Roger Tecumseh

Je préfère le doute de l'intelligent à la certitude de l'imbécile! (Gilbert Sinoué)
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RE: Jetzt erst recht | 14.06.2018 | 09:50

Die Frage nach Sinn und Nutzen des G7 (8)-Treffens ist nicht erst seit Trump dringender geworden. Hinzu kommt, dass wohl kaum jemand wirklich ernsthaft an einen (wie auch immer verklausulierten) Erfolg glauben konnte, seit Trump mit seiner Unilateralismus-Ideologie US-Innenpolitik zu Globalpolitik denaturiert!

Auch für L.Herden ist es sichtlich unmöglich, eine klare Antwort auf die Eingangsfrage zu finden. Da steht (in zwei Artikeln): «mehr denn je als anachronistisches Fossil der Anmaßung und des Selbstbetrugs », neben: «…Sie sollten deshalb als Forum des Schlagabtauschs auf keinen Fall verlorengehen ».

Herden verstärkt dann noch: « die G7-Regierungen müssen dafür sorgen, dass ihnen diese Treffen erhalten bleiben, um Konkurrenz vor dem Umschlag in Gegnerschaft und Gewalt zu bewahren. »

Nichts gegen den generellen Wert von Gesprächen bei akuten Konflikten, aber überzeugend scheint mir dergleichen Argumentation trotzdem nicht! Sie geht z.B. davon aus, wenige Stunden Tête-à-tête der « Mächtigen » könnten Konfliktgründe mildern oder beseitigen - eine etwas naive Annahme! Es wird ja eben nicht nur « gespielt » (wie Trump vorgibt, es zu sehen und dabei doch nur populistische Register zieht), sondern es geht um knallharte Interessen, um damit verbundene Menschenschicksale, also Verantwortung.

G7 (8) spiegeln längst nicht mehr die reale Bedeutung von Weltwirtschaft - und Politik. Da hat Putin mit seiner kühlen Ironie durchaus Recht. Der kleine Kreis der Teilnehmer macht sich zu PR-Handlangern, die plötzlich (aber letztlich vorhersehbar) - durch einen Irrwisch wie Trump - als Hanswürste erscheinen.

Herden: « Nie waren diese Gipfel nötiger als jetzt. Nicht, um die Welt zu führen, sondern um sie davor zu bewahren, durch unüberbrückbare Rivalitäten aus den Angeln gehoben zu werden. »

Nein, nicht « diese Gipfel », sondern harte Arbeit im Vorfeld, die dann auf eventuellen Gipfeln ihre verbindliche Bestätigung erhält!

RE: Auf Augenhöhe | 13.06.2018 | 19:31

Guter Mann, was Sie hier bringen, (den Ausbau der Inseln betreffend!!) sind uralte Nachrichten, die nicht im Geringsten etwas mit dem Trump-Besuch zu tun haben.

Und das Guardian-Video betrifft nur die bekannten regelmaessigen Manoever - US/S-Korea -, die Trump nun "Kriegsspiele" nennt (und auf die er eventuell) verzichten will. (Dies hatte ich doch weiter oben selbst ausfuehrlich erwaehnt. Lesen Sie einfach noch mal nach, wenn Sie es vergessen haben.)

Ich hatte aber einzig und allein auf Ihre Behauptung geantwortet: "..dass Trump den Chinesen so weit entgegenkommt und die US-Stellung in Asien freiwillig aufgibt. Im Gegenzug helfen diese ihm zum Prestigeerfolg und sorgen dafür, dass Kim endlich 'Ruhe gibt'."

Wo ist also Ihr Beweis fuer Ihre Behauptung, Trump sei "den Chinesen entgegengekommen" und habe die "US-Stellungen in Asien freiwillig aufgegeben"?? Das betrifft etliche zehntausend US-Soldaten, samt Basen und wuerde die gesamte US-Strategie in S/O-Asien auf den Kopf stellen - absoluter Unsinn!

Zur Klarstellung: ich moechte Sie aber wirklich nicht ueberfordern. Und so wichtig ist es mir auch wieder nicht, Ihnen nachzuweisen, dass Sie fake-news verbreitet haben. Lassen wir es also dabei.

RE: Auf Augenhöhe | 13.06.2018 | 17:17

Zitat: "Ging gestern und heute durch die Presse: Keine Kriegsspiele mehr, und China stellt Raketen in der SCS auf."

Vergessen Sie mal nicht, auf welche Ihrer Behauptungen ich antwortete! ( "Wo haben Sie denn die Weisheit her, T. haette diese US-Stellungen aufgegeben, bzw. die Absicht, es zu tun?")

Wenn das aber so klar ist, wie Sie nun noch zusaetzlich erzaehlen, dann wird es Ihnen ja kein Problem machen den Link auf diese "Presse" hier einzustellen.

RE: Auf Augenhöhe | 13.06.2018 | 15:26

Zitat: "...dass Trump den Chinesen so weit entgegenkommt und die US-Stellung in Asien freiwillig aufgibt. Im Gegenzug helfen diese ihm zum Prestigeerfolg und sorgen dafür, dass Kim endlich 'Ruhe gibt'."

