smukster
15.04.2016 | 18:52 48

Dreiecksdiplomatie und große Zaubershow

Syrien In dieser Woche scheinen die Zeichen im Mittleren Osten auf “grand bargain” zu stehen. Ob er erfolgreich ist, werden wir nach den Doha-Ölgesprächen am Sonntag wissen.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied smukster

Wenn der heute beendete OIC-Gipfel in Istanbul die verfeindeten Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien einander nähergebracht hat, macht das auch Fortschritte bei den Genfer Syrien-Verhandlungen wahrscheinlicher. Möglich macht dies vermutlich der derzeitige “subtile” US-amerikanische Druck auf Riad, der sich für Washington in Form höherer Ölpreise bezahlt machen könnte - sehr zur Erleichterung der Energie- und Finanzwirtschaft. Dass im Zuge dessen die Ukraine und Libyen neue Regierungen bekommen und im Jemen eine diplomatische Lösung näherrückt, wird da fast zur Nebensache.

Vor einigen Tagen sorgte die Meldung für Aufregung, wonach die USA zum ersten Mal seit 1991 wieder eine ungenannte Zahl strategischer B-52 Langstreckenbomber in den Mittleren Osten verlegt haben, genauer auf ihre Luftwaffenbasis Al Udeid in Katar. Spekulationen machen seitdem die Runde: Geht es dabei um eine Befreiung der noch vom IS gehaltenen Gebiete, um eine Neuaufteilung Syriens und des Irak, oder gar um die Vorbereitung eines Krieges gegen den syrischen Reststaat?

Völlig auszuschließen ist keine dieser Möglichkeiten, wahrscheinlicher ist jedoch etwas Anderes. Bei der riesigen achtstrahligen Boeing B-52 handelt es sich primär um eine strategische Waffe, die zwar auch nach sechzig Dienstjahren noch ein zentrales Element im Arsenal der US-Luftwaffe darstellt, dabei jedoch nur sehr selten tatsächlich eingesetzt wird, zuletzt vor etwa zehn Jahren in Afghanistan. Mit anderen Worten: Ihre Stationierung dient vor allem als Drohgebärde, als deutlich sichtbares Zeichen des “Wir meinen es Ernst”.

Aber gegenüber wem?

Washington weist Riad seine Grenzen auf

Auch wenn es überraschend klingen mag - die plausibelste Antwort lautet ‘Saudi-Arabien’. Riad hat bislang alles getan, um eine politische Lösung des Syrienkonflikts zu verhindern und einen Sturz der säkularen Assad-Regierung herbeizuführen. Sein Ziel ist dabei die Ausweitung des eigenen Einflussbereichs mithilfe der von ihm unterstützten islamistischen Milizen und letztlich die Sicherung seiner regionalen Vormachtstellung.

Die türkische Regierung war dabei eher Werkzeug als Partner: Zwar hegt Erdogan sicherlich seine eigenen Großmachtphanta- sien, doch steht das Land wirtschaftlich auf tönernen Füßen und ist durch die Autonomiebestrebungen der syrischen und türkischen KurdInnen einerseits, die Anwesenheit von IS-Kämpfern auf seinem Staatsgebiet andererseits extrem verwund- und erpressbar. Die US-Regierung hingegen scheint sich bereits seit Längerem, höchstwahrscheinlich im Umfeld des Iran-Abkommens, mit Moskau auf einen Fahrplan für die Beilegung des Syrienkrieges geeinigt zu haben - die große Schwierigkeit bestand jedoch bislang darin, ihre regionalen Verbündeten ebenfalls auf diesen Plan zu verpflichten.

Parallele Verhandlungen mit Chance auf Einigung

In diesen Tagen nun findet nicht nur die nächste Runde der Genfer Syrien-Verhandlungen statt, sondern auch der Gipfel der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Istanbul. Die kurzfristige Ankündigung der Teilnahme von Irans Präsident Rouhani ist insofern ein gutes Zeichen, als dass Teheran zuvor deutlichgemacht hatte, nicht Teil einer saudisch-türkischen Inszenierung mit dem Ziel einer Spaltung der islamischen Welt sein zu wollen. Es besteht also Grund zur Hoffnung, dass es hier zu realen Fortschritten und tragfähigen Vereinbarungen kommen könnte.

Trotz der jüngsten Bemühungen seitens Al-Nusras und ihrer Verbündeten, die Verbindung nach Aleppo zu unterbrechen, gilt gleiches damit auch für die begonnenen Gespräche in Genf: Während die syrische Regierung sich durch Parlamentswahlen in den von ihr kontrollierten Gebieten am Mittwoch gewisser- maßen eine “Extraportion Legitimität” abgeholt hat, hat sich der Widerstand von Riads Statthaltern am Verhandlungstisch, dem “Hohen Verhandlungskomitee”, gegenüber den letzten Runden bereits deutlich abgeschwächt. Nach derzeitigem Stand sind seine Vertreter offenbar bereit, sich an einer Übergangsregierung zu beteiligen - gemeinsam mit Mitgliedern von Assads Regierung, nicht jedoch mit diesem selbst. Damit werden trotz weiter bestehender Differenzen auch erste direkte Gespräche zwischen Regierung und “Opposition” denkbar.

Dreiecksdeal zwischen Washington, Moskau und Riad

Dass Riad sich so weit auf die russisch-syrische Position zubewegt hat, dürfte maßgeblich auf amerikanischen Druck zurückzuführen sein: Einerseits in Form der erwähnten Statio- nierung der B-52, die nicht nur Rakka und Mossul in Trümmer verwandeln könnten, andererseits aber auch durch die relativ plötzlich erneut hochkochende Debatte um eine mögliche Veröffentlichung der ominösen 28 fehlenden Seiten des 9/11-Untersuchungsberichts. Dass König Salman persönlich in den Panama Papers genannt wird, wirkt wie eine letzte Sahnehaube im Arsenal der Druckmittel, mit dem die Saudis davon “überzeugt” werden sollen, Al-Nusra und “Islamischem Staat” die Unterstützung zu entziehen. Wenn der Plan funktioniert und der OIC-Gipfel heute hinter verschlossenen Türen oder in seiner Abschlusserklärung Anzeichen einer kooperativen Lösung erkennen lässt, dürfte die US-Regierung am Sonntag den Lohn für ihre nachdrückliche “Arbeit” erhalten.

Bei diesem Treffen von OPEC- und nicht-OPEC-Ölstaaten im katarischen Doha, das nach der ersten Runde Mitte Februar zur Geburtsstunde einer neuen “OPEC-plus” werden könnte, steht eine tatsächliche Begrenzung der Fördermenge zur Diskussion. Eine solche dürfte mittelfristig mindestens zu einer Stabili- sierung des Ölpreises führen, vielleicht sogar zu einem nennens- werten Anstieg. Der seit Ende 2014 stark gefallene Ölpreis hat bekanntermaßen die Staatshaushalte vieler Förderländer, darunter Saudi-Arabien und Russland, stark in Mitleidenschaft gezogen und ist für diese kaum auf Dauer durchzuhalten.

Viel schwerwiegender sind jedoch die Folgen für die Wirtschaft in den USA, wo nicht nur der Öl- und Gassektor als ‘Boombranche’ der letzten Jahre vor dem Abgrund steht, sondern auch die extreme Abhängigkeit der Finanzmärkte vom Öl deutlich zutage getreten ist. Entgegen der zunächst vertretenen These positiver wirtschaftlicher Effekte des niedrigen Preises hat sich in den letzten Monaten zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Börsen und damit der gesamte Finanzsektor einen hohen Ölpreis brauchen, um nicht finanziell ausgetrocknet zu werden und zu kollabieren. Entsprechend wichtig wäre ein deutliches Signal aus Doha, zumal zuletzt verstärkt Zweifel an der Börsenrally laut wurden, die das erste OPEC-Russland-Treffen im Februar ausgelöst hatte.

Nebenbestimmungen zu Ukraine, Libyen und Jemen?

Moskau scheint sich diesen Gefallen gut bezahlen zu lassen. Nicht nur in Syrien, auch in der Ukraine entwickeln sich die Dinge in seinem Sinne: Zwei Monate nach dem Verlust seiner Parlamentsmehrheit trat am Sonntag - endlich - Premier- minister Jazenjuk, seines Zeichens der “Mann der Neocons bzw. der NATO” in Kiew, zurück. Sein Nachfolger wird Wladimir Groisman, der nicht nur als treuer Gefolgsmann von Präsident Poroschenko, sondern auch als vergleichsweise russland- freundlich gilt, was sich auch an seiner Wahl mit Stimmen der Opposition ablesen lässt. Gut zwei Jahre nach dem Maidan-Putsch dürfte sich damit die Lage an der russischen Südwest- flanke dank einer außenpolitisch neutraleren Regierung der “informellen nationalen Einheit” endlich wieder nachhaltig entspannen.

