RE: Klar abgewählt | 26.09.2017 | 16:28

Danke für die deprimierende Auskunft.
Da fragt man sich, ob es eine öffentliche Reaktion gegeben hätte, wenn das nicht der Linken, sondern einer der anderen Parteien widerfahren wäre (mir ist jedenfalls keine öffentliche Reaktion bekannt).

"...abgesehen davon, dass sich – Anfrage vorausgesetzt – für den Will-Sendeplatz sicher jemand »geopfert« hätte"

Davon ist auszugehen. Ein fliegender Wechsel von Wahlparty zu Studiosessel wäre dabei nicht nur kein Hindernis gewesen, sondern hätte der Sendung gewiss gut getan.
Überhaupt wäre ich dafür, den Leuten dort Substanzen verschiedenster Art anzubieten, um die Zunge zu lösen. Wäre bestimmt erhellender als der Sprechblasen- gegen Worthülsenaustausch, der dort in der Regel stattfindet.

RE: Klar abgewählt | 25.09.2017 | 20:46

"Will hatte zu Gast alle Parteien – bis auf die Linkspartei, die seitens des bürgerlichen Medienmainstreams offensichtlich weiter marginalisiert werden soll."

Und das am Wahlabend, und das im "Öffentlich-Rechtlichen"?
Das haut mich jetzt schon ein bisschen um.

Ich will mir solche Sendungen schon seit einiger Zeit nicht mehr antun, habe aber auf den Hinweis hin mal die ersten Minuten via Mediathek angeschaut: Tatsächlich, die "staatstragenden" Ladies von CDU/SPD säumen links und rechts die Gastgeberin, und drei der vier ins Parlament gewählten anderen Parteien sind ebenfalls vertreten, nicht aber die Linke - stattdessen als einziger Nichtparteienvertreter der Linkenfresser Hans-Ulrich Jörges. Wurde dazu etwas in der Sendung gesagt? Hatte die Linke eine Teilnahme abgelehnt wegen Wahlparty?

RE: Der Firnis bricht | 25.09.2017 | 19:59

"Für Menschen, die nur einfache Tätigkeiten ausüben können und über wenig Einkommen verfügen, wirken die Ankommenden aus muslimischen Ländern anders als auf die obere Mittelschicht, die sich in ihrem City-Leben den internationalen Pendents näher fühlt als dem Malocher, der die Straßen für die SUV-verwöhnten teert. [Hvm]"

So ist es.
Solche konkretisierenden Feststellungen heben sich wohltuend ab von all den Trillionen abstrakt(er)er Meinungsäußerungen, die jede Sekunde so abgesetzt werden.

RE: „Wieso ist die SPD so hasenfüßig?“ | 19.09.2017 | 19:51

Habe noch einige Zeilen zu Willy Brandt/Oskar Lafontaine geschrieben (s.o.).

RE: „Wieso ist die SPD so hasenfüßig?“ | 19.09.2017 | 19:50

Ja, stimmt, in der Wiedervereinigungsfrage, für ihn durchaus die nationale Frage, hat Willy Brandt den jüngeren Kanzler Kohl an Eifer und auch Pathos locker überholt.
Anderseits scheint es mir mehr als nachvollziehbar, dass der 1966 in die SPD eingetretene Lafontaine den altvorderenWilly Brandt als ein Art Leitbild sah. Das lag schon an der Biographie von Brandt, mit der er sich von fast allen anderen Politikern seiner Generation unterschied. Und wer sich die Denunziationen vor Augen hält, denen dieser ausgesetzt war, musste er als junges SPD-Mitglied umso mehr an seiner Seite stehen. Das kann ich voll verstehen.
Ansonsten habe ich den Eindruck, dass viele Menschen gegen Lafontaine eine persönliche Abneigung pflegen, die politisch schwer zu begründen ist. So haben mir gegenüber SPD-Mitglieder fast durchgängig den Saarländer als "Verräter" abgespempelt, der die Regierung "im Stich gelassen" habe, als dieser 1999 seine Ämter niederlegte. Lafontaine hat dies hinlänglich begründet, und, vorsicht Pathos, die Geschichte gibt ihm Recht. Auch damals waren die Vorwürfe Lafontaine gegenüber politisch nicht sehr grundiert, sondern die Argumentation eher gefühlsbetont.

