"Frauenrechtsbewegung" als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

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Dieser Artkel stellt eine Replik auf "DanielW"s Beitrag "'Männerrechtsbewegung' als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" dar (veröffentlicht hier im "Freitag"-Blog am 4.7.2011). Um zu verdeutlichen, dass "DanielW"s Vorwürfe zutreffen würden, wenn er sie statt gegen die Männerbewegung gegen die Frauenbewegung erhoben hätte, wurden Originalpassagen seines Artikels übernommen und in einen Zusamenhang gestellt, in dem sie Sinn ergeben.

Was will die "Frauenrechtsbewegung"? Trotz unterschiedlichster Strömungen lassen sich einige gemeinsame Standpunkte schnell erkennen. Zum einen ist es das große Thema der Rechtspraxis in Familien- und Scheidungsfragen, zum anderen die Bildungs-, Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik. In all diesen Bereichen würden – so die These der "Frauenrechtsbewegung" – Männer bevorzugt und Frauen benachteiligt.

Dass sich Frauen für Veränderungen in der Familienrechts- und da vor allem der Scheidungspraxis einsetzen, wäre grundsätzlich kein Grund zur Klage, schließlich ist das Familienrecht eine schwierige Angelegenheit, in der bei Scheidungen oft genug über die Sorgerechts- und Umgangspraxis der nächsten und für die Kinder prägenden Jahre entschieden wird. Ebenso steht es mit den anderen Themen, wo es nur begrüßenswert wäre, wenn sich Frauen intensiv mit ihnen beschäftigten.

Doch was die "Frauenrechtsbewegung" umtreibt, das sind ganz andere Dinge.

1. Der Irrglaube an ein gesellschaftliches Nullsummenspiel

Die "Frauenrechtsbewegung" ist geleitet von einem irrigen Glauben an gesellschaftliche Nullsummenspiele. Als seien etwa Freiheit, die Anzahl der Erwerbsarbeitsplätze und alle anderen gesellschaftlichen Ressourcen ein großer Kuchen, und wenn der einen gesellschaftlichen Gruppe ein Stückchen davon zufalle, sei es für die andere verloren. Die "gläsernen Decken" wären demnach ein Instrument, Frauen aus dem Erwerbsleben zu verdrängen, und jeder Mann in einer Führungsposition wäre demnach ein Verlustgeschäft für die Frauen. Das ist ein gefährlicher und dummer Unfug.

Täglich gehen Erwerbsarbeitsplätze verloren, und es entstehen neue, es ist ein steter Wechsel und Wandel, und ein Unternehmen oder ein Institut, das auf die Einrichtung von Quoten oder anderen geschlechtsbezogenen Maßnahmen verzichtet, hat den Vorteil, nur den jeweils besten und engagiertesten Mitarbeitern Führungspositionen zu bieten und somit ein breiteres Potential für Wachstum und damit die Schaffung von weiteren, neuen Erwerbsarbeitsplätzen zu schaffen.

Zum anderen beschränkt die Ausweitung von Freiheiten der einen gesellschaftlichen Gruppe nicht die Freiheit einer anderen, sondern weitet sie ebenfalls aus. Und die Beschränkung der Entfaltungsmöglichkeiten einer vermeintlichen "Minderheit" schränkt zwangsläufig auch die Freiheit aller anderen gesellschaftlichen Gruppen ein. Diese Erkenntnis sollte eigentlich mittlerweile Konsens sein, aber als Beispiel sei nur auf die extrem minderheitenfeindliche Politik der Nationalsozialisten verwiesen, die in ihrer logischen Konsequenz auch eine immer stärkere Beschneidung der Rechte und Freiheiten der "Normalbevölkerung" hatte. Im Gegensatz dazu steht das liberale Gesellschaftsmodell, in dem nicht der Staat, sondern der Einzelne über sein Eigentum (also etwa auch eine Firma) frei entscheiden kann.

Die gesellschaftliche Realität einer offenen Gesellschaft ist kein Nullsummenspiel, sondern deren Gegenteil, doch der Glaube an ein derartiges Nullsummenspiel führt zu irrationalen Ängsten und Bedrohungsszenarien, die in offenen Hass umschlagen, wie gleich zu sehen sein wird.

