RE: "Time's Up" - geht über Hollywood hinaus | 08.01.2018 | 18:21

Da ist Hopfen und Malz verloren. Magda hätte seinerzeit auch Hexen verbrannt und zwar in felsenfester Überzeugung, hier das moralisch richtige zu tun.

RE: Was war. Was wird | 08.01.2018 | 17:58

Machiavelli betrachtet in den Discorsi welche Insitutionen eine Gesellschaft vor dem Verfall bewahren. Auch er glaubte nicht an die Ewigkeit einer Verfassung, aber er schaut sich die langlebigen Staatsgebilde an (Römische Republik, Sparta Venezien oder als damals aktuelle Erscheinung: Die Schweizer) und schaut was diese im Vergleich zu anderen richtig gemacht haben. Das sind Überlegungen, die nach wie vor aktuell sind, gerade wegen des anektodenhaften Stils (ähnlich Gramsci, eine italienische Eigenart?). Heute würde man sicher manches in einen anderen Kontext stellen.

RE: Was war. Was wird | 08.01.2018 | 17:47

Warum sollte jemand in eine Währung mit Negativzinsen investieren solange es staatliches Geld gibt?

RE: Was war. Was wird | 06.01.2018 | 22:57

ok, ich habe weitergelesen und es geht um eine Währung, die sich nicht zunehmend von der Aufgabe des Tauschobjekts zur Bedürfnisbefriedigung der Menschen verabschiedet.

Trotzdem ist da mit Blockchain nichts zu holen. Erstens zeigt ja der Bitcoinkurs wie anfällig das System gegenüber Spekulation ist. Zweitens gibt es viel interessantere Ansätze wie Lokalwährungen. Siehe zB den Chiemgauer https://de.wikipedia.org/wiki/Chiemgauer

Die Ortsgebundenheit stärkt die lokalen wirtschaftlichen Verflechtungen und macht das Geld uninteressant für das internationale Kapital.

RE: Was war. Was wird | 06.01.2018 | 22:40

Ich sehe für den Hype um die Kryptowährungen überhaupt keine Grundlage. Zuerst ging es ja darum, ein nichtstaatliches(!) Zahlungsmittel bereit zu stellen. Jetzt, wo Zweifel an der Stabilität vieler Währungen aufkommen gab es mal eine kurze Spekulationsblase. Von staatlicher Seite darauf aufzuspringen ist völlig gaga, denn Staaten haben ganz andere Sicherheiten um Vertrauen zu schaffen. Und wenn sie die Sicherheiten nicht haben wird auch eine Kryptowährung daran nichts ändern. Denn dahinter steht an realen Werten: Nichts.

RE: Was war. Was wird | 06.01.2018 | 22:33

Im Kapitalismus ist alles Ware. Deswegen ist ja die spannende Frage inwieweit sich ein Sozialpunktesystem vom Kapitalismus verabschieden könnte. Gelse hat dazu den sehr treffenden Einwurf gebracht dass das Gelingen eines solchen Systems eine Gesellschaft vorraussetzt, die ja das System erst hervorbringen sollte. Das Scheitern ist wohl vorhersehbar.

Und nein, ursächlich für den Totalitarismus wird kein "SCS" sein. Ursächlich für alle gesellschaftliche Regression sind die Zeitgenossen, die nicht wertschätzen was sie haben oder hatten. Das macht es aber nicht besser.

RE: Vorwärts immer! | 03.01.2018 | 02:11

Danke, sehr lesenswert! So ein Glaskugelschwenk erfordert Mut - wir können ja in einem Jahr mal schauen was sich bewahrheitet hat. ;-)

RE: Was war. Was wird | 03.01.2018 | 01:57

Ich weiß selbst noch nicht was ich davon halten soll, momentan überwiegt Skepsis. Interessant wird vor allem, wie antikaptialistisch(!) so ein Sozialpunktesystem ausfällt. Erst einmal geht es ja darum, eine Bewertungsebene abseits von Kapital zu etablieren. Denn es erhält nicht mehr unbedingt der (Geld-)Meistbietende den Zuschlag. Damit birgt die Idee das Potenzial zu einem ganz grundsätzlichen Kulturwandel, den ich ja eigentlich herbeisehne.

Nur eben: Die Umsetzung. Erfahrungsgemäß sind Kapitalisten und die politischen Entscheider eng genug verbandelt um das ganze im gegenseitigen Interesse abzuwickeln. Der Kapitalist wird seine Stiftungen anführen. Die sind dann nicht mehr nur steuerfrei, sondern eine Geldanlage in "Sozialscore". Es entsteht also ein Ablasshandel. Daraus ergeben sich wieder zwei Szenarien: Entweder wird nur dort investiert, wo ein hoher Sozialscore auch tatsächlich benötigt wird. Dann handelt es sich um ein ganz schnödes Geschäftsmodell ohne große Veränderung an der Gesellschaft. Die soziale Kontrolle dient dann auschließlich dazu, die Plebs ein wenig zu disziplinieren.

Im anderen Szenario entwickelt sich eine neue Schichtensystem, dass dann eher den indischen Kasten ähnelt. In diesem Szenario treiben die Kapitalisten ihren Sozialscore immer höher und vermarkten sich folgerichtig als höhere Wesen. In wenigen Generationen wird sich dann eine Kultur etablieren die von der Idee des Wettbewerbs in Chancengleichheit(!) völlig abgerückt ist.

Und natürlich wird auch das politische Establishment seinen Anteil fordern. Die Aussage, Dissidenten hätten ja eh zu allen Zeiten Sanktionen in Kauf genommen ist ehrlich gesagt recht dämlich. Etwa analog zu: "Der Hungernde wird ja eh nicht satt, da macht's doch nicht wenn man ihm den Rest auch noch nimmt". Man gibt mit den Sozialpunkten ein Mittel, das dem Totalitarismus alle Türen öffnen kann, wenn die Anreize entsprechend gesetzt werden.

Weder von der chinesischen, noch von der westlichen Gesellschaft ist momentan zu erwarten, dass sie sich einer totalitären Unterwerfung entgegen stellen würde. Dazu ist in den letzten Jahrzehnten zu viel an Kultur und politischem Bewusstsein verloren gegangen. Die Lämmchen würden noch ein paar mal blöken, bevor es zur Schlachtbank geht.

RE: Was war. Was wird | 03.01.2018 | 01:30

Wie die Idee wirkt wird doch sehr von der Umsetzung abhängen. Vielleicht gibt es zwischen Himmel und Hölle ja noch Zwischenwelten.