smukster

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RE: Jung-un und die "Impotenz" der Weltmacht USA. | 12.12.2017 | 02:38

Jetzt wissen wir auch, warum Trump auf den Mond will: Zumindest *da* kommen Kims Raketen nicht hin...!

Wenig Neues unter der (aufgehenden) Sonne. Was die jüngste Welle der Eskalationen ausgelöst hat, ist mir immer noch nicht klar. Scheinbar hat Beijing den Rocket-man wieder von der Leine gelassen, nachdem es ihn im Oktober schonmal zurückgepfiffen hatte. Hat Trump sich nicht an die Abmachungen gehalten, die es bei seinem Besuch in Beijing wohl gab - oder nicht schnell genug? Seit Oktober gab es keine 'Begegnungen' in der SCS, soweit ich sehen kann. Aber vielleicht enthält der 'Deal' auch ja etwas über SK?

Dass die NK-Raketen keine reale Gefahr darstellen, ist nicht so wichtig, schätze ich - das Gefühl der diffusen Bedrohung ist oftmals wirkmächtiger als ein tatsächlicher Angriff.

RE: Toleriert Schwarz-Grün! | 12.12.2017 | 02:18

Eine gewisse Annäherung könnte es in der Tat geben, bzgl. Al Jazeera bin ich wegen der speziellen Rolle Katars aber eher skeptisch. China hat keinen Grund, sich offen einzumischen, da die Zeit ohnehin für Beijing arbeitet. Oder an welche Art der Unterstützung dachten Sie?

Dass Putin ausgerechnet jetzt den (Teil-)Rückzug aus Syrien verkündet, ist ein unerwarteter, aber cleverer Schachzug: Moskau empfiehlt sich als ehrlicher Mittelost-Vermittler, dem es nicht um eine dauerhafte Präsenz bzw. Besatzung geht - gleichzeitig rückt es (wie von Korybko vorhergesagt) ein Stück weit von Teheran ab und deutet an, dass es kein Interesse an einer Zuspitzung der Konfrontation mit Israel hat und Syrien/ Iran dabei nicht bedingungslos unterstützen würde.

Was sich in Jerusalem tatsächlich verändert, sei dahingestellt - es ist ja nicht so, dass Tempelberg & Co. nicht auch bisher schon faktisch unter israelischer Kontrolle standen.

Freeze-out der US Navy stelle ich mir angesichts der diversen Verbündeten etwas schwierig vor, selbst im Schwarzen Meer - vom Ost-Mittelmeer ganz zu schweigen...? So etwas wäre m.E. eher im Persischen Golf denkbar.

Was Erdogan in Athen wollte, gute Frage - könnte es nicht auch um Planungen im Rahmen der 'Seidenstraße' gegangen sein? DW erwähnt eine neue Bahnlinie, und auch der Pipelinebau muss ja irgendwie weitergehen.

Sicher, CIA & friends sind gut präsent in der Region. Das hat aber bisher nicht verhindert, dass sie in einem Land nach dem anderen abserviert werden. In Pakistan, Ägypten und UAE könnten sie noch versuchen, etwas einzufädeln - wenn sie nicht vorher 'entfernt' werden. Ru und Ch brauchen keine eigenen 'assets', wenn sie verlässliche Verbündete in der Region haben.

RE: Toleriert Schwarz-Grün! | 10.12.2017 | 01:58

Da bin ich weniger pessimistisch. Saleh war m.E. nicht Mann von MbS, sondern der Amerikaner. Jetzt könnte sich dort ein neuer Gesprächskanal (zur ehemals Saleh-treuen Armee?) öffnen, vermutlich via UAE, um irgendeinen Deal zu vereinbaren, der den Saudis einen gesichtswahrenden Abzug ermöglicht. Al-Jubeir war für mich blass und ziemlich undurchsichtig, seinen Abgang hätte ich eigentlich schon früher erwartet.

Riad und Teheran werden (in Absprache?) stillhalten, denn eine Eskalation wäre genau das, was die Neocons wollen. Stattdessen wird es m.E. Bemühungen geben, den Aktionsradius der Amerikaner weiter einzuschränken: Ich könnte mir z.B. einen erneuten Anlauf vorstellen, Palästina als Staat anzuerkennen. Washington würde das mit seinem Veto verhindern und sich damit ins Unrecht setzen, was Handlungsspielraum für die Gegenseite eröffnet.

