1 Jahr Selbstständig - Meine Learnings

Rückblick Der Sprung in die Selbstständigkeit hat mich ganz schön auf die Probe gestellt.
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Klar ist die Selbstständigkeit kein Zuckerschlecken – das war mir von vornherein klar. Und das habe ich am eigenen Leib zu spüren bekommen! Meine Learnings aus einem Jahr Home-Office möchte ich euch heute in einem kleinen Beitrag erzählen.

8 Stunden täglich beim Arbeitgeber – das waren noch Zeiten. Die feste, geregelte Arbeitszeit ist wirklich der Punkt, dem ich am meisten hinterhertrauere. Keine Deadlines, kein Termindruck – jedenfalls nicht in dem Maße, wie es heute ist.

Es hat einige Mühe gekostet, einen Arbeitsalltag in die Selbstständigkeit zu bekommen. Das erste halbe Jahr habe ich gefühlt täglich 11-12 Stunden gearbeitet. Auf Dauer ist das nicht durchziehbar und nicht wirklich gesund. Vor allem wenn man merkt, dass die Gedanken nur noch mit der Arbeit zu tun haben. Inzwischen habe ich einen festen Arbeitszyklus, der täglich maximal 9 Stunden umfasst. Geschafft habe ich das unter anderem durch feste Arbeitszeiten, feste Mail- und Telefonzeiten. Ich bin wesentlich effektiver, wenn ich meine Mails alle im Stapel nacheinander abarbeite, anstatt Bröckchenweise, wenn die Mails eintrudeln. Einen festen Plan zu haben ist also extrem wichtig. Zumindest für mich. Umso mehr beneide ich Menschen, die Ihren Arbeitsalltag ohne Planungen total im Griff haben.

Mein Workflow hat sich in diesem Jahr entscheidend geändert und das verhilft mir zu einem ruhigen Feierabend und ich kann eher abschalten als sonst. Vorausplanung ist das A und O. Und das beginnt bei mir jeden Montag morgen. Faktisch plane ich nun meine Arbeitswoche fast komplett im vorraus und sortiere alles nach Prioritäten. Alles auf einmal machen, funktioniert ja leider nun mal nicht. (Das musste ich auf die harte Tour lernen.)

Mein zweites Learning betrifft meine Arbeitsmittel an sich. Das stupide rumhocken am Schreibtisch um seine Arbeit zu schaffen, hat mich schon immer gestört, auch wenn es nötig war. Klar, irgendwo muss der Mac ja hin – schließlich muss man ja auch seinen Rechner bedienen, aber dieses rumgesitze nervt spätestens nach 6 Stunden. Zumindest geht mir das so.

Vor 4 Monaten entschied ich mich, meinen Arbeitsplatz umzugestalten und meinen Tisch durch einen höhenverstellbaren Schreibtisch zu ersetzen. Inzwischen stehe ich gut ein Drittel meines Arbeitstages und ich möchte es nicht mehr missen. Der Rücken schmerzt abends nicht mehr, ich fühle mich fitter und vor allem beim Telefonieren merke ich, dass ich ganz anders spreche, wenn ich stehe. Mal ganz abgesehen von den negativen Faktoren, die die Schreibtischarbeit so mit sich bringt, gleicht der Tisch schon mal ein gutes Stück davon aus. Außerdem ist jeder Gast davon beeindruckt J

Diverse Pflanzen habe ich nun auch in meinem Büro stehen. Das hebt die Laune und sorgt für bessere Luft.

Mein allerwichtigstes Learning jedoch ist folgendes: Egal wie stark du bist, du brauchst Menschen um dich herum, die dich verstehen und dir bedingungslos helfen. Gerade in der Selbstständigkeit. Meine Frau hat mich unfassbar unterstützt diesen Schritt zu wagen und hat sich nie – wirklich nie – über meine langen Arbeitszeiten beschwert und musste in der Zeit enorm viel zurückstecken. Inzwischen ist diese heiße Phase vorbei und wir haben wieder ein normales Familienleben. Also: Bedankt euch bei denen, die euch unterstützen, denn das ist nicht selbstverständlich! Und gebt etwas zurück, denn Unterstützung ist keine Einbahnstraße.

15:54 19.10.2015
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Geschrieben von

Silvio von Harenburg

Unterwegs in der Businesswelt
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