Ich fuerchte, auch Sie sind schon Opfer der (gluecklicherweise doch recht begrenzten) Trump-Mania! Wo haben Sie denn die Weisheit her, T. haette diese US-Stellungen aufgegeben, bzw. die Absicht, es zu tun?

RE: Auf Augenhöhe | 13.06.2018 | 10:32

Zitat: "Junger Mann, danke für Ihr Mitgefühl."

"Junger Mann" - Sie glauben gar nicht, wie sehr eine so nette Vermutung aufbaut!

Damit auch Ihr Tag erfreulich verlaeuft, hier ein indisches Ziatat:

"Wenn du denkst, dass du deine Gedanken denkst, denkst du in Wahrheit die Gedanken der Gesellschaft!"

RE: Auf Augenhöhe | 13.06.2018 | 10:11

Zitat: "Dann war ich anscheinend bisher derart naiv zu meinen, daß Gedanken Vorstufen von Taten seien."

Ihre Sorge um die eigene Naivitaet ist nicht so ganz von der Hand zu weisen. ;-)

Stellen Sie sich doch einfach nur mal vor, wie es waere, wuerden alle Gedanken (die "Vorstufen") zu Taten fuehren....

RE: Auf Augenhöhe | 13.06.2018 | 09:50

Zitat:" Ich möchte es eher als Farce bezechnen, daß bisher keinerlei Treffen stattgefunden hat; daß weiland z.B. sich Clinton sogar mit dem Irrsinnsgedanken trug, einen militärischen Präventivschlag gegen die "Demokratische Volksrepublik Korea" zu führen."

Moeglicherweise"'trug er sich mit dem Gedanken". Das hat aber nicht das Geringste mit der heutigen Situation zu tun, die mit der der Clinton-Zeit wirklich nicht vergleichbar ist! Ausserdem sind Gedanken wohl kaum mit barbarischen Drohungen auf eine Stufe zu heben - siehe Trumps Ankuendigung der totalen Vernichtung auf der UN-Vollversammlung.

RE: Auf Augenhöhe | 13.06.2018 | 08:55

Die Welt "hält im historischen Moment den Atem an", wurde uns beschwörend versichert. Was aber ist - zunächst - eigentlich geschehen? Sie sahen sich in die Augen, schüttelten sich die Hände; Kim lächelte, Trump bramarbasierte strahlend. Und es wurde ein "Letter-of-Intent" unterschrieben - nicht mehr!

Wir erlebten eine unglaublich schamlose PR-Aktion beider "Führer" (die sich tatsächlich politisch nicht sehr voneinander unterscheiden) - manche würden es Schmierenkomödie nennen - in der T. ausschliesslich amerikanische Innenpolitik (November-Wahlen) macht. Nicht ohne dabei wieder seine Vorgänger im Amt zu beschuldigen, versagt zu haben.

Nichts, absolut nichts, haben T. und Kim gesichert (wie hätte das auch bei diesem hektischen Zeitrahmen möglich sein sollen?), keine Einzelheit konnte fixiert werden (z.B. Kontrollen, Raketenfragen usw.); es wurden nur Wünsche und Absichten dargelegt; alles ohne vorgegebenen Zeitrahmen!

Das, was bisher als Ergebnis des Treffens kommentiert wird, muss man als Farce bezeichnen! Warum das so ist, ist mehrfach dargestellt worden.

Wie sehen es die direkt betroffenen Staaten der Region? S-Korea hatte sich enorm engagiert, um das Treffen überhaupt zu ermöglichen. T. hat das Land - ohne jede Konsultation ! - brutal vor den Kopf gestossen, als er spontan (und ohne Gegenleistung Kim's) die bisherigen gemeinsamen Manöver (von S-Korea als Garantie für Sicherheit betrachtet!)absagte und dabei wieder einmal die US-Kosten anführte. (Es wird dabei garantiert nicht bleiben!)

Über Atomwaffen wird verhandelt werden. Das kann Jahre dauern. Erinnert sei an den Iran, wo mehr als zehn Jahre nötig wurden, einen Vertrag zu erarbeiten! Was aber die Raketen betrifft, herrscht kompletter Nebel. Selbst wenn die Langstrecken-R. abgebaut würden (auch dazu keine Auskünfte!), blieben Kurz- und Mittelstreckenwaffen, in deren Reichweite z.B. Japan liegt. Das Land hat - nahezu von den Medien unbeachtet - trocken (aber sichtlich besorgt) nur mit einem Satz auf die "Vereinbarung" reagiert und die Euphorie T. überlassen. China hält sich - ebenso wie Russland - mit angemessenen Reaktionen den Rücken frei.

T. verwirklicht mit psychopathischer Sicherheit orwellsche Alpträume (Neusprech/Propaganda) und damit 30er-Jahre-Realitäten, obwohl er sicher von beidem keine Ahnung hat. Viele Medien fahren auf den bereiteten Kommerz-Schienen und Worte haben dort keinen Bestand mehr, wo Dealer-T. narzisstisch zuschlägt!

