shartig
20.01.2016 | 01:07 9

US-Präsidentschaftsdebatte der Republikaner

Analyse Der Wahlkampf ist in vollem Gange. Die Vorwahlen beginnen Anfang Februar in Iowa. Die Republikaner zeichnen düstere Dystopien. Der Versuch eines Überblicks

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied shartig

US-Präsidentschaftsdebatte der Republikaner

Sieht jede Menge Disaster: Donald Trump

Bild: Aaron P. Bernstein/Getty Images

„And with every day, the end of the world gets closer“, leitet ein Sprecher in heroischer Atmosphäre in einem Anfangstrailer die sechste Präsidentschaftsdebatte der Republikaner ein. Die Worte sollen die Grundstimmung des Abends bereits determinieren: Wir leben im Vorabend einer möglichen Dystopie – verkörpert durch eine weitere Amtszeit eines Demokraten.

Die Moderation bemüht sich bereits mit der ersten Frage um die Auflösung der republikanisch thematischen Monotonie bestehend aus Terror, Migration und Außenpolitik - jeweils bunt vermischt. Wie er zur von Obama als „strongest, most durable economy in the world“ bezeichneten US-Wirtschaft stehe, weicht Ted Cruz jedoch bereits geschickt aus, indem er emotionalisierte Tagespolitik aufgreift. Einen Tag vor der Debatte wurden 10 Navy-Soldaten vom Iran festgenommen, da sie iranisches Hoheitsgebiet unerlaubt befahren hatten. Dies ist kein unlegitimes Handeln der iranischen Führung, reicht Cruz jedoch für eine Schelte gegenüber Obama, dem er vorwirft, den Vorfall in seiner Rede zur Nation nicht erwähnt zu haben.

Weiter geht’s mit Jeb Bush, der (ähnlich wie Obama einst) vom Terrorismus und im gleichen Atemzug von China und Russland als äquivalente Bedrohungen spricht.

Faktenresistenz par excellence

Marco Rubio, Senator von Florida, reiht sich ein in den Kanon der Feindbildkreation und spricht offen vom Iran als „enemy“. Er entrüstet sich darüber, dass Obama sich schon viel zu oft in der Welt für amerikanische Politik entschuldigt habe. Rubio skizziert seine Strategie gegen den IS und offenbart damit Faktenresistenz par excellence. Ein Teil seiner Strategie ist es, lebendig gefangene IS-Terroristen nach Guantanamo zu bringen. Sein „we are going to find out everything they know“ zeigt, dass er den CIA-Folterbericht von 2014 nicht so gründlich studiert hat. Dort hätte er (empirisch bewiesen) nachlesen können, dass Menschen unter Folter, einem alles, wirklich alles sagen und frei erfinden, nur um die Folter zu beenden. Sie brachte nie den erhofften Erfolg. Bei der Bewertung dieser „verschärften Verhörmethoden“ muss gelten: weniger Glaube an Hollywood, mehr Empirie.

Es folgt eine ominöse Debatte darüber, ob Cruz wählbar sei. Trump hatte ihm dies aufgrund angeblichem Nichtamerikanerseins abgesprochen. Viel interessanter ist jedoch Cruz´ Konter, man solle sich lieber mit der Frage beschäftigen, wer am besten darauf vorbereitet ist, der militärische Oberbefehlshaber der Vereinigten Staaten zu werden. Militarismus und militärisches Know-How als wichtigster (und für Cruz einziger?) Faktor des amerikanischen Präsidentendaseins – interessant.

Weiter geht’s mit den essentiellen Themen: „Our military is a disaster“, posaunt Trump, also jemand, der vorhat ein Militär zu leiten, dem täglich über 1,6 Milliarden Dollar an amerikanischen Steuergeldern zur Verfügung stehen – mehr als interessant.

