Mehr Petitionen!

Satire "Russenpanzer weg vom Ehrenmal" – da geht noch was. Mit diesen fünf Vorschlägen könnte die BILD-Zeitung sofort auf Unterzeichnerfang gehen
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Heute startete die BILD Zeitung die sinnvollste Online-Petition seit Markus Lanz: wegen des Aufmarsches russischer Truppen an der ukrainischen Grenze und der Annexion der Krim, wird ein geschichtlich gradliniger Bezug zu den sowjetischen T-34 Panzern am Ehrenmal der Sowjet-Armee an der Straße des 17. Juni hergestellt (übrigens wurde der Aufstand 1953 von wem niedergewalzt? Richtig!). Wie die historisch bewanderten BILD-Redakteure bestimmt wissen, wurde Berlin u.a. übrigens von der 1. Ukrainischen Front unter Marschall Konew erobert. Streng genommen handelt es sich bei dem „Russen“-Panzer um einen sowjetischen, der dazu noch von der Sowjet-Republik der Ukraine gestellt wurde. Aber lassen wir solche Kleinigkeiten einfach beiseite. Denn es gilt der eherne Grundsatz des Axel Springer Verlags: einfache Antworten, sind die einfachsten Antworten.

Jetzt könnte man auch einräumen, dass sich bei der BILD niemand aufgeregt hatte, als die US-Armee 2003 den Irak völkerrechtswidrig und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in die Demokratie oder so was ähnliches bombardierte. Da regte sich auch niemand über die unzeitgemäßen Rosinenbomber in Berlin-Tempelhof auf. Ok, die Wunderwaffe einer Online-Petition gab es damals noch nicht. Wie mächtig sie ist, zeigt das Beispiel Markus Lanz: der musste deswegen seine Moderation der überaus erfolgreichen Samstag-Abendshow abgeben.

1. Abschaffung des Montags

Mal (ausnahmsweise) ehrlich: Wir von der BILD Zeitung finden Montage total doof. Erstens müssen wir dann wieder in die Redaktion und unseren Ober-Almöhi Kai Diekmann beim penetranten Eigenmarketing zuschauen, zweitens schmeckt der Kaffee aus unserer Redaktionsmaschine echt schlecht: viel zu schwarz (wie unser Blättchen). Drittens interessiert sich in der Chef-Etage niemand mehr für uns, die kaufen lieber Start-ups ohne Ende ein und machen mit denen Big-Business, was mit uns nicht mehr klappt. Lieber Bundestag: da müssen wir was gegen tun! Weg mit dem Montag, der uns seit Jahren terrorisiert und den Gerüchten nach mal vom KGB erfunden wurde, um Millionen von Arbeitssklaven im Archipel Gulag einen weiteren Tag quälen zu können (wie uns in der Redaktion).

2. Kai Diekmann soll sich enttalibanisieren

Ist die BILD ein Osama bin Laden? Früher sahen Taliban-Kämpfer so aus, wie heute Kai Diekmann. Vollbart, wirrer Blick und etwas aus der Zeit geraten. Wir fordern: Weg damit! Dieses Symbol des Terrorismus hat in einer Zeitung, die fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht und zudem seit etwa 2000 Jahren für die Existenzberechtigung des Staates Israel kämpft nichts verloren. Auch wenn wir wissen, dass auch ein glattrasierter Diekmann uns weiter nerven wird mit seinen Geschichten aus der lockeren Start-up Szene im Silicon Valley oder wenn er mit seinen Lego-Figuren die Ostergeschichte nachspielt (Diekmann am Kreuz) – wir akzeptieren diese Verhipsterung des Taliban-Terrorismus nicht mehr bei unserer guten, alten (unbekleideten) Dame BILD!

3. Endlich Schluss mit den Lügen in der BILD!

Warum sind wir hehren BILD Redakteure (neutral und überparteilich wie eh und je) mal auf die Journalisten-Schule gegangen? Es ging um Wahrheit (hahahaha), es ging um journalistische Standards und wirklich wichtige Themen, wie die Schambehaarung von Daniela Katzenberger. Wir wollen endlich auch mal was ganz verrücktes machen und auf tendenziöse Berichterstattung sowie groteske boulevardeske Überzeichnungen verzichten. Wir wollen eine Zeitung machen, wie man es uns (außer der Axel Springer Schule) beigebracht hat: mit dem Ethos eines Hans-Joachim-Friedrich Preisträgers. Wir wollen, dass es in der BILD-Kantine fortan nur noch Egon Erwin Quiche (auch in veganer Variante) gibt. Unterzeichnet jetzt!

4. Volksverasche soll aus dem BILD Online-Shop verschwinden

Die BILD Zeitung ist mit vielen Volksprodukten sehr erfolgreich gewesen: Volks-Jeans (empfohlen von Textilarbeiterinnen in Bangladesh), Volks-Volksmusikern (Helene Fischer, Andrea Berg) und Volks-Empfängern (hört, hört). Auf unser seit Jahrzehnten erfolgreichstes Produkt wollen wir von der BILD zukünftig aber verzichten: Volksverasche. Gut, sie verkauft sich auch nicht mehr ganz so toll wie früher, wenn man sich die Auflagenzahlen ansieht. Aber immerhin: es funktioniert immer noch ganz leidlich. Man rettet aber Print nicht dadurch, dass man den Menschen Dinge verkauft, die sie gar nicht brauchen: wie Apps oder anderen digitalen Schnick-Schnack. Daher: Weg mit der Volksverasche aus dem Online-Shop des Axel Springer Verlags – auch wenn es Döpfner schwer fällt. Aber wenn uns bei der BILD etwas wirklich wichtig ist: dann die Wahrheit. Ohne Verarsche!

5. Umbenennung der Rudi Dutschke Straße in Helmut Kohl Boulevard

Die Mutter aller Kanzlerinnen, der Kanzler der Einheit, der Gigant Europas und das BILD Orakel für alle wichtigen Fragen (Ihre Meinung zur Schambehaarung von Daniela Katzenberger, Herr Alt-Kanzler Kohl?): Helmut „Diekmann Buddy“ Kohl. Er hätte es eigentlich verdient, dass jede Straße in Deutschland nach ihm benannt wird. Plus alle Plätze, Seitengassen und vor allem Finanzämter und Justizpaläste. Er hatte sich nie über das Recht gestellt, denn Helmut Kohl ist das Recht selbst. Weil wir bei der BILD für unsere Bescheidenheit bekannt sind, wollen wir nur, dass die unsägliche Rudi-Dutschke-Straße endlich einen ordentlichen Kassengestell-Namen bekommt: Helmut Kohl Boulevard. Das würde auch viel besser zu uns und unserer Helmut Kohl Werbebroschüre passen. Wir sind sicher, eine Online-Petition für die Umbenennung wäre in etwa so spannend, wie ein Referendum auf der Krim. Übrigens: Ihre Meinung zur hübschen ukrainischen Staatsanwältin auf der Krim, Herr Alt-Kanzler Kohl. Untertänigst: Ihre BILD Zeitung.

11:22 15.04.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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