Die CORONA-Krise

CORONA Erster Zwischenbericht eines potentiellen Risiko-Patienten
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Die CORONA-Krise
- Erster Zwischenbericht eines potentiellen Risiko-Patienten -
Zusammenfassung
Was mir bisher gefällt:
- konsequente Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie, wenn auch verspätet
- diverse Rettungsschirme nach dem Prinzip „Klotzen, nicht Kleckern“
- der seriösen Wissenschaft wird in Medien, Politik und Öffentlichkeit wieder zunehmend Gehör geschenkt
- uneigennütziger Einsatz der „systemrelevanten“ Mitarbeiter im Gesundheitssystem, bei der Polizei, Müllabfuhr, etc. sowie an den Supermarktkassen trotz mangelhaftem Schutz und mangelnder Wertschätzung
- hohe Solidarität in der Bevölkerung
- Chance zur Neuausrichtung von Staat und Gesellschaft in der Post-Corona-Zeit - kein weiter so!

Was mir bisher nicht gefällt:
- Beschwichtigungen wie „das Gesundheitssystem ist gut vorbereitet“ noch Anfang März
- mangelnde Sensibilität für vorausschauenden Katastrophenschutz inkl. Pandemiepläne
- Fehlsteuerung des auf Effizienz getrimmten Gesundheitssystems, dessen eklatante Schwächen für jeden sichtbar werden
- Digitalisierung hinkt in fast allen Bereichen (Schulen, Behörden, Gesundheitssystem, ...) hinterher - da helfen auch keine Show-Digitalisierungsprogramme, Show-Digitalminister, etc.
- frei nach dem Motto „Tod oder Leben“ wird zunehmend versucht, Bürgerrechte auszuhebeln, insbesondere derzeit sichtbar bei dem Thema Datenschutz
- Vernachlässigung von Kindern und deren Familien, Alten, Kranken, Bedürftigen, Flüchtlingen
- Flickenteppich von unzureichend aufeinander abgestimmten Maßnahmen in den Bundesländern
- dem Ernst des Themas unangemessener, populistischer Wettlauf („Hahnenkampf“) zwischen einzelnen Politikern um „beste Krisenpolitik„ auf Kosten von Einheitlichkeit und Glaubwürdigkeit
- ausufernder Föderalismus mit eklatanten Schwächen bei der Pandemie-Bekämpfung
- auf europäischer Ebene fällt man wieder in die Vor-EU-Zeiten der Abschottung und nationalen Lösungen zurück, der EU-Kommission ist die Handlungsführerschaft entglitten
- haltlose Behauptungen von Trumpschen Ausmaß: „der bayerische Weg hat 50.000 Infektionen verhindert“
- ausstehender nachhaltiger solidarischer Beitrag der Superreichen
- fällige Ministerrücktritte treten in Vergessenheit
- die Medien sind in einen Modus der weitgehend kritiklosen Kanzler- und Ministerpräsidenten-Berichterstattung verfallen

Nach einer Vielzahl von Versäumnissen wird ein, zumindest innerhalb Deutschlands, geordnetes Krisenmanagement langsam sichtbar

Die verantwortlichen Politiker hatten in den ersten Wochen der CORONA-Krise - aus welchen Gründen auch immer - sich eher zurückhaltend und beschönigend geäußert. Darüberhinaus hatten sie die Bevölkerung mit den Hinweisen, dass das Gesundheitssystem gut vorbereitet sei, und dass die jährliche "klassische" Influenza ja auch nicht "ohne" sei, in mangelnde Betroffenheit versetzt. Obwohl aus den letzten Übungen der vorhandenen Pandemiepläne erhebliche Defizite bekannt waren, die aber nicht beseitigt wurden.
Nun lassen dieselben Politiker seit Mitte März fast keinen Tag verstreichen, an dem sie nicht die Bevölkerung - weitgehend unvorbereitet - mit neuen, drastischen Einschränkungen konfrontieren. Diese hektische, an Alarmismus erinnernde Aufeinanderfolge von Maßnahmen, ohne die Wirksamkeit der zuvor getroffenen Maßnahmen auch nur ansatzweise abzuwarten, führen Teile der Bevölkerung tendenziell in einen Panikmodus, der zusätzliche Probleme wie z.B. Hamsterkäufe verursacht. Zusätzliche Zweifel an einem besonnenen, angemessenen, aber dennoch nachhaltigen Vorgehen nährten Maßnahmen, die noch wenige Tage zuvor rigoros abgelehnt wurden wie z.B. Schulschließungen.
Hier ist auch ein besonders gravierendes Versäumnis insbesondere der Bundesländer NRW, BaWü und Bayern zu beklagen: anstelle die Faschingsferien zu verlängern, wie es einige Experten vorgeschlagen hatten, gingen die Ferienrückkehrer - zusammen mit ihren bei Faschings- bzw. Karnevalsveranstaltungen oder in den Skiferien eingefangenen Viren - zunächst wieder zurück in ihre Kitas und Schulen und konnten dort munter ihre Viren weiter verbreiten, bevor dann - mit 2 Wochen Verspätung - die Schließungen verordnet wurden. Und wenn wir schon über Versäumnisse reden, dann ist hier auch das Thema Flughafenkontrollen anzuführen: so wurde man z.B. von Deutschland nach Italien zwar dort kontrolliert, nach Deutschland zurückfliegende Passagiere wurden aber auf den deutschen Flughäfen noch Anfang März einfach durchgewunken.