Fast nebensächlich wird da, dass es zeitgleich in zwei weiteren Konfliktstaaten der Region zu möglicherweise entscheidenden Veränderungen kommt: In Libyen hat die maßgeblich von der Türkei und Katar unterstützte islamistische Gegenregierung in Tripolis offenbar ihren Widerstand gegen die Einsetzung einer “Einheitsregierung” durch die westlichen Staaten aufgegeben; diese hat nach Medienberichten eine Woche nach ihrer Ankunft per Schiff aus Tunis am 5. April die Kontrolle über die Hauptstadt übernommen.

Im Jemen ist derweil am Montag um Mitternacht eine Waffenruhe in Kraft getreten, die trotz einzelner Berichten über beiderseitige Verletzungen bislang offenbar weitgehend eingehalten wurde. Am kommenden Montag sollen erneut Friedensgespräche in Kuweit beginnen, und in Anbetracht der aussichtslosen strategischen Lage von Riads Verbündeten im Syrienkrieg sowie des amerikanischen diplomatisch-militäri- schen Drucks besteht dieses Mal tatsächlich eine Chance, dass am Ende mehr als nur heiße Luft dabei herauskommt. Nach über einem Jahr massiver Bombardements auch auf Wohngebiete und zivile Infrastruktur wäre das dem Land und seinen BewohnerInnen wahrlich zu wünschen.

Böhmermann verzaubert das Land

In gewisser Weise absurd-amüsant ist angesichts dieser fundamentalen Verschiebungen des internationalen Machtgleichgewichts, dass gleichzeitig halb Deutschland über das “Schmähgedicht” - mensch könnte auch sagen: die geschickt inszenierte obszöne Beleidigung - eines Satirikers über den türkischen Präsidenten debattiert. Ablenkung, gewiss. Doch sollte nicht vergessen werden, dass die Ablenkung der wichtigste Teil eines jeden Zaubertricks ist, und komplizierte außenpoli- tische Drahtseilakte durchaus an Zauberkunststücke gemahnen. Vielleicht sollten wir von daher dankbar sein, dass es Künstler wie Böhmermann gibt, die die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln vermögen, während gleichzeitig diplomatische Kaninchen aus dem Hut gezogen werden - oder sogar Friedenstauben?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (48)

Magda 15.04.2016 | 21:39

Vielleicht sollten wir von daher dankbar sein, dass es Künstler wie Böhmermann gibt, die die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln vermögen, während gleichzeitig diplomatische Kaninchen aus dem Hut gezogen werden - oder sogar Friedenstauben?

Na, das ist ja wieder eine schöne "Schlußapotheke" (pardon: Apotheose)

Der Böhmermann ist nicht das Kaninchen, sondern die Ablenkung.

Ihr Optimismus verleitet dazu, ihn zu teilen. Es wickelt und regt sich alles irgendwie wieder ab. Aber, es geht halt immer erst, wenn am Ende so viele Menschen ihr Leben ließen oder ihren Alltag verloren und ihre Heimat.

Ja - ich bin auch immer fasziniert vom Welttheater Politik.

Aber, halt mit entsetzlichen Tragödien. Man muss auf Vernunft hoffen und - schlichtweg - auf gemeinsame Interessen.

Aussie42 16.04.2016 | 00:08

Schoene Analyse. Danke.

Die B-52 in Qatar sind in der Tat verwunderlich. Es geht dabei um die Saudis, d'accord. Doch ueberall in Westasien, wo die Saudis mitmischen, wuerden die "normalen" Flugzeuge ausreichen. Langstreckenbomber waeren ein overkill, vielleicht sogar disfunktional, weil die ja aus grossen Hoehen operieren.

Die Stationierung zeigt daher m.E. eine andere strategische Absicht.

Ich denke, die USA wollen die Ambitionen des jungschen Aussenminister der Sauds (dessen Namen ich mir nicht merken kann: al-asalam oder al sabir) in Afrika stoppen. In Mali oder Nigeria bspw. foerdern die Sauds ja auch islamistische Gruppen, die gern ihre Naehe zu IS proklamieren.

Um dort einzugreifen braucht man dicken Flieger.

Die Saudis wehren sich naemlich, trotz aller Eindaemmung, immer noch gegen die US-Dominanz. Das zeigt vor allem die Vereinbarung mit Aegypten, einerseits eine Bruecke uebers Rote mer zu bauen und andererseits, dass ihnen zwei strategisch nicht unwichtige Inseln im Roten Meer von den Aegyptern geschenkt wurden.

Diese ploetzliche Zusammenarbeit mit al Sisi, der vor kurzem noch die Saudi gestuetzte Muslim Brotherhood zerschlagen hat, ist eine strategische Veraenderung in Nordafrika. Das hat m.E. die USA dazu gebracht hat, sich in Lybien wieder einzumischen. Ob ausgerechnet die USA Lybien stabilisieren koennen, halte ich allerdings fuer unwahrscheinlich. Da haben die Sauds ja auch Geld&IS eingesetzt. Das koennte zur Revange fuer den Jemen werden. Zumal die Sauds in Lybien mit Stellvertretern Krieg fuehren, die USA aber "persoenlich" auftreten, mussten, wenn sie was erreichen wollten.

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den USA ist also noch lang nicht vorbei, zumal die Sauds auf Zeit spielen koennen.
Hillary als neue US-Praesidentin wuerde vermutlich wieder in Westasien rumstolpern wie frueher. Die anderen drei Praesidenten Bewerber sind aussenpolitische Simple.

Wenn Kerry die Westasien-Konflikte-Loesungen" nicht mehr "abschliessen" siehts dort duester aus.

Vielleicht wird Russland als "Ordnungsmacht' einsteigen, was ich aber nicht annehme. Konflikte vor der Haustuer Israel's provozieren in den USA innenpolitisch immer endlosen Streit.
Dann waeren die USA auch weiterhin paralysiert. Putin freut sich schon und spielt vermutlich nur so lange mit, wie Kerry noch Einfluss hat.

Diese Sorge hat m.E. auch die Nato und versucht daher die Russland-Nato-Beziehungen zu reaktivieren.

Selbst deutschen Medien ruecken langsam von der Putin-Phobie ab und berichteten vergleichsweise zurueckhalten, beinah freundlich, ueber Putins Plauderstunden mit seinen Buergern im russ. Fernsehen.

Ansonsten finde ich Ihre Definition dieser unsaeglichen B. Debatte amuesant.

smukster 16.04.2016 | 04:09

Ob Böhmermann noch eine andere Rolle spielt als die der Ablenkung, etwa um Ankara seine Grenzen aufzuzeigen...ich glaube eigentlich nicht.

Ja, es ist furchtbar, dass dennoch so viele Menschen sterben und verletzt werden müssen, bevor es sich wieder einrenkt. Andererseits kann ich nur immer wieder sagen, dass die Situation gemessen an den geopolitischen Verschiebungen im Hintergrund heute eigentlich noch erstaunlich friedlich ist. Und solange alle maßgeblichen Akteure bei einer Eskalation mehr zu verlieren als zu gewinnen haben, gehe ich davon aus dass das so bleibt. Nennen Sie es Optimismus, ich nenne es Rationalität: Wenn es tatsächlich einen "großen Knall" gäbe, würde dieser auf denjenigen zurückfallen, der ihn ausgelöst hat und diesen weltweit isolieren. Das kann sich niemand erlauben, und so geht der Übergang relativ kooperativ vonstatten.

smukster 16.04.2016 | 05:04

Gern geschehen, wobei mein Kernpunkt des Ölkompromisses ja angeblich schon wieder auf der Kippe steht. Abwarten, noch glaube ich den Gerüchten nicht - und außerdem hat Teheran selbst genug Interesse daran, dass Druck auf Riad ausgeübt wird. (Nebenbei, stimmen Sie meinem Eindruck zu, dass inzwischen der niedrige Ölpreis nicht mehr als positiv angesehen wird?)

