Steinbrück zu teuer, Herr Bert Wehner kommt.

Satire Kurz vor dem außerordentlichen Parteitag trennt sich die SPD von Peer Steinbrück: er ist zu teuer.
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Kurz vor dem außerordentlichen Parteitag der SPD gibt es einen wahren Paukenschlag in der Partei: Die Sozialdemokraten trennen sich von ihrem designierten Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel trat heute mit seiner Generalsekretärin Andrea Nahles vor die Presse und verkündete der vollkommen überraschten Journalisten-Schar im Willy-Brandt Haus das Aus für den einstigen Hoffnungsträger der Sozialdemokratie.

Vor hunderten Reportern sagte Gabriel: „Wir haben nach langem hin und her erkennen müssen, dass wir uns Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat schlicht nicht leisten können.“ Nach Aussagen von Gabriel war es am Ende eine ganz einfache Rechnung: „Wir rechnen im Wahlkampf mit mehreren hundert Reden, die Peer Steinbrück hätte halten müssen – vom Ortsverband Lüdenscheid-Nord bis zur Jahreshauptversammlung des Deutschen Nebentätigkeitsverbands.“ Geplant waren diverse Wahlkampfauftritte auf Marktplätzen, Bierzelten und VIP-Lounges. „Leider kostet eine Rede von Peer Steinbrück 25.000 Euro oder umgerechnet circa 5000 Flaschen einigermaßen genießbaren Pinot Grigio. Wir freuen uns zwar über seinen hohen Marktwert, können aber nicht jedes Mal so viel Geld bezahlen“, führte der Parteivorsitzende mit typisch traurigem Dackelblick weiter aus. Insgesamt hätten allein die Wahlkampfreden von Peer Steinbrück 25 Millionen Euro gekostet. „Dafür bekommt man bei Stuttgart21 eine Rolltreppe oder beim Berliner Großflughafen einen Sektempfang“, sagte das aus Berlin zugeschaltete Präsidiumsmitglied Klaus Wowereit mit der ihm eigenen Verve.

Andrea Nahles weiter: „Peer Steinbrück wollte unbedingt Kanzlerkandidat der SPD werden und war auch zu großen Zugeständnissen bereit: Für die gerechte Sache der Sozialdemokratie ­– die ihm besonders am Herzen liegt – wollte er den Preis seiner Wahlkampfreden auf saugünstige 24.999,99 Euro senken. Ein Freundschaftspreis unter Genossen.“ Die Partei selbst war zwar beeindruckt von dem hohen persönlichen Opfer Steinbrücks, trotzdem musste der Schatzmeister der SPD nach dem Durchrechnen der Kosten mitteilen: „Computer says no.“ Somit fiel auch die geniale Guerilla-Marketingidee der Werbeagentur der SPD flach: Steinbrück sollte auf CDU/CSU Wahlkampfveranstaltungen sprechen. Nahles: „Die Idee hätte gut funktionieren können. Da sich die großen Volksparteien sowieso kaum mehr unterscheiden, hätte keiner gemerkt, dass da einer über SPD-Inhalte spricht.“ Was wäre das für ein Bild gewesen: betrunkene CSU-Anhänger applaudieren Steinbrück im Bierzelt.

Ein kurzes (wirklich kurzes) persönliches Statement (1.500 Euro) von Steinbrück auf der Pressekonferenz war leider auch nicht zu bekommen, da die SPD diese Kosten nicht übernehmen wollte. Lediglich ein Wort (350 Euro) Steinbrücks machte die Runde: „Scheiße.“ Nach Ansicht von Sigmar Gabriel heißt es nun nach vorne zu schauen. Gleichzeitig präsentierte er den neuen Kanzlerkandidaten der SPD. Dieser wurde nach einer Urwahl ermittelt: „Die Urwahl fand in mir selbst statt und ist ein Symbol für die lebendige Basisdemokratie in der Partei.“ Das Ergebnis seiner inneren Urwahl: Herr Bert Wehner aus Jüppchen in der Nähe von Arnsberg. „Herr Bert Wehner vereinigt zwei Dinge, die der SPD weiterhelfen können: Er ist im Vergleich zu Peer Steinbrück extrem kostengünstig und außerdem kommt mir sein Name irgendwie bekannt vor.“ Andrea Nahles sekundiert: „Stimmt den Namen kenne ich – hat der nicht Markus Lanz moderiert?“ „Liebe Andrea: Markus Lanz hat Johannes B. Kerner moderiert“, korrigiert Gabriel etwas süffisant.

Während also die Parteispitze mit neuen Mut ins Wahljahr 2013 voranschreitet, muss Peer Steinbrück sein karges Abgeordnetengehalt wieder mit Nebentätigkeiten aufbessern. Auf seiner Webseite (Paywall: 1 Tag 4,95 Euro, 1 Woche 14,95 Euro, 1 Monat 24,95 Euro – bequem Peer Bankeinzug) verkündet er: „Ich will nicht lange um den heißen Brei reden (wäre auch zu teuer): Der SPD und ihrem neuen Spitzenkandidaten Herr Bert Wehner wünsche ich für die Bundestagswahl alles Gute – man sieht sich beim nächsten Champagner-Empfang! Euer Peer.“

Mit Herr Bert Wehner wollen die Genossen das Thema Gerechtigkeit in den Mittelpunkt des Wahlkampfs stellen. „Ohne unserem Ex-Kanzlerkandidaten zu nahe treten zu wollen, aber bei dem Thema raucht der Steinbrück in der Pfeife.“ Dank des Raucherschutzes aber nicht im Bundestag – selbst wenn die SPD die 5% Hürde schafft.

14:03 08.12.2012
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