Gun control

Und wer denkt, skuriler geht’s nicht mehr, wird beim Thema „gun control“ gerne eines besseren belehrt. „We cannot have a president who supports gun control“, agitiert Rubio gegen seinen Konkurrenten Chris Christie, der vermeintlich noch gemäßigteste Kandidat der Republikaner. Als wäre die Aussage ansich nicht schon absurd genug, sieht sich Christie gezwungen, sich mit seiner Vetovergangenheit gegenüber Waffenregulierungen zu rechtfertigen. Und wessen Puls nun schon gefährlich hoch steht, bekommt den Todesstoß vermutlich wenige Minuten später. Der bereits erregte Zuschauer hatte die Rechnung ohne Bush, Jeb Bush gemacht. Dieser wagt es tatsächlich, sich mit dem berüchtigten A+, also quasi einer 1+ mit Sternchen, von der amerikanischen Waffen-Lobby NRA zu profilieren.

Man stelle sich vor, Merkel würde bei der Frage nach staatlicher Unterstützung von gesunden Lebensmitteln und einer gesunden Ernährungsweise antworten, dass sie davon schon Ahnung hätte und ihre Politik richtig wäre, schließlich fänden Nestle und Dr. Oetker alles ganz toll, was sie mache.


Nicht gerade glänzen tut Christie auch später nochmal, als er fordert, alle Syrer sollten gefälligst in Syrien bleiben – gefolgt von tosendem Applaus.
Doch die Absurditäten nehmen auch hier kein Ende. Auf die zugegebenermaßen gute Frage, wie er sich erkläre, dass ein erklärter Sozialist in den USA in den Umfragen mittlerweile fast auf Augenhöhe mit Clinton liegt, antwortet John Kasich, Gouverneur von Ohio, mit herzhafter Belustigung und den Worten: „We are going to win every state, if Bernie Sanders is the nominee.“ Ein weiterer Fall von Faktenresistenz, hier gepaart mit ausgeprägter Überheblichkeit, ja gar Arroganz. Eine repräsentative Umfrage der Quinnipiac University von Anfang Dezember sagt ganz klar, dass Bernie Sanders exzellente Chancen hätte, die Präsidentschaftskandidatur auch gegen den republikanischen Kandidaten (übrigens gegen alle) zu gewinnen - sogar bessere als Clinton.

Angst

Weiteres großes Thema ist immer der Umgang mit dem Iran. Versachlichung wäre hier eigentlich mal angebracht. Der Moderator sieht das anders. Fragestellung: „Sie Herr Bush sprachen doch davon, dass der Iran ja von einer Obama-Administration nichts zu befürchten habe. Wie würde sich das denn unter ihrer Präsidentschaft ändern?“ Eine feindliche Einstellung gegenüber dem Iran wird gar nicht mehr zur Disposition gestellt. Entscheidend ist nur noch die Intensität, mit der diese zu Tage tritt oder treten soll. Die Frage hätte auch gut lauten können : “Wird der Iran ENDLICH wieder Angst vor uns haben, wenn Sie Präsident sind?“ Gehts noch?

Laien-Statistik

Bei den Republikanern gilt die Prämisse: Die Debatte beschäftigt sich nicht mit der Wirklichkeit, sie schafft sich ihre eigene. Deutlich wird das auch, wenn man das Transkript der letzten Debatten beider Parteien mal laien-statistisch auf Schlagwörter untersucht. So kommt das Wort Terror bei den Republikanern ganze 21, der Begriff ISIS 40 mal zur Sprache. Bei den Demokraten analog lediglich 7 und 17 mal. Während letztere ihren Schwerpunkt vor allem auf Versicherung (44), Gesundheit (19) und den Komplex Wallstreet (23) legen, kommt beispielsweise das Wort Versicherung in der immerhin knapp 120 Minuten dauernden Debatte der Republikaner nicht einmal vor. Ebenso wie das Wort „Klima“ - na dann gute Nacht!

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (9)

tlacuache 20.01.2016 | 01:47

Vor 4000 Jahren sind die Dinosaurier ausgestorben.

Die Republikaner schon totgesagt zu haben bevor das Rennen richtig heiss wird ist brandgefaehrlich, gefuehlte 60% pro Demokraten vs. 40% Republikaner, aber die Republikaner sind im Wahlkampf, egal wer das Rennen am Schluss macht mit einigen Milliarden Wahlkampfspenden besser geruestet als die Demokraten...

