smukster
24.05.2016 | 08:03 73

Friedensprozess auf palästinensische Art

Afghanistan Der Taliban-Anführer Mullah Mansur wurde in Pakistan von einer Drohne getötet. Angeblich. Wurde damit auch der 2015 begonnene Verhandlungsprozess torpediert?

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied smukster

Der Pressesprecher des Pentagon hat es als erster vermeldet, es folgten Regierungsstellen in Kabul und der afghanische Geheim- dienst. Inzwischen haben es auch ranghohe Talibanvertreter bestätigt: Mullah Mansur, erst seit zehn Monaten offiziell Nachfolger von Mullah Omar als Talibanchef, ist tot. In West- Pakistan wurde er von einer US-Drohne getötet, unter Bruch der Souveränität des Landes.

Ob diese Meldung so stimmt oder nicht ist irrelevant, genauso wie bei Osama bin Laden: Dieser war in erster Linie eine mediale Konstruktion und nur ganz am Rande auch ein Mensch aus Fleisch und Blut. Ob er tatsächlich im Mai 2011 in Abbottabad starb oder nicht, werden wir wohl nie erfahren - aber sicher ist, dass die Existenz der überlebensgroßen Medienperson Osama an diesem Tag endete. Und nur darauf kam es an, denn damit starb er in den Köpfen seiner Verbündeten und Feinde und verlor somit seine Kraft. Mullah Mansur mag tot oder nur “unter- getaucht” sein, doch für die Welt starb er am vergangenen Samstagnachmittag. Und das wird Folgen haben.

Vor knapp einem Jahr gab es die ersten direkten Friedensgesprä- che in Pakistan, doch die nicht mit den Taliban abgesprochene Bekanntgabe des schon länger zurückliegenden Todes ihres Gründers Mullah Omar durch den afghanischen Geheimdienst Ende Juli zerstörte die Hoffnung auf Fortschritte, was wohl auch der Zweck dieser Meldung war. Wie zu erwarten musste der neue Chef nun zunächst intern seine Position festigen und Zweifel in seiner Anhängerschaft angesichts des zwei Jahre lang verschwiegenen Todes seines Vorgängers ausräumen; es kam zu schweren Anschlägen in Kabul und anderen Städten.

Eskalation macht Verhandlungen sinnlos

Der Fortgang der Gespräche hing seitdem in der Schwebe. Während die Regierung in Kabul alle Konfliktparteien medienwirksam aufforderte, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, eskalierte im Land die Gewalt, auch aufgrund der Präsenz des (von den Taliban abgelehnten) “Islamischen Staats”. Im September brachten die Taliban für zwei Wochen die Provinzhauptstadt Kundus im Norden unter ihre Kontrolle; bei der Rückeroberung zerstörten US-Flugzeuge unter ungeklärten Umständen ein Krankenhaus von “Ärzte ohne Grenzen”. Auch im Süden des Landes weiteten die “Koranschüler” ihren Einflussbereich aus, insbesondere in der Provinz Helmand.

Anfang März diesen Jahres erregte dann eine Erklärung Aufmerksamkeit, die in der westlichen Presse als definitive Absage an Friedensgespräche dargestellt wurde. Tatsächlich wurden jedoch vor allem Bedingungen genannt: Die Taliban- führung erklärte, dass Gespräche kein Ergebnis bringen könnten und nicht von ihr autorisiert seien, solange nicht “die Besatzung durch fremde Truppen beendet, die Namen von Talibanvertre- tern von Schwarzen Listen entfernt und Gefangene freigelassen” würden. Auch kritisierte sie, dass trotz der Verhandlungen Präsenz und Kampfeinsätze der US-Armee zugenommen hätten.

Damit hatte Mullah Mansur einen wunden Punkt getroffen: Im Mai 2014 hatte Obama den vollständigen Abzug der US-Truppen bis Ende 2016 versprochen, doch wurde dieser in der Folgezeit immer weiter hinausgezögert und seit dem Kampf um Kundus sogar wieder über eine mögliche Truppenaufstockung diskutiert. Unter diesen Umständen hätte eine Teilnahme an Gesprächen den Rückhalt des Talibanchefs in den eigenen Reihen untergraben, während jedes Scheitern der Verhandlungen ihm unweigerlich öffentlich angelastet worden wäre. Dieser Falle entging er durch die öffentliche Nennung klarer Bedingungen - doch damit wurde er für Kabul und Washington zum Problem.

