Medien bauen Vorsprung der Union auf 14% aus

Medien gegen Schulz Prof.Korte: "...Einflüsse der Bewertung der Kanzlerkandidaten auf Wahlchancen" Wie Wähler Kandidaten bewerten ist abhängig von Medienberichterstattung über Kandidaten.
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Eingebetteter Medieninhalt

Nach dem sogenannten Schulz-Hype und dem 100% Ergebnis für Martin Schulz am 22.3.2017 sinken die Umfragen für die SPD kontinuierlich.

Ich habe nun beschlossen einen kontinuierlichen Blog hier zu schreiben, der die Medienberichterstattung über Martin Schulz zum Inhalt haben soll.

In meiner Erinnerung gab es vor den letzten Bundestagswahlen jeweils ähnliche bis identische Verhaltensweisen der Medien - insbesondere der SZ, WELT, FAZ, ZEIT - gegenüber den Kandidaten der SPD: es wurden jeweils die Kandidaten von den Medien vor der endgültigen Wahl durch die SPD-Mitglieder hoch gelobt, die die Partei gerade nicht wollte. Als aber genau diese MedienWunschKandidaten dann auf den Schild gehoben wurden, fand fast am gleichen Tag das Runterschreieben statt. Steinbrück ist das beste Beispiel, auch wenn dieser durch den Stinkefinger und einige Fehler den Medien dabei geholfen hat.

Wie Korte et.al aber berichten, hatte die negative Medienberichterstattung über Steinbrück den entscheidenden Einfluss.

Bei Schulz war es jetzt aber weitaus dramatischer. Man hatte sich auf Gabriel spezialisiert und war ganz sicher, dass Merkel locker gewinnen wird. Und dann kam Schulz. Und dann wurde ein Schulz-Hype als Begriff in die Diskussion gebracht. Aber wer hat diesen sog. "Hype" denn inszeniert. Da wurden von den Medien, die diesen Begriff ins Spiel brachten, genau dieser Hype als von den Medien verursacht dargestellt. Super. Ich selbst bin über ein paar 1-2-minütige Redeausschnitte in den Nachrichten auf Schulz aufmerksam geworden, habe danach auf Youtube gegoogelt und mir einige Reden angehört. Ich war auch schon nach der Europawahl überzeugt, dass Schulz ein guter Kandidat sein könnte. Und ich bin sicher, dass die vielen Menschen, die nach der 100%-Wahl von Schulz durch die SPD in seine Veranstaltungen strömten, seine Inhalte, seine Emotionalität, sein Charisma sehen bzw. hören wollten. Und diese Bewegung hat die Medien eiskalt erwischt. Sie schickten jeweils mehrere ReporterInnen in die Veranstaltungen von Schulz, um dieses Schulz-Phänomen zu ergründen. "...Was war da, was wir nicht geahnt, womit wir nicht gerechnet haben, was uns scheinbar entgleitet...".

Und danach kam die Strategie: Merkelkritik - wenn überhaupt vorhanden - komplett einstellen und Schulz runterschreiben - aber wie? Die Zauberworte waren nun: zu nebulös, absolut nicht konkret, keiner kann sich vorstellen, was er wirklich will..." Und diese Kommunikationsstrategie haben danach ARD, ZDF, Deutschlandfunk, DeutschlandRadioKultur und die Printmedien übernommen. Aber das zündete irgendwie noch nicht so richtig. Dann wurde einfach ein "wochenlanges Abtauchen " inszeniert. Und obwohl Schulz im NRW-Wahlkampf 35 Veranstaltungen durchgeführt hat, war er angeblich abgetaucht. Nein, man hat einfach nicht mehr darüber berichtet. Und dieses Abtauchen - das von den Medien selbstinszenierte - hatte genau die gewollte und geplante Wirkung auf die SPD-nahen WählerInnen und besonders auf die, die zunächst durch Martin Schulz aufgeweckt worden waren.

Meisterhaft!

Und in diesen Augenblicken suchte ich im Internet nach Wahlforschung und dem möglichen Einfluss von Medien auf Umfragen und Wahlentscheidungen. Und wurde fündig

“…Die Bundestagswahl 2013: Analysen der Wahl-, Parteien-, Kommunikations- und Regierungsforschung

herausgegeben von Karl-Rudolf Korte…“

In diesem Buch gibt es ein wunderbares Kapitel mit folgendem Titel: “ Einflüsse der Bewertung der Kanzlerkandidaten

Steinbrück und Merkel auf die Wahlchancen ihrer Parteien

bei der Bundestagswahl 2013: War er der Falsche, war sie die Richtige?“

Und hier findet man auf den Seiten 123, 124: “ Wie die Wähler die Kandidaten insgesamt bewerten ist demnach abhängig von der Medienberichterstattung über die jeweiligen Kandidaten. Präziser hängt die Bewertung davon ab, welche Eigenschaften und Handlungen der Kandidaten durch die Medien in den Vordergrund gestellt beziehungsweise geprimt werden. Dieser Zusammenhang ergibt sich notwendigerweise, da kaum ein Bürger die Kandidaten der Parteien persönlich kennt. Der fehlende persönliche Kontakt nötigt sie dazu, ihr Bild des Kandidaten ausschließlich auf Grundlage der Medienberichterstattung zu bilden (Brettschneider 2005). Ein Primingeffekt auf die Kandidatenbewertung entsteht also dann, wenn die in den Medien häufig erwähnten Eigenschaften eines Kandidaten mit einem größeren Gewicht in die Gesamtbewertung eingehen, als die seltener erwähnten Eigenschaften (Brettschneider 2005) …“

Also haben wir es seit der 100%-Wahl - wie schon bei Steinbrück 2013 - exemplarisch mit einem bis dato meisterhaften Wahlkampf der Medien gegen Martin Schulz und die SPD zu tun. Und das ist durch wissenschaftliche Studien der Univ. Duisburg, Korte et.al. bewiesen.

Eine erkenntnisreiche Tätigkeit ist es zum Beispiel - man braucht etwas Zeit -, sich die Titel-online-Seiten von ZEIT, FAZ, WELT, SZ – einmal Tag für Tag seit dem 22.3.2017 auszudrucken und zu beobachten, wie Schulz und die SPD seit diesem Datum behandelt werden.

Dazu demnächst mehr!

03:31 03.06.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

SiebzehnterJuni

MenschenSchutz statt HeimatSchutz Chemiker und Organist
SiebzehnterJuni

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