;-)

Das wird heiss, wenn nicht gerade der Trump im Finale steht...

Michaela 20.01.2016 | 10:21

..ich war so naiv vor acht Jahren kurze Freude zu empfinden, als Obahma Präsident in diesem Land der grenzenlosen Gier wurde.

Inzwischen denke ich, es ist fast egal wer dieses Land als "Oberhaupt" vertritt.

Die Mistgabeln zittern, die Elenden sehnen sich nicht nach einer anderen Gesellschaft, sondern danach selber endlich "reich" zu sein, mit Verachtung behandelt, belogen und betrogen werden sie wohl die gröbsten Figuren wählen, die sie dann mit den gröbsten Mitteln weiter im Stall vorhalten.

Demnächst auch in diesem Irrenhaus!

Ihr sehnt Euch nach "Führungskräften" die endlich eine gerechte Politik zelebrieren, dabei möchtet Ihr aber bitteschön weiter bequem auf eurem Sofa hocken und eines Tages die neue, soziale und friedliche Welt empfangen.

So wird es nicht kommen, Ihr werdet weiter über den Wahnsinn den Kopf schütteln, doch selbst im Wahnsinn wirken!

Lebt aktiven, bewußten Minimalismus in allen materiellen Belangen, bringt das System zum Scheitern, besinnt Euch eures Intellekts als Lebenselexier.

Mit etwa drei Euro kann auch ein Stadtmensch ohne Schrebergarten seinen täglichen Nahrungsbedarf gesund decken!

Jeder der die Chance hat, irgendwo ein Feld, ein Beet zu bestellen, sollte diese Chance nutzen.

Jeder der für sich selbst erkennt, dass seine Lohnarbeit Schwachsinn ist, nur dem System dient, letztlich destruktiv ist, sollte morgen nicht mehr zu dieser Arbeit gehen!

Ihr werdet die menschliche Gesellschaft nicht auf ein anderes Gleis bringen, so ihr immer im gleichen Trott mitlauft!

Was nutzen Parolen, was nutzen gescheite Aufsätze, wenn die Konsequenz des Handelns ausbleibt?

So bemitleidet Ihr Euch doch nur, Ihr klagt über den Zustand der Gesellschaft, doch Ihr wollt nicht wirklich Opfer bringen, um diese zu ändern.

Wer den Zucker seines Herrn frisst, der wird genau dann sterben, wenn sein Herr es so beschlossen hat!

Ihr seid nicht frei, solange ihr an materiellen Dingen hängt, für die Ihr Eure Lebenszeit eintauscht!

Es gilt, zu leben, ja, es gilt, inmitten all dieser irrwitzen Privilegien notfalls in die Höhle zu kriechen und zu hoffen, viele andere mögen es ebenso tun!

Naiv? Natürlich ist es naiv! Naiv, hier dies zu tippen - doch Ihr werdet leider eines Tages ohnehin in diese Höhlen getrieben, einzig, dann ist es nicht euer Wille, sondern es wurde beschlossen - man wird euch schlicht nicht mehr benötigen!

Natürlich hofft jeder hier, auf ihn wird dies nicht zutreffen, er ist einer jener "wertvollen" Artgenossen, auf den das System auch künftig baut - vor allem, er wird mit anderen klugen Artgenossen, das System eines Tages doch zum "Besseren" verändert haben...... - nicht naiv?

