Sidney Davenport
14.07.2011 | 09:02 39

Gründerin der Frauenhausbewegung schreibt erschütternde Biographie

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Sidney Davenport

Erin Pizzey erlangte internationale Bekanntheit, indem sie 1971 das erste moderne Frauenhaus mitbegründete: einer Zufluchtstätte für geprügelte Frauen im Londoner Stadtteil Chiswick. Jetzt erschien unter dem Titel "This Way to the Revolution" ihre aufrüttelnde Lebensgeschichte im Verlag Peter Owen als Buch.

"Die Arbeit von Mrs. Pizzey war erstklassige Pionierarbeit", stellte im Jahr 1975 der Abgeordnete Jack Ashley im britischen Unterhaus fest. "Sie war diejenige, die dieses Problem als Erste beim Namen nannte, die als Erste den Ernst der Lage erkannte und die als Erste etwas tat, indem sie das Hilfszentrum in Chiswick errichtete. Infolge dessen hat nun die gesamte Nation die Bedeutung dieses Problems erkannt." Bis es soweit war, galt es für Pizzey einigen behördlichen Widerstand zu überwinden. Aber nicht nur darüber berichtet sie in ihren Memoiren. Sie spricht auch offen von der bedenklichen Weise, mit der ihre feministischen "Schwestern" mit diesem Thema umgegangen sind – und heute noch umgehen.

Pizzey wurde als Tochter einer Diplomatenfamilie im Jahr 1939 in China geboren. Dort machte sie im Alter von zehn Jahren eine prägende Erfahrung, als ihre Eltern und ihr Bruder ohne besonderen Grund von den Maoisten unter Hausarrest gestellt wurden. Auch dass tausende, wenn nicht Millionen von Menschen in den Lagern Maos gefoltert und von den Rotchinesen unterdrückt wurden, trug dazu bei, dass Pizzey schon in frühen Jahren sämtliche totalitären Bewegungen verabscheute. Dementsprechend schwer fiel es ihr, als sie sich Anfang der siebziger Jahre der Frauenbewegung anschloss und bei deren Wortführerinnen immer wieder auf Anhänger des Großen Vorsitzenden Mao stieß. Pizzeys Mahnungen stießen indes auf wenig freundliche Resonanz, wie sie am Beispiel einer dieser Frauen beschreibt: "Sie wurde sehr unwirsch und sagte mir, dass meine Eltern Feinde der Revolution seien und deshalb ihr Schicksal verdienten. Dann bat sie mich zu gehen und erklärte mich zu einer Agentin der CIA."

Es gab andere Reibungspunkte. So fehlte vielen Feministinnen jedes Verständnis dafür, dass Pizzey immer noch mit ihrem Mann zusammenlebte. Sie warfen ihr vor, mit dem Feind ins Bett zu gehen und schlugen ihr vor, stattdessen doch einmal mit einer Frau Sex zu haben. Als Pizzey und ihre Mitstreiterinnen bekundeten, ihre Männer zu lieben, wurden sie von einer Welle höhnischen Johlens und Pfeifens niedergemacht. In ihren Memoiren wendet sich Pizzey gegen diese Rudelmentalität: "Ich glaubte wirklich an die Beteuerungen der frühen Frauenbewegung, dass Frauen nicht länger der Herde zu folgen bräuchten. Wir könnten Individuen werden und unser eigenes Ding machen. Tatsächlich aber musste ich mitansehen, dass die Frauenbewegung nichts anderes bedeutete als einen Katalog von Regeln gegen einen anderen einzutauschen. Schon wurde uns mitgeteilt, dass wir kein Make-Up tragen und auf Deodorant verzichten sollten." Immer wieder gingen in den frühen feministischen Organisationen Briefe verzweifelter Frauen ein, oft in Begleitung eines Geldscheins als Spende. Immer wieder musste Pizzey miterleben, wie die Führerinnen der Bewegung die Scheine einsteckten und die Briefe ungelesen wegwarfen.