Option B: Wenn es einen 'incident' mit US-Truppen in Syrien oder Irak gibt, bei dem diese (mal wieder) als 'Aggressor' erscheinen, können sie in diesen Ländern einpacken, weil sie dann ihre Stützpunkte quasi nur noch mit russischer Erlaubnis verlassen dürfen. 'Freeze-out' nennt sich das wohl.

Dazu kommen sicherlich weitere Demonstrationen und weitere israelische (Gegen)Gewalt, die zwar politisch folgenlos bleiben, aber die öffentliche Meinung der muslimischen Staaten zusammenschweißen. Spannend wären insbes. größere Proteste in Katar.

Den Israelis einen Gefallen (von zweifelhaftem Nutzen) getan, aber dafür diverse wichtige (ehemalige?) Verbündete vergrätzt - Kushner oder wer immer das eingefädelt hat ist entweder ein genauso schlechter Stratege wie Erdogan, oder er spielt ein doppeltes Spiel.

Zuletzt gab es verschiedene Ansagen in Richtung einer neuen Eskalation in Libyen. Wenns nicht klappt, einfach mal auf ein neues Terrain wechseln.

RE: Toleriert Schwarz-Grün! | 09.12.2017 | 03:03

Saleh hatte eine sehr ambivalente Rolle - ich ging zwar davon aus, dass er irgendwann einen Deal mit Riad abschließen würde, aber es kann durchaus auch sein, dass er (im US-Auftrag) einer Lösung eher im Weg stand. Von daher: Abwarten.

Das gilt m.E. auch bzgl. Jerusalem - bisher habe ich noch nichts Erhellendes gelesen, falls Sie einen guten Link haben... Die wirkliche 'Bombshell' der Woche scheint mir aber das hier: https://timesofindia.indiatimes.com/world/pakistan/pakistan-air-force-chief-order-shoot-down-us-drones/articleshow/61967426.cms

Die Republikaner haben der Reform fast geschlossen zugestimmt, was wohl für diese Sichtweise spricht. Einziger Lichtblick könnte sein, dass die Finanzierung des Militäretats damit schwieriger wird.

RE: Toleriert Schwarz-Grün! | 09.12.2017 | 02:48

Das tut sie fast immer - außer wenn sie verharmlost und ablenkt. ;-) Wenn über einen 'Konflikt' hochaufgeregt berichtet wird, dann kann er nicht allzu dramatisch sein.

Nein, Jamaika wäre nicht ohne Probleme mit dieser kurzsichtig-verbohrten Lindner-Gurkentruppe. Das ist keine Regierung...aber es wäre ein Armutszeugnis, wenn jetzt trotz massiver Stimmenverluste doch wieder eine GroKo rauskäme. Gegen eine schrille Opposition von allen Seiten zu regieren, ist nicht unbedingt ein Garant für Stabilität und Weitsichtigkeit. Wenn es darauf hinausläuft, sollten sie informelle Absprachen mit den anderen Parteien treffen, damit diese aus der Opposition von Fall zu Fall auch mal konstruktiv mitarbeiten.

RE: Jamaika Science Fiction | 09.12.2017 | 02:41

Auf den ersten Blick ist sie das wohl. Allerdings hat Beijing sehr selektiv bestimmte Bereiche liberalisiert und andere nicht, um sicherzustellen, dass ausländisches Kapital investieren kann, die Partei aber alle Fäden in der Hand behält. Eigentlich hätte unter diesen Bedingungen gar nicht investiert werden dürfen - aber nach den Krisen '96-'98 war es wohl zu verlockend, und kein anderer 'Wachstumsmarkt' mehr zu finden.

Die politische Lenkung der wirtschaftlichen Entwicklung ist derzeit gut bei EE und Elektromobilität zu beobachten. Korruption ist sicherlich weitverbreitet, aber auf den unteren Ebenen keine große Gefahr - die regelmäßigen 'Säuberungen' tun ein Übriges. Ob der klaren 'Hierarchie' gehe ich davon aus, dass 'der Kapitalismus' für die KP ein Werkzeug ist, das auch wieder aus der Hand gelegt oder auf kleine Nischen reduziert werden kann. Die eigene Infrastruktur ist weitgehend 'fertig', jetzt ist der Rest der Welt dran.