Johann Schiel 20.01.2016 | 17:33

Danke für diesen fast poetischen Kommentar.
Mir geht es eigentlich ähnlich: ich bin mir nicht sicher, ob es einen großen Unterschied macht, ob nun ein(e) Demokrat(in) oder ein Republikaner das höchste Amt bekleidet. Ich glaube, Nationalstaaten sind nicht mehr in dem maße handlungsfähig, wie sie es sein müssten, um tatsächlich Änderungen herbeizuführen, wie sie in deinem Kommentar beschrieben sind.
Allerdings bin ich drauf gekommen, dass die begleitumstände für solche Veränderungen, also auch die Wahrscheinlichkeit, mit der sich Menschen auf einen Weg machen, durchaus von Regierungen oder auch nur vom Präsidenten mitbestimmt werden.
Damit meine ich gar nicht mal so sehr die Gesetzeslage, wobei auch die sich irgendwann wird ändern müssen. Bekannte Menschen, insbesondere Politiker könnten aber die Verantwortung übernehmen, mal wieder andere Geschichten zu erzählen, eine andere Realität zu beschreiben. So wie die Republikaner (wie im Artikel sehr schön beschrieben) ales daran setzen, einen Kampf "Gut gegen Böse" zu beschwören und diesen als Grund für militärische Einmisscchung usw. anzuführen, könnte man auch umgekehrt erzählen, dass wir anfangen müssen, global zu denken und lokal zu handeln, Feindbilder abzubauen, unser Leben, abgefangen vielleicht bei der Ernährung o.Ä. wieder selbst in die Hand zu nehmen, ohne dabei von irgendwelchen Ängsten getrieben zu sein.
Ich wünsche mir jedenfalls solche Menschen in öffentlichen Ämtern, die auch mal "naiv" sein können, wie du sagst.

shartig 20.01.2016 | 19:26

Ich verstehe, was sie meinen. Leider, wirklich leider sind die Vereinigten Staaten aber nunmal nicht Andorra oder Äthiopen, also von der geopolitischen Bedeutung her. Den Einfluss amerikanischer Außenpolitik kann niemand leugnen und das sollte auch niemand. Er ist da und wird es vermutlich auch noch lange Zeit sein - und so sollte es auch die öffentliche Debatte darüber.
Das es teils teils quantitativ und qualitativ enorm viel zu bemängeln gibt bei der Berichterstattung über den US-Wahlkampf, würde aber auch ich unterstreichen.

Michaela 20.01.2016 | 22:11

Danke auch für Deine Replik, in der Tat, so wie unsere Gesellschaft momentan organisiert ist, wären Leitfiguren, die Transition leben und vertreten, tatsächlich eine Hilfe.

Leider sind alle die tatsächlich öffentlichkeitswirksam wären, Systemlakaien, die zeitgenössischen Philosophen, Politwissenschaftler, Sozialwissenschaftler, etc. etc. hängen mit ihren materiellen Bedürfnissen genauso am Tropf, wie die Politiker, die Spitzenbeamten, etc. etc. - da ist zusammen, was zusammen gehört.

Wer nicht mitmacht, ist ein "Aussteiger", die materiell betuchten, findet man dann an landschaftlich reizvollen Orten, eine luxuriöse Lodge bewohnend, manche gehen wirklich den Weg konsequenten minimalistischen Seins - doch keiner von jenen ist mehr als Multiplikator in der öffentlichen Wahrnehmung.

Nun, jeder Mensch kann entweder sich selbst authentisch vertreten, ist er mit unserem System einverstanden, dürfte er kaum Probleme bekommen, kann das Spiel mit gutem Gewissen spielen.

Ist er mit diesem System nicht einverstanden, kann er meiner Meinung nach nur als verweigernder Minimalist ein Leben im konsumtiven Widerstand und in verweigerter Teilhabe führen.

Mich würde sehr interessieren, was aus den vielen Helfern wird, die nun bald erleben dürfen, wie die Grenzen abgeschottet, die zynische Überfahrt zum vergeblichen Höllenritt wird.

Wobei, Flüchtlinge aus Afrika gibt es schon seit langer (wohl mehr als zwanzig Jahre in großer Zahl.... - ) Zeit, es wurden schon Flugzeuge nach Lybien beordert, voller Ausgewiesener, die stiegen in Busse um, ab Tripolis - an irgendwo in der Wüste -

alles Aussteigen - go out - auf Arabisch نزل

BadBentham 21.01.2016 | 04:13

Ich stimme Ihnen durchaus zu! Übrigens gibt es ein lesenswertes Interview mit Giorgio Agamben, das um die gleiche Thematik kreist: http://www.zeit.de/2015/35/giorgio-agamben-philosoph-europa-oekonomie-kapitalismus-ausstieg Prinzipiell hat Ihr "naives" Programm, u.a. lt. Agamben, ja eine ungefähr 2000 Jahre alte Tradition, was es auch für die damaligen Sklaven ziemlich interessant machte... Und: Kein Wunder, dass schon die damals Herrschenden das alles andere als doll fanden. ;)

Michaela 21.01.2016 | 09:02

In der Tat - es ist ein sehr, sehr altes "Programm".