Zu dieser Zeit war Pizzeys Schilderungen zufolge mehr als ein Hauch von Paranoia an der Tagesordnung. Kontinuierlich beschuldigten Feministinnen einander, Spitzel des Geheimdienstes oder Informanten der Polizei zu sein und glaubten, dass all ihre Telefongespräche abgehört würden. Gleichzeitig bekriegten sich die verschiedenen linksradikalen Flügel der Frauenbewegung – die Maoisten, die Trotzkisten, die Leninisten und die Stalinisten. Einige Extremistinnen planten Bombenattentate. Pizzey fand das unverantwortlich und beschloss, eine Polizistin über die Vorbereitung solcher Terrorakte zu informieren, was sie wiederum ihren "Schwestern" mitteilte. "In diesem Moment wusste ich", berichtet Pizzey, "dass meine Tage in der Frauenbefreiungsbewegung vorüber waren." Für die Feministinnen, mit denen sie zu tun hatte, "waren solche Anschläge nur Teil des Prozesses, der das alte Klassensystem hinwegfegen und die gequälten Massen befreien sollte, so dass sie ihren Platz in der glorreichen Weltrevolution fanden, die von Maoisten, Stalinisten oder Trotzkisten angeführt wurde."

Pizzey und ihre Unterstützer bauten ihr Frauenhaus auch ohne die Hilfe der radikalen Polit-Lesben auf – und kümmerten sich dort um die Opfer häuslicher Gewalt. Pizzey zeichnet in ihren Memoiren von all diesen Frauen eindrucksvolle Bilder: Da ist Kathy, die sofort, nachdem sie in der Zuflucht Unterschlupf fand, ihren Mann darüber informierte, wo sie sich befand und die immer wieder zu ihrem Prügler zurückkehrte, was ihren Arzt, ihren Psychiater und andere Helfer mit der Zeit verzweifeln ließ. Da gibt es Ann, die von ihrer Mutter ebenso regelmäßig grün und blaut geprügelt wurde wie ihr Vater und die sich als Erwachsene einen Mann als Partner gesucht hatte, der ebenfalls zur Gewalt neigte. Und da ist Becky, die "ein wunderbarer Mensch war" – solange sie nichts getrunken hatte und bis auf den irritierenden Umstand, dass sie es so erfüllend fand schwanger zu sein, dass sie siebenmal Mutter geworden hatte, um ihre Kinder danach wegzugeben oder tot in der Wiege aufzufinden.

Und schließlich gab es Lucy, die ihre Tochter ins Frauenhaus mitnahm, um sie dort offenbar immer wieder zu verprügeln. Es dauert nicht lange und Lucys Mann Ron taucht in Pizzeys Frauenhaus auf. Pizzey erlebt, dass sich seine Tochter ängstlich an ihren Vater klammert und ihn überhaupt nicht mehr loslassen will. Sie braucht nicht lange, um herauszufinden, wer der wahre Gewalttäter in der Familie und bei wem das Mädchen besser aufgehoben ist. Lucy löst das Problem, indem sie in ein anderes neu gegründetes Frauenhas weiterzieht. Dort stößt Pizzey auf taube Ohren, als sie den Fall diskutieren will: "Es gab keinen Fall zu diskutieren, sagte man mir in eisigem Tonfall. Diese Frau war das Opfer ihres gewalttätigen Mannes – und das war's."

Pizzey kann über all diese Frauen nicht nur anrührend berichten, man kann auch nachvollziehen, wie in ihr im Laufe der Zeit immer mehr die Erkenntnis reifte, dass häusliche Gewalt kein geschlechtsspezifisches Problem darstellte: "Von den ersten hundert Frauen, die durch unsere Türen kamen, waren 62 genauso gewalttätig wie die Männer, die sie hinter sich gelassen hatten. Ich musste der Tatsache ins Auge sehen, dass den Männern immer die Schuld an Gewalt in einer Familie gegeben werden würde, dass man falsche Beschuldigungen geben sie erheben würde und dass man immer allein den Frauen glaubte." Inzwischen plapperten auch immer mehr Sozialarbeiter die radikalfeministische Ideologie nach, der zufolge nur Jungen und nicht auch Mädchen, die in einem gewalttätigen Haushalt aufwachsen, als Erwachsene schnell zu körperlicher Aggression neigten. Pizzey verstand schon Anfang der siebziger Jahre, dass häusliche Gewalt, wie Kriminologen und Soziologen heute sagen, ein "systemisches" Phänomen darstellt: also wechselseitig erfolgt und über die Geschlechter- und Generationengrenzen hinaus übertragen wird. Damit war Pizzey schon vor vierzig Jahren selbst den allermeisten Feministinnen und Feministen von heute um Längen voraus.