2. Die Konstruktion einer Ungleichheit und Ungleichwertigkeit von Männern und Frauen aufgrund von "biologischen Merkmalen"

In der falschen Grundannahme eines gesellschaftlichen Nullsummenspiels missverstand die "Frauenrechtsbewegung" vor einigen Jahrzehnten den größeren schulischen Erfolg von Jungen als Bedrohung. Prompt wurden in Zeitschriften wie Alice Schwarzers EMMA Forderungen vertreten wie "Wenn wir wirklich wollen, dass es unsere Töchter einmal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen." Diese Einstellung passte zur Gesamtlinie von Alice Schwarzer, die schon 1983 verkündet hatte: "Unser Feind ist meist nicht, wie im großen Krieg, der klar bestimmbare Fremde, sondern häufiger der eigene Mann: der Vater, Bruder, Geliebte, Sohn."

Als aufgrund dieser feministischen Politik, Jungen schulische Erfolge schwerer zu machen, Jungen tatsächlich hinter den Mädchen zurückzufallen begannen, kam von Seiten der "Frauenrechtsbewegung" als ein vermeintlich wissenschaftliches Argument die biologische Ungleichheit von Männern und Frauen ins Spiel, und die Angst einiger Frauen, von Männern gesellschaftlich übervorteilt zu werden, führt dazu, dass sie Männer nicht als vollwertige Menschen anerkennen. Insofern gleichen die Vorstellungen von "Feministen" denen von Rassisten aufs Haar.

Schon Anfang der neunziger Jahre vertrat etwa die damalige Frauenministerin Christine Bergmann (SPD) die These, die Unterlegenheit von Jungen gegenüber Mädchen im Schulsystem hänge damit zusammen, dass bei Männern das Corpus Callosum weniger ausgeprägt sei. Offenbar orientierte sich Bergmann an damals populären Büchern wie Chris Evatts Geschlechterklischee-Sammlung »Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus«, wo es heißt: »Viele Forscher berichten, dass Teile des corpus callosum, des Balkens, der die rechte und linke Großhirnhemisphäre miteinander verbindet, bei Frauen größer sind als bei Männern. ... Aufgrund dieses Unterschieds benützen Frauen häufiger als Männer beide Hirnhälften gemeinsam.« Dies »macht Frauen viel einfühlsamer in andere Menschen. Sie spüren viel besser den Unterschied zwischen dem, was die Leute sagen, und dem, was sie meinen, und hören viel besser die Nuancen heraus, die die wahren Gefühle eines anderen offenbaren«.Frauen dächten insgesamt eher vernetzt, Männer eher linear. Damit schließt Evatt an Radikalfeministinnen wie Robin Morgan an, die in ihrem Buch »The Demon Lover« 1989 das Corpus Callosum ihren Anhängerinnen als Beleg für die weibliche Überlegenheit vorstellte.

Diese Ideologie einer naturgegebenen weiblichen Überlegenheit zieht sich wie ein roter Faden durch die verschiedensten Texte der "Frauenrechtsbewegung". "Der Mann ist eine biologische Katastrophe: das (männliche) y-Gen ist ein unvollständiges (weibliches) x-Gen, d. h. es hat eine unvollständige Chromosomstruktur. Mit anderen Worten, der Mann ist eine unvollständige Frau, eine wandelnde Fehlgeburt, die schon im Genstadium verkümmert ist." So beginnt Valerie Solanas "Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer". Darin erklärt Solanas die Mitglieder des männlichen Geschlechts zu "wandelnden Fehlgeburten", die "unauffällig, schnell und schmerzlos vergast" werden sollten. Alice Schwarzer bejubelte diesen Text als "ersten Exzess des Hasses, des begründeten Hasses". Denn: "Das ist es wohl, was den Frauen, wie allen unterdrückten und gedemütigten Gruppen, am meisten ausgetrieben worden ist: der Mut zum Hass! Was wäre eine Freiheitsbewegung ohne Hass?" (Vgl. Alice Schwarzer: ‚So fing es an! Die neue Frauenbewegung’, dtv 1983, S. 32-33. Siehe zu Schwarzers versuchter Legitimation des feministischen Hasses auf Männer auch Alice Schwarzer: Männerhass. In: EMMA Nr. 3/1977, S. 3.)

