Geld arbeitet nicht

Irrtümer: Immer wieder stößt man auf den Irrtum, wonach man sein Geld „für sich arbeiten lassen“ könne.
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Dabei hat der Spruch, individuell gesehen, ja seine Berechtigung. Wenn ich Geld anlege und dafür Zinsen erhalte muss ich weniger Lohnarbeit verrichten, um am Ende des Monats auf den gleichen Betrag zu kommen.

In diesem Fall handelt es sich weniger um einen Irrtum, als um eine sprachliche Ungenauigkeit. Sagen wir, sie wären Tomatenhändler. Sie kaufen Tomaten günstig vom Bauern und verkaufen sie zu einem höheren Preis weiter und erzielen einen Gewinn. Sagen sie jetzt: „Die Tomaten haben für mich gearbeitet“?

Wohl eher nicht, oder? Der Händler hat einen spekulativen Gewinn erzielt, in dem er dasselbe Gut vorteilhaft ge- und verkauft hat. Genauso verhält es sich mit den meisten Anlageformen, sie erzielen einen Spekulationsgewinn.

Es ist völlig normal, Geld dafür zu bekommen, Güter zu verleihen. Denken sie an eine Videothek. Als Kunde bezahlen sie Geld dafür, ein Gut mitnehmen und benutzen zu dürfen. Dasselbe passiert beim Kredit. Der Kreditgeber verzichtet für eine Zeit auf die Möglichkeit, sein verliehenes Geld zu verkonsumieren und erhält dafür Geld, den Zins. Man muss das verliehene Geld als Gut wie andere Wirtschaftsgüter auch sehen. Wenn sie nach Ablauf des Kredits mehr Geld zurück erhalten als sie verliehen haben, dann hat nicht das Geld gearbeitet, sondern der Kreditnehmer. Ganz so, wie auch das verliehene Video nicht garbeitet hat, sondern derjenige, der das Video ausgeliehen hat und für diesen Service bezahlt.

Menschen arbeiten. Maschinen arbeiten. Geld arbeitet nicht.

Man kann Geld einsetzen um menschliche und maschinelle Arbeit zu bezahlen. Dabei ist das Geld selbst aber reines Tauschobjekt und eben nicht produktiv.

Grob falsch wird es, wenn man den Irrtum, wonach Geld an sich produktiv sei in die Volkswirtschaft überträgt. Es ist dann zB die Rede von „Finanzprodukten“, was eine Wertschöpfung suggeriert. Tatsächlich erzielt die gesamte „Finanzwirtschaft“ keine Wertschöpfung.

Oder es wird behauptet private Renten- und Sparverträge seien aufgrund des demografischen Wandels der umlagefinanzierten Rente vorzuziehen. Wenn man sich einmal klar gemacht hat dass jeder Zins nicht aus dem Nichts kommt, sondern von jemandem erarbeitet werden muss merkt mann dass Privatrenten künftige Generationen gar nicht weniger belasten als umlagefinanzierte Renten.

Es lassen sich weitere Beispiele finden, was ich hier aber nicht vertiefen will. Ich habe mich entschieden ein paar einfache Wahrheiten in loser Reihe niederzuschreiben. Für einen eigenständigen Artikel mag das ein magerer Inhalt sein, aber so kann ich immer wieder darauf zurückgreifen und die Erläuterung einfach verlinken, wenn ich einen entsprechenden Sachverhalt erklären will.

Allen Lesern einen schönen Tag. :-P

20:50 06.12.2016
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