Weder in Syrien noch in Afrika sehe ich ein Betätigungsfeld für die B-52, aber es geht eben m.E. um Strategie und keineswegs einen realen Einsatz. Die großen Vögel sind eine reine Machtdemonstration, genauso wie im Ostchinesischen Meer oder über Korea.

Inzwischen gehe ich auch davon aus, dass die Amerikaner sich aus Mittelost zurückziehen wollen; der/m neuen PräsidentIn würden dann Anfang 2017 vollendete Tatsachen übergeben. Dazu erscheint es ihnen am günstigsten, ein ungefähres Gleichgewicht herzustellen - womit sie automatisch in Gegensatz zu Riad geraten, das (teils gezwungenermaßen) bemüht ist sich auszubreiten.

Die Saudis versuchen seit 2011, sich als regionale Hegemonial- und Interventionsmacht zu positionieren, mit eher bescheidenem Erfolg. Ihre Namen sind insofern spannend als sich daraus teilweise ablesen lässt, zu welcher Linie sie gehören: Sehr spannend, da die Unterschiede zu versuchen zu verstehen, zwischen den Sudairis, der Faisal-Turki-Linie und "dem Rest", gerade auch im Rückblick der letzten Jahrzehnte.

Eine Brücke nach Ägypten? Das ist mir neu...von den Inseln hatte ich gehört, das schien mir eine Art Olivenzweig zu sein, zur Annäherung zwischen Moskau und Riad (hätte ich erwähnen können im Artikel). Al-Sisi hatte ja schon vor einer Weile faktisch auf die russische Seite gewechselt (vgl. Mistral-Deal;-), und dieses will sicherlich die Wogen glätten. Einen ernsthaften Einsatz in Libyen erwarte ich weiterhin nicht, immerhin ist in den USA Wahlkampf, und die Europäer haben bei Syrien gesehen, welche Folge Kriege in der Nachbarschaft haben können. Also Druck für ein Ende der Unterstützung der Islamisten und eine innerlibysche politische Lösung.

Russland wird sich sicher weiter diplomatisch engagieren, aber eher nicht als (militärische) Ordnungsmacht, dazu fehlen die Kräfte und der Wille. Aber mit geschickter Verhandlungstaktik ist eben auch nur ein Minimum an Militär nötig, das hat Moskau den Amerikanern in letzter Zeit schön vorgeführt. Europa ist dabei ohnehin mit im Boot, da seine Interessen mit denen Moskaus weitgehend deckungsgleich sind, insofern überrascht mich der mediale Schwenk kein Stück. Hinzu kommt sicherlich, dass selbst der größte Putinhasser kaum umhin kann, den russischen Erfolg in Syrien und dessen Bedeutung für den Friedensprozess anzuerkennen.

Längerfristig gehe ich eigentlich davon aus, dass China die Stabilisierung der Golfregion übernimmt, aber das wohl erst nachdem die USA abgezogen sind und chinesische Sicherheitsgarantien für die Region keinen Konflikt mit Washington mehr auslösen.

Böhmermann...ich verstehe ehrlich gesagt die ganze Aufregung nicht; es erscheint mir dermaßen offensichtlich, dass er "nur" durch deren bewusste Überschreitung die Grenzen der Satire demonstrieren wollte.

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Ehemaliger Nutzer 16.04.2016 | 05:31

spu hat sich da auf FOX bezogen, hab ich nicht nachrecherchiert, wird aber nicht viel was Anderes stehen. das dürfte sich vor allem auf die Navy beziehen, die das global business zu betreiben pflegt. Und da war es auch schon um Sy so, daß Flugzeugträger abgezogen wurden, auch aus dem Persischen Golf und als ein Grund überfällige Wartungsarbeiten genannt wurden. Wo sind eigentlich die Flugzeugträger, da gibt's doch so schöne Karten von Stratfor...

Ja, meine Vermutung, daß man den atomgetriebenen Flugzeugträgern die Nähe von Chibiny ersparen möchte, mag freilich auch eine Rolle spielen.

Harry Truman ärgert jedenfalls den Iran

Aussie42 16.04.2016 | 08:08

Beim Oelpreis geht's wohl derzeit vor allem darum die US-Fracking Industrie zu kippen. Da die durch Risiko-Kapital der Hedge-Fonds finanziert wird, muessen die bald die Notbremse ziehen. Bisher wurde die Produktion nur reduziert. Demnaechst wird dieses Investment wohl abgeschrieben. Das warten auf den hoeheren Oelpreis dauert schon zu lange. Und um davon zu profitieren, brauch die Heckenschuetzen die Fracking-Industrie nicht mehr. Das funktioniert jetzt eleganter mit Investionen in Iran.

Fuer die B52 sehe ich doch eine praktische Verwendung. Heute werden die ja hauptsaechlich fuer den Einsatz von cruse missiles verwendet. Das US-Afrika Kommando hat kaum Basen vor Ort. Die Kuesten sind weit weg. Um IS in Mali, Niger etc. koennten B52 evtl. auch als Platform fuer einen Drohneneinsatz genutzt werden. Teuer, aber geht.

Nur, ob solche Einsaetze des US-Militaers noch lange innenpolitisch "erwuenscht" sind, bezweifle ich. Guty moeglich, dass die alten kisten Sang und klanglos wieder nach Guam verschwinden um dort vergessen zu werden.

Machtdemonstration sind die B52er ja immer gewesen.

Die Bruecke wurde auch beim beim Besuch von Sisi in Riad vereinbart.
Innenpolitisch haben nur die beiden Felsen des Vaterlandes aufgeregt. Wie das so

Was in Lybien kurzfristig oder langfristig passieren wird: keine Ahnung. Der Westen ist jedenfalls raus aus diesem "Spiel".

Ja Russland hat in Westasien diplomatisch, militaerisch und mit den Medien hervorragend agiert. Der Lawrov ist "schon ein Hund', wie der Bayer sagen wuerde.

Nur mal als Ergaenzung:

Ob Europa die schnelle Kurve hinkriegt kriegt und die Annaeherung an Russland bis zum Herbst noch schafft ist m.E. offen. Dazu muessten Nato und EU in Osteuropa schon deutliche Angebote machen. Vielleicht keine Neutralitaet, aber doch ne atomwaffenfreie oder entmilitarisierte Zone.

Aber vermutlich sind die westlichen Buendnisse in Europa schon vorher weitgehend am Ende, weil die USA und UK nicht mehr mitspielen.

Ende der Ergaenzung.

Ihre China-These ist mir immer noch etwas suspekt. Ausser Handelsbeziehungen hat China in Westasien keine Interessen. Son Engagement waere auch ziemlich teuer und politisch riskant fuer Xi. Zudem haben die Chinesen in der Gegend keine politisch-militaerischen Erfahrungen.

Interessanter sind die Panama-Papers. Das war offensichtlich ein flop der CIA, der als Angriff auf Putin und Xi gedacht war und jetzt Cameron getroffen hat. Kuenstlerpech :)
Stratfor hat ne Weltkarte abgedruckt, mit den "gemeinten" und die "nicht-gemeinten" Staaten.

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Ehemaliger Nutzer 16.04.2016 | 10:00

Mit Stratfor- Karte haben Sie mir das Sichwort gegeben

B-52 wg. Afrika? die CMs haben ja allein eine Reichweite von 3000Km, war da nicht noch Diego Garcia? von da kommen die B52 vermutlich auch. Vielleich geht's doch darum zu zeigen, wo der Hammer hängt, aber vielleicht überbewerten wir das ganze auch. B52, der Teppichbomber!

China baut Infrastruktur weltweit, um die Rohstoffe ranzukriegen und die Waren an den Mann zu bringen, für die Partner in der Regel ein Segen und das westliche Ende der Seidenstraße ist so ungefähr die Gegend von Tr bis Saudi, hier auch noch eine schöne Karte eines interessanten Mediums, die ahnen läßt, daß die Seidenstrasse vielleicht auch ein Element des Erdo- Wahn's ist.

Die Donald Cook, die wir noch von der Krim kennen kreuzt in der Ostsee, beklagt sich über Ru Flieger und, und das ist neu: China sagt dazu, die Amis sollen sich doch mal nicht so künstlich aufregen und man kann's auf D lesen !

Und mit dem Fracking? das ist längst nicht am Ende, jetzt schlucken die Großen die Kleinen, stark zurückgegangen ist die Zahl der Quellen, aber zugleich ist die Fördermenge pro Quelle stark gestiegen und, wie andernorts gezeigt, ist vermutlich das meiste Öl nicht in Blasen, sondern frackbar.