Weitere Verunsicherung wird z.B. durch ein bislang offiziell nicht veröffentlichtes Strategiepapier des Bundes-Innenministeriums gestreut, in dem u.a. auch Worst-Case-Szenarien beschrieben werden, die in drastischen Worten von bis zu 1,2 Mio Toten allein in Deutschland ausgehen. Ein gefundesenes Fressen für Verschwörungs-Theoretiker, wie sich in deren zahlreichen Werken zeigte.
Mittlerweile ist bundesweit ein Flickenteppich von z.T. unzureichend aufeinander abgestimmten Maßnahmen wie z.B. Ausgangs- bzw. Kontaktsperre bzw. -beschränkungen entstanden, die bei betroffenen Menschen und Organisationen, aber auch bei anerkannten Pandemie-Experten, nur noch Kopfschütteln und Verwunderung hervorriefen. Und auf europäischer Ebene fällt man wieder in die Vor-EU-Zeiten der Abschottung und nationalen Lösungen zurück.

Was wir also bisher vermissten, ist eine besonnene, abgestimmte und auf dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse und deren Evidenzen beruhende zeitnahe Politik.
Dass sich aber weiterhin einzelne Politiker untereinander medienwirksam zu übertreffen versuchen insbesondere bei der hektischen, aber zumeist erfolglosen Beschaffung von Schutzkleidung, Masken und Desinfektionsmittel hinterlässt eher einen Eindruck von beschämender Hilflosigkeit als den eines erfolgreichen Machers.

Augen zu und durch?
Nichtsdestotrotz ist es heute prinzipiell richtig und kurzfristig möglicherweise auch alternativlos, das jetzt begonnene drastische Zurückfahren des öffentlichen Lebens bis Mitte bzw. Ende April fortzusetzen und dann, auf der Basis der bis dahin vorliegenden Erkenntnisse und Fallzahlen, die Maßnahmen neu zu justieren. Und dem muß - trotz aller Unzulänglichkeiten - jetzt auch das Primat zugestanden werden.
Wenn die Politik nur nicht wieder die Bevölkerung weiterhin fast täglich mit weiteren neuen Maßnahmenvorschlägen wie z.B. Ausgangsbeschränkungen - in Bayern hektisch, dramatisch und in einem Anschein von unsolidarischer, egoistischer Kopflosigkeit beschlossen - verunsichern würde, was hoffentlich nicht nur zur persönlichen Profilierung als durchsetzungsstarker Macher o.ä. benutzt wird. Den Gipfel schließt mal wieder,der sich gerne als Klassenbester gerierende Söder ab: obwohl Bayern mittlerweile Spitzenreiter bei den Corona-Infektionen ist - rd. 32.000 an Ostern - behauptet er dreist, der bayerische Weg hätte 50.000 (!) Infektionen vermieden! Wohlgemerkt, das war Söder, nicht Trump!
Auf längere Dauer wird man meiner Ansicht nach - ganz abgesehen von der wirtschaftlichen Situation - die weitgehende Einstellung der sozialen Kontakte aber nicht durchhalten können. Handelt es sich doch bei der Spezies Mensch um ein „Zoon Politikon“, das auf Sicht ohne sein Gegenüber nicht wirklich existieren kann. Aber auch quasi das Gegenteil, das enge Aufeinander-Sitzen im Fall einer Quarantäne bzw. einer Ausgangssperre, wird die psychische Gesundheit Vieler z.B. im Sinne eines "Lagerkollers" beeinträchtigen. Eine Isolierung dennoch weiter zu fordern, wäre in etwa so, als bitte man Fische um ihres Überlebens willen, das Wasser zu verlassen.