Wie so viele wurde auch Pizzey nicht gerade dafür belohnt, ihrer Zeit so weit voraus zu sein. "Vorhersagbarerweise", berichtet sie, "wurde ich aufgrund meiner Ansichten zu einer Hassfigur und die Journalistinnen, die mich interviewten, weigerten sich jedesmal zu veröffentlichen, was ich über Frauen mit gewaltsamen Tendenzen zu sagen hatte. Die meisten Interviewer waren Feministinnen, und ich gelangte zu dem Eindruck, dass die Erkenntnisse aus unserer Arbeit nie das Licht des Tages sehen würden."

Bald schon stellte Pizzey fest, dass sie einen schweren Fehler begangen hatte. Während sie und ihre Unterstützerinnen sich um die Opfer gekümmert hatten, waren die radikalen Feministinnen emsig damit beschäftigt gewesen, ihren politischen Einfluss durch zig Lobbygruppen auszubauen. Das Thema häusliche Gewalt wurde dabei der feministischen Ideologie untergeordnet, der zufolge im Patriarchat alle Männer alle Frauen unterdrücken, als Geiseln nehmen und misshandeln. Und diese Weltsicht wiederum war Teil der umfassenderen Ideologie, dass sämtliche Übel der Gesellschaft durch den Kapitalismus bedingt waren. Der gesunde Menschenverstand und schlichte Tatsachen hatte gegen das Klima der damaligen Ideologietrunkenheit keine Chance.

Pizzey berichtet von ihrer Bekanntschaft mit dem Psychiater John Gayford, der bei der Veröffentlichung seiner Studien über häusliche Gewalt, die weibliche Täterschaft zunächst unter den Tisch fallen ließ. Als er sich später dazu durchrang, die Dinge richtigzustellen, wurden seine Forschungen bereits breit in der feministischen Literatur zitiert. "Er gab schließlich zu", berichtet Pizzey, "dass er, wenn er über die Wechselseitigkeit häuslicher Gewalt berichtet hätte, niemals seinen Doktorgrad erhalten hätte." Bei Forschungen zur häuslichen Gewalt, die von Feministinnen selbst ausgeführt worden waren, hatte man die interviewten Frauen gar nicht erst zu ihrem eigenen Anteil an der Gewalt befragt.

Pizzey erkannte bald, dass sie mit dem öffentlichen Sprechen über ihre Erkenntnisse ein Minenfeld betreten hatte. Feministinnen rotteten sich vor ihrem Haus zusammen und brüllten, dass sie Frauen hasse. Die erste Bombendrohung ging ein. (Später würde es Morddrohungen gegen ihre Kinder, noch später gegen ihre Enkel und gegen ihren Hund geben.) Gleichzeitig musste Pizzey miterleben, wie immer mehr öffentliche Gelder aus der Opferhilfe in die Kassen einer Bewegung wanderten, die, so Pizzey, "aus dem Hass gegen eine Hälfte der Menschheit geboren war".

Im Jahr 1976 versuchte Pizzey erstmals, Zufluchtstätten auch für Männer und männliche Teenager aus der Taufe zu heben, die Opfer häuslicher Gewalt geworden waren: "Ich nahm etwas naiv an, dass die reichen Männer und Frauen, die bereit waren, Frauenhäuser finanziell zu unterstützen, sich auch für verwundbare und zerbrechliche Männer einsetzen würden." Tatsächlich stellte sie bald fest, dass ihr niemand auch nur einen Penny für ihr neues Projekt gab. So überlebte es nicht lange, und Pizzey musste das Gebäude schließlich an die Stadt London zurückgeben. Allein einen Besuchsdienst für männliche Opfer konnte Pizzey einrichten; mit einigen Paaren gelangen auch gemeinsame Gespräche, um das Konfliktpotential bei beiden Partnern zu senken.

Während all dieser Zeit musste Pizzey in London mit den geschilderten öffentlichen Angriffen und anonymen Bedrohungen leben. Schließlich ging sie für einige Zeit in einer Art "Exil" in den USA. Während ihres Aufenthaltes dort lernte sie die Gewaltforscher Murray Straus, Richard Gelles und Susanne Steinmetz kennen. Auch diese hatten, parallel aber unabhängig von Pizzey, erkannt, das häusliche Gewalt kein geschlechtsspezifisches Problem darstellte. Auch sie mussten daraufhin lernen, mit Anfeindungen, Diffamierungen und Morddrohungen (auch gegen ihre Angehörigen) zu leben. Wenn Pizzey auf Veranstaltungen sprach, reagierten die Zuhörer ähnlich wie im heimischen England: Solange es um geprügelte Frauen und Kinder ging, war das Publikum warmherzig und aufnahmebereit. Sobald Pizzey aber auf männliche Opfer zu sprechen kam, wurde es schnell sehr frostig, und sie begann die Aufmerksamkeit der Menschen zu verlieren.