In den folgenden Jahrzehnten griff Alice Schwarzers Propagandaorgan diese Denkweise gerne auf. Anschaulich hierfür ist etwa die Ausgabe Juli/August 1998 (S. 56-59). Dort zeigte ein Beitrag die Fotos verschiedener Chromosomenträger: Die Reihe begann mit XXX, einer Art Superweibchen. Darauf folgt XX, die normale Frau und EMMA-Leserin, die als "fürsorglich" und "nicht aggressiv" beschrieben wurde. Der XY-Typ, also der typische Mann, hingegen sei "oft egozentrisch" und "reagiert auf Provokationen mit physischer Gewalt". Auf dieses Foto folgten drei weitere. Mit jedem zusätzlichen Y-Chromosom erschien der Mann aggressiver, sein Gesicht verzerrte sich, es wuchsen ihm Reißzähne, bis schließlich statt eines Mannes ein Kampfhund abgebildet war.Immer wieder findet sich bei feministischen Wortführern ein Gedankengut, das an unheilvolle Zeiten erinnert. "Was ist ein Mann in Salzsäure?" fragte die EMMA an anderer Stelle ihre Leserinnen. Antwort: "Ein gelöstes Problem." Auch dieser Witz komme nicht von ungefähr, merkte der SPIEGEL-Redakteur Matthias Matussek an. Vor einigen Jahrzehnten machte man ihn mit Juden.

Der bereits thematisierte feministische Männerhass führt immer wieder zu Phantasien der wenn nicht Ausrottung, so doch strikten Begrenzung. So forderte die Organisatorin eines Lesben-Festivals in den USA, schwangere Lesben sollten eine Abtreibung vornehmen lassen, wenn sich in einem Test der Fötus als männlich herausstellte.Die feministische Professorin Sally Miller Gearhart vertrat die Ansicht, dass "der Anteil der Männer ... auf ungefähr zehn Prozent der menschlichen Rasse reduziert und festgeschrieben werden" müsse."Es gibt in der Tat entgegenkommende Männer, die diese Politik gerne annehmen würden, um dafür ihren geschätzten, aber nie ganz gesicherten Status als 'Feministen' aufrechtzuerhalten", stellte die feminismuskritische Professorin Daphne Patai nach der Sichtung verschiedener Publikationen und E-Mails fest. Die Autorin Shulamith Firestone (The Dialectic of Sex: The Case for Feminist Revolution) war schon einen Schritt weiter: Sie hält ihre Vision einer gänzlich männerfreien Zukunft dadurch für umsetzbar, dass die Wissenschaft bald in der Lage sein werde, Eier statt durch Spermien durch elektrische Ladungen zu befruchten und dabei auch gleich das Geschlecht des Kindes festzulegen.

Für Susan Brownmiller ist der Mann allein aufgrund seines Körperbaus ein Vergewaltiger: Schon die unabänderliche Konstruktion ihrer Sexualorgane machten das menschliche Männchen zum Raubtier und das menschliche Weibchen zur Beute. Laut Andrea Dworkin waren Sex und Mord schon immer so sehr im männlichen Bewusstsein verknüpft, dass das eine ohne das andere undenkbar sei.Dworkin erläutert: "Männer sind von ihrer Biologie her aggressiv, von Natur aus kämpferisch, immer und ewig antagonistisch, genetisch grausam, hormonell konfliktfreudig, unverrückbar feindselig und kriegerisch" – Untermenschen eben.

All diese Statements der Frauenbewegung dienen dazu, nicht nur eine Ungleichheit der Geschlechter festzustellen, sondern sogar eine quasi "naturgegebene" Hierarchie zu konstruieren, in der Frauen Männern überlegen sind. Ist der Handlungsspielraum begrenzt und die Norm gesetzt, folgt die Aufwertung des als weiblich, und die Abwertung des als männlich definierten Verhaltens.