Erste, bestürzende bzw. beschämende, Erkenntnisse
Was man vorab aber schon mal feststellen kann:
- Deutschland, die einstmalige Vorzeige-Apotheke der Welt, ist in den letzten 10-15 Jahren, was die Pharmazie anbelangt, auf Mittelmaß zurückgestutzt worden, was sich u.a. an mangelnder Lieferbereitschaft vieler relevanter Arznei- und Hilfsmittel zeigt - übrigens für andere medizinische Applikationen bereits schon viele Monate vor der CORONA-Krise.
- Der lange bekannte und beklagte Mangel an qualifizierten Kranken- und Altenpflege-Kräften ist für viele Patienten jetzt existenzbedrohend.
- Die Privatisierung insbesondere von Krankenhäusern und Pflegeheimen im Rahmen des neoliberalen Wahns einerseits, sowie die einseitige Ausrichtung unseres Gesundheitssystems auf Effizienz andererseits behindern eine qualitativ und quantitativ hochwertige Versorgung insbesondere bei Leistungen der öffentlichen Daseinsvorsorge gerade auch in unvorhergesehenen Fällen wie z.B. bei Pandemien.
Übrigens hatte 1985 die damalige CDU/„C“SU/FDP-Regierung unter Kohl begonnen, die Gesetze zu ändern, die es bis dahin untersagten, mit Krankenhäuser Gewinne zu erwirtschaften durften! Die Krankenhäuser wurden zum Geschäftsmodell. Nicht mehr das gesundheitliche Wohlbefinden stand im Mittelpunkt, sondern die Rendite.
Danke Konservative und Liberale!


Warum mußte erst ein CORONA-Virus einschlagen, um unseren Fokus wieder auf ein vorrangig am Menschenwohl orientiertes Gesundheits- und Pflegesystem zu legen?
Hier muß - sobald die CORONA-Krise überwunden ist - dringend der Hebel umgelegt werden! Und zwar nicht nur wegen Vorfällen wie der aktuellen CORONA-Pandemie, sondern wegen längst bekannter und immer wieder beklagter gravierender Mängel.
Ob das mit einer dem Neoliberalismus immer noch huldigenden Union, die - zusammen mit der FDP - die letzten 12 Jahre den Gesundheitsminister gestellt hat, möglich ist, darf bezweifelt werden. Insbesondere, wenn wieder neoliberale Hardliner in die engere Führungsspitze der CDU oder gar zum Kanzlerkandidat gewählt würden.

Viele aktuell gute und engagierte Beispiele dürfen uns nicht die Augen verschließen vor Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft, die - dank des CORONA-Virus - wieder einmal evident werden!
Was mir sonst noch aufgefallen ist:

- Unser unzureichend ausgestattetes medizinisches sowie pflegerisches Personal arbeitet an seiner Leistungsgrenze, ebenso wie viele andere Betroffene z.B. in Gesundheitsämtern oder anderen Einrichtungen. Auf deren aufopferungsvollen Einsatz können wir stolz sein. Aber gibt ihnen die Gesellschaft auch die gebührende Wertschätzung? Was sind uns Menschen wert, die sich offensichtlich als Leistungsträger in systemrelevanten Tätigkeiten auf Mindestlohn-Niveau für uns alle aufopfern?

- Auch wenn sich unsere verantwortlichen Politiker mitunter schwer tun, trotz föderaler Srukturen an einem, wo nötig, bundeseinheitlichen Strang zu ziehen, arbeiten sie verantwortungsbewusst und fokussiert, soweit Einzelne nicht die CORONA-Krise instrumentalisieren für ihre schnöden Zwecke wie z.B. AfD-Meuthen, der um die „Volksgesundheit“ besorgt ist, oder CDU-Strobl bzw. „C“SU-Seehofer und -Söder, die nach meiner Beobachtung eine bestimmte Klientel bedienen mit ihren populistischen, weniger auf Evidenz als auf Angst beruhenden, z.T. unabgestimmten Maßnahmen zur Grenzkontrolle bzw. Grenzschließung, oder die EU-Präsidentin von der Leyen, der die Handlungs-Führerschaft auf EU-Ebene bereits entglitten ist.
- Und dass Beatrix von Storch, stellvertretende Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag, eine sachfremde Verbindung zwischen der CORONA-Krisen-Politik und der Asyl-Politik der Bundesregierung herstellt, ist wohl in AfD-Hirnen alternativlos - also nur noch peinlich.