Das Ziel: Zersplitterung und Selbstkontrolle der Rebellen

Diese hoffen nun vermutlich auf einen “kooperativeren” Nachfolger Mansurs, der sich Bedingungen für einen Friedensschluss diktieren lässt und anschließend den Widerstand unter seinen (ehemaligen) Gefolgsleuten selbst bekämpft. Sollte hingegen ein radikalerer neuer Anführer bestimmt werden, wird diesem die alleinige Schuld am Scheitern der Verhandlungen gegeben werden. Das würde die weitere militärische Bekämpfung der Taliban rechtfertigen und ihm möglicherweise ein ähnliches Schicksal wie seinem verstorbenen Vorgänger bescheren.

Diese Strategie ähnelt frappierend derjenigen, die Israel seit 1967 in den besetzten palästinensischen Gebieten verfolgt: Jede unbeugsame Führungspersönlichkeit wird erbittert bekämpft und wenn möglich beseitigt, während derjenige, der sich auf “Frieden” zu den Bedingungen der Besatzer einlässt, nach Kräften gefördert und zum “legitimen Chef” aufgebaut wird. Die absehbar daraus erwachsenden erbitterten internen Kämpfe sind dann das Problem der Besetzten und ihrer Repräsentanten. Daneben dienen sie der Legitimierung der fortgesetzten Besatzung, die angesichts der fortgesetzten Gewalt von der internationalen Öffentlichkeit als notwendig erachtet und nicht mehr als das eigentliche Problem wahrgenommen wird.

Aus dieser Falle gibt es fast keinen Ausweg, solange die Besatzungsmacht willens und in der Lage ist, die Besatzung aufrechtzuerhalten. Nur eine starke Führung der “Rebellen” kann einen Frieden aushandeln, dem sich ihre Anhänger auch tatsächlich verpflichtet fühlen werden; dafür bedarf es jedoch relevanter Zugeständnisse seitens der Besatzer. Wenn diese nicht bereit dazu sind und stattdessen lieber eine schwache gegnerische Führung herbeibomben, kann es zwar formal erfolgreiche Verhandlungen geben, aber keinen Frieden. Dass diese Strategie dennoch als “Friedensprozess” bezeichnet wird, ist an Zynismus kaum zu überbieten.

Endlose Besatzung als strategischer Selbstzweck

Aber wollen sie denn überhaupt Frieden? Die rechte isrealische Regierung braucht die Besatzung, teils aus ideologischen Gründen, vor allem aber weil die äußere Bedrohung die zersplitterte Gesellschaft des Landes zusammenhält. Und Afghanistan ist für die USA geostrategisch insofern bedeutsam, als ihre Präsenz und der fortgesetzte Konflikt dort eine ständige Bedrohung der Stabilität auch der umliegenden Staaten bedeu- ten und so ein nachhaltiges Zusammenwachsen Asiens unter chinesischer Führung verhindern oder zumindest bremsen.

Ob der denkbare Bau einer Gaspipeline aus dem Iran oder die Erschließung der afghanischen Rohstoffvorkommen, die Beruhigung der Konfliktherde in Xinjiang und den zentralasia- tischen Republiken oder größere Sicherheit der Infrastruktur der “Neuen Seidenstraße” vor Anschlägen: China wäre der große Gewinner eines tatsächlichen Friedensprozesses in Afghanistan. Diesem Ziel dient zweifellos auch Beijings Investitionsoffensive in Pakistan im Umfang von 46 Mrd. Dollar. Aber bislang sieht es so aus, als wollten die USA ihren Abzug aus der Region so lange wie nur möglich hinauszögern. Der Frieden wird warten müssen, egal welchen Nachfolger die Taliban auswählen werden. Angeblich wurde am Sonntag in Quetta bereits darüber beratschlagt.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (73)

smukster 24.05.2016 | 08:16

Zur Abwechslung ein relativ pessimistischer Artikel.

Gleichzeitig wird der Druck in Libyen erhöht, offenbar auch auf die ägyptische Führung, die bislang die Tobruk-Regierung unterstützt. In Syrien weigern sich die USA, al-Nusra als zu bekämpfende terroristische Organisation anzuerkennen, und die Aufhebung der Iran-Sanktionen wird auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben. Die Liste ließe sich verlängern.

Mir scheint, es wird wieder mal Zeit für ein Machtwort - die OPEC-Sitzung am 2. Juni wäre ein guter Anlass dafür. Prognose: Keine Einschränkung, gleichzeitig leichte Abwertung des Yuan RMB oder äquivalente Aktionen Beijings.

Magda 24.05.2016 | 13:01

Das ist wieder ein höchst spannender Exkurs, wenngleich wirklich nicht sehr hoffnungsvoll.

Vor allem der Vergleich mit der israelischen Besatzungspolitik hat schon was einleuchtend Deprimierendes.