Aussie42 16.04.2016 | 14:02

OK. Um die Entwicklungen beim Fracking habe ich mich lange nicht mehr intensiv gekuemmert. Da haben Sie wohl die besseren Infos.

B52

Je laenger die Flugdauer einer Waffe, umso weniger praezise. Darum muessen Drohnen und cruse missile moeglichst nahe an den Zielen starten. Die Russen haben ihre CM Angriffe ueber laengere Distanzen auf syrische Ziele schnell eingestellt. Zu ungenau.
Die B52 ist eben ne gute Platform, weil sie grosse Nutzlasten tragen kann. Heute elektronische Einrichtungen+CMs. Darum sind die Dinger noch im Einsatz.

Die militaerische "Expansion" Chinas ist m.E. eine Des-Information der USA. Das entspricht nicht der chinesischen "Tradition". Vor der Haustuer muss Ordnung herrschen und kein Zerfasern der "Raender". Weltweite Ambitionen hat China noch nie gehabt. Oekonomische Interessen sollte man nicht mit militaerischen verwechseln. Nur weil die Amis das permanent vermengen (und dabei ewig auf die Schnauze fallen) muss man das anderen Grossmaechten nicht auch unterstellen.

Das Getoese um den Ami-Kreuzer in der Ostsee ist m.E. unbedeutend. Der soll ja nur die hibbeligen Balten beruhigen. So wie die 100 gepanzerten Fahrzeuge der US-Panzer-Brigade in Polen und Ungarn. Alles nur noch show. Und die Chinesen aeussern sich dazu ziemlich nichtssagend.

smukster 17.04.2016 | 01:45

Laut den Kriegsspielen der US-Strategen hätte ihre Marine im Persischen Golf im Kriegsfall etwa 24 Std. zu leben...Flugzeugträger können nur noch drittklassige Gegner wirklich beeindrucken. Dennoch könnte ihr Abzug bereits ein Zeichen Richtung Riad gewesen sein, dass es *keine* bedingungslose Unterstützung mehr gibt.

Das mit den Anleihen hatte ich gelesen. Wird nicht passieren bzw. nicht mehr als bisher, dafür sorgt schon Obama - aber Riad wird dafür einen Preis bezahlen müssen. Und allein dass sie sich genötigt fühlen, etwas strategisch derart Offensichtliches offen auszusprechen, offenbart ihre enorme Schwäche und/ oder Verunsicherung.

Abwarten was morgen passiert. Derzeit sind alles Nebelkerzen ohne viel Substanz, es darf ja nicht zu deutlich nach einem Nachgeben aussehen...und an ihren Ölpreisen sollt Ihr sie erkennen.

smukster 17.04.2016 | 02:26

Fracking...die Hedge-Fonds sind nicht das Problem, sondern die Banken, die nervös werden und die Kreditlinien kürzen wollen, wovon die Fed sie abhält wg möglicher Kettenreaktion. Beim Ölpreis geht es m.E. nicht ums Fracking, sondern um viel mehr - wir erinnern uns, dass der Preissturz begann als klar wurde, dass Ru und Ch ihre Rohstoffgeschäfte künftig in RMB abwickeln. Den Krisenübertragungsriemen Ölpreis - Fracker - Bankkredite - Finanzmärkte gibt es zwar auch, aber der ist vergleichsweise unbedeutend.

Haben die USA nicht in den letzten Jahren eine ganze Menge kleinerer (Drohnen-)Basen in der Sahelzone aufgebaut, so einen richtigen west-ost-Gürtel? Das schien doch "Sinn und Zweck" der dortigen Islamisten zu sein...Libyen, ich denke nicht dass der Westen "raus aus dem Spiel" ist, aber er wird stark auf lokale Verbündete setzen. Unklar ist mir, wie jetzt Russland, Ägypten und die Tobruk-Regierung (von der mensch immer weniger hört, scheint mir) reagieren werden, schließen sie sich an? Ru hat m.W. dort keine dringenden Interessen, die EU schon.

Wieso "bis zum Herbst"? Das Spiel geht jetzt schon zehn Jahre, komt es da auf ein Jahr mehr oder weniger an? Hinter den Kulissen werden die schon wissen, wie sie zueinander stehen, und langsam entspannt es sich auch öffentlich wieder - gut Ding...zur NATO hatte ich vor ner Weile mal einen Artikel geschrieben im Blog.

China - vielleicht haben Sie mich missverstanden, ich dachte keineswegs an "militärisch", sondern diplomatisch und ökonomisch. Sicherheitsgarantien brauchen keine größeren Militärbasen, wenn sie gut eingefädelt sind und Spannungen systematisch ausgeglichen werden. Zu den ökonomischen Interessen kommt das Problem des Islamismus: Beijing weiß genau wie wir, dass dieses an der Wurzel angegangen werden muss, damit es nicht ständig wieder hochkocht.

Panama Papers, zwar glaube ich nicht wirklich an das "ehrenwerte, aufklärerische" Whistleblowing, aber interessanterweise ist mir ziemlich unklar, von wem gegen wen sich das richtete. Panama war offenbar eines der Länder, die nicht recht mit der US-Finanzaufsicht kooperieren wollten, und jetzt könnten US-Steuerparadiese attraktiver werden. $$$ coming home to roost - was längerfristig nicht unbedingt positiv für die USA ist. Aktuell wird wohl ein neues Gesetz gegen Steuerflucht beschlossen, das sicherlich schon länger in Vorbereitung war...

Putin und Xi dienen da nur der Skandalisierung des Themas, dass sie damit zu treffen sein könnten dürfte niemand ernsthaft geglaubt haben.

Ganz anderes Thema, Kolumbiens Präsident schlägt den UN einen fundamentalen Wandel in der Drogenpolitik vor. Das dürfte ziemlich einschlagen und die globale Machtbalance verändern.

Aussie42 17.04.2016 | 12:09

Derzeit gibt es sehr viel politische "Bewegung" weltweit, die kaum einzuschaetzen ist. Klare Richtungen vermag ich derzeit nicht zu erkennen. Mittelfristig ist wohl lediglich der militaerische Rueckzug der USA eindeutig. Vielleicht sind alles andere nur Reaktionen auf diesen "tektonischen" Prozess.

Hinzu kommt, dass niemand vorhersehen kann, welche Kraefte die Politik der USA in den kommenden Jahr bestimmen werden. Eine laengere Zeit diplomatischer "Bauchnabelschau" mit wenig Aussenpolitik ist moeglich.
Auch die weltweite oekonomische und kulturelle Dominanz der USA ist nicht "gottgegeben". Wir kennen es seit fast einem Jahrhundert nicht anders. Aber das heisst ja nichts.

Ich bin immer wieder versucht, trotz dieser offenen Situation Prognosen zu versuchen. Man kann aber keinen Pudding an die Wand nageln.

smukster 17.04.2016 | 15:00

Das Interessante ist, dass Obama keineswegs lame duck ist, sondern ganz im Gegenteil erst seit einem Jahr echte Aktivität entfaltet, ob außen- oder innenpolitisch: Ich bin inzwischen geneigt zu glauben, dass die Panama Papers vor allem der Einführung strengerer Steuergesetze in den USA dienen - wer kann sich da jetzt noch widersetzen? Alles Andere wären dann Kollateralschäden bzw. -nutzen. Durch Scalias Tod ist der SCOTUS gelähmt, also gibt es jetzt einen Machtzuwachs der Exekutive.

15 Dollar Mindestlohn, das Ende der tax inversion-Übernahmen, Liberalisierung der Drogenpolitik (das nächste große internationale Thema?)...die USA verändern sich derzeit viel schneller als Europa, was wir hier nicht recht wahrhaben können oder wollen, weil doch "bekanntlich von dort nur Schlechtes" kommt, wie sich hier Viele gerne einreden. Aber selbst das politische Washington ist viel flexibler als wir glauben, und reagiert wenn nötig viel schneller auf veränderte Bedingungen als Europas Politik.

Ursache ist sicherlich das Ende der US-Vorherrschaft auf der Welt, das 2014 mit den russisch-chinesischen Gaslieferverträgen besiegelt wurde: Die USA müssen sich aktuell ein neues "Geschäftsmodell" suchen, was mit einem militärischen Rückzug einhergeht. Der Rest der Welt scheint geneigt, ihnen einen möglichst schonenden, allmählichen Übergang zu ermöglichen - und das ist auch gut so. Hedge accordingly, würden jetzt Manche sagen.

smukster 17.04.2016 | 15:05

Ergänzung:

Die Tendenz geht derweil klar zu einer Ausbreitung autoritärer Strukturen, siehe Afrika, Südostasien. Das bringt Stabilität und vermutlich wirtschaftliche Entwicklung, aber ob es für die Menschen mittelfristig gut oder schlecht ist...wer weiß?

