Sigdrifa

Zwei Dinge erfüllen das Gemüth mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. (Immanuel Kant)
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RE: Neue Lyrik – neue Impotenz | 06.05.2012 | 14:00

Die neue Belanglosigkeit der Literatur. Das greift um sich. Und das Problem ist - diese Texte werden tatsächlich veröffentlicht. In Lyrikbänden, die gerade mal so auf die 49 Seiten kommen, die notwendig sind, damit eine Publikation als Buch gilt.
Die, die diese Lyrik schreiben, haben selbst keine Ahnung von Dichtung. Wie oft hört man den Spruch: "Ich schreibe nur, was in mir ist. Was gibt es da zu lernen oder zu wissen?" Und BoD macht es den Leuten leicht, ihr Machwerk auf geduldiges Papier zu bannen. Und noch mehr: diese ganze Poetry-Slam-Bewegung, die ohnehin zum Comedy-Event verkommen ist und weder mit Poetry noch mit Slam etwas zu tun hat. Diese sog. urbane Lyrik... Blogs und einschlägige Internetforen sind voll davon. Und dort feiert es sich selbst, das untere Mittelmaß.
Aber es gibt auch die andere Seite: Leute, die sehr gut mit Sprache umgehen und den Anschein von Lyrik-Gemäßheit hervorrufen können. Ihre Texte sind auch hohl und leer, sehen nur besser aus.
Was eben jetzt so kommt, die "neue" oder - wie es auch so schön heißt - "junge" Lyrik ist auch ein Ergebnis des deutschen Bildungssystems. Die Lyrikproduzenten sind ungebildet, und die Konsumenten sind es ebenfalls.
Und das, was in diesem Bereich als "besonders", "neu" oder "andersartig" bezeichnet wird, ist längst Mainstream geworden. Ein bisschen Sex, ein bisschen Scheiße, ein bisschen Straßendreck - so ein bisschen eines auf Großstadt und Ghetto und Bukowsky machen. Hauptsache dreckig. Und wenn man sie sich dann anschaut, die Poeten - Wohlstandskinder, Mittelschicht. Nix mit Dreck, alles nur Pose. Leer. Was bringt das?