Verkehrter Verkehr

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Augsteins neuestes Elaborat auf SPON zur zum x-ten Male geplanten Pkw-Maut.

Und er hat auch die Lösung parat für die überfüllten Autobahnen: Güterverkehr auf die Schiene.

Unbestritten rollen da viel zu viele Güter, die da nicht hingehören. Aber es werden auch sinnlos Güter transportiert aus Kostengründen (in Niedriglohnländer). Die Beispiele dürften jedem bekannt sein: Krabben zum Pulen von der Nordsee nach Marokko und zurück, Klamotten zum Zusammennähen in den Ostblock oder gar nach China hin und zurück, rund um´s Jahr Erdbeeren und Spargel von Gott-weiß-wo.

Jedem Interessierten empfehle ich das Buch: "Geschlafen wird am Monatsende", Jochen Dieckmann, ein aufschlussreiches Werk aus Sicht eines ehemaligen Lkw-Fahrers.

Aber wie wär´s mal mit Einschränkung des Individualverkehrs? Da muss ich nur in meinen Bekanntenkreis schauen: mal für einen Tag in die Schweiz und zurück, oder täglich 100 sinnlose km Fahrt zur Arbeit hin und zurück, nur weil die Gattin sich einbildet, da nicht wohnen zu können, wo die Arbeitsstelle des Mannes ist.

Sinnloses, unreflektiertes Herumfahren auch im Straßennahverkehr: die Menschen scheinen keine Beine mehr zu haben. Mein Vater hatte noch einen Fußmarsch von 4 km einfach zur Schule. Heute werden die lieben Kleinen sogar im Teenageralter die lächerlichen 2 km zur Schule mit dem Auto gebracht und mittags wieder abgeholt.

Nachmittags fährt die gelangweilte Hausfrau ihre Hunde zum Gassigehen, obwohl keine 50 m entfernt die Mainauen zum Spazierengehen einladen.

In den 500 m weit weg gelegenen Supermarkt wird der Pkw genommen, um eine Tüte Wurst zu holen.

Ja, geht´s noch? Und ich könnte die Beispiele endlos fortsetzen. Über CO2 Bilanz denkt da keiner nach, über Lärm- und Abgasbelästigung auch niemand. Über das Straßenbild, das von geparkten Blechkästen hässlich dominiert wird.

Warum? Weil man es seit Kindesbeinen so gewohnt ist, dass es so ist wie es ist. Gefördert durch Spielzeugautos etc.

Weil es gesellschaftlich nicht geächtet ist. Weil der Staat hieraus eine Einnahmequelle von 50 Milliarden hat und die Mineralölwirtschaft sowieso.

Natürlich ist ein Pkw teilweise "alternativlos". Aber die paar km für tägliche Erledigungen kann man wirklich mit dem Fahrrad erledigen, noch dazu, wo es jetzt so schöne mit Elektromotor gibt.

Und es gibt auch über 80-Jährige, die nie in ihrem Leben ein Auto besessen haben, und dennoch leben.

Naja, irgendwann sind ja eh die Erdölvorräte erschöpft, und dann wird es wieder jeder gewusst haben (so wie bei der Atomkraft), dass es auch anders geht und gehen muss. Aber bis dahin besteht das einzige Nachdenken darin, sich über steigende Spritpreise zu ärgern oder verstopfte Straßen oder Pkw-Maut und natürlich den anderen die Schuld daran zu geben.

17:29 06.10.2011
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Geschrieben von

sisindi

Wer braucht Blome??
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