Die ökonomische Dominanz ist bereits Geschichte; US-Investitionen gehen global zurück, chinesische nehmen rasch zu. Tatsächlich hat China die USA wirtschaftlich schon vor ein paar Jahren überholt, nur der überbewertete US$ verfälscht noch die Statistik. Bretton Woods II, wir kommen...

smukster 17.04.2016 | 23:07

Diesmal scheine ich wirklich zu optimistisch gewesen zu sein. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert (was ist jetzt mit Dilma...ich dachte sie wäre ev. Teil des Kuhhandels?), könnte die kommende Woche sehr turbulent werden. Die dargestellten Zusammenhänge dürften schon stimmen, insbes. dass die USA dringend einen Ölpreisanstieg brauchen und dazu Druck auf die Ölstaaten ausüben, aber es hat offenbar nicht gereicht. Kommt es jetzt zum Knall zwischen Washington und Riad - oder verhindern das andere Akteure? Immerhin gibt es bei alldem ja einen lachenden Dritten...bzw. Vierten, und der findet niedrige Ölpreise aus mehreren Gründen (die eigenen Importe sind der geringste) ganz prima.

Ev. ist Beijing auch schon zum Frontalangriff übergegangen. Beim IWF-Treffen war davon aber m.W. nichts zu vernehmen.

Aussie42 18.04.2016 | 03:24

Kommt es jetzt zum Knall zwischen Washington und Riad -

Das scheint so. Wie Al Sabir hat den Amis noch nie jemand gedroht. 750.000 Millionen Guthaben in den USA schnell aufloesen! Soviel kann nicht mal Frau Yellen herzaubern.

Die Saudis haben u.a. viele teure Immobilien, Konten bei allen Grossbanken und Aktien. Wir das Geld abgezogen und die assets ueberschwemmen ploetzlich die Maerkte, war's das erstmal mit der US-Oekonomie. (Mit ca. 750 Milliarden $, wurden die Banken 2008 "befreit".)

Fuer die Saudis gehtres um sehr viel. Das "Gesicht", die Ehre der herrschenden Kaste steht auf dem Spiel. Die wird von Bedouinen um jeden Preis verteidigt. Selbst wenns den eigenen Untergang bedeutet.

Die dummen Kongress-Abgeordneten der USA werden das nicht wissen, und noch immer davon ausgehen: Uns kann keener!

Andererseits, die Drohung koennte jetzt auch das "Aus" fuer Al Jabir bedeuten. Seit seinem Jemen-Flop scheint er mir "angezaehlt".

Aussie42 18.04.2016 | 03:31

Die USA müssen sich aktuell ein neues "Geschäftsmodell" suchen, was mit einem militärischen Rückzug einhergeht.

Das neue Geschaeftsmodell muesste den Neo-Con abloesen. Sowas sehe ich nirgends. Andererseits ist die Expansion der Neo-Cons kurz vor dem Ende.

Einen allmaehlichen Uebergang werden die USA nicht managen koennen, egal was der Rest der Welt moechte. Die US-Oekonomie wird an sich selbst scheitern.

Gut vielleicht ist das Wunschdenken.

Aussie42 18.04.2016 | 03:44

Flugzeugtraeger haben heute den gleichen militaerischen Wert wie Segelschiffe. Nur noch fuer die Windjammer-Parade geeignet und das auffischen von Apollo-Kapseln. Aber die gibt's heute auch nicht mehr.

In der Waffenindustrie bauen sie heute Drohnen. 4000 gehen jedes Jahr verloren. Stueckpreis 10 Mio. Und die alten Versionen muessen ersetzt werden. Da haben die Jungs genug zu arbeiten. So ist es ja nicht.

smukster 18.04.2016 | 16:18

Vor allem wär's das dann mit dem Haus al-Saud gewesen. Auch die aktuelle Auseinandersetzung würde ich etwas anders sehen: Interessant ist nicht die Drohung mit dem Verkauf (das sollte sowieso klar sein, genauso bei China oder, eingeschränkt, bei Russland), sondern dass diese jetzt in der NYT veröffentlicht wurde. DAS ist der wahre Eskalationsschritt, denn er ruft in der US-Öffentlichkeit Empörung über Riad hervor und zwingt zu entschlossenen Gegenreaktionen. Was hinter verschlossenen Türen besprochen wird kann schnell wieder begraben werden, aber was auf der NYT-Titelseite steht ist weltweites Thema und bindet die Politik. Dass Riad sich nicht auf eine Einigung mit Moskau, auch ohne Teheran, eingelassen hat, könnte sich sehr bald als fataler Fehler erweisen - wenn es nicht noch korrigiert wird. Kann sein, dass es aufgrund der Beduinenehre nicht möglich war, hinter einmal gemachte Aussagen ("Nur mit Iran") zurückzufallen - aber so unflexibel kann echte Machtpolitik eigentlich nicht sein.

Neues Geschäftsmodell, ich glaube auch Sie unterschätzen die USA. Der wirtschaftlich-gesellschaftliche Umbau in Kalifornien oder Colorado steht dem in Europa in nichts nach, eher im Gegenteil. Es gibt eine ganze Menge Anzeichen für ein außen- und wirtschaftspolitisches Umdenken, und es braucht nur eine handvoll Parameter die sich ändern, um die USA zum boomenden neuen Investitionsstandort für das internationale Kapital zu machen. Pragmatismus können die besser als wir.

smukster 19.04.2016 | 03:20

Stichworte Erneuerbare, Biotech, Internet - aber auch 15$ Mindestlohn, Ende der tax inversions, Kampf gegen Steuerflucht, Debatte über Wahlkampffinanzierung. Die bringen es fertig, sich am eigenen Schopf rauszuziehen - und wir bleiben unflexibel stehen und schimpfen auf die "dummen Amis", die uns alles Schlechte der Welt eingebrockt haben.

D geht zunehmend seinen eigenen Weg, und die hiesige Elite weiß vermutlich nicht recht, was sie von den Veränderungen halten soll und hält lieber den "bewährten" Kurs. Prinzipientreue können wir schließlich gut, egal wie sch... die Prinzipien auch sein mögen - wenn wir einmal einen Weg eingeschlagen haben, gehen wir ihn bis zum bitteren Ende! Oder: Deutsch sein bedeutet, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun.

Die Drohnenzahlen werd ich also nicht zitieren ohne vorherige Prüfung - übrigens war gerade eine interessante/ beunruhigende Meldung über den geplanten(?) Einsatz von Unterwasserdrohnen im Südchinesischen Meer.

Was ganz Anderes: Am Wochenende war IWF-Frühjahrstagung, in deren Windschatten China bzw. die BRICS große Schritte zur Vervollständigung ihres Finanzsystems gemacht haben. Auch da lässt sich durchaus ein Zusammenhang mit der nicht-Drosselung von Doha erkennen, wenn mensch mal davon ausgeht, dass Öl nicht ewig...

Aussie42 19.04.2016 | 04:51

Na, mal sehen wie's mit der US-Oekonomie weitergeht.

Von Unterwasser Drohnen hatte ich noch nicht gehoert. Aber nur konsequent.

Tja und die BRICS scheinen mir in Schwierigkeiten. Brasilien erlebt gerade eine hefmitige Erschuetterung, die auch zu einem Kurswechsel fuehren koennte. Suedafrika ist derzeit auch instabil. Da weiss wohl niemand was das bedeutet. Und Indien habe ich (auf Grund eigener Erfahrungen) immer schon fuer einen Wackelkandidaten gehalten. Bleiben Russland und China, die wohl inzwischen sehr gut zusammen arbeiten. Die Russen haben die Commodities, China den Binnenmarkt. Die passen gut zusammen. Und stehen gemeinsam gegen die USA.

Da werden sich die Europaer positionieren muessen.

Doha zeigt m.E. auch die Angst der aristokratischen Gottesstaaten von den Amis zu Gunsten des Iran verlassen zu werden.

smukster 19.04.2016 | 18:20

Wenn sie davor Angst haben, sollten sie sich vielleicht etwas kooperativer zeigen...wobei: Der Ölpreis steigt heute deutlich, die Börsen explodieren fast. Ich frage mich, ob "Doha gescheitert" die ganze Wahrheit ist.

