Leugnen ist zwecklos

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Ich habe nichts gegen Polizisten, aber wie sich die Uniformierten der Metropolitan Police in Nordlondon gebärden, grenzt an...

Eine leugnungsstrategische Floskel, die in Deutschland in den Achtzigern gerne im Zusammenhang mit gutbürgerlichen Rassismen in Anschlag gebracht wurde. Ich könnte hier auf die Studien von Teun van Dijk verweisen (www.discourses.org/ ) oder gar zur Publikation "Brandsätze" von Jäger et al. verlinken (media.de.indymedia.org/media/2010/08/288847.pdf)...

Mach ich aber nicht.

Ich hab auch nichts gegen Weizenbier. Vor allem nicht, wenn es von der Firma Meantime in Greenwich hergestellt wird. Aber Erdinger. Bäh. Das Meantime Wheat wird vor allem nicht pasteurisiert. Der Chefbrauer hat mir erklärt, es ergäbe doch wohl wenig Sinn, wenn man sich mit der Herstellung eines solchen Produktes eine solche Mühe gäbe, sich einen Monat Zeit ließe (das ist auch ein Grund für den Namen der Brauerei), nur um es anschließend vor dem Genuss abzutöten.

Dass ich nichts gegen Weizenbier habe, scheint mich sprachlogisch gesehen in die Lage zu versetzen, mich unbefangen über Erdinger und ähnliche Suppen zu äußern.

Methusalix hat diese rhetorische Figur ja damals zu vollem Glanz gebracht: "Ich habe nichts gegen Fremde, aber diese Fremden hier sind mir völlig unbekannt!“

Die Metropolitan Police nun also. Im Zusammenhang mit der Erschießung des 29-jährigen Mark Duggan wurde verlautbart, der Getötete hätte zuerst auf einen der Polizisten geschossen, die ihn nur mal so zur Kontrolle angehalten haben. Da kommt einem zunächst das Stirnrunzeln, weil der Mann in einem Mietwagen saß. Wie heißen die Dinger regional? Minicab. Taxi. Wieso sollten die ohne anderen Anlass ein Minicab anhalten? Und dann sagen Freunde und Verwandte, dass der Mann zwar von geselliger Natur war, aber nicht komplett verblödet... wieso sollte er auf einen Polizisten schießen, während er von einer Gruppe von ihnen umringt ist?

Fast schon nicht mehr allzu überraschend, dass nun veröffentlicht wurde, die beiden Schüsse, die abgefeuert wurden, stammten aus einer Waffe.

Die Polizei hat auch nichts gegen Fragen. Nur Antworten können Sie nicht leiden. Und so kann man die Familie, die sich mit der Bitte um Informationen an die Wache Tottenham wandte, schon mal 4 Stunden auf dem Bürgersteig warten lassen. Das deckt sich im Wesentlichen mit den Erfahrungen, die viele Leute hier mit den Schutzstaffeln gemacht haben und machen. "Arrogant", "dumm", „korrupt“, „gewaltbereit“ sind einige der am häufigsten geäußerten Adjektive im Zusammenhang mit dem Gebaren der Polizisten in dieser Gegend, und was meine eigenen Erlebnisse anbelangt, kann ich dem leider nicht widersprechen.

Also gehe ich jetzt los und plündere einen Schuhladen.

Diese Konsequenz will mir trotz alledem nicht einleuchten. Da stehen aus unterschiedlichen Gründen gegen die Polizei aufgebrachte Leute, lassen sich wiederum aus unterschiedlichen Gründen zur Gewalt anregen, und sagen sich dann, anstatt der Polizeiwache zünden wir, sagen wir mal, am besten den Gemischtwarenladen da drüben an. Weil, ich kenn den Besitzer, der ist harmlos. Oder wie?

Wir müssen endlich was gegen die Metropolitan Police unternehmen. Wir wollen Gerechtigkeit! Nein, wir wollen erstmal ein Paar neue Schuhe von Footlocker... und dann brauch ich noch neues Druckerpapier. So geht das jetzt hier jede Nacht. Und ich Blödmann hab mir am Freitag Sandalen gekauft. Gekauft...
15:37 08.08.2011
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Geschrieben von

S.Piderman

Reisender, der irgendwo aufgehalten wurde. Kennt man ja. Kalypso ist immer eine gute Ausrede.
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S.Piderman

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