Das alte Rhein-Raus-Spiel

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Ich komme durchaus mit der Tatsache zurecht, dass es bei Bieren verschiedene Brauarten gibt. Die Monotheisten des Niederrheins, die keine anderen Götter neben Pilsener (Duisburg), Alt (Düsseldorf) und Kölsch (ebd.) haben, kamen mir immer wie kulinarische Holzköpfe vor, mit denen man besser nicht diskutiert.

Und missionieren muss ich auch niemanden. Wie diese Menschen, die ein Real Ale namens „Hobgoblin“ produzieren. Die werben so:

www.wychwood.co.uk/new_images/art_lagerboy_whatsthematter_800x.jpg

Ist natürlich ein wenig anmaßend. Oder soll ich jetzt ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn ich im Sommer lieber was Eiskaltes trinke? Oder mich mal nicht in einen Eimer Hopfen setzen will?

Dann sagen die zu mir: Wenn’s Dir hier nicht gefällt, warum gehst Du dann nicht nach Hause?

Ich empfehle diesen Schowis dann ein Mort Subite, gerne auch die Kirschvariante, worauf sie das Projekt der Multikulturalität als gescheitert erklären. So schnell geht das.

Kann man auch mit Wein erreichen...Frau Kanzlerin sieht ja nicht aus wie ein Biertyp. Und ich hatte auch schon mal einen Montepulciano d’Abruzzo, nach dem ich Italien aus der EU ausschließen wollte.

Wahrscheinlich hat Frau Merkel an einer Weinprobe teilgenommen, allwo es Shiraz aus Chile, Merlot aus Kalifornien und noch mehr von dem Zeug gereicht wurde, für das sich die Anschaffung eines Korkenziehers nicht lohnt. So kann man sich das vorstellen: Mit roter Nase und gut betüttelt steht sie schwankend auf, leicht grimassierend wegen sauren Magens, bittet um Ruhe und gibt zum Besten: „Dieser Ansatz ist gescheitert, absolut gescheitert.“ Klaro.

Wenn Sie wieder nüchtern ist, kann Sie ja mal Zuckmayers „Des Teufels General“ zur Hand nehmen.

"Vom Rhein — noch dazu. Vom Rhein.
Von der großen Völkermühle.
Von der Kelter Europas!

Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor — seit Christi Geburt.

Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl,
braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht.

Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie,
das war ein ernster Mensch,
der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet.

Und dann kam ein griechischer Arzt dazu,
oder ein keltischer Legionär,
ein Graubündner Landsknecht,
ein schwedischer Reiter,
ein Soldat Napoleons,
ein desertierter Kosak,
ein Schwarzwälder Flözer,
ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland,
ein Magyar, ein Pandur,
ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler,
ein böhmischer Musikant

— das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt

und der der Goethe, der kam aus demselben Topf,
und der Beethoven
und der Gutenberg,
und der Matthias Grünewald
und — ach was, schau im Lexikon nach.

Es waren die Besten, mein Lieber!
Die Besten der Welt!
Und warum?
Weil sich die Völker dort vermischt haben.
Vermischt - wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen.

Vom Rhein - das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel.
Das ist Rasse.
Seien Sie stolz darauf, Hartmann —
und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt.

Prost"

(zitiert nach dardel.info/Textes/Zuckmayer.html)

14:34 17.10.2010
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Geschrieben von

S.Piderman

Reisender, der irgendwo aufgehalten wurde. Kennt man ja. Kalypso ist immer eine gute Ausrede.
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S.Piderman

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