Pizzey jedoch verlor die Männer nie aus den Augen. Zunächst setzte sie Männer in ihrem Frauenhaus als Helfer ein; oft kümmerten sie sich um die Kinder. Pizzey berichtet: "Diese besonders sanften, sensiblen Männer machten einen bleibenden Eindruck auf viele der tief traumatisierten Mütter und Kinder." Heute ist Pizzey Schirmherrin der Organisation "Mankind Initiative". die besonders männliche Betroffene berät.

Das eigentlich Erschütternde an Pizzeys Memoiren sind nicht einmal allein ihre Berichte über die Schicksale der Opfer häuslicher Gewalt – sondern dass exakt dieselben Probleme, die Pizzey vor vierzig Jahren bekämpfte, heute noch bestehen. Der Antidiskriminierungs-Wissenschaftler und Geschlechterforscher Dr. Peter Döge berichtet darüber im aktuell erschienenen AGENS-Forschungsband "Schlagseite" (Klotz-Verlag): "Ein systemischer Blick auf die Geschlechterbeziehungen ver­wirrt, führt bisweilen zu heftigsten Abwehrreaktionen - vor allem im deutschen Gewaltdiskurs, in den sich die mechanistischen Deutungs­muster geradezu eingemeißelt haben. So war es auch kein Wunder, dass von den von uns befragten Mitarbeiterinnen in den Thüringer Frauenhäusern nur wenige überhaupt wussten, was systemisch bedeutet und uns meistens versicherten, sie würden sehr wohl 'systematisch' arbeiten. Verbunden war diese Unkenntnis oftmals mit der apodiktischen Behauptung, häusliche Gewalt sei ausschließ­lich Männergewalt. An eine Sicht auf Gewalt als eine (misslungene) Form von Kommunikation, die sich in einem rekursiven und dynamischen Gewebe von Interaktionen der beteiligten Frauen und Männer ent­wickelt, ist gar nicht zu denken. Jeder empirische Befund, der die Weltsicht der 'parteilichen' Frauen in Zweifel ziehen könnte – so etwa der Befund, dass sich in gleichgeschlechtlichen Beziehungen dieselben Gewalt­muster finden wie in heterosexuellen Paaren oder dass auch Frauen physische Gewalt gegen den Partner und die Kinder ausüben –, werden desavouiert oder einfach nicht zu Kenntnis genommen."

So wie gegen Pizzey seit den siebziger Jahren in England wird noch heute auch in Deutschland gegen jeden polemisiert, der häusliche Gewalt jenseits der strikten Vorgaben der feministischen Weltsicht bekämpfen möchte. So wettert auch die aktuelle EMMA gegen den vermeintlich "rechten Verein" AGENS, der "Frauenhäuser abschaffen wolle". Tatsächlich unterstützt AGENS die Forderung Professor Gerhard Amendts, ehemaliger Leiter des Instituts für Geschlechter- und Generationenforschung an der Universität Bremen, dass Frauenhäuser in Familienhäuser umgewandelt werden sollten. Erin Pizzey und viele weitere Fachleute, die nicht ideologisch verblendet sind, wären von diesem Ansatz begeistert.

Das von Pizzey beklagte Rudeldenken des Feminismus, der keine Abweichler(innen ) duldet, wurde vor kurzem in nichts weniger deutlich als in dem Mobbing und der Ausgrenzung der Goslarer Gleichstellungsbeauftragten Monika Ebeling, weil diese an einer sexistischen Bekämpfung von häuslicher Gewalt, die den Opfern wenig hilft, nicht länger festhalten mochte. Wenige Wochen nachdem Ebeling aufgrund dieser Haltung als "nicht teamfähig" dargestellt wurde und ihr Amt aufgeben musste, berichtete am 8. Juni 2011 in dem Regionalblatt "Extra am Mittwoch" eine Mitarbeiterin des Goslarer Frauenhauses über die dort herrschenden Zustände. Dabei beklagte sie Verstöße gegen die Schweigepflicht, mangelnde Fürsorge, fehlende Konfliktfähigkeit, Ausbeutung der Bewohnerinnen als Arbeitskräfte, Bespitzelungen, ein Aufhetzen gegen die männlichen Partner der Bewohnerinnen und weitere Missstände mehr.

