smukster

Ich lese und schreibe ab und zu was. Meine Themenschwerpunkte: Geopolitik, globale Wirtschaftsfragen, Europa, Klima und Energie - twitter: smukster
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RE: Auftaktspiel, Trauer und Entsetzen | 19.06.2018 | 14:13

Das ist nicht mal kapitalismusspezifisch. Jedes System macht irgendwann den Fehler, die eigenen Regeln zu ignorieren - genau wie viele Propagandisten irgendwann anfangen, ihre eigene Propaganda zu glauben. Das ist ihr Untergang.

RE: Auftaktspiel, Trauer und Entsetzen | 19.06.2018 | 14:11

Jetzt wagen Sie sich sogar an die ganz großen Fragen...;-)

Positiv lässt sich vermerken, dass viel weniger Schland-Fahnen auf der Straße zu sehen sind, als ich befürchtet hatte. Gracias amigos, vamos a la fiesta!

Allerdings scheint mir der hiesige Fußball-Nationalismus vergleichsweise harmlos. Der 'Skandal' um den Gaucho-Tanz dürfte in Argentinien auf ziemliches Unverständnis gestoßen sein.

RE: Russlands Diplomatie und Israels Interessen | 14.06.2018 | 17:02

Nicht falsch, aber nur eine Seite der Medaille. Die Staaten bzw. Regime der Region nutzen ihre Gegnerschaft zu Israel und Unterstützung der Palästinenser als politischen Blitzableiter. Daran, dass der Konflikt in den Köpfen so verhärtet und unversöhnlich ist, haben beide Seiten ähnlichen Anteil. Daraus resultiert leider, dass Israel nicht nur gefühlt in einer bedrohlichen äußeren Lage ist und darauf militärstrategisch eine Antwort finden muss. Ob es tatsächlich einen sofortigen atomaren Gegenschlag gäbe - nicht unmöglich, es kommt wohl auf die Umstände und die Gegner an.

RE: Russlands Diplomatie und Israels Interessen | 14.06.2018 | 16:48

Der Bezug des Kommentars zum Beitrag erschließt sich mir nicht ganz. Ich würde schon davon ausgehen, dass die Europäer eher an Entspannung denn an Eskalation und Krieg interessiert sind.

RE: Russlands Diplomatie und Israels Interessen | 14.06.2018 | 16:46

Kein Problem, ich kopiere es in ein doc und zerteile es mir.

Es fehlt allerdings Einiges, ja - aber im Beitrag sollte es auch nur um Israel, Russland und die Entwicklung in Syrien gehen, nicht den MO insgesamt.

Das Problem des Nahostkonflikts ist doch, dass wesentliche Beteiligte gar kein Interesse an Frieden haben, sondern der Dauerkonflikt ihnen strategisch sehr gelegen kommt. Das gilt für Washington genauso wie für die arabischen Staaten. Solange Israel in diesem Kleinkrieg gefangen ist, muss es Angst vor seinen Nachbarn haben und ist auf US-Unterstützung angewiesen - aus Neocon-Sicht ideal.

Wenn Russland die Region genauso per ‘teile und herrsche’ kontrollieren will, wäre idT nichts gewonnen. Ich gehe aber davon aus, dass es ein Gleichgewicht zwischen den Regionalmächten anstrebt - keines des Schreckens wohlgemerkt. Dazu muss (auf längere Sicht, ja) eine Lösung für die Palästinenser gefunden werden, und nicht unbedingt eine 2-Staaten-. Wird kommen.

Hat N. die Europäer verärgert? Habe ich nicht mitbekommen - wenn meine Interpretation seines Moskau-Besuchs stimmt, wäre das durchaus im ‘europäischen’ Sinne. Guter Punkt, dass ein Seitenwechsel ‘zunehmend weniger wert’ ist. Die Atomwaffen wird Israel in den nächsten Jahrzehnten nicht aufgeben; das ist aber m.E. auch nicht erforderlich, da sie in einem Mittleren Osten des ‘Pax Rusiana’ stark an Bedeutung verlören.

KSA, denkbar ist sie sicherlich, aber wahrscheinlich? Das vermag ich nicht einzuschätzen. MbS bietet dem Land eine längerfristige Perspektive (zusammen mit China und Ru), seine Gegner nicht. Was sie nicht daran hindern muss, ihn abzusägen - aber damit würden sie angesichts seiner Popularität wohl ihr eigenes Grab mitschaufeln.

Ägypten habe ich in letzter Zeit nicht verfolgt. Wenn es einen Putsch gibt, bricht der Konflikt mit der MB neu auf, und der Nachfolger steht auf dem Sinai vor denselben Problemen. Von daher glaube ich nicht, dass ihm irgendwer das Amt neidet.

Iran - ich gehe davon aus, dass die eur. Unternehmen sich weitgehend zurückziehen und China, Russland und Indien dort das Feld überlassen. Dafür wird der diplomatische Kontakt ausgebaut, und möglicherweise geht in einem oder zwei Schlüsselsektoren die Wirtschafts-Kooperation weiter (vgl. Russland Nord Stream).