Über den Inhalt des geplanten Geschäftes kann man deshalb nicht sprechen, weil er erst noch - ganz grundsätzlich - verhandelt werden muss. Die Welt kann also wieder Atem holen - was ja nun zum Fussballspielen auch ganz nützlich ist!

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RE: Trump - Inkarnation eines Schattens | 23.01.2017 | 11:53

Zitat: "..dass die neue US-Regierung daran denkt, China nicht nur mit einem Handelskrieg, sonder auch per Wettrüsten ökonomisch in die Enge zu treiben. Mit der NATO gegen die Sowjetunion hat das immerhin schon mal funktioniert." Die Wirtschaftsleistung der UDSSR (wie auch jetzt Russlands) entsprach etwa der von Italien! Selbst ein erschütternd unwissender Trump wird nicht so ignorant sein, sie mit der von China zu vergleichen. Nein, selbst im Umfeld dieses politischen Dilettanten wird es keinen Menschen geben, der glaubt, China "totrüsten" zu können. (Abgesehen davon, dass dies länger dauern würde, als Trump im Amt sein kann!) Die NATO hat ueberlebt, weil die USA die weitaus größten Kosten tragen. Unter diesem Schirm hat Europa so konsequent abgerüstet, dass es sich nun konventionell nicht mehr allein verteidigen könnte. Deshalb ist die NATO tatsächlich - gerade im europäischen Interesse ! - schon lange "obsolet". Trump benutzte zwar nun das gleiche Wort, meinte aber hier deutlich die Kosten; vergisst dabei allerdings, dass die NATO de facto zum Erfüllungsgehilfen amerikanischer Interessen mutierte! Trump ist dabei, die NATO durch seine Deklarationen zu "entkernen" (siehe Bündnisfall). Für Europa ist das der längst überfällige (heilsame) Schock, der Bestrebungen zu einer europäischen Verteidigung beschleunigen könnte - wenn die EU endlich in der Realität ankäme! Das auch würde nicht zwangsläufig einer Aufrüstung (D und F gehören schon heute zu den wichtigsten globalen Waffenexporteuren) gleichkommen, sondern eher einer straffen Kooperation. Putin würde es richtig verstehen, wenn damit zugleich die - von ihm so empfundene - Bedrohung durch die NATO beseitigt wäre! Zitat: ".. und ein neues Militärbündnis mit RUS angestrebt wird.." Das wuerde im amerikanischen Congress sicher nicht durchkommen und könnte zudem China als Beginn einer Umkreisungsstrategie alarmieren. Es geht nun darum, die bedrohlichen Trump-Jahre zu überstehen. Allein das Prinzip Hoffnung wird dabei nicht ausreichen, weshalb Europa sich dringend zu überzeugenden gemeinsamen politischen Positionen bekennen sollte, um nicht vollends in den schleichenden sozialen Zerfall der USA gezogen zu werden!

RE: Trump - Inkarnation eines Schattens | 22.01.2017 | 11:33

Neben diesen - von Ihnen zu Recht dargestellten - oekonomischen Interessen, muss man eine noch weit gefaehrlichere Strategie befuerchten.

China ist heute - direkt vor EU und den USA - der staerste globale Markt. Zugleich expandiert das Land militaerisch und (z.B. mit der Kreation von Inseln) territorial. Es koennte demnaechst die wichtigsten Schiffahrtsrouten/Rohstoffvorkommen im Suedchinesischen Meer beherrschen. Davon waere, neben bedeutenden asiatischen Staaten, auch Russland direkt betroffen. Die heute noch freundlich scheinenden Beziehungen RUS-China werden auch deshalb nicht von Dauer sein.

Als dritte Spitze in diesem globalen Kraeftedreieck, beobachten die USA den potentiellen asiatischen Krisenherd mit grosser Sorge. Und hier finden die demonstrativ anerkennenden Lorbeeren Putin-Trump ihren Platz. Beide sind - zunaechst noch - aufeinander angewiesen, wenn es um eine eventuelle (und was die USA betrifft, wahrscheinlich baldige) Verschaerfung der Beziehungen zu China geht. Es koennte sein, dass es in den USA Kreise gibt, die ein Containment Chinas anstreben, so lange es noch moeglich ist! In dieser sehr beunruhigenden Situation haetten die USA ein vitales Interesse daran, dass Russland ihnen zumindest politisch den Ruecke frei haelt. Es ist ganz sicher ein sehr naiver Irrtum, zu glauben, "America first!" beziehe sich nur auf die amerikanische Innenpolitik! Die globalen Wirtschaftsinteressen der USA haben ebenfalls direkte Auswirkungen fuer das Land; sie lassen sich nicht von der Innenpolitik trennen. Die chinesischen Schalmeienklaenge zur Globalisierung (Davos) koennen die enormen militaerischen Anstrengungen des Landes nicht in den Hintergrund draengen! Es ist daher nicht sicher, das es "nur" beim Handelskrieg bleibt.