smukster

Ich lese und schreibe ab und zu was. Meine Themenschwerpunkte: Geopolitik, globale Wirtschaftsfragen, Europa, Klima und Energie - twitter: smukster
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RE: 24. Sao-Paulo-Forum | 08.08.2018 | 16:34

Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. ;-)

RE: KI-Entwickler aller Länder, vereinigt Euch! | 06.08.2018 | 18:51

Ich kenne Ihre China-Erfahrungen nicht, würde aber die Behauptung wagen, dass Ihre Einschätzung komplett danebenliegt. Anders als im Westen ist der (fraglos vorhandene) Kapitalismus dort politisch gesteuertes Mittel zum Zweck. Die Führung lässt keinerlei Zweifel daran aufkommen, wer im Land 'die Hosen anhat'. (Wenn vermeidbar, würde ich aber sehr ungern erneut diese Debatte führen.)

Debatten werden immer erst dann (in einer breiteren Öffentlichkeit) geführt, wenn etwas schon da ist. In Spezialistenkreisen ist das Thema hingegen hundert Jahre alt, grob geschätzt. Ist das schlimm? Der Einsatz von KI kann zu enormem gesellschaftlichem und technologischem Fortschritt führen, wenn die Kontrolle darüber halbwegs demokratisch erfolgt. Was zugegebenermaßen ein ziemlich großes 'wenn' ist...wer entscheidet, wer profitiert? Ich bin einigermaßen optimistisch, auch wenn aller Anfang holprig ist.

RE: KI-Entwickler aller Länder, vereinigt Euch! | 06.08.2018 | 18:38

Aktives Eingreifen, soweit das noch möglich ist, wäre gut. Aber das ändert nichts daran, dass wir uns auch passiv auf Klimawandel und schwierigere Lebensbedingungen, weniger Ressourcen zu unserer Verfügung etc. einstellen müssen.

Eine Hühnerzucht wollte ich aber eigentlich nicht aufmachen. Sie meinen, weil die technologische Entwicklung ein neues Wirtschaftssystem hervorbringt, welches dann wiederum die besagte Entwicklung beschleunigt? Kann man wohl so sehen.

Der Unterschied zwischen KI (eigentlich Software insgesamt, aber KI besonders deutlich) und anderen technischen Neuerungen ist halt, dass Erstere im Prinzip sofort weltweit verfügbar ist, sobald sie einmal läuft. Wenn das nicht künstlich verhindert wird. Die Software für autonomes Fahren kann, sobald sie ausgereift ist, auf Millionen von Autos installiert und jederzeit aktualisiert werden, wenn neue Versionen verfügbar sind. Die Kosten fürs Runterladen sind quasi Null, der potentielle Produktivitätsfortschritt in Industrie und Dienstleistungen geht gegen unendlich.

RE: Trump verfolgt "kohärente Außenpolitik" | 06.08.2018 | 14:33

Es geht nicht um Schiedsrichtern, sondern darum anzuerkennen (und zu benennen), dass wir unterschiedlich an Dinge herangehen (wobei das alte 'Idealismus vs. Realismus' auch eine Rolle spielen mag - bitte widersprechen Sie jetzt;-). Aber wenn Sie keine Lust auf Meta-Diskussion haben, ists auch ok.

In der Sache kommen wir jedenfalls nicht weiter, also gilt wohl 'time will tell'. Ist ja nicht so, dass ich noch nie falsch gelegen hätte; manchmal übersehe oder unterschätze ich wichtige Variablen.

Wo es schon um Vorhersagen geht: Ich lese grad beim Hochscrollen die "Einschätzung..., der zufolge Israel sehr bald ähnlich viel Spaß mit dem IWF haben werde wie Griechenland". Dazu meine ebenfalls schon ältere Gegenprognose: Israel wird sich im neuen Mittleren Osten zur wichtigen logistischen Drehscheibe entwickeln und davon gut leben. Einerseits für Informationen, vor allem aber für Gas, das vor der Küste gefördert und möglicherweise auch von anderswo hergepumpt wird.

RE: KI-Entwickler aller Länder, vereinigt Euch! | 06.08.2018 | 13:23

Danke für die Ergänzung der philosophischen Betrachtungsweise.

Sehr deutlich zeigt sich dabei die Unlogik des grenzenlosen Privateigentums. Dieses hat mit Eigentum im Sinne von 'Eigen' nichts mehr zu tun, es geht stattdessen nur noch um Nutzungs- und Profitziehungsrechte. Dass eine Fabrik am anderen Ende der Welt mein 'Eigentum' sein kann, obwohl ich sie noch nie gesehen habe, ergibt philosophisch keinerlei Sinn - aber es lässt sich juristisch dahingehend darstellen, dass die Erbauer, Verwalter und Arbeiter der Fabrik mir ihre Rechte am Produkt abtreten. Genauso wie der Arbeiter, der in 'meiner' lokalen Werkstatt mit 'meinen' Werkzeugen etwas erschafft.

