zu sein.

Andererseits beschränkt sie die Meinungsfreiheit und greift die Demokratie an - vor allem seit 2015. Die Menschen können nicht ohne Angst ihre Meinung äußern und demonstrieren. Die ganze Bevölkerung ist eine Geisel der Regierung. Etliche islamkritische Blogger, Journalisten und Aktivisten sind von islamistischen Gruppen getötet worden. Statt für Aufklärung und Gerechtigkeit zu kämpfen, hofierte Hasina die Islamisten und positionierte sich gegen die Blogger. Hasina behauptete mehrmals, dass die Blogger selbst schuld seien, weil sie gegen Religion und gegen die Regierung geschrieben hätten. Diese Kultur der Ungerechtigkeit führte zu noch mehr Morden und zwang die kritische Community, ins Exil zu flüchten oder Gefahr zu laufen, aufgrund neuer Gesetze verhaftet zu werden.

Dabei ist Bangladesch laut seiner Verfassung ein säkulares Land. Rund 95 % der Bevölkerung sind Muslime. Die Machthaberin erweckt den Eindruck, Bangladesch unbedingt in ein islamisches Land umwandeln zu wollen. Eine starke Opposition gibt es nicht. Scheich Hasina erlaubt keine Alternative zu sich und ihrer Regierung. Doch die Stimmung ist kritisch. Wenn es eine faire Wahl gäbe, würde Hasina wohl verlieren.

Wie schade, dass eine Mutter der Menschlichkeit gleichzeitig auch Autokratin ist.

16:08 29.12.2018
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Geschrieben von

Shammi Haque

Bloggerin und Journalistin aus Bangladesch, die seit langem für ihre Identität als Mensch kämpft.
Shammi Haque

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