Das Denkverbot zur Frauenhausideologie sei aufgehoben, bloggte Monika Ebeling daraufhin. "Jetzt brauchen wir ein Netz von Beratungseinrichtungen, die der Gewalt in Familien mit systemischen Interventionen begegnen. Wir brauchen Frauen und Männer die fachlich befähigt sind mit allen (!) Mitgliedern einer gewaltätigen Familie zusammen zuarbeiten. Wir brauchen Netzwerke, die in Männern nicht nur Gewalttäter und in Frauen nicht nur Gewaltlose sehen." Erin Pizzey hätte es nicht besser sagen können.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (39)

Wolf-Dieter 14.07.2011 | 15:13

Ich verfolge das Thema Feminismus mit Interesse. Vieles wirkt wie eine radikale Sekte, wie eine fundamentalistische Religion, die ihre Feinde verfolgt.

Ich als Mann habe die dauernden Anfeindungen gründlich satt. Ich bin kein "patriarchaler Unterdrücker", kein zu vergasendes unnützes Geschlecht, keine Depp, der nicht mal eine Tütensuppe zubereiten kann (siehe Männerdarstellung in der Werbung), kein Vergewaltiger.

Ich glaube auch nicht mehr an die 23 Prozent-weniger-Lohn-für-Frauen-Lüge, die dauernd verbreitet wird, aber längst wiederlegt ist (siehe statistisches Bundesamt).

Ich glaube nicht daran, dass die Gesellschaft aus Lesben- und Schwulenpärchen bestehen sollte, die Kinder adoptieren (diesen Eindruck habe ich beim Lesen der Feministen-Ergüsse).

Zum Glück gibt es immer mehr Frauen, die das feindselige Wirken von Alice Schwarzer Co. ablehnen als ein Relikt aus der Vergangenheit, welches die Verständigung zwischen Mann und Frau behindert.

Danke an den Freitag für diesen Bericht. Sicher gibts gleich Kritik von der Femi-Fundi-Fraktion, vielleicht sogar Drohungen per Mail. Was anderes haben diese Fanatikerinnen ja nicht drauf.

Neulich las ich von einer Veranstaltung der Piratenpartei, die von feministischen Besuchern gesprengt wurde, da Diskutieren nicht erwünscht war. Typisch.

Bombe 20 14.07.2011 | 15:23

Es ist wirklich erschreckend, daß eine solche ideologische Blindheit sich über 30 Jahre erhalten kann. Aber es sagt vielleicht auch etwas über die grundlegenden Reflexe des Menschen aus: Einer Frau in Not muß geholfen werden, ein Mann, der sich nicht selbst helfen kann, ist dagegen lächerlich bis abstoßend. Ich hatte gehofft, nach Jahrhunderten von Aufklärung und Humanismus sei die Menschheit ein wenig weiter.

Erstaunlich ist aber vor allem, daß solche Vorstellungen ausgerechnet von einer Bewegung perpetuiert werden, die sich die Auflösung von Rollenbildern auf die Fahnen geschrieben hat. Man könnte -bedenkt man ihren Namen- fast auf die Idee kommen, damit seien nur diejenigen Bilder gemeint, die Männern nützen und Frauen behindern, nicht aber umgekehrt.

Bombe 20

Roger Lebien 14.07.2011 | 17:25

Es ist ja nicht nur so, dass überall dort, wo Unterstützung an Frauen adressiert ist, Männer alleine und ohne entsprechende Hilfen zurecht kommen müssten. Der institutionalisierte Staatsfeminismus (Gesetzgebung, Familienrecht, Gleichstellungsgesetze) diskriminiert Männer sogar bewusst. Dabei geht die Gewalt soweit, dass die Existenz von autark lebenden Männern bewusst dem Fremdversorgungsanspruch von Frauen geopfert wird.

feminismus 14.07.2011 | 17:45

"Neulich las ich von einer Veranstaltung der Piratenpartei, die von feministischen Besuchern gesprengt wurde, da Diskutieren nicht erwünscht war. Typisch."

Wenn die PiratInnenpartei einen Machoclub einlädt und dieser dann noch ungefiltert frauenfeindliche Halbwahrheiten auf der Bühne verkündet, sollte sich eben dieser Machoclub nicht wundern, wenn empörte Frauen laut werden.

