Die beste Medizin...

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Ich habe mich auch entschieden, meinen Doktor für eine Weile ruhen zu lassen und stattdessen ein Bier zu trinken. Denn die Allgemeinmediziner, zu denen man sich hier im Falle eines Falles schleppen muss, sagen doch immer auf alles: "Nehmen Sie Paracetamol für eine Woche, und wenn es dann nicht besser ist, kommen Sie bloß nicht wieder!"

Die hatten zur Zeit der letzten Grippewelle auch eine Warntafel an der Wand, die sagte, dass man mit den folgenden Symptomen: ... (das Übliche halt), auf keinen Fall in der Praxis vorsprechen sollte, um niemanden zu gefährden, sondern sich stattdessen entweder zum Sterben legen oder einen Verwandten zur Apotheke schicken sollte, um Paracetamol zu kaufen. Ist ja auch gut zu verstehen, dass sie die 150 000 Pfund Sterling, die sie monatlich verdienen, genießen möchten, ohne andauernd von Moribunden behelligt zu werden.

Interessant wird es wohl erst, wenn man was hat, wofür es keine Kur gibt. Dann kann man in eine klinische Studie eingeschrieben werden, im Rahmen derer man eine Zuckerpille zu lutschen bekommt. Wenn man Glück hat. Andernfalls wird man einer Gruppe von Probanden zugelost, die ein im Mittelpunkt des Interesses stehendes Prüfpräparat erhalten, und daraufhin Ausschlag, Suizidgedanken, periphere Neuropathie,gastrointestinale Fisteln, arterielle Thromboembolie, einen für andere nicht nachzuvollziehenden Sinn für Humor, einen merkwürdigen Geschmack auf der Zunge, Hörner, Adipositas, Blumenkohl in der Leistengegend, Störung der Blutgerinnung, Hypertonie und Diabetes mellitus entwickeln und an Übelkeit und Erbrechen leiden sowie an vorzeitigem oder unvermitteltem Orgasmus. Auf der Habenseite letzterer steht aber eine relative Risikoreduktion des Eintretens eines Todesfalles aufgrund eines kardiovaskulären Vorfalls um 20%, was z.B. bedeuten kann, dass in der Gruppe mit der Zuckerpille 2 Patienten von 100 vor Ablauf der Studiendauer einen Herzinfarkt erleiden, in derjenigen mit dem Blumenkohl jedoch nur 1,6. Für die Freunde eines laxen Umgangs mit Doktortiteln hört sich: „Neues und im Übrigen sündhaft teures Medikament senkt die Herzinfarktrate bei Leuten, die sich keine Langspielplatte mehr kaufen sollten, weil sie die eh nicht mehr zu Ende hören können, um 0,4%, und das nicht im Vergleich mit einem etablierten Medikament (die gibt’s nicht) sondern mit Werther's Echte einmal täglich“, aber lange nicht so gut an wie 20%, und so wird der Unterschied zwischen relativer und absoluter Risikoreduktion auf der Seite erklärt, auf der auch die Auflösung der Kreuzworträtsel und des Psychotests in ganz kleinen Lettern stehen, wenn überhaupt.

So arbeite ich jetzt auch nur noch:

„Bier verringertDNA-Schäden um bis zu 85%“

„Bier verringertdas Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkt“

„Bier verringertdas Risiko der Arteriosklerose und kann ein Schutz gegen Alzheimer sein“

„30 g Alkohol pro Tag ( 3 GlasBier) verringertdas Herzrisiko um 25%“

Bier verringertdas Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen (40%)“

„Wissenschaftler aus Tokio haben nun herausgefunden, dass Bier die Strahlenschäden um 30 Prozent verringert“

Jedes GlasBier verringertdie Gefahr von Nierensteinen“

Der EimerBier verringertdie Stressempfindlichkeit der Tiere“

„Bier verringertdie Anfälligkeit für Krebs“*

Alles ohne Quellennachweise und völlig aus dem Zusammenhang gerissen, aber es beruhigt mich ungemein.

*Dr. Google: "Bier verringert die", wahllose Suchergebnisse, 07.03.11, 2pm GMT




17:44 07.03.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

S.Piderman

Reisender, der irgendwo aufgehalten wurde. Kennt man ja. Kalypso ist immer eine gute Ausrede.
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S.Piderman

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