Beim Wissen wird es vollends absurd: Nicht nur muss ich mir dieses nicht tatsächlich aneignen, um es gewinnbringend nutzen zu können - es bleibt auch weiterhin Eigentum der Forscher in 'meinem' Labor, ebenso der weltweiten Fachgemeinde, die darüber liest. Es ist ihr Eigentum, insofern sie es entwickelt oder sich geistig angeeignet haben, jedoch ist ihnen die Nutzung verboten. Das darf nur ich, auch ganz ohne Aneignung.

Wenn aber die Nutzung und Weiterentwicklung verfügbaren Wissens juristisch verboten wird, ist das dem weltweiten geistigen 'Fortschritt' nicht gerade zuträglich. Die Produktionsverhältnisse passen eben nicht mehr in die Zeit.

(Ich hoffe, ich habe ihre Darstellung richtig verstanden und ergänzt?)

Ein Punkt:"wird der Anteil des neukreierten Wissens gegenüber dem vorhandenen immer geringer" - ist das wirklich so? Ich las mal, dass sich durch das Internet die 'Verdopplungsrate' des Wissens noch beschleunigt habe; keine Ahnung wie das gemessen wird.

RE: KI-Entwickler aller Länder, vereinigt Euch! | 06.08.2018 | 12:38

Klar, strategische Erwägungen schlagen ökonomische. Bin kein Lateiner, aber in Kriegszeiten schweigen die Buchhalter.

Das ändert aber nichts daran, dass die informationelle Abschottung (toller Begriff, wa) zum Wettbewerbsnachteil wird und auf das absolute, sicherheitspolitisch erforderliche Minimum beschränkt werden muss. "Die" westliche Wirtschaft versucht hingegen, aus Verwertungsinteresse möglichst viel abzuschotten...das geht nicht gut.

RE: Trump verfolgt "kohärente Außenpolitik" | 06.08.2018 | 12:17

Weil Trump mit dem Gipfeltreffen mit der jahrzehntelangen Politik des Ignorierens und Isolierens jäh gebrochen hat. Diese 'Ungeheuerlichkeit' kann er sich nur erlauben, wenn sie Erfolge zeitigt - und die gibt es nicht ohne Gegenleistung. Die Neocons wollen keine Denuklearisierung - aber wenn es eine nachhaltige Entspannung gibt, können sie Trump dafür nicht angreifen. Er ist zum Erfolg verdammt.

Aber wir drehen uns im Kreis. Sie wollen das genausowenig wahrhaben wie die faktische Anerkennung der chinesischen Suzeränität in der SCS. Wir haben halt unterschiedliche Herangehensweisen - Sie glauben nur, was Sie schwarz auf weiß lesen, ich vertraue der Logik. Führt letztlich zum selben Ergebnis, aber bis zur formalen Bestätigung können Jahre vergehen. Oder auch Jahrzehnte. Auch gut, sonst hätten ja Historikerinnen nichts zu tun.

RE: Achtung, Rentenfresser | 06.08.2018 | 11:52

Eigenartig.

Einerseits teile ich ihren Pessimismus nicht, andererseits ihren Optimismus.

Die heutige Welt ist m.E. weniger grundschlecht als Sie annehmen. Eine Annahme, die ich insofern für problematisch halte, als sie schnell zu einem ‘Es kann nur besser werden, also hinweg damit!’ werden kann. Das wäre ein fataler Irrtum: So sind z.B. die bestehenden demokratischen Institutionen alles Andere als optimal - und trotzdem unbedingt zu verteidigen, solange wir nicht absolut sicher sind, dass wir etwas Besseres, Demokratischeres haben.

Wenn Sie hingegen schreiben, dass “das Wissen der Menschheit den Crash natürlich überleben wird”, haben Sie dafür m.E. wenig Vorstellung davon, wie ein wirklicher ‘Crash’ aussehen kann. Das Wissen der Maya ist verlorengegangen, ebenso das der frühen griechischen und anderer Hochkulturen. Wenn das politische und das Wirtschaftssystem kollabieren, sterben nicht nur viele Millionen Menschen, es gibt auch einen ‘zivilisatorischen Rückschritt’. Ob nach einer ‘dunklen Zeit’ noch irgendwer unsere heutigen Festplatten auslesen könnte?

“Erst wenn der Zusammenbruch wie auch immer erfolgt ist, kann anderes vielleicht schon Gedachtes vielleicht probiert werden.” - Das sehe ich anders, Chiapas lässt ebenso grüßen wie Gandhi oder das Ende der Apartheid. Grundlegende Reformen sind auch ohne Zusammenbruch möglich. Und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Im Chaos, das dem Zusammenbruch folgt, kann eine emanzipatorische oder eine autoritäre ‘neue Ordnung’ entstehen. Letzteres ist deutlich häufiger, von daher sollten wir den Crash soweit möglich vermeiden und uns überlegen, wie wir eine progressive Entwicklung (ob mit oder ohne Crash) befördern, die Grundlagen dafür legen können (...auf dass die Saat zur gegebenen Zeit aufgehe. Amen.;-).