"Beinahe jede der gegenwärtigen politischen Partien oder Bewegungen", so führt Martina Schäfer in ihrem Buch "Die Wolfsfrau im Schafspelz" aus, "hat sich im Laufe ihres Bestehens einmal mit der eigenen Stellung zu und möglicherweise sogar der Herkunft ihrer Ideen aus autoritärem und rassistischem Gedankengut früherer Zeiten auseinander setzen müssen. Einzig die Frauenbewegung scheint bis heute von diesen Vorwürfen verschont geblieben zu sein." Doch würden deren "autoritäre, rassistische, antisemitische und chauvinistische Elemente", sowie "extrem menschenverachtende Bilder und Gedanken" lediglich ignoriert. Schäfer ist selbst eine feministisch geprägte Autorin und wundert sich in ihrem Buch darüber, warum sie so lange brauchte, um die bedenklichen Aspekte ihrer Ideologie zu erkennen: "Warum haben wir frauenbewegten Frauen dies in all den Jahren nicht bemerkt? Es ist jene Frage, die man an totalitäre Systeme gleich welcher Art stellen muss: Merkt denn niemand, was hier los ist - rechtzeitig, so dass man etwas dagegen unternehmen kann?"

Martina Schäfer analysiert in ihrem Buch scharfsichtig, wie in feministischen Texten eine natürliche Überlegenheit der Frau über den Mann behauptet wird. Beispielsweise gelten Frauen dort von Natur aus als friedliebend und Männer als kriegslüstern. Schäfer sieht in dieser Zuordnung "das Lieblingskonstrukt der Neuen Frauenbewegung ab den siebziger Jahren". So halte etwa Christa Mulack das weibliche X-Chromosom aufgrund seiner Größe dem männlichen Y-Chromosom für ebenso überlegen wie die weibliche Ei- der männlichen Samenzelle. Ohne Belege würden Behauptungen verbreitet wie, dass Frauen über ein aktiveres, widerstandsfähigeres Immunsystem verfügten, Männer hingegen zu aggressiveren Weltanschauungen und nationalistischeren Gefühlen neigten. Die Überbewertung von Frauen wird so mal biologisch, mal sozial legitimiert: Frauen sind eben schon von der Biologie her friedlicher. "Männliche Gewalt" hingegen, so verkünden die feministischen Autorinnen, "gefährdet das Leben auf dem Globus, egal ob nun alle oder nur einige Männer gewalttätig sind. Auf keinen Fall sind es gewalttätige Frauen, auch wenn sie hier und da Anteil an der männlichen Gewalt haben oder sie eben durch Mittäterschaft ermöglichen."

Bücher wie Elizabeth Gould Davis "Am Anfang war die Frau", das von ihren Anhängerinnen gar als "Bibel" bezeichnet wird, berichten von einem blauäugig-blonden, schlanken und hochgewachsenen Herrinnengeschlecht, dessen Angehörige vom Ende der Welt wenn nicht gar als erste und überlegene Geschöpfe von einem anderen Stern auf die Erde gekommen seien. Josefine Schreier und andere vertreten in Büchern wie "Göttinnen" die These, dass alles Übel der Welt vom "rassisch" minderbemittelten Mann ausgehe, ohne den alle Frauen qua Geburt göttlich seien. Dabei vermischen sich, wie Schäfer ausführt, gerne Sexismus und Rassismus in Sätzen wie diesem: "So dürfen wir schließen, dass überlegene, herrschende Frauen einer anderen Rasse angehörten als die Männer, die ihnen untertan waren."

Sämtliche gesellschaftlichen Missstände haben solchen feministischen Texten zufolge ihre Ursache darin, dass die Welt von Minderwertigen regiert wird, von Männern. Schäfer zitiert einige der entsprechenden Autorinnen: "Der Mann ist ein Feind der Natur: das Töten, das Roden, das Einebnen, die Verunreinigung und die Zerstörung sind seine instinktiven Reaktionen auf die ursprünglichen Erscheinungen der Natur, die er im Grunde fürchtet und denen er misstraut. Die Frau dagegen ist eine Verbündete der Natur, ihre Instinkte umfassen das Umsorgen, das Nähren, die Unterstützung gesunden Wachstums und die Einhaltung des ökologischen Gleichgewichts." Noch eine Nummer drastischer wird es mit einem anderen Zitat: "Die ersten Männer waren Mutanten, Missgeburten, hervorgerufen durch einen Genschaden, der vielleicht durch eine Krankheit oder ein Strahlenbombardement von der Sonne verursacht wurde." (Vor diesen Mutationen pflanzten sich die rein weibliche Menschheit angeblich durch Jungfernzeugung fort.) Die Frau hingegen habe "die natürliche Begabung, die Führung der Gesellschaft und der Kultur innezuhaben, und dass der Mann sich ihre ureigene Autorität angeeignet hat, ist die Ursache für das außer Kontrolle geratene Chaos, das die Menschheit unaufhaltsam in die Barbarei zurück führt." In manchen Texten finden sich achtmal pro Seite Schuldzuweisungen an die Gruppe der Männer. Folglich gibt es auch nur eine Möglichkeit zur Rettung: "Das einzige Gegenmittel ist die Rückkehr zu den Werten des Matriarchats und die Wiederentdeckung des immateriellen Kosmos." Martina Schäfer kommt zu dem Schluss: Wenn man in einer entsprechenden Passage die Wendung "der Mann" durch "die Juden", "die Ausländer" oder "die Asylanten" ersetzt, würde sie "die Kriterien eines rechtslastigen, rassistischen Textes erfüllen".