- Vermisst habe ich bisher einen nennenswerten solidarischen Beitrag unserer Superreichen, der sicherlich später um so stärker einzufordern ist. Wie zu erwarten, lassen bei diesem Thema die Beschützer der Reichen und Mächtigen, also in der Politik insbesondere FDP, CDU, "C"SU, ihre altbackenen, überholten Reflexe wie "Neid-Debatte" schon mal hinaustrompeten.

- Noch nicht überzeugt hat mich unser öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Er bietet zwar - über die häufig drögen Wiederholungen hinaus - mittlerweile ein attraktiveres Programm Kindern und Schülern an. Für Studenten und allen in Quarantäne bzw. Arbeitslosigkeit bzw. Teilzeit befindlichen Menschen vermisse ich aber neue, die bisherigen eingefahrenen Programmstrukturen und -Inhalte durchbrechenden Elemente, mit denen auch den Streaming-Anbietern, mit neuen, mutigen Experimenten Paroli geboten werden könnte. Da hierfür aber auch mutige Regulierungs-Entscheidungen getroffen werden müßten, befürchte ich, dass sich Streaming-Anbieter wie Netflix, Amazon oder neuerdings Disney die aktuelle Situation zur Geschäftsausweitung nicht entgehen lassen. Was für eine vertane Chance!

- Ausdrücklich hervorheben möchte ich Informationssendungen wie den NDR2-CORONA-Podcast mit Professor Christian Drosten oder den MDR-CORONA-Podcast mit Professor Alexander Kekulé, die jeweils - unaufgeregt, sachlich, wissenschaftlich fundiert, aber dennoch anschaulich - alle für die Bürger relevanten, den CORONA-Virus betreffenden Themen behandeln. So etwas würde man sich auch für andere ähnlich bedeutende Themen wie z.B. den Klimawandel oder das Artensterben wünschen. Leider haben so gut wie alle Massenmedien unter ihrem empörungsjournalistischen Imperativ und in Kanzler-Macher- bzw. Kanzler-Stürzer-Manier häufig nicht verstanden, die Aussagen der Wissenschaft zu antizipieren und stattdessen für mehr Verwirrung anstatt für Aufklärung unter ihren Lesern bzw. Zuhörern bzw. Zuschauern gesorgt.

- Ärgerlich ist nach wie vor, dass die Internet-Giganten mit ihren sozialen Medien sich weiterhin nicht ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen und z.B. nicht nur Verschwörungstheorien, sondern auch für die Gesundheit gefährliche Fake News über den CORONA-Virus über ihre Plattformen massenhaft verbreiten helfen, obwohl ihnen Mittel und Wege zur Verfügung stünden, dies massiv zu unterbinden. Das ist extrem unsozial! Sie gefährden damit nicht nur unser aller Gesundheit, sondern untergraben auf anderen Gebieten auch unsere Demokratie. Eine schlimme Entwicklung, der endlich die Gesetzgeber wirksam und nachhaltig Einhalt gebieten müssen. Auf eine Selbstregulierung dieser Branche zu hoffen, ist alleine schon deshalb vertane Zeit, da deren heutigen Geschäftsmodelle auf das - kostenlose - Abgreifen möglichst vieler persönlicher Daten, beruhen, aus denen dann mit speziellen Algorithmen das Verhalten der Nutzer prognostiziert werden kann. Und diese nutzerbezogenen Resultate werden für viel Geld an die Werbewirtschaft verkauft.
- Nach wie vor bedrohlich hat sich bei dem Thema Handy-Tracking wieder einmal gezeigt, was vielen Politikern, Medien und Wirtschaftsführern der Datenschutz wert ist. Hätten diese doch gerne unverzüglich Bewegungsdaten aller Bürger gespeichert und überwacht mit dem perfiden Argument, wenn es um Leben und Tod geht, muß der Datenschutz zurückstecken. Nicht nur, dass deren Lösungen (auf Basis von Funkzellen-Auswertungen) gar nicht hilfreich gewesen wären. Sie hatten sich noch nicht mal die Mühe gemacht, nach alternativen, datenschutzkonformen und zielführenden Lösungen zunsuchen bzw. suchen zu lassen. Glücklicherweise gab es einige kluge Politiker und Experten, die einen Fehltritt noch einmal verhindert haben, auch wenn der Nutzen eines Handy-Tracking noch nicht bewiesen ist.