TobiB07 14.07.2011 | 18:03

Nun, es waren wohl auch "empörte Frauen" die Erin Pizzey und andere Gewaltforscher mit Morddrohungen überzogen, wenn sie zu feministisch inkorrekten Ergebnissen kamen.

Bei den besagten Vorfall wurde ein Vertreter von MANNdat eingeladen, um über die Bildungsmisere der Jungen zu referieren und FeministInnen stellten genau das unter Beweis, was hier in diesem Artikel auch über Erin Pizzey gesagt wird.

luzieh.fair 14.07.2011 | 18:46

@Achtermann:

Auf dem Blog von Arne Hoffmann wurde ausdrücklich auf den DanielW - Beitrag verwiesen und angeregt, dass sich doch ein paar finden könnten, die hier fleißig mitkommentieren.
Also: Herzlich willkommen Jünger Arne Hoffmanns:-)

Ich hatte im Übrigen nochmal auf Deine Kritik an meinem Kommentar (in der Davenportantwort auf Daniel W) geantwortet. Nur falls es untergegangen ist.

luzieh.fair 14.07.2011 | 18:52

So Sidney, dann erzähl mir doch mal wie genau, also ganz konkret, ein solches "Familienhaus" aufgebaut und konzipiert sein soll.
Wie wäre es ausgestattet?
Welche Therapieformen würden angeboten werden?
Wer geht da hin und in welchen Konstellationen wird dort gelebt?
Gäbe es Gründe eine Person vom Aufenthalt dort auszuschließen? Wenn ja: welche?
usw.

Ich bitte um eine Vision. Möglichst plastisch.

Magda 14.07.2011 | 19:17

Seltsam, dass die "neue" Männerbewegung die uralten Schlachten von gestern schlägt.

Wikipedia über Erin Pizzey: Contrary to what it may seem from the popular quote, she has not promoted a stance that most women were violent or that women were more violent than men. Her view is opposed by those who placed the blame solely upon prevailing patriarchal attitudes. She lamented that the movement she started had moved from the personal to the political

Aus dem Spiegel von 1976

www.spiegel.de/spiegel/print/d-41309581.html

"Schrei leise, sonst hören es die Nachbarn", lautet der Titel eines Reports. in dem die Engländerin Erin Pizzey zusammentrug, was die Frauen in Chiswick ihr berichtet hatten. Der Appell erreichte die Politiker. Eine Allparteien-Kommission trat zusammen. um sich des Problems anzunehmen. Am Ende der Nachforschungen stand als dringlichste Empfehlung: In jeder Stadt mit über 50 000 Einwohnern müsse ein rund um die Uhr geöffnetes "Krisenzentrum für Frauen" eingerichtet werden.

Aber nicht nur die Pizzey-Aufzeichnungen hatten das Problem in England publik gemacht. Hinzu kamen die Ergebnisse einer ersten Untersuchung über 100 Fälle von Frauenmißhandlung. Es stellte sich heraus, daß alle Opfer mit den Fäusten malträtiert worden waren, jede zweite der Frauen zusätzlich mit Fußtritten oder mit Gegenständen; 17 hatten Schnittverletzungen durch Messer, Rasierklingen oder abgebrochene Flaschen davongetragen; 11 erlitten Brandwunden. Bei jeder vierten wurden Nasenbeinbrüche, Rippenbrüche oder ausgeschlagene Zähne diagnostiziert, in vier Fällen waren es ausgerenkte Kiefer oder Schultergelenke.

Es kann doch garnicht sein, dass Erin Pizzey damals Unzutreffendes festgestellt hat, wenn es auch von anderen Zeitzeuginnen und politisch Handelnden wahrgenommen wurde.

Es gab und wird immer Streit unter Frauen geben: Über Ursachen von Gewalt, über den Begriff von "Gewalt", auch über politische Richtungen (gegenwärtig wohl nicht so intensiv), aber das ändert nichts daran, dass nach wie vor Frauenhäuser nötig sind. Dass dieser systemische Gedanke möglicherweise in einer Therapie wichtig ist, aber kontraproduktiv ist, wenn es gilt, Frauen Zuflucht zu gewähren, erst einmal Ausweichen zu gewährleisten.

Was ist jetzt die Sensation?