Statt dem "patriarchalen" Nachforschen und Analysieren wird in einer Art Erweiterung des Böse-Mädchen-Kultes die Fähigkeit eingefordert, "Hassen zu lernen". Hassen nämlich gelte als Erweiterung der weiblichen Gefühlskala und wird, wie Gewaltanwendung, durch die strukturelle Gewalt, mal die Unbarmherzigkeit des Patriarchats, mal Katastrophen wie Tschernobyl legitimiert. Ohne die "Radikalität" von Hass und Gewalt machten sich "wir uns alle der Mittäterschaft schuldig". Im Telegrammstil, so Schäfer, ließen sich die feministischen Botschaften auf folgende Weise zusammenfassen: "Männer sind schlecht und unterlegen, Frauen überlegen und besser. Männer zerstören die Welt. Männer erkennen nicht die Überlegenheit der Frauen an. Ich bin eine Frau. Ich bin besser. Ich hasse die Männer."

"Es entspricht inzwischen dem Zeitgeist, Männlichkeit nur noch mit den negativen Assoziationen von Gewalt, Krieg, Naturzerstörung, sexueller Belästigung und Missbrauch zu verbinden." erkannte der renommierte Männerforscher Walter Hollstein in einem Artikel, den die "Neue Zürcher Zeitung" am 23. September 2006 veröffentlichte. Hollstein führt aus: "Auch einstmals positive Qualitäten von Mannsein werden mittlerweile gesellschaftlich umgedeutet. Männlicher Mut wird als männliche Aggressivität denunziert, aus Leistungsmotivation wird Karrierismus, aus Durchsetzungsvermögen männliche Herrschsucht, aus sinnvollem Widerspruch männliche Definitionsmacht und das, was einst als männliche Autonomie durchaus hochgelobt war, wird nun als die männliche Unfähigkeit zur Nähe umgedeutet. Angesichts eines profeministischen Mainstreams in Politik, Wissenschaft und Medien bleibt dies unbedacht, mit verheerenden Folgen für die männliche Identitätsbildung von Buben und jungen Männern."

Der Mann, das Konstrukt "Mann", um genauer zu sein, ist also unfähig, minderbemittelt und minderwertig, und die Frau, das Konstrukt "Frau" in dieser Vorstellung die Krone der Schöpfung und somit die Herrin der Welt. Näher muss auf diesen lächerlichen Unfug nicht eingegangen werden. Es genügt festzustellen, dass es sich hierbei um – möglicherweise homoerotische – idealisierte Wunschvorstellungen, nicht jedoch um empirische Wirklichkeitsbeschreibungen handelt.

3. Das Feindbild

Da zum Glück nur sehr wenige Frauen und Männer eine feministisch korrekte Ausrichtung ihres Rollenverhaltens akzeptieren (die Frau, die alleine eine Familie ernährt, während ihr Gemahl als Hausmann allein zu Hause bleibt, ist eine Rarität) sondern individuelle Lebensentwürfe entwickeln, ausprobieren und leben, stellt jede dieser Verstöße gegen die politische Korrektheit einen Angriff gegen die Vorstellungen der "Frauenrechtsbewegung" dar. Doch wie nun mit diesem Problem umgehen? Es gibt – so die Vorstellung der "Frauenrechtsbewegung" – ganz offensichtlich Menschen, die in "reaktionären Rollenmodellen" leben, und es kann daher nur so sein, dass sie Verblendete sind, Opfer einer Gehirnwäsche. Daraus konstruiert die "Frauenrechtsbewegung" die patriarchale Bedrohung, der dringend Einhalt geboten werden muss. Klar geäußert hatte sich hierzu etwa Alice Schwarzers Ikone Simone de Beauvoir: "Keine Frau sollte das Recht haben, zu Hause zu bleiben und die Kinder großzuziehen. Die Gesellschaft sollte völlig anders sein. Frauen sollten diese Wahl nicht haben, und zwar genau deshalb, weil, wenn es eine solche Möglichkeit gibt, zu viele Frauen sich dafür entscheiden würden." Die zahlreichen Angriffe und Beschimpfungen, die Eva Herman durchleiden musste, als sie ein anderes Rollenmodell als das feministisch verordnete öffentlich propagierte, legen ein ähnlich beredtes Zeugnis ab.