An dieser Stelle sind wir m.E. sehr nah beieinander: Sie sagen, dass ‘der Wandel im eigenen Kopf anfängt und anfangen muss’ - und ich ‘Die neue Ordnung entsteht erst dann, wenn sie gebraucht wird - aber nicht aus dem luftleeren Raum, sondern aufbauend auf einem bereits vorhandenen Diskurs’. Das ist letztlich ziemlich genau dasselbe mit etwas anderen Worten, oder? nb, ich glaube Sie unterschätzen Ihre Mitmenschen. Es gibt sehr viele, die durchaus denken ‘dass es auch anders gehen kann und muss’; sie wissen nur nicht genau wie und haben Angst vor dem Sprung ins Ungewisse, solange sie noch etwas zu verlieren haben.

Ich weiß zwar nicht ganz, wie Sie darauf kommen, aber “Gewissheit ist der Ausschluss jeder Ethik durch Dogmatik.” finde ich einen sehr interessanten Satz. Aber ist eine “ideologiefreie Gesellschaft” nicht ein Widerspruch in sich, weil die propagierte Ideologiefreiheit doch selbst wieder eine Ideologie ist? Gerade im ‘Chaos’ haben allerdings Ethik und differenziertes, eigenständiges Denken gegenüber Dogmatik und simplen, klaren Ansagen fast immer das Nachsehen. ‘Egal wie, Hauptsache es herrscht Ordnung’ - siehe Somalia oder Afghanistan.

Natürlich ist es der Gipfel der Nichtethik, Menschen im- oder explizit als ‘überflüssige Esser’ zu betrachten. Die dahinterstehende Überlegung hat aber einen ernsten Hintergrund: Wenn die Gesellschaft aufgrund des Klimawandels ihren Ressourcenverbrauch senken muss, kann entweder der Konsum aller ihrer Mitglieder reduziert werden - oder deren Zahl. Aus Sicht der ‘Eliten’ (erlauben Sie mir diesen problematischen Begriff) ist das leider keine rethorische Frage: Wenn dank Automatisierung keine Arbeitskräfte mehr gebraucht werden - warum sollten sie dann noch ‘durchgefüttert’ werden? Jeder zusätzliche Esser bedeutet, dass weniger Ressourcen für die oberen Zehntausend bleiben...

Indirekt wird das in Südeuropa bereits praktiziert: Da (viele) junge Leute zu wenig Geld verdienen, um sich eine eigene Wohnung leisten zu können, gründen sie keine Familien. Wenn es lange genug anhält, macht sich das bei den Geburtenraten und der Bevölkerungsentwicklung bemerkbar. Humaner als bei den nordenglischen Töpfern des 19. Jahrhunderts, sicher...

RE: KI-Entwickler aller Länder, vereinigt Euch! | 05.08.2018 | 21:03

Wahrscheinlich haben Sie Recht, was die Einschätzung 'der Menschen' angeht - die öffentliche Debatte darüber fängt aber auch gerade erst an.

Was die 'kapitalistische Sabotage' des technischen Fortschritts angeht, stimme ich Ihnen nur teilweise zu. Bestimmte Technologien, die sich gewinnbringend vermarkten lassen, breiten sich dank K. rasant aus - vermutlich schneller als ohne. Anderes verschwindet dafür in der Schublade, weil es keine Rendite verspricht.

"Sobald China zu den Innovatoren zählt, wird es auch zum Advokaten geistigen Eigentums."

Das würde ich bestreiten; dafür ist seine Wirtschaftspolitik zu strategisch und wenig 'kapitalistisch'.

Die eigentliche Frage ist (für mich) aber, wann sich ein neues Modell durchsetzt, weil das alte dem weiteren (technischen) Fortschritt im Weg steht. Dank 'null Grenzkosten' können sich Software-Innovationen beliebig schnell verbreiten...wenn das nicht gewaltsam verhindert wird. Können wir künftig noch mit China mithalten, wenn wir diese Hemmschuhe nicht ablegen?

RE: KI-Entwickler aller Länder, vereinigt Euch! | 05.08.2018 | 20:51

Nicht egal, denn im Gegensatz zum Brot ist Wissen ein nicht-rivalisierendes Gut. Der Fließbandarbeiter kann das Produzierte nicht mitnehmen und weiterverteilen. Anders formuliert: Wer materielle Güter teilt, hat nachher selbst weniger - bei immateriellen Gütern hingegen mehr.