SibelSchick
03.12.2015 | 16:14 5

Lebenslänglich für Mörder von Özgecan Aslan

TÜRKEI Heute fand die letzte Gerichtsverhandlung wegen des Mordes der 20-jährigen Studentin statt. Die Täter wurden mit lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied SibelSchick

http://icube.milliyet.com.tr/YeniAnaResim/2015/02/14/ozgecan-aslan-icin-kadinlardan-protesto-yuruyusu--5304295.Jpeg

Die Türkei ist damit bekannt, dass die Täter der Frauenmorde enorme Strafmilderungen erhalten. Heute war es nicht der Fall. Im Mersiner Stadtteil Tarsus fand heute die letzte Gerichtsverhandlung wegen des Mordes der 20-jährigen Psychologiestudentin Özgecan Aslan statt. Der von der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit erhaltene Fall wurde mit einem bisher ungewöhnlichen Urteil beendet worden: Der Täter Suphi Altindöken, sein Vater Necmettin Altindöken und Fatih Gökce erhielten lebenslängliche Freiheitsstrafen.

Özgecan Aslan ist am 11. Februar 2015 in einen Bus gestiegen, dessen Fahrer sie versuchte zu vergewaltigen. Als sie sich wehrte, wurde sie von dem Täter Suphi Altindöken mit einer Metallstange geschlagen und mit einem Messer gestochen. Für Hilfe bei der Vernichtung des Körpers holte der Täter seinen Vater Necmettin Altindöken und seinen Freund Fatih Gökce. Sie schnitten gemeinsam ihre Hände ab, um die DNA des Täters unter den Fingernägeln zu vernichten, weil sie bei ihrer Selbstverteidigung Suphi Altindöken ins Gesicht kratzte. Sie fackelten dann ihren Körper ab, den sie später in einen Fluss schmissen. Der Körper wurde am 13. Februar von der Polizei aufgefunden, die Hände lagen in der Toilette der Wohnung von Necmettin Altindöken.

In der Türkei werden jährlich rund 300 Frauen von Männern ermordet und die Täter erhalten nicht selten Strafmilderungen. Die Frauenorganisation „Wir werden Frauenmorde stoppen“ äußerte heute während der Pressemitteilung nach dem Verfahren den Wunsch, dass das Urteil für den Mord von Özgecan Aslan ein Beispiel für weitere Fälle darstellt.

sibelschick

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Kommentare (5)

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SibelSchick 03.12.2015 | 23:11

Hallo, es ist in der Tat ein grausamer Fall. Der Urteil ist jedoch sehr politisch, weil der öffentliche Druck enorm war. Außerdem ist es leider ein "Urteil der Unschuld der Frau". Falls sie an dem Tag einen Minirock an hätte, oder den Bus in die Stadt genommen hätte anstelle von nach Hause, wenn es nachts wäre, wenn sie einen Typen dabei hätte, oder mal ein Glas Wein davor getrunken hätte, wäre die Strafe sehr wahrscheinlich milder. Die Gerechtigkeit endet da, wo die Suche nach der Schuld des Opfers beginnt.

mymind 03.12.2015 | 23:43

Falls sie an dem Tag einen Minirock an hätte, oder den Bus in die Stadt genommen hätte anstelle von nach Hause, wenn es nachts wäre, wenn sie einen Typen dabei hätte, oder mal ein Glas Wein davor getrunken hätte, wäre die Strafe sehr wahrscheinlich milder. Die Gerechtigkeit endet da, wo die Suche nach der Schuld des Opfers beginnt.

Das ist hier tw. auch so _ auch wenn nicht so krass wie in der Türkei. MM nach müsste dieser Fall auch eine gesellschaftliche Diskussion bewirken, inwiefern die Familie einen Mörder & Vergewaltiger in ihren Reihen schützen darf & vor allem will. Diese Diskussion kann kein Gerichtsurteil erwirken. Sie muss in der Gesellschaft, in den Familien, in den Clans stattfinden. Solange diese kein Umdenken in die Wege leiten, dass Gewalt gegen Frauen & Frauenmord ein NO-GO ist, bleibt dieses begrüßenswerte Urteil ein Unikum. Solange werden andere Richter in anderen Regionen andere Urteile fällen. Leider…

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Ehemaliger Nutzer 04.12.2015 | 10:26

All das lauert jederzeit und überall unter einem dünnen Zivilitäts-Deckmäntelchen. Erlebt habe ich es weltweit.

In der gleichen "Gesellschaft" wie im beschriebenen "Fall" gilt zumeist auch, wer die "falsche" Frau nur schief ansieht, der kann froh sein, wenn ihm anschließend nur die Augen ausgestochen und die Hände abgehackt werden.

Letztlich läuft es auf: (*) verübt (*) gegen (*) - wobei Frauen sich zu fast jeder Zeit und überall im gegen (*) befinden ...