Mit dem feministisch geschürten Männerhass setzte sich der bereits erwähnte Geschlechterforscher Professor Walter Hollstein in seinem Aufsatz "Der entwertete Mann" (erschienen in Merkur Nr. 734, Juli 2010) auseinander. Dort führt Hollstein aus: "Was ein großer Teil des Feminismus an Zuschreibungen entworfen hat, transportiert eine aggressiv feindselige und herabsetzende Haltung gegenüber Männern aufgrund ihres Geschlechts. Misandrie oder Männerhass ist als Gegenpart zur Misogynie ebenso rassistisch und sexistisch wie diese. In der Misandrie werden Männer als das von Natur aus böse Geschlecht herabgesetzt. Im Gegensatz dazu erscheinen Frauen als das gute Geschlecht; sie werden von Natur aus als friedlich, menschenfreundlich und sozial dargestellt. Ihre Liebenswürdigkeit macht sie zu Opfern der Männer. (...) Besonders diffamierend ist die feministische Auseinandersetzung mit der männlichen Sexualität. Dworkin bezeichnete den 'Penis als Waffe' und männliches Unterdrückungsin­strument (...). Deutsche Feministinnen wie Alice Schwarzer sind noch weitergegangen und haben aus der männlichen Sexualität unmittelbar die patriarchale Herrschaft abgeleitet." Hollsteins Beitrag enthält zahlreiche vor Männerhass triefende Zitate führender Feministinnen von Marilyn French bis Luise F. Pusch, für die hier nur Andrea Dworkins Statement "Terror strahlt aus vom Mann, Terror erleuchtet sein Wesen, Terror ist sein Lebenszweck" beispielhaft für viele andere genannt werden soll.

Das eigene gerüttelt Maß an Sexismus werde von den Angehörigen der Frauenbewegung nicht bemerkt, erkannte die Soziologin Marion Rave in ihrem Buch "Befreiungsstrategien. Der Mann als Feindbild in der feministischen Literatur". Sie befand: "Unter dem Mythos der weiblichen Friedfertigkeit sind Hass, Neid und Feindlichkeit gegen den Mann tabuisiert, obwohl der Feminismus beides in seinen Theorien und Texten reichlich dokumentiert." Ähnlich wie Alice Schwarzer in Deutschland erinnerte Marcia Ann Gillespie, Chefredakteurin des feministischen "Ms."-Magazins in den USA ihre Leserinnen daran, dass "Ihr Ehemann, Ihr Liebhaber, Ihr Sohn oder Ihr Bruder ein Terrorist in Lauerstellung sein könnte". In einem anderen Artikel dieser Zeitschrift heißt es, dass "Interaktion mit Männern gefährlich für Frauen" ist, weil alle Männer zu einem bestimmten Grad unterdrückerische und frauenfeindliche Ansichten verinnerlicht haben. Die netten Männer, informiert uns in der "Ms." die Journalistin Kay Leigh Hagan, sind bei weitem die gefährlichsten, denn »sie erlauben uns, dass wir uns dem Leugnen anheim geben. Dieses "Leugnen" werde von jeder Frau ausgeübt, die behauptet, dass "mein Vater/Ehemann/Zahnarzt nicht so ist".