Magda 14.07.2011 | 19:21

"Männer behaupten immer wieder gerne, es gäbe weibliche Gewalt, die der von ihren Geschlechtsgenossen ausgehenden zumindest ebenbürtig sei. Dass Frauen sich da als "Kronzeuginnen" gegen andere Frauen anbieten, hat etwas mit patriarchalen Machtverhältnissen zu tun. Männer, die sich gegen mühsam erkämpfte Frauenrechte wenden, stellen diese ja dadurch in Frage, dass sie unterstellen, es gäbe alle Auswüchse ihrer Dominanz auch mit weiblichen Protagonisten. Dadurch wird verschleiert, dass Männer immer noch dominieren und Frauen vielfach benachteiligt sind. Nichts kommt dieser Haltung mehr gelegen als Frauen, die dabei willig mitmachen, weil sie sich Vorteile bei den Herrschenden - Männern - versprechen. Können die vielen Briefe an Pizzey und die Erfahrungen in der Frauenhausarbeit Lüge gewesen sein, sodass sich die einstige streitbare Kämpferin gegen Männergewalt nun der "Wahrheit" verpflichtet fühlt?"

Wunderschöne Analyse:
Der Link ist hier: www.ceiberweiber.at/index.php?type=review=articles=315=1

TobiB07 14.07.2011 | 20:07

Schöner Artikel, allein der erste Satz:

"Heute ist nahezu unvorstellbar, dass die Menschen früher tatenlos zusahen, wie Frauen und oft auch Kinder jahrelang gequält und geschlagen wurden."

Dazu muss man wissen, dass Gewalt gegen Kinder, einschließlich tödlicher Gewalt, überwiegend von Frauen ausgeht. Davon wollen FeministInnen aber nichts wissen, Opfer werden im Stich gelassen, wenn die Täterinnen das falsche Geschlecht haben.

Fiete 14.07.2011 | 21:15

@Luzy-fer:
"Dass der Beitrag hier allerdings mit einem Ebeling-Zitat endet, macht doch deutlich in welche Richtung die Debatte gehen soll."

Aha? Personenhass? Man kann ein Zitat auch lesen und sich inhaltlich äußern.
Nur zur Erinnerung:
"Jetzt brauchen wir ein Netz von Beratungseinrichtungen, die der Gewalt in Familien mit systemischen Interventionen begegnen. Wir brauchen Frauen und Männer die fachlich befähigt sind mit allen (!) Mitgliedern einer gewaltätigen Familie zusammen zuarbeiten. Wir brauchen Netzwerke, die in Männern nicht nur Gewalttäter und in Frauen nicht nur Gewaltlose sehen."
Hat jemand irgendwas dagegen einzuwenden?

@Magda:
"Männer behaupten immer wieder gerne, es gäbe weibliche Gewalt, die der von ihren Geschlechtsgenossen ausgehenden zumindest ebenbürtig sei."
Nee, Magda, da liegst Du falsch. Sie behaupten das nicht gern, sondern weil es eine, leider existente, Tatsache ist.
Speziell bei Gewalt gegen Kinder wäre es doch schön, wenn man die leider vorhandenen Absolutzahlen einmal bereinigen könnte, wozu allerdings die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sein müßten.
Also z. B. Gleichstellung im Sinne von Gleichwertung der Geschlechter, anstatt Frauenprivilegien.
Mal abgesehen davon, daß man etwas gegen die Erhebungsverzerrungen in Frauenhäusern und Jugendämtern tun sollte.
"Dass Frauen sich da als "Kronzeuginnen" gegen andere Frauen anbieten, hat etwas mit patriarchalen Machtverhältnissen zu tun."
Ach?
Daß es Frauen gibt, die sich nicht dem feministischen Diktat unterwerfen, ist Schuld eines von jenem gern angeführten Patriarchismus?
"Männer, die sich gegen mühsam erkämpfte Frauenrechte wenden, stellen diese ja dadurch in Frage, dass sie unterstellen, es gäbe alle Auswüchse ihrer Dominanz auch mit weiblichen Protagonisten."
Auch da liegst Du offenbar reichlich neben der Spur, Magda.
Es sind nicht Männer, die sich gegen Frauenrechte wenden, sondern Menschen beiderlei Geschlechts. Auch die meisten Frauen halten nichts von Geschlechterdiskriminierung.
Und sie wenden sich auch nicht gegen Menschenrechte oder Gleichstellung, sondern setzen sich, wie ja auch aus dem Artikel deutlich wird, für dieselben ein.
Im Gegensatz zu Dir.

