Ein Proletarier erzählt

WAHLKAMPF IN NRW Arthur Kriegel ist 90 und will es noch einmal wissen. Damit die Welt wieder in Ordnung kommt.
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Mein Leben ist ein Roman", sagt Arthur Kriegel. Dabei kreuzt der Neunzigjährige die Arme vor der Brust und lehnt sich im Küchenstuhl zurück. "Ein Proletarier erzählt" könnte dieses Buch heißen. So wie die Kolumne, die Arthur Kriegel Ende der zwanziger Jahre für die Zeitung Volkswacht über den Alltag der arbeitenden Klasse in den entbehrungsreichen Zeiten schrieb: Wie der Vater im Ersten Weltkrieg gefallen ist und die Mutter den Familienbesitz verkaufen musste, um die sieben Kinder durchzubringen. Wie der kleine Arthur durch die Dörfer zog und bei Bauern um Kartoffeln bettelte. Wie die Frostbeulen an seinen Füßen blühten, und wie es war, als er mit 14 Jahren seine erste Unterhose bekam.

Es gab auch bessere Zeiten. Besonders als Krie