Pandemie schnell besiegen! Dann Fehlentwicklungen in der Gesellschaft korrigieren!
Jetzt gilt es aber erst mal, mit Ruhe, Vernunft, Solidarität und Besonnenheit die CORONA-Pandemie zu überwinden. Aber nicht, um anschließend wieder in den alten Trott zurückzufallen. Vielmehr sollten wir die Chancen zu nutzen, mit voller Kraft die oben skizzierten Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft zu korrigieren und einen gesellschaftlichen Diskurs einzuleiten, der die neu gewonnenen Erfahrungen berücksichtigt z.B. im Hinblick auf
- Lücken bei digitalen Lern-Plattformen für Schulen und Universitäten,
- tragende Säulen der Gesellschaft und deren Wertschätzung,
- Zumutbarkeit und Akzeptanz von persönlichen Einschränkungen auch im Rahmen von globalen Bedrohungen wie z.B. dem Klimawandel,
- Umfang der Solidarität und Zusammenarbeit in der Gesellschaft,
- Grenzen der Globalisierung
- Neujustierung der Sicherheitspolitik im Sinne von "der wirkliche Feind sind Pandemien", wovor z.B. Bill Gates im Rahmen seiner Bill&Melinda-Gates-Stiftung schon lange warnen und die Konsequenzen plakativ skizzieren mit "mobile Kliniken statt Atom-U-Boote, Impfstoff-Repositorien statt Raketensysteme".
Darauf können wir uns doch schon alle freuen - die Chancen zum notwendigen Wandel zu ergreifen!
Ein besonderer Hinweis gilt den neoliberalen Demokratie- und Gesellschaftszerstörern. Haben sie doch dazu beigetragen, unser medizinisches System auf einen Stand zurückzufahren, der uns heute Probleme bereitet. Und wäre ihnen das CORONA-Virus nicht dazwischen gekommen, hätten sie unaufhörlich und unbeirrt weiter an dieser Schraube der behaupteten Ineffizienz gedreht. Die einschlägigen Think Tanks wie z.B. die Bertelsmann-Stiftung haben das ja laut genug artikuliert. Und die Demokratiezerstörer hätten "Bedenkenträger" in die Ecke bestellt, mit dem Königsargument der neoliberalen Weisheit, dass vergleichbare Volkswirtschaften wie Italien, Spanien, UK und die USA doch mit weit weniger Krankenhausbetten oder gar Intensivbetten auskommen als wir! Geht es noch eindrucksvoller?
Jagen wir diese Zunft endlich in den Orkus!


Schlussbemerkung
Trotz aller berechtigten, unsere Gesundheit betreffenden existentieller Sorgen möchte ich doch darauf hinweisen, dass die CORONA-Pandemie, was die Schwere des Krankheitsverlaufs und die Letalität anbelangt, bei weitem nicht mit einer Pest- bzw. Cholera-Seuche vergleichbar ist. Ohne falscher Fortschrittsgläubigkeit das Wort zu reden, wird auch diese Pandemie dank unserer fortgeschrittenen Medizin bald Geschichte sein.
Größere Sorgen muß uns diesmal die existentielle Krise unserer Gesellschaft in Bezug auf Wirtschaft, Kultur, Bildung und Zusammenhalt machen. Dies wieder "zum Laufen" zu bringen, wird uns alle noch viel Kraft, Zeit und Geld kosten.
Doch wenn das CORONA-Virus eine gute Seite hat, dann die, uns wieder daran zu erinnern: was das wahre Leben anbelangt, so findet das statt in Städten und Gemeinden, auf Straßen und Plätzen, auf Wiesen und in Wäldern, unter lebendigen Menschen, und nicht in der virtuellen Realität im Internet, nicht in den (a-?)sozialen Medien, nicht in Film und Fernsehen.
Und noch etwas:
- schön, dass wieder vermehrt auf die seriöse Wissenschaft gehört wird,
- auch schön, dass wir keine Befehlsgesellschaft mehr sind, die ohne Erklärung, Überzeugung, Hinterfragen und ohne demokratische Konsensbildung Befehlen eines Führers einfach nur unreflektiert folgt,
- und beruhigend zu sehen, dass sich letztendlich die Vernunft durchsetzt.
22:59 18.03.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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