Schwärme von kleinen Unterwasserdrohnen gelten als die anti-U-Boot-Waffe der Zukunft. Vor allem weil es keine andere gibt.

Brasilien und Südafrika sind gerade als schwächste BRICS-Glieder unter Beschuss, um den aktuellen Übergang zu sabotieren. Argentinien ist bereits in den westlichen "Hafen" zurückgekehrt, aber wenn Brasilien folgen sollte, wäre das ein tatsächlich nennenswerter Rückschlag - der jedoch letztlich wenig ändern würde. Ich schreib nachher im Blog was.

Und Europa darf sich m.E. keinesfalls positionieren, sondern muss unbedingt bei seiner ambivalenten sowohl-als-auch-Position bleiben, sonst könnte es extrem unschön werden. Wenn die EU nicht (mehr) das Bindeglied zwischen West und Ost ist, wer ist es dann?

Aussie42 20.04.2016 | 00:15

Ja, der "Doha"- Flop scheint mir auch verdaechtig. Das war vermutlich ein mediales Zugestaendnis ans Saudi-Image (Bedouinen-Ehre).
Real ist wohl die urspruengliche Regelung, Deckelung auf die Januar-Produktion vereinbart worden, mit dem Zugestaendnis an Iran, dass die ihre Foerdermenge bis zum Stand vor dem Embargo ausweiten koennen.

So werden alle Interessen "bedient".
(Jetzt habe ich auch die Namen geklaert. bin Salman ist der Vizekoening und Verteidigungsminister und al Sabir (oder Sabier) der Aussenminister. Wer von den beiden langfristig "ueberlebt" ist m.E. offen.)

Diese Unterwasserdrohnen hiessen frueher wohl ferngelenkte Torpedos. Die haben einen neuen Namen und "koennen" vermutlich auch mehr. Naja. Dieser Wettlauf endet vermutlich wieder unentschieden, wie alle diese U-Boot Programme. Nuetzt nur den Herstellern.

Und Bei BRICS sind eben nur RC wirklich wichtig. Zu I gibts unterschiedliche Einschaetzungen.

Die EU als Ganzes wird m.E. nicht "ueberleben", sondern in die alte Aufspaltung zwischen Ost und West zerfallen. Dabei koennten die ehemals "neutralen" Staaten Oesterreich und Finnland sich den "Ost" Staaten zuordnen. Westeuropa koennten sich je nach Situation entscheiden. Profitable Schaukelpolitik.

smukster 20.04.2016 | 02:07

Abwarten, es scheint mir wirklich zu früh, da gültige Schlüsse zu ziehen. Manchmal geht es erst ein paar Tage in die eine Richtung, um die naheliegenden Markterwartungen zu enttäuschen und dumme Anleger auszubluten, und dann setzt sich der wirkliche Trend durch. In einer Woche lässt sich mehr sagen.

Wenn Sie mich fragen, werden weder Mohammed bin Salman noch ... al-Jubeir (sorry, nicht Sabir;-) politisch überleben, sondern nach Salmans Tod/ Beseitigung eine andere Linie des Hauses das Ruder übernehmen.

Bin kein Waffenexperte...soweit ich das verstanden habe, geht es ausschließlich um Aufklärung, also ein engmaschiges Netz von Unterwasserradar, um damit Waffen von anderswo zu lenken. Eine "unbesiegbare" Waffe kann es halt nicht dauerhaft geben...

Ob die EU zerfallen wird dürfte davon abhängen, wie klug und weitsichtig sich die großen Staaten verhalten. Wenn sie selber zurückstecken und damit den osteuropäischen Ländern echte Vorteile der Mitgliedschaft bieten, könnte sie m.E. durchaus Bestand haben.

Worüber wird derweil down under diskutiert? Außer Wombats jetzt?

Aussie42 20.04.2016 | 03:00


(Sie sitzen offensichtlich noch nachts um drei am Coempi. Oder sind Sie auch wo anders?)

Also warten wir mal ab, was aus Doha wir.

Was in Saudi A in Zukunft passiert ist m.E. offen.
Zu den Namen. Sind ja arabische. Und da gibt's keine Vokale und jedes Wort besteht aus drei Konsonanten (Wurzel).
Gesprochen werden die Vokale natuerlich, je nach Kontext. (Nur der Koran ist durchvokalisiert, was dazu fuehrt, dass es dort Worte gibt, die man sprechen kann und niemand kennt deren Bedeutung. Wie das so in Religionen).
Der Jabir kann also auch in Umschrift Jabeir geschrieben werden, wenn er in Riad so oder aehnlich ausgesprochen wird. (Meine Arabisch-Lehrerin aus Damaskus haette das aber kritisiert. Das Damaszener Arabisch ist sowie das beste, meinte sie damals.) "Eigentlich" ist er geschrieben nur "jbr". Ich hab mein arab. Woerterbuch nicht hier. Meine arabisch lessons sind lange her. Fast alles vergessen, nur son paar Details sind noch im Hirn...;). "Eigentlich" haette ich jetzt wieder Zeit zum polieren....

Unterwasser gibt's doch (immer noch?) ein Sonarsytem, das u.a. die Wale irritiert aber jedes bewegliche Objekt praezise ortet. Darum koennen sich die Boote unter der Arktis "ablegen" und so gut "verstecken. Da liegen sie dann alle "zusammen". Ziemlicher Schwachsinn diese Atom-Taucher. Und gefaehrlich. Aus den Operationstiefen koennen die Besatzungen kaum gerettet werden, wie das russische Beispiel vor ca. 20 Jahren gezeigt hat.

Ueber die EU sag ich nichts mehr.

smukster 21.04.2016 | 03:20

Dann können Sie mehr Arabisch als ich...mir gefiel aber dieses "insh'allah" immer schon sehr gut. Aber es scheint doch Jabir und nicht Sabir zu sein.Und Sonar gibts, klar, hat aber nur begrenzte Reichweite...dass dieses ganze Rüstungszeug Schwachsinn ist sollte ohnehin klar sein, der einzige Effekt ist dass die Gegenseite nachziehen muss und schon sind Alle genauso schlau wie vorher. Und hoffen dass es nie ernsthaft gebraucht wird. Die wirkliche Kriegsführung ist heute ohnehin eher psychologisch: Wer als "stark und im Recht" wahrgenommen wird, hat von vornherein gewonnen.

Immerhin gabs heute gute Nachrichten: Das Jukos-Urteil wurde aufgehoben, und der NATO-Russland-Rat hat sich getroffen. Geht doch - jetzt müssen wir nur noch langsam die nächste Eurokrise vorbereiten, die aber keineswegs vor dem Referendum offen ausbrechen darf...

Aussie42 21.04.2016 | 05:04

Sorry, hab ein bisschen mit steinalten Infos angegeben.

Ueber die polititsche Nutzlosigkeit von Ruestung"guetern" haben wir wohl keine Differenz. Apropos zu B52, ueber die wir neulich mal schrieben. Da gibt's heute was.

Die Dinger in Syrien einzusetzen ist zwar ein overkill. Aber die alten Kisten sind natuerlich billiger als B1 die jetzt nach Hause segeln koennen.

Die Saudis wuerden derzeit wohl gern den Waffenstillstand in Syrien kippen. Mal sehen, ob der Obama dem Salman klar machen kann, dass dessen Sohnemann (is er doch? als bin S,) so ganz in Ordnung ist. In Doha haette er doch ne prima Loesung gefunden. Ein ruff mit Mappe. Aber in Syrien moege er doch bitte keinen neuen Aerger machen. Dafuer koennte der liebe Junge ja auch wieder ein paar Satellitenbildchen zu Jemen kriegen. Ob das nicht ein deal waere...usw. So laeuft das doch bei Staatsbesuchen, oder?

Bis zur naechsten Eurokrise muss bis Ende Juni gewartet werden. Sehe ich auch so. Das nutzt der Knabe in Athen mal wieder clever aus, um seinen Schuldenschnitt ueber die Buehne zu kriegen. Dieses Schlitzohr ist mir sympathisch.