Ich bin keine Paläontologin, wäre ich eine, suchte ich nach Lebensformen ehemaliger Zeit, die ganz originär aufgrund ihres Verhaltens wieder aus dem Spektrum des Lebens verschwanden.

Ich bin überzeugt, es gab immer mal wieder bestimmte "Spezialisierungen", die sich als nicht zukunftsfähig erwiesen und somit das Ende dieses Genkonstrukts bedeuteten.

Ebenso bin ich überzeugt, der Mensch wäre kraft seines Intellekts in der Lage, einen anderen Weg einuzuschlagen.

Mir gefällt jedenfalls unsere menschliche Gesellschaft nicht.

Ich bin ein trotziges Mädchen geblieben, ich schau zu und bin bockig, ich spiel da nicht mit!

Man kann nun konstatieren, jeder der lebt, spielt irgendwie mit.

Da halte ich gegen, wobei zugegeben, heute ist Verweigerungsleben in unseren Breiten eine leichte Übung, doch umso trauriger, obschon es so leicht wäre, finden sich kaum Menschen dazu bereit.

Ich hab an mich den unbedingten Anspruch, sollten Zustände wie vor 80 Jahren wieder in unsere Gesellschaft eingewoben werden, sprich, Kritik bedeutet Todesgefahr - hoff ich sehr meinen Standpunkt bis zum Ende aufrecht zu halten.

Ich kann keinen Menschen auffordern, ich kann meine Mitmenschen nur bitten - macht die Augen auf und handelt gemäß Eurem ganz eigenen Verstand, aber bitte - benutzt ihn nicht, um eines kleinen Vorteils Willen, ohne die Folgen abzuwägen.

Daher finde ich all jene, die Transition predigen, aber im Jahr zig-tausend Flugmeilen absolvieren, in der Meinung sie seien so dermaßen wichtig, dass andere unbeding auf Ihre Ideen vor Ort angewiesen wären, da sie wohl selbst nicht darauf kämen, höchst suspekt, im besseren Falle anmaßen, arrogant - im schlimmsten Falle, eiskalt kaluklierende Verkäufer einer Nische im Meinungsmarkt.

Leider ist Giorgio Agamben wohl auch einer dieser Meinungsverkäufer - ich kannte ihn bis dato noch gar nicht - habe mich - dank ihnen ein bisschen mit ihm beschäftigt -

Vielleicht lesen sie meine Kommentare - bis dato fand ich bei ihm keinen Gedanken, der mir nicht längst selbst gekommen wäre, vor allem, er ist auch ein Dauerzitierer, man könnte sie Gedankenköche nennen, nimm ein wenig Hegel, dazu eine alte Prise Platon, gemischt mit den Grundgewürzen der Aufklärung und vor allem, achte darauf einen akademischen Grad vorweisen zu können, nur dieser berechtigt dich zum gewerbsmäßigen Umgang mit dem Intellekt.

Fazit - ich verabscheue nichts mehr als den Gedankenhandel!

Wir sind selber mit dem gleichen Organ unter der Schädeldecke ausgestattet - wir müssen unsere Schlüsse ziehen - die Synthese, welche zu einer anderen Gesellschaft führt, ist längst tausendfach - wohl über die Zeit milliardenfach - gedacht, einzig - jene die in groben Zeiten Mut bewiesen, wurden umgebracht - in unseren, bequemen Zeiten, gehen sie spazieren und tippen vielleicht ab und an - wie ich - in Foren, schreiben einsam einen Blog - der zwei drei Leser findet.....

