Eine Juxtaposition im Nachrichtenmagazin

Spiegel-Titel Wie ein kurzer SpON-Beitrag die aktuelle Titelgestaltung konterkariert
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Heute morgen stellte Spiegel online (SpON) einen Artikel ein, der schon mit seinem Titel, und das ist ja durchaus Sinn der Sache, Aufmerksamkeit erregte: "Konflikt mit Russland: Renommierte Sicherheitspolitiker warnen vor Krieg aus Versehen".

Das ganz Besondere bestand nun aber darin, dass der Beitrag in eine Umgebung eingebettet war, die dem Ganzen einen nochmals ganz eigenen Dreh verlieh.
Im Text selber wird eine Initiative der "renommierten Sicherheitspolitiker" vorgestellt, die im Wesentlichen zweierlei postuliere: Zum einen, dass der Ukraine-Konflikt, unter Umständen auch "aus Versehen", in einen flächenübergreifenden schärferen Konflikt übergehen könne; zum anderen wird dringend empfohlen, Eskalationen aller Art zu unterlassen.

Der erste Punkt ist nicht dazu geeignet, das Vertrauen in das Vorhandensein einer Art rationaler Politik zu vertiefen. Den zweiten Punkt dürfte jeder Mensch aus der Ecke des viel strapazierten "gesunden Menschenverstandes" heraus unterschreiben, die einen oder anderen "Blattmacher" jetzt mal ausgenommen.

Dieser Artikel nun ist umrahmt von Abbildungen des aktuellen, bekannter- und richtigermaßen äußerst kontrovers diskutierten Spiegel-Titelblatts unter der flugblattartigen Kampfansage "Stoppt Putin jetzt!" in Verbindung mit Abbildungen von Opfern des Flugzeugabsturzes.
Ein Screenshot an dieser Stelle würde helfen, auf ihn soll aber aus dem ein oder anderen Grunde verzichtet werden. Es reicht, sich vorzustellen, dass links vom Text in einer Spalte das aktuelle Titelblatt des Spiegel recht groß dargestellt wird und rechts ein Anzeigen-Frame wirksam ist, der seinerseits die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitschrift bewirbt mit Titelblatt und auch schriftlichem "Stoppt Putin jetzt!"

Diese Nachbarschaft zwischen Text und Umgebung schafft einen bizarren und auch wunderbaren Effekt.
Die im Text wiedergegebene Mahnung zur Deeskalation setzt das Titelblatt ins Unrecht. Ein Presseerzeugnis liefert -online- einen Text, der das aktuell zum Verkauf stehende Printerzeugnis wenn nicht diskreditiert, dann doch massiv in Frage stellt. Und Eigenwerbung, Text und Außenwerbung führen ein aufschlussreiches Zwiegespräch.
In gewisser Weise haben wir es hier auch zu tun mit einer speziellen Spielart des "Embeddied Journalism".
Und die Phantasie ersteht, dass Verantwortliche des Hamburger Nachrichtenmagazins einen Blick auf diese besondere Juxtaposition werfen und vielleicht doch ins Grübeln kommen mögen.

Links:

SpON-Beitrag "Konflikt mit Russland: Renommierte Sicherheitspolitiker warnen vor Krieg aus Versehen"

Die Erklärung der "renommierten Sicherheitspolitiker" (in Englisch)

15:57 31.07.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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