Trump - Inkarnation eines Schattens

Die USA als Trump-Tower? "America first"? Auf wessen Kosten - und was sagen die anderen dazu?
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Innerhalb weniger Monate ist Trump in vielen Ländern Thema number one - und nun zum Präsidenten - geworden. Aber nur wenige Menschen wissen, wer dieser Mann wirklich ist. Seine Vergangenheit weist viele Niederlagen, ja dunkle Stellen, auf, die in klarem Gegensatz zu seinem selbstkreierten Mythos stehen. Er übertönt die zahlreichen Zweifel an seiner Person, seiner Ethik, mit geradezu kindischem Prahlen eines angeblich milliardenschweren Reichtums. Aber selbst dafür bleibt er den Beweis schuldig, denn seine Steuerklärung veröffentlicht er - im Gegensatz zum Brauch - nicht. Als sicher gilt hingegen, dass er zu keinem der brennenden politischen Themen Hintergrundwissen hat - weder national, noch international.

Wir müssen befürchten, dass auch noch in nächster Zukunft mehr über die Psyche dieses bekennenden Narzissten spekuliert wird, als über die Folgen seiner Maßnahmen - und die möglichen Antworten (!) darauf. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch verständlich, denn es ist Teil seiner Taktik (die ja nicht nur in den USA erfolgreich ist) und der fast die Hälfte der Wähler folgten. Mit Gestik, Mimik und Inhalt seiner Auftritte hat sich hier ein platter populistischer Polemiker für viele Menschen zum Volkstribun stilisiert. Andere, die ihr Beruf zu tieferen Einblicken befähigt, sprechen allerdings ungeschminkt von besorgniserregenden pathologischen Zeichen.

Wie oft in der Geschichte steht die Welt erschreckt vor der Frage: « Wie konnte der Mann ins Amt kommen, was hat er wirklich vor? » (Sinclair Lewis schrieb 1935 einen Roman, der plötzlich brennende Aktualität erhält: « It can’t happen here ». But it did, ist man nun versucht, zu stöhnen!)

Ebenso wie in den 30ern beruhigen sich viele Menschen mit der Hoffnung, einmal im Amt, werde Trump anders handeln, als er im Wahlkampf sprach. Ist Trump ein Unfall der Geschichte? Ganz sicher nicht! Schon allein seine Antrittsrede (in der vorher tatsächlich « philosophische » Bezüge angekündigt wurden) hat diese Illusion zerstört. Der Mann wird genau das zu tun versuchen, was er ankündigte; man muss ihn bitter ernst nehmen! Auch die demokratischen US-Institutionen werden grosse Mühe haben, ihn zu bremsen. Zumindest bis zu den Kongresswahlen, 2018, werden sie es vielleicht auch nicht wollen. Sie hatten im Übrigen schon einmal, beim Überfall auf den Irak, versagt!

Eine Sentenz der Rede verdiente dringend Beachtung: « Gemeinsam werden wir den Kurs Amerikas und der Welt für viele viele Jahre bestimmen! » Der Welt! Eine klare Ohrfeige für Analysten, die Amerika auf einer Politik ausschliesslich inneramerikanischer Interessen sehen, wie sie z.B. vor WW 1 bestand. Anders als viele Bewunderer Trumps es verstehen, ist « Make America great again! » kein Slogan allein für die Innenpolitik. Der angekündigte Handelskrieg mit der EU und China beweist es.

Trump, der Schatten aus dem Nichts, scheint ein Strohmann für Interessen zu sein, die bereit sind, den Lauf in eine multipolaren Welt aufzuhalten - und dabei alles auf eine Karte setzen werden. Bruce Blair (Princeton), Sicherheitsexperte für nukleare Verteidigung sagte kürzlich (siehe SPON): «Trumps Finger auf dem Atomkoffer macht mir Angst. Er ist impulsiv, aggressiv, schlecht oder falsch informiert. Er denkt nicht. Er hat eine Entscheidungsmacht , die die Zivilisation beenden kann. Es gibt niemanden, der seine Entscheidung verhindern kann..kein Veto »!

Bleibt also wirklich nur die Hoffnung auf ein Impeachment? Da dies nicht so schnell zu erwarten ist, muss Europa dringend zu einer gemeinsamen Politik finden, wenn nicht das amerikanische Beispiel auch hier die Gesellschaft in der Aufgabe ethischer Werte zerreissen soll!

12:43 21.01.2017
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Geschrieben von

Roger Tecumseh

Je préfère le doute de l'intelligent à la certitude de l'imbécile! (Gilbert Sinoué)
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