Die Titel deutscher Bücher wie "Ein bisschen Männerhass steht jeder Frau" und "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann" sprechen eine ähnlich deutliche Sprache. Dabei fand die US-amerikanische Professorin Daphne Patai bei ihren Befragungen von feministischen Studentinnen heraus, dass diese in zwei gleich große Lager gespalten waren: Die einen bestritten, dass es irgendetwas wie Männerhass in ihrer Bewegung gäbe, die anderen behaupteten, dass Männer ihn verdient hätten. Ähnlich schizophren ist ein Vorfall, den Marion Rave schilderte: "Während der 'Bremer Frauenwoche', die 1990 in einem Hauptgebäude der Bremer Universität stattfand, untersagten Feministinnen Männern den Zutritt durch Hinweisschilder an den Haupteingangstüren des Gebäudekomplexes Geisteswissenschaften mit der Aufschrift 'Für Kastration wird nicht gehaftet'. Bemerkenswert ist, dass nicht der Zutritt zu Veranstaltungsräumen verboten war, in denen die Frauen unter sich über Themen wie 'Rassismus und Sexismus' sprechen konnten, sondern der Weg, der ins Hauptgebäude führte; Zugänge, die benutzt werden müssen, um Veranstaltungsräume für Studentinnen und Studenten sowie Verwaltungsbüros aufsuchen zu können. Ein Student, der es wagte, durch einen dieser Haupteingänge zu gehen, wurde, weil er nicht zügig ging, von mehreren Frauen gepackt und herausgeschmissen. Draußen, im Innenhof des Gebäudes, wurde er getreten. Die Gegenwehr des Studenten, die darin bestand, Frauen mit seinen Händen durch eine Abwehrhaltung daran zu hindern zuzuschlagen, wurde als 'brutale Männergewalt' klassifiziert und auf einer Wandzeitung öffentlich angeprangert.

Aus der irrigen Annahme eines gesellschaftlichen Nullsummenspiels wird eine gesellschaftliche Gruppe – in diesem Falle sind es die Männer, bei Rassisten die "Ausländer" – erst als "anders", dann als "mangelhaft" und schließlich als Bedrohung inszeniert.

Alle Beispiele, die nun zur Stützung dieser abstrusen "These" herangezogen werden, sind wertlos, weil eklektizistisch. Schließlich soll mit ihnen kein Erkenntnisgewinn erreicht werden, sondern allein die Untermauerung einer ohnehin vorformulierten Ansicht. Ein solches Vorgehen ist unwissenschaftlich, banal und unseriös, selbst wenn die angesehensten Fachzeitschriften zitiert werden.

Die "Frauenrechtsbewegung" ist antiemanzipatorisch, männerfeindlich und dem Rassismus wesensgleich. Sie ist keine Rechts-, sondern eine Unrechtsbewegung.

Es war insofern höchste Zeit, dass sich eine Männerrechtsbewegung herausgebildet hat, die sich dieser verheerenden Entwicklung entgegenstemmt. So lautet der Slogan der Initiative AGENS "Mann Frau MITeinander", und der AGENS-Vorsitzende Eckhard Kuhla machte in einem Interview mit der Onlinezeitung "Freie Welt" deutlich: "Wir streiten für das Miteinander der Männer UND das Miteinander von Frau und Mann! Ich kann hier nur das wiedergeben, was ich von den unerwartet vielen Frauen und Männern höre, die sich in den letzten Wochen nach der Gründung für uns interessieren und bei uns mitarbeiten (!) wollen. Es sind Aussagen wie: Endlich mal eine Gruppe, die Männer und Frauen aufnimmt und sich für den Geschlechteraus­gleich einsetzt!" Dieser neue Aufbruch in der Geschlechterpolitik war nach vier Jahrzehnten "Frauenrechtsbewegung" mehr als überfällig. Erwartungsgemäß wird ähnlich wie bei dem von Marion Rave geschilderten Fall eines Studenten, der sich gegen feministische Gewalt zur Wehr setzte, heute die – jetzt politische – Gegenwehr diffamiert und verunglimpft. Aber diese Rhetorik überzeugt zunehmend nur noch jene, die sich ohnehin der "Frauenrechtsbewegung" zugehörig zählen. Das Bestreben nach einer neuen Freundschaft der Geschlechter wird sich davon nicht aufhalten lassen.

17:05 09.07.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Sidney Davenport

In diesem Blog wird es um neue Ansätze beim Thema "Geschlechtergerechtigkeit" und eine Kritik der bestehenden Strukturen gehen.
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