RE: Ohne Krise kein Fortschritt | 14.06.2018 | 13:46

"zu den weitweit frührenden drei Innovationsländern gehören würde"

Gut möglich. Ich denke (natürlich) zunächst an das Festhalten an Kohle, Öl und den dazugehörigen Autos etc. Andererseits bringt es auf längere Sicht relativ wenig, wenn D oder Japan 'weltweit führend' sind - nur leider in Sektoren, die ihre beste Zeit hinter sich haben und deren Bedeutung rapide schwindet. Banken genauso. Die Zukunft gehört der IT, besonders KI, Biotech, ev. Landwirtschaft - und in diesen Bereichen stehen die USA deutlich besser da.

Die Aussage zu den 'eigentlichen Verhandlungen' war bewusst überspitzt formuliert. Dass es nicht *nur* in Beijing war, keine Frage - aber Kims 'Geheimbesuch' dort dürfte eine wichtige Vorbesprechung gewesen sein, ebenso Lawrows Visite in Pyongyang.

"Das ist eine bedeutende Einschränkung"

Ja. Meine Annahme, dass es Zugeständnisse an Beijing sind, beruht auf simpler Logik: Die USA haben keine Druckmittel gegenüber Nordkorea, China schon. Trump will Kim zur Ruhe bringen, auch China und Südkorea haben großes Interesse an einer 'ruhigen' Halbinsel, aber nur China hat Druckmittel gegenüber den USA. Ergo (wenn die Annahmen stimmen): Wenn Trump einen 'Erfolg' vorweisen will, muss er Beijing entgegenkommen.

Die unmittelbare zeitliche Nähe zur Raketenstationierung können Andere gerne für Zufall halten, ich nicht. (Es gibt auch Leute, die halten es für Zufall, dass innerhalb von 24 Stunden das Iranabkommen unterzeichnet, der Streit zwischen Griechenland und der Rest-EU entschieden und der Konflikt in der Ostukraine wesentlich entschärft wurde.)

Ob diese Entspannung von Dauer ist, schwer zu sagen. Ich hoffe es, aber Sabotage ist leider weiterhin möglich. Don't let down your defenses.

"dass Nordkorea seine nukleare Bewaffnung wirklich aufgeben wird"

Ich auch nicht, das wäre auf absehbare Zeit auch ziemlich dämlich. 'In 2,5 Jahren' ist Zweckoptimismus, der in der Politik durchaus erlaubt, gar eine Tugend ist. Wenn es innerhalb von Trumps Amtszeit gewisse Fortschritte in dieser Richtung gäbe, wäre das schon ein vorzeigbarer Erfolg. Zeitvorgaben sind nicht so wichtig.

RE: Auf Augenhöhe | 13.06.2018 | 21:34

Herrje, ich komme mir vor wie im Kindergarten.

Wenn in einer Diskussion über Geostrategie von 'Stellungen' die Rede ist, dann sind damit selbstverständlich politisch-strategische Positionen gemeint, keine geografischen. Wenn Sie die Bedeutung der (sehr aktuellen) Raketenstationierung und den Zusammenhang mit dem Trump-Kim-Gipfel nicht verstehen, dann weil Sie keinen Schimmer von Strategie haben. Trump stellt in der Tat die US-Asienstrategie auf den Kopf - was glauben Sie, warum sonst die Neocon-Kommentatoren so wütend und perplex sind?

Bitte versuchen Sie erst, das Geschriebene zu verstehen, bevor Sie antworten. Das gilt übrigens immer und überall.

RE: Wollen die US-Falken den Krieg gegen Iran? | 13.06.2018 | 19:48

Sie haben mich missverstanden. Es ging mir nicht um geopolitische Arbeitsteilung, sondern um ökonomische: USA hat Rohstoffe und Militär (wie Russland), Europa die Industrie (wie China & Japan). Alleine können sich die Amerikaner ihre Armee nicht leisten, zusammen mit Europa und Japan schon.

Was die geopolitische Neuordnung angeht, habe in meinem Blog einen kleinen Kommentar zu Singapur gepostet - ist aber weitgehend dasselbe wie im Korea-Artikel vom letzten Herbst (tolle Werbung, ne?). Wenn es einen Vertrag geben sollte, wäre das der dritte Teil des '21st Century Tordesillas', nach Minsk und dem Iranabkommen.

Stimmt, während Russland seine begrenzten militärischen Ressourcen sehr clever und effizient einsetzt. Das Problem ist, dass die bisherige unilaterale Strategie nicht mehr funktioniert, sie aber bisher keine Strategie für die multipolare Welt entwickelt haben. Vielleicht wollen sie es nicht, vielleicht verstehen sie nicht dass sie eine brauchen - jedenfalls agieren sie weiter wie ein unumstrittener Hegemon, also plump-aggressiv, und fallen damit ein ums andere Mal auf die Nase. Die Frage ist, ob sie das auf Dauer so hinnehmen werden.

RE: Auf Augenhöhe | 13.06.2018 | 18:52

Oh dear.

Hier mal x-beliebige Beispiele, googlen liefert hunderte weitere:

https://edition.cnn.com/2018/06/11/asia/south-china-sea-woody-island-missiles-intl/

https://www.theguardian.com/us-news/video/2018/jun/12/we-will-be-stopping-the-war-games-trump-tells-media-video

Es steht in *allen* größeren Medien - und muss daher normalerweise nicht extra durch Links belegt werden.

RE: Auf Augenhöhe | 13.06.2018 | 16:47

Ging gestern und heute durch die Presse: Keine Kriegsspiele mehr, und China stellt Raketen in der SCS auf.