Auch die Kulturrevolution lässt sich davon ausgehend gut erklären - ob sie tatsächlich schon bewusster Teil einer solchen Strategie war, sei dahingestellt.

Lol, nein - das ist ja auch kein Kapitalexport. Es geht um die Finanzierung realer Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur - wenn es im Globalen Norden keine Rendite mehr gibt, wenden sich viele Investoren den 'Entwicklungs- und Schwellenländern' zu. Dass sie das nicht aus Menschenfreundlichkeit tun, ist klar - aber prinzipiell sinnvoll scheint es mir dennoch. Solange die Chinesen als alternative Financiers bereitstehen, haben die Zielländer zumindest einen gewissen Einfluss auf die Investitionen.

(Sorry für meine mäßig freundliche Antwort @Nil - ich kann diese altbackenen Thesen einfach nicht mehr hören bzw. lesen.)

RE: Opfer seiner selbst | 06.12.2017 | 19:48

Eine wahrscheinlichere Erklärung für Mugabes Festhalten an der Macht: Er fürchtete wohl, dass eine andere Regierung die Privilegien der weißen Grundbesitzer belassen bzw. wiederherstellen würde. Angesichts der Entwicklung in anderen Staaten der Region nicht ganz von der Hand zu weisen.

Das Problem war nicht die Enteignung ehemaliger Kolonialherren in Simbabwe - das eigentliche Problem war und ist, dass dies anderswo immer noch auf sich warten lässt. Hätte es in allen Staaten eine solche 'ökonomische Dekolonialisierung' gegeben, hätte Mugabe womöglich viel früher den Platz freigemacht für einE NachfolgerIn.

RE: Toleriert Schwarz-Grün! | 04.12.2017 | 17:46

R.I.P....Offenbar war dieser Seitenwechsel sehr schlecht geplant. Wenn Saleh als einzelne, isolierte Figur gehandelt hat, dann ändert sich erstmal wenig - wenn die Armee weiterhin hinter ihm stand, wird sie nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern einen separaten Deal mit den Saudis schließen. Deswegen würden die Houthis sich nicht über Nacht in die Berge verdrücken, aber das Kräfteverhältnis wäre plötzlich ein anderes. Wie lange sie sich noch halten könnten, vermag ich nicht zu sagen.

Dass Trump 'seine' Steuerreform doch weitgehend durchbekommt, hätte ich nicht erwartet. Aber ist es überhaupt noch seine?

RE: Jamaika Science Fiction | 03.12.2017 | 16:00

Ich glaube, da unterschätzen Sie die KPCh. Sicherlich geht es nicht um eine 'Gleichsetzung' - die Frage ist, ob eine gewisse Phase kapitalistisch-industrieller Beschleunigung und Entgrenzung notwendig ist, um die Voraussetzungen zu schaffen, den K. zu überwinden. Die SU ist den Weg der staatlich gelenkten wirtschaftlichen Entwicklung gegangen - was zwar auf der ökonomischen Ebene funktioniert hat, aber nur um den Preis der brutalen Diktatur. China hat dies bis Anfang der 60er ebenfalls versucht und ist grandios gescheitert. Das hat offenbar zur Einschätzung geführt, dass eine Phase kapitalistischen Wirtschaftens nötig sei, um den Vorsprung des Westens aufzuholen. Wie lange diese Phase noch dauert...wer weiß. Bis Chinas globale Führungsrolle unumkehrbar ist? Oder bis die für nötig erachteten Technologien allgemein verfügbar sind?

Im Kontext der 'entwickelten' Staaten kann A. durchaus etwas deutlich Anderes bedeuten, etwa den beschleunigten Fall der Profitrate Richtung Null und Monopolbildung hier, sowie massiven Kapitalexport in den Globalen Süden.

RE: Jamaika Science Fiction | 03.12.2017 | 15:31

Ich finde es amüsant, wie eifrig in letzter Zeit über das Geldsystem diskutiert wird. Leider stets über das 2009 untergegangene, nie das aktuelle...