Die Agamben´s dieser Epoche - führen nur eine tote Kultur der menschlichen Utopie fort, selbst wohl darauf bedacht, es mögen nur nicht zu viele wirklich ernsthaft handeln, daher handeln zuallererst sie selbst nicht!

Der populärste "Wohlmeinungsverkäufer" unserer Tage ist wohl der liebe Franziskus, seine Statements sind wirklich mit Fragmenten der glasklaren Erkenntnis gespickt, einzig, er fährt zwar Fiat, doch seine Fürsten wüten wie eh und je, würde er handeln, könnte er bald nicht mehr spazieren gehen............

Man könnte die ganzen frommen Fromms - die Sozialphilosophen, ihre ungezählten Schriften und Statements, Machiavelli hat diese Methode gut beschrieben, wie überhaupt - ich empfehle diesen Herrn - vieles von dem was überliefert ist, schrieb er, als er kurzzeitig kaltgestellt, nach persönlicher Folterung wohl nur kanpp dem Tode entronnen, durch glücklichen Umstand begnadigt........... - Menschen die einen Lehrstuhl besetzen, der von dem Staat finanziert wird, den sie öffentlich so sehr kritisieren, die meist auf sehr konventionelle _Art und Weise ihre Eitelkeit vorweisen, ihren Status ohne Hemmung beanspruchen - sorry - das sind für mich bestenfalls Narren, deren Statzreihen ich gerne immer mal wieder aufschnappe - doch Achtung bringe ich ihnen nicht entgegen.

Meine Verachtung versuche ich zu vermeiden, Verachtung ist ein ungutes Gefühl.

Doch ich möchte andere warnen, sie zu sehr zu bewundern - ich rate jedem, sich zu hinterfragen, ob den jene Gedanken für ihn wirklich "neu", oder in irgend einer Wertungsskala höher angesiedelt wären, als seine eigenen.

Zumal oft die Verquasung einfachster Sachverhalte, eine unglaublich lächerliche Verkleidung des Volksmunds verkörpern.

Man nehme nur den KI von Kant - der wie eine Gloriole über der deutschen Philosophie schwebt - wer sich dann noch die Mühe macht die RKdV zu durchwälzen, der mag vielleicht ein von der staubtrockenen Sprache gerne gepeitschter, Lesemasochist sein, dort die höchsten Freuden empfindend - ich gratuliere - mit jedenfalls gab das nichts Bewegendes.

Jeder Einsiedler in der russischen Taiga ist für mich ein größeres Vorbild, als ein etablierter "Großgeist".

Jeder Käfer, der meinen Weg kreuzt, sich auf mir niederläßt, eine schönere Inspiration.

Licht schenkt mir die Sonne, nicht das Geschwätz eines professionellen Schreiberlings.

Inspiration mag mir ein Kafka schenken, der es gar nicht wollte, dessen Werk ihm nach seinem Tode entrissen ward.

Inspriation mag mir ein zynischer Boheme schenken, der seine Bücher als schlichte Geschichtensammlung schrieb - der mich mit Witz und sprachlicher Anmut durch den Irrsinn der Realität führt, mir seine Sicht der Welt als Panoptikum oder als Labyrinth menschlichen Treibens präsentiert - da lese ich mit Lust und Freude - ... und die Bücher die mir wirklich gut gefallen, haben in der Regel keinen großen Erfolg..... bzw. sind schon längst geschrieben.

Den Wahnsinn des Kapitalismus haben die Autoren des 19 u. 20 Jhdts. schon auf brilliante Art und Weise bloßgestellt - ganz ohne Marx und Engels - das Kapital ist eine Abhandlung, deren Essenz man längst vorher in der Literatur trefflich finden kann - im Grunde schon bei den hellenischen Dichtern - obschon es damals den Begriff des Kapitals noch nicht gab.

Der Mensch kennt den Menschen, doch da die Bilder so verschieden sind, zwischen Realität und Utopie, mag er es sich nicht eingestehen, dass er so ein abseitiges, verblendetes Leben führt. Da kann die Krücke einer Ideologie, eines Katechismus vielleicht etwas auf die Beine helfen, nur warum an Krücken gehen, wenn ich gesund bin?