Der Nato-Russland Rat ist tatsaechlich maximal gut gelaufen. Mal sehen, wie das weitergeht. Die Ukraine backt jedenfalls wieder kleinere Broetchen. Gut, dass dieser Jazenjuk weg ist. Ich habe nie verstanden, wer den in der Tasche hatte. US-Intelligence dachte ich lange. Vielleicht wars auch die Ruestungsindustrie, evtl. auf beiden Seiten. Ist jetzt auch nicht mehr wichtig.

smukster 26.04.2016 | 18:45

Eieiei...hatte die Antwort irgendwie geklickt und dann doch übersehen, tut mir Leid. War wohl in Gedanken schon bei der Fortsetzung (sollte eigentlich nur ein kurzes Update werden), und hab auch endlich den versprochenen Finanz-Artikel reingestellt.

Saudis, Moment...Doha ist doch aus US-Sicht maximal besch...eiden gelaufen, oder? Ich habe den Eindruck, Mohammed bin Salman (ja, der Sohn) tanzt schon längst nach anderer Leute Pfeife. Ohne die er auch keinen Umbau seines Landes für die Zeit nach dem Öl hinkriegen wird. Insofern jein, es gibt sicher Kräfte die in Syrien wieder eskalieren wollen (was lediglich Russland Stellung dort festigen würde imo) (oder es ist al-Nusras Eigenleben, auch gut möglich), aber da dürfte die größere Königreichsraison dagegenstehen. Das Problem ist jetzt, ein zusammenhängendes Kurdengebiet in Nordsyrien und -irak zu verhindern, damit diese nicht zu einem zu großen Macht- bzw. Störfaktor (inkl. US-Stützpunkte) werden.

Ja, es sieht nach einer Absprache zwischen Athen und IWF aus: Kurz vor dem Referendum der Engländer kann Berlin eigentlich keine erneute offene Eskalation riskieren...allerdings dürfte auch Schäuble noch Trümpfe im Ärmel haben und ist nicht der schlechteste Pokerspieler, und ein Stück weit wurde ja auch schon durch das "Leak" des IWF-internen Gesprächs ("Bankrott an die Wand malen, um Schuldenschnitt zu erreichen") vorgesorgt...
Was ist genau bei NATO-Ru rumgekommen? Hatte es nur als "hat stattgefunden" verbucht. Und Jazenjuk schien mir immer ein "Angestellter" des Pentagon...oder doch des state department? Egal, es kann nur besser werden; als nächstes wird wohl diese Pilotin irgendwann ausgetauscht, und irgendwann wirds auch Wahlen im Donbas geben.

Aussie42 27.04.2016 | 00:48

So schnell geht's derzeit, dass mein alter Kommentar schon ziemlich ver-altet ist.

Habe eben Ihren Finanzartikel gelesen. Klingt ueberzeugender als viele andere Beitraege. Dennoch sind in diesem "Feld" noch mehr Interpretationen und "Annahmen" erforderlich als etwa im Bereich Ruestung.

Da ist beispielsweise die Vergabe des australischen U-Boot Auftrages an Frankreich sehr interessant. Die Japaner, die die USA gepusht haben, hatten ein technisch miserables Angebot. Die Deutschen waren billiger, haetten aber ein neues Boot, dass fuer den Pazifik taugt, bauen muessen. Die Franzosen haben ihr Nukleares U-Boot-Modell angeboten, dass mit einem konventionellen Antrieb um-geruestet wurde.

The Shortfin Barracuda is a 4,500-tonne conventionally powered submarine. It is closely related to the nuclear-powered Barracuda which weighs 4,700 tonnes.

So was kann man auch wieder "zurueck-ruesten"... Bis 2026 kann sich noch vieles aendern.

Wie das mit dem Brexit wird, scheint mir unklar. Jedenfalls wird internatioal dagegen mobilisiert. Wie das auf Wahlentscheidungen in UK wirkt, ist offen.

Vom Brexit scheint viel abzuhaengen. Da gibt's viel Propaganda. Waere wohl nur das endgueltige "aus" fuer Camaron. Oekonomische hat's vermutlich kaum Auswirkungen. (Das waere ja noch schoener, wenn die Finanzmaerkte sich von einem Volksentscheid aengstigen wuerden...)

Offiziell ist bei Nato-Ru Rat nix rausgekommen. Was im Hintergrund vereinbart wurde, wird man wohl erst in einigen Wochen oder Monaten sehen koennen. Vermutlich langsame Entspannung und zunehmende Kooperation.

In S-Arabien ist m.E. auffaellig, dass gegenwaertig der Verteidigungsminister und Vize-Koenig al Salman das grosse internationale Wort fuehrt und der Aussenminister al Sabeir eher still ist. Koennte ein Machtkampf zwischen diesen beiden jungen Leuten bzw. der clans sein. Unklar.

Die Rebellen-Klientel der Saudis ist derzeit auch erstaunlich ruhig. Bei den Verhandlungen muessen sie jedenfalls permanent Zugestaendnisse machen.

Ukraine scheint entschieden zu sein. Die Ru Position hat sich m.E. durchgesetzt. Die Ultras stehen auf verlorenem Posten.

smukster 28.04.2016 | 00:15

Danke. Es dürfte noch geopolitisch turbulent werden dieses Jahr: Im Herbst stehen kurz hintereinander G20-Gipfel in China, UN-Generalversammlung mit Wahl eines neuen Generalsekretärs (mein Traumkandidat wäre ja Lula, aber...), dann die Aufnahme des RMB und IWF-Tagung an. Danach werden wir schlauer sein.

Die U-Boote...meine Vermutung wäre ja, dass bei einem derart wichtigen Rüstungsauftrag die technischen Aspekte nur eine untergeordnete Rolle spielen. Frankreich kommt von den Anbietern der "Blockfreiheit" noch am nächsten, d.h. es kann niemand ernste Bedenken dagegen haben. Und es ist etwas weniger zu befürchten, dass ein "kill switch" eingebaut wird...oder?

Über den Brexit werd ich irgendwann vielleicht nochmal ewas schreiben. Bin gespannt ob es zum "chicken game" wird...wobei imo eigentlich klar ist, dass GB und USA dabei mehr zu verlieren hätten als D und F, sowohl politisch wie ökonomisch (ich denke schon, dass das Auswirkungen hätte, zumal viele Banken dann zumindest teilweise umziehen müssten).

Wenn ich es richtig sehe, ist der Außenminister der "Mann Washingtons" bzw. der Neocons in Riad (er begann seine Karriere als Assistent von Bandar Bush), insofern verwundert es nicht, dass er immer weniger zu melden hat. Es wäre ohnehin ein ungleicher Machtkampf, da MbS Sohn des Königs ist und al-Jubeir noch nicht einmal Teil der Familie. Wenn Sie mich fragen, spricht Riad sich schon lange mit Beijing ab. Der niedrige Ölpreis hat doch keinen anderen Zweck, als die Hegemonie des Dollars zu brechen...

Ukraine, in der Tat. Es bräuchte schon eine ziemlich große "false flag"-Aktion, um daran noch etwas zu ändern - aber gerade weil das so offensichtlich ist, hätte es keine Aussicht auf Erfolg. Wir atmen auf...in Deutschland war das ja schon eine sehr reale Furcht. Für den NA-Ru-Rat gibt es derzeit m.E. nicht viel Konkretes zu besprechen, außer Ru schafft es, Verhandlungsmasse aufzubauen, um den Raketenschild in Osteuropa zu verhinden. Egal, miteinander reden ist immer gut.

Türkei, ich habe zunehmend den Eindruck, dass das "Erdogan-bashing" vor allem mit dessen (drohender/ laufender?) Hinwendung nach Osten zu tun hat...

Aussie42 28.04.2016 | 04:45

Naja, ich denke im kommenden Jahr haengt viel davon ab, wie sich der US-Isolationismus "operativ" zeigt. Nur Rueckzuege oder auch Drohungen gegen "Feinde" und Versprechungen fuer "Freunde"; weltweiter Rueckzug oder (voruebergehend zumindest) regionale Praesenz.
Wie sich die anderen Grossmaechte dazu positionieren, wird man wohl erst im kommenden Jahr "ahnen".

Die U-Boote sind jetzt erstmal ein Problem von AU mit den Japanern, die ohnehin wegen des Walfangs in Australien nicht wohlgelitten sind.

Dass der al Jubeir vor allem ein Mann der USA ist und darum Rueckhalt verloren hat, wage ich zu bezweifeln . Ich denke eher, dass es fuer Al Salman wegen der Blamage im Jemen, (den Krieg hatte er wohl gegen den Rat seiner family losgetreten) langsam "eng" wird. Darum macht er jetzt auch Aussenpolitk. Der Jubeir dagegen kann sich's leisten, abzuwarten. Der Verkauf von 5% des Oel-Konzerns ist jedenfalls ein ziemliches Risiko. Ob al Salman daraus einen "wealth fund" mit guten Ertraegen machen, steht in den Sternen. Wenn einer so viele Risiken eingeht, ist das schon seltsam.

