RE: Die Kultur des Spektakels | 10.12.2012 | 06:59

Stimmt, mutete mich ähnlich anbiederisch an, wie die bei den Politikern aller Couleur so beliebten Fußballvergleiche a la „Steilvorlage“ oder „Eigentor“ usw.

RE: Die Kultur des Spektakels | 09.12.2012 | 20:23

@Luma – Gehen Sie einfach mal davon aus, dass ich meinem Lieblingsverein schon über Jahrzehnte, d.h. länger als es die Bundesliga gibt, emotional verbunden bin. Allerdings habe ich ein professionelles Fußballspiel immer als das angesehen, was es ist – ein Teil der Unterhaltungsindustrie mit dem Wichtigkeitsfaktor Null. Manchmal spannend, oftmals zum Gähnen langweilig, aber immer vor allem ein Geschäftsmodell, mit dem viel Geld verdient werden kann. Wer die, von den schmarotzenden Medien verstärkte, Botschaft „Fußball ist unser Leben!“ so richtig verinnerlicht hat, wird natürlich der rund um den Fußball angesiedelten Devotionalienindustrie jeden in China hergestellten Plastikdreck zu irrwitzig überteuerten Preisen abkaufen. Wenn Sie evtl. meinen, dass Emotion und Leidenschaft des „echten“ Fans halt auch mal zu Gewalttätigkeiten, zumindest aber zu asozialem Benehmen berechtigten, so haben Sie mit Ihrer Einschätzung recht: Dafür fehlt mir jeder Draht und jegliches Verständnis.

RE: Die Kultur des Spektakels | 09.12.2012 | 14:37


Fankultur – Kultur?

Das Fragezeichen ist natürlich eine gezielte Provokation, denn wenn selbst die „3sat-Kulturzeit“ der Fankultur, insbesondere der Kultur der sogenannten „Ultras“ in den Fußballstadien, einen Beitrag widmet, dann erübrigt sich das Fragezeichen selbstredend. Mir bereitet diese Art „Kultur“ aber schon seit Jahren gewaltige Bauchschmerzen. Diese sogenannte Fankultur hat, zumindest in Deutschland, keine eigenen Ideen, diese „Kultur“ äfft nur nach. Outfit, Sprüche, Parolen, Liedgut und selbst Gesten – es ist alles nur geklaut, imitiert – nachgeäfft eben.

Vor Jahren zogen Horden englischer Hooligans durch Europa, demolierten regelmäßig die Kanalfähren und pöbelten und prügelten sich durch die Städte und Stadien. Nachahmer, you never walk alone, fanden sich sofort in der Bundesliga und in ganz Europa. Die Toten der Heysel-Katastrophe in Brüssel 1985 waren dann der vorläufige Höhepunkt. Danach wurden die Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren und heute werden zu jedem Bundesligaspiel Hundertschaften von Polizei herangekarrt, um die latente Gewaltbereitschaft der „Fans“, oder wie es in den Medien heißt, der „Treuesten der Treuen“ im Zaume zu halten. Merkwürdigerweise schämen sich diese „Fans“ nicht, wenn sie von einem dichten Polizeikordon umringt, wie eine Viehherde vom Bahnhof zum Stadion geleitet werden. Nein, sie glauben auch noch, ihr Grölen von aggressiven Primitivparolen und besoffenes Rumproleten sei ein wichtiger Beitrag zur Leistungssteigerung der eigenen Mannschaft unten auf dem Rasen.

In den letzten Jahren haben die Clubs mehr und mehr die Steuerung der „Fans“ übernommen. Die sogenannten „Choreos“, die Massenchoreographien nach dem Vorbild der Nazis oder Nordkoreas, sind ohne die Beteiligung der Clubs wohl kaum zu bewerkstelligen. Der echte „Ultra“ hält sich für wichtig, wenn er einen Pappkarton in die Luft halten darf oder ritualisierte Stammellyrik grölt. Das ist zwar völlig belangloser Quark, aber wenn’s den „Ultra“ ruhig stellt – sei’s drum. Dass die Clubs in Zusammenarbeit mit den Medien diese ziemlich kindische Bereitschaft zum Nachäffen als Geldmaschine nutzen, ist zwar moralisch fragwürdig, aber systemgerecht. Der echte "Fan" hat mittlerweile verinnerlicht, dass einzig der Erwerb des jährlich neu aufgelegten Mannschaftstrikots als Nachweis eiserner Treue dienen kann. Zwischenzeitlich muss er schon 2 erwerben, denn nur wer Heim- und Auswärtstrikot sein eigen nennt, kann als wahrer "Fan" gelten.

Natürlich ahnt selbst der dämlichste unter den „Fans“ im ein oder anderen lichten Moment, dass er von einer Fußballindustrie gnadenlos abgezockt wird und deshalb erwartet der "Fan" eine Gegenleistung. Aber Hustekuchen, er zahlt, er macht sich zum Deppen, er trommelt und grölt, er gibt alles und dennoch rennen seine Stellvertreter-Helden auf dem Rasen nicht schneller, schießen überall hin, nur nicht ins Tor und dümpeln ziemlich langweilig irgendwo in der Tabelle rum oder müssen gar absteigen. Da greint der "Ultra" dann entweder herzzerreißend in irgendeine TV- Kamera oder wird richtig wütend. Dann bedroht er auch schon mal den blöden Pezzoni vor dessen Wohnung oder bricht dem Kadlec, dem Drecksack, nächtens das Nasenbein. Nicht mal mit Pyrotechnik rumkokeln lässt man den „Ultra“ , wo doch jeder weiß, dass Kinder zu gern mit Feuer spielen. Manno!

Wie angenehm waren die 12 Minuten, 12 Sekunden entspannter Konzentration auf die Fußballspiele in den Stadien, bis dann das sinnentleerte Gegröle und Gepöbel wieder losging. Auf diese „Kultur“ kann man nun wirklich leichten Herzens verzichten.