Zufälligerweise habe ich mir an einem abgehangenen Tag mal eine Debatte im Bundestag über die sog. "Finanzkrise" im Fernsehen angesehen. Oskar Lafontaine erläuterte dies und das, wies da und dort darauf hin, wann und wo er das Desaster vorhergesagt hatte, von Bescheidenheit natürlich keine Spur. Brillante Rede. Die Kanzlerin hielt an dem Tag ebenfalls eine Rede. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

RE: „Wieso ist die SPD so hasenfüßig?“ | 16.09.2017 | 21:31

"...wobei Lafontaine Brandt m. E. absichtsvoll idealisiert - Gott weiß, was der über die Agenda 2010 gesagt hätte"

Kann dazu keinerlei Fundstelle finden, das muss betont werden, meine mich aber aus der Kinderzeit zu erinnern, dass Willy Brandt seinerzeit mal feststellte, dass "das soziale Netz keine Hängematte" sei. Mit solchen Sprüchen gehts dann los.

RE: Hater-in-Chief | 17.08.2017 | 19:22

Soweit so richtig, aus meiner Sicht, was die Einschätzung von Trumps Verhalten angeht.

Was allerdings die letzten drei Absätze des Artikels angeht, komme ich ins Grübeln.

Ziemlich verkürzt lässt sich schon feststellen, dass bestimmte Genderdebatten und Festlegungen, was denn nun sprachlich, jenseits strafrechtlich relevanter Ausfälle, gerade noch zugelassen werden mag, eher einer akademischen Übung entstammt und mit der Lage etwa von Arbeiterinnen wenig zu tun hat. Darauf zielte wohl die angesprochene Kritik. Damit jedoch zu verbinden, dass auch der Rassismus mal eben als "Nebenwiderspruch" kassiert worden sei, entspricht nicht meiner Wahrnehmung. Wer sollte das ernsthaft zum Ausdruck bringen (außerhalb jenen vielleicht, die überall "Nebenwidersprüche" sehen)?

Und ich muss gestehen, dass ich tatsächlich vermute, es kommt interessierten Kreisen entgegen, wenn sich Debatten derart von den wirtschaftlichen und Machtverhältnissen weg verlagern: Lasst sie doch über die vielgeschlechtliche Zusammensetzung von Konzernvorständen reden; besser, als über das zu reden, was von ihnen beschlossen wird.

P.S.: Traurig, dieser weitere Abgang aus der Redaktion...

RE: Maischberger will Ditfurth aus Sendung werfen | 20.07.2017 | 08:56

"Hallo! Ooooolaf! Ist jemand daheim in Deinem Gehirnkasterl?" Michael Herl (hier)

Ist ja tatsächlich was los in der Causa Erika Steinbach.
Ich gehöre auch zu den seltsamen Wesen, die weiterhin die FR lesen (siehe dazu auch hier), und natürlich auch die Kolumnen von Michael Herl. Am besten sind immer die empörten Reaktionen, wenn Herl mal wieder über Gott und die Welt herzieht, vor allem über Gott.
Mal so off topic gesprochen.

RE: Maischberger will Ditfurth aus Sendung werfen | 18.07.2017 | 21:21

"Nebenbei erfährt der Leser noch, dass Ditfurth zweite Wahl gewesen sei, da die ursprünglich angesprochene Erika Steinbach (kürzlich noch CDU) abgesagt hätte."

Das hat mich umgehauen.
Dein Beitrag stellt ja zurecht die seltsamen "Paritätsbemühungen" Maischbergers zur Diskussion, der zur Folge nach Bosbachs Abgang auch Jutta Ditfurth zu gehen habe.
Wie sieht es aber mit dem Proporz aus, wenn eigentlich Erika Steinbach als Teilnehmerin vorgesehen war? Eine leicht rechtslastige Disparität?
Da wirds echt schräg.
Aber letztlich dürfte ein gewisses Krawallpotenzial, verstanden als Gegensatz zu der Bemühung, eine Argumentation in Gang zu setzen, für Maischbergers Produktionsfirma im Vordergrund stehen.

RE: Eine unangebrachte Vorlautbarung zum Tode | 12.07.2017 | 14:03

Ja, zwar keine Hinrichtung, aber doch eine Abreibung erster Klasse, die Aspekte von "Leben und Werk" des Verstorbenen dennoch beleuchtet, wenn auch vom Standpunkt der eigenen Abneigungen aus, die ich gut nachvollziehen kann. Das Übliche und Angemessene kann ja als ergänzende Lektüre von woanders bezogen werden.

"Der Autor könnte ihnen [den selbstzüchtigen Lehrerinnen als Typus] erschienen sein wie ein anderer Günter Strack im Grünen Kranz der Goetheverehrung und des Bettinenkultes."
Hier hätte auch der verstorbene Schriftsteller, das mir unbekannte Wesen, lachen müssen, könnte ich mir vorstellen.
Alles im Dutt.