Allein, daß Du weibliches Dominanzverhalten als substanzlose Unterstellung zu implizieren versuchst, ist eindeutig.
Wer sich mal mit ein paar Sorge- o. Umgangsverfahren beschäftigt, oder mal in die radikalfeministischen Pamphlete einer Susanne Baer geschaut hat, wer die Aufrufe des Antifa-Kampflesbenblocks kennt ( "Papis auf's Maul" ) kann darüber nur lachen.

"Dadurch wird verschleiert, dass Männer immer noch dominieren und Frauen vielfach benachteiligt sind. "

Im Gegenteil, Magda, Du versuchst krampfhaft zu verschleiern, daß eben auch Frauen dominieren und Männer vielfach benachteiligen.

"Nichts kommt dieser Haltung mehr gelegen als Frauen, die dabei willig mitmachen, weil sie sich Vorteile bei den Herrschenden - Männern - versprechen. "

Hier machst Du Dich vollends lächerlich.
Menschen, die aus karrieristischen Gründen anderen in den Hintern kriechen, gibt es sicherlich. Z.B. feministische Männer wie Thomas Gesternkampf oder Jörg Rupp.
Aber daß z.B. eine M. Ebeling, oder D. Kühn, Chr. Luka o.o.o. jemandem innerhalb Kinder-,Familien- o. Elternrechtsbewegung ( und genau das sind die Bewegungen, die immer wieder als patrarchal verschrien werden ) nach dem Mund geredet hätte, ist mir zumindest nicht bekannt, eher im Gegenteil.

"Können die vielen Briefe an Pizzey und die Erfahrungen in der Frauenhausarbeit Lüge gewesen sein, sodass sich die einstige streitbare Kämpferin gegen Männergewalt nun der "Wahrheit" verpflichtet fühlt?"

Einige vielleicht, Magda, alle sicherlich nicht.
Mal ehrlich, da hast Du ein wenig die Kontrolle verloren, oder?

nimzowisch 14.07.2011 | 21:26

"Auch Frauen sind Täter. Es ist meist die männliche Führung, der sie sich unterwerfen. Meist aus Angst."

Aja, am Ende der Verursacherkette muß nach feministischer Doktrin natürlich wieder ein Mann stehen, war ja klar.
Das Frauen auch ohne jegliche männliche Dominanz, und ohne jeglichen männlichen Einfluß gewalttätig sein können, ist offenbar unvorstellbar für FeministInnen.

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oliver-flesch 15.07.2011 | 05:42

"... zeigt ihnen alternative Lebensmodelle auf. "?!
Wie anmaßend kann man sein? So weit kommt das noch, dass Männer sich vom sogenannten "neuen Feminismus" "alternative Lebensmodelle" aufzeigen lassen.
Wohnt Männern neuerdings eine Behinderung inne, sind sie zu dumm, um selbst auf "alternative Lebensmodelle" zu kommen? Vorausgesetzt sie wollen die überhaupt. Oder sollen die nun auch per Quote zwangsverordnet werden?

weinsztein 15.07.2011 | 06:11

Hi Männchen,

mich beeindruckt, dass Sidney Davenport und ihre Boygroup alles ernst meinen, was sie hier schreiben. Und sie schreiben wie erwartet viel, das ist gut für den Freitag und seine ratings (ist das der korrekte Begriff?) bei google und wikipedia.

Leider kann ich mich aus ästhetischen Gründen nicht an diesem männchengetriebenen und gar nicht mal schlecht organisierten Geplärre beteiligen. Aber Blog und manche Kommentare lese ich mit Vergnügen und Häme.

Danke, Daniel!

vonhaeften 17.07.2011 | 17:37

"feminismus" - da sagt der Name schon alles. Über solche Clubs hat Luka schon alles gesagt.

So muß man nicht schreiben, aber viele, denen sprachlogische Ignoranz zum obersten Maßstab geworden ist, können schon nicht mehr anders.
Inhaltsleere Aussagen waren schon immer eine Spezialität jener, die sich im scheinakademischen Diskurs tummeln, neben Theologen und RAF-Soziologen auch Genderforscher und Feministen. Das Geschwätz des Jargons (rechtsradikal, rassistisch, rechtspopulistisch) beeindruckt nur noch diejenigen, die schon als Kleinkind von ihren Eltern den ersten Bausparvertrag geerbt haben und Opportunismus als oberstes Lebensprinzip führen. Das ist allerdings eine satte Mehrheit in einer noch satteren Gesellschaft.