Ihrer Saudi-China-These stehe ich immer noch skeptisch gegenueber. Mal sehen. Vielleicht kaufen die ja den Anteil an dem Oel-Konzern.

Erdogan pfeift innenpolitisch&oekonomisch auf dem letzten Loch. Die Russen "wollen" E. derzeit wohl gar nicht.In Syrien hat er nichts mehr zu sagen. Ansonsten sollen sich doch EU und USA mit dem Burschen rumaergern. Die strategische Bedeutung der Tuerkei nimmt zudem ab.

smukster 28.04.2016 | 15:42

"America first"...auch Trump würde wohl militärisches Engagement nicht grundsätzlich ablehnen, wenn es die "nationalen Interessen" erforderlich erscheinen lassen. Aber die Frage ist auch, wieviel dieses Jahr schon festgelegt wird und wie groß dann überhaupt noch der Spielraum der neuen Admin sein wird.

Die Risikofreude deutet m.E. darauf hin, dass MbS entweder jugendlich-größenwahnsinnig ist oder ein Sicherheitsnetz hat. Jubeirs persönliche Biographie ist interessant, da gibt es doch recht enge Verbindungen nach DC...dass er abwartet, bis MbS scheitert und an Macht verliert, ist allerdings auch möglich. Der Verkauf der 5%, gute Frage - ein Friedensangebot an die USA, oder im Wissen darum, dass es *jetzt noch* einen guten Preis zu erzielen gibt? Was ich auch nicht verstehe ist der m.W. recht plötzliche Strategiewechsel im Jemen: Warum gibt es jetzt Angriffe auf al-Qaida, die bisher inoffizieller Verbündeter war? Wer oder was steckt strategisch dahinter?

China...es könnte auch sein, dass BJ die potenzielle(!) engere Kooperation mit Riad nur als Druckmittel nutzt, um andere Ziele (Stichwort IWF) zu erreichen. Immer wieder Andeutungen, aber nichts Konkretes - das wirkt für mich wie die Diskussion um Milliarden für eine russische Gaspipeline durch Griechenland, bei der es letztlich wohl um eine Entspannung in der Ukraine ging.

Kurzfristig ist die Türkei weniger wichtig, wenn die Grenze dicht ist und Syrien sich beruhigt. Aber die geographische Lage bleibt...ebenso wie der wunderbare Hebel des Kurdenkonflikts.

Der Europa-Artikel, erst jetzt komme ich auf die Idee, dass D hier u.U. auch Verhandlungsmasse aufbaut, um ein Ende der Ru-Sanktionen zu erreichen.

Aussie42 29.04.2016 | 01:46

Ich weiss nicht ob Sie diesen Bericht im Guardian schon gelesen haben. Vordergruendig geht's natuerlich Blair. Aber der Vorgang selbst, ist eine alte Sache, die ist fuer TB laengst abgeschlossen.

Wichtiger ist wohl, dass hier die China-Connection gestoert werden soll, vor allem weil die Beteiligten in China noch im Machtzentrum sitzten. Hat man dort nicht gern, wenn solche Beziehungen weltoeffentlich debattiert werden.

Am wichtigsten scheint mir jedoch, dass auf der Saudi Seite

Prince Turki bin Abdullah – the son of Saudi Arabia’s then monarch

beteiligt war. Die Geschaefte der Abdullah-Linie sollen offensichtlich diskreditiert werden. Koennte auch sein, dass al Salman, der aehnliche Geschaefte machen will nach einem Prazedenz-Fall gesucht hat, um interne Kritiker zu beruhigen/treffen.

Damit wird Ihre Saudi-China Vermutung unterstuetzt (und deren Saudi-interne Kritik). Vorallem aber deutet das auf Konflikte zwischen den Saudi-Familien hin. Der Abdullah-clan soll beschaedigt werden. (Die Sache mit den 28-Seiten im 9/11 Bericht deutet in die gleiche Richtung: Machtkampf.)

Der al Jubeir koennte als lachender Dritter der Kompromis-Kandidat sein fuers aktive Regierungsgeschaeft werden.

Mal wieder witzig, wie hier ueber die Bande gespielt wird :)

smukster 29.04.2016 | 15:40

Ja, ein interessanter Vorgang, hatte ich noch nicht gelesen - bei den Saudis ist mensch immer auf solche Schnipsel angewiesen, die irgendwer aus irgendwelchen Motiven heraus öffentlich macht, und muss versuchen sich einen Reim zu bilden.

Es bestätigt zunächst einmal, dass es eine Kooperation mit China gibt (sehr interessant war auch die Anfang 2014 "enthüllte" Lieferung chinesischer Raketen schon 2007, sowie dieser Artikel), und dass diese nicht allen (besonders im Westen) passt. Wieviele Fraktionen es im Königshaus eigentlich gibt, habe ich nicht wirklich verstanden. Einerseits die Abdullah-Bandar-Connection (wenn das tatsächlich eine ist), dann die Sudairis, dann die Faisal-Turki-Linie...wobei es letztlich davon abhängen dürfte, wieviele "non-aligned" die jeweils auf ihre Seite ziehen können.

Im Westen scheint momentan das Motto "wir haben nichts damit zu tun, die warens!" vorzuherrschen, die Leinen werden gekappt und alle Schuld nach Riad abgeschoben. Das würde zu den aktuellen Vorgängen um die 28 Seiten passen, ebenso wie der OPEC-Politik des niedrigen Preises (es kann sein, dass das Wochenende 16./17. April als Geburtsstunde eines neuen Weltfinanzsystems in die Geschichte eingehen wird)...

Al-Jubeir hat als nicht-königlicher Außenseiter nicht wirklich Hausmacht, von daher sehe ich ihn eher als Platzhalter und Zugeständnis an eine andere Linie, der nötigenfalls ausgetauscht werden kann. Sollte MbS komplett scheitern, *könnte* seine Rolle wachsen - aber nur wenn Turki bin Faisal und Co. es so wollen.

Aussie42 30.04.2016 | 01:11

Inzwischen ist bin Salman auch persona grata in deutschen Medien. In der Zeit und der FAZ werden auch brav oekonomisch-sozialen Erbsen aufgezaehlt, das Autofahren von Frauen als Zukunftsaugabe begruesst und McKinsey erwaehnt. (Die Jungs vo MKsind Klasse!)
Dass diese Veraenderung auf innenpolitisch Widerstand stossen koennte wird erwaehnt aber nicht analysisert.

Die Saudi-China-connection, die auch im FP Artikel ausfuehrlich diskutiert wird, ist mir immer noch nicht einsichtig. Ob meine Zweifel berechtigt sind, wird die Zukunft zeigen.

Die deutschen Artikel haben mir aber nochmal deutlich gemacht, dass es in Saudi-Arabien derzeit um einen clash-of-cultures geht. Der bin Salman ist klar als Vertreter der nicht-traditionellen (neo-con?) Entwicklung zu erkennen. Die traditionell orientierten Teile der Elite sehen seinen Kurs vermutlich als Bedrohung ihrer religioesen Dominanz in der arabischen "Welt" (als Hueter der heiligen Staetten). Diese Funktion koennte derzeit wichtiger erscheint, als die langfristige, oekonomische Neuorientierung.


Ob der bin Salman sich trotzdem halten kann, haengt wohl davon ab, wie gross die sozial-oekonomischen Zwaenge tatsaechlich sind.


Im Westen, insbesonders in den USA neigen wir dazu, oekonomische Probleme als objektive "Vehikel" von Veraenderung zu sehen.

Die Beispiele Russland und China verweisen auf die Voreiligkeit dieser Annahme. Laender mit Waehrungsreserven, koennen oekonomische Zwaenge (die westliche Staaten unter DrucK setzen), aussitzen. In Saudi-Arabien ist das nicht anders.

Darum schaetze ich, dass bin Salman scheitern wird, spaetestens wenn sein kranker Vater stirbt.
Dann kommt wieder die Faisal-Linie "dran".
Dann bietet sich der al Jubeir mit seinen internationalen Kontakten als "Umsteuerer" an.

Naja, vielleicht gibt's auch noch andere Schlaumeier mit erstklassiger Ausbildung bei den Sauds, von denen man noch nie gehoert hat.