China wäre der große Gewinner eines tatsächlichen Friedensprozesses in Afghanistan.

Und das ist im Moment nicht wünschenswert, was Sie ja auch ausführen. Frieden ist eben nicht neutral. Er dient den einen und schwächt die anderen oder umgekehrt.

Aussie42 24.05.2016 | 14:29

Hatte ich nicht so genau im Blick. Schoenen Dank.

Ich denke, die US-Destabilierung Afghanistans passt prima zur Rueckzugsstrategie der USA. Sie betreiben eine Politik der "verbrannten" Erde: Ehe sie sich zurueckziehen, verschaerfen sie die alte Spannungen. Das Vorgehen ist durchsichtig. Alte Feinde der USA werden rehabilitiert (u.a. Iran und Vietnam). Alte Freunde werden sich selbst ueberlassen (u.a. Tuerkei, Saudi-Arabien, Japan, Pakistan). So brechen die alte Konflikte wieder auf, was wohl der Zweck der Uebung war. (In Europa ist so der Ost(EU)-West(EU) Konflikt wieder aufgetaucht. )

Die EU ist von dieser Verschaerfung der weltweiten Konflikte ueberrascht worden und hat keine Strategie.

Russland und China haben diese Strategie offensichtlich "durchschaut" und nutzen sie aus (u.a Krim, Suedchinesiches Meer). In Westasien ist jetzt Russland die Fuehrungsmacht, in Ostasien China.

Gefaehrlich ist, dass derzeit die "WeltMacht-Rolle" unbesetzt ist. Niemand will sie haben. Die Desintegration geht jetzt sehr schnell.

smukster 24.05.2016 | 19:54

Super...meine längere Antwort hat das Programm leider verschluckt, es lebe dFC. Also kurz:

Soweit ich es einschätzen kann ist das bei jedem ewig dauernden Krieg oder Konflikt so: Ein oder mehrere wichtige Akteure haben schlicht ein Interesse daran, dass es eben gerade *keinen* Frieden gibt. Pro forma wird dennoch verhandelt, um "guten Willen" zu demonstrieren und die Schuld nach Möglichkeit jemensch Anderem in die Schuhe schieben zu können. Israel/Pal. ist das Paradebeispiel - und Sharon hat m.E. auf seine alten Tage erkannt, dass das auf Dauer die Existenz Israels gefährdet.

Afghanistan werden sich die USA irgendwann schlicht nicht mehr leisten können - aber wann...?

Anelim Aksnesej 24.05.2016 | 21:45

Danke für Ihre Analyse.Meine Gedanken nach dem Drohneneinsatz gegen den Talibanführer Mansur waren bestimmt von Angst, was danach kommen würde.Nachfolger gibt es trotzdem, da können noch so viele Drohnen mit Zieleingabe losgeschickt werden.Die amerikanische Außenpolitik ist nicht gekennzeichnet von vorausschauender Diplomatie.Das heißt auch, daß die Außenpolitik der USA gekennzeichnet ist von der Arroganz, daß nur Verhandlungen mit genehmen Führern in Gang kommen.Zivile Opfer und Folgen sind denen egal.Soll nicht heißen, daß ich den taliban irgendetwas abgewinnen könnte.Nur durch das Lesen von einem Buch von Scholl-Latour über den arabischen Raum habe ich gelernt, daß ebend auch amerikanische Außenpolitik mit den Feinheiten der arabischen Denke nichts am Hut haben.Besser kann ich das nicht ausdrücken.Jetzt mal so,die amerikanische Außenpolitik in ihrer Brachialität sorgt für keine Stabilität in Friedensverhandlungen.Der nächste Talibanführer wird auch nicht der Genehmste sein.

smukster 24.05.2016 | 23:20

Ja, Washington scheint nach dem Motto zu verfahren "Wenn wir es nicht kontrollieren können, soll es auch sonst niemand schaffen". Von dort kommt seit Jahrzehnten keine konstruktive Vision für irgendetwas (ok, das Internet), was anderen Ländern eine attraktive Perspektive bieten würde. China plant ein weltumspannendes Netz von Hochgeschwindigkeitszügen und bietet allgemein eine Modernisierung der Infrastruktur und ggf. auch der Industrie - das ist immerhin etwas.

Das wirklich Tragische daran ist, dass die USA sich als Hüterin der "Demokratie" inszenieren und deren Ansehen damit gleich mit zerstören.

Russland und China tun das Naheliegende und versuchen in die Räume einzudringen, die die USA verlassen. Das erweitert ihren Machtbereich, stabilisiert aber auch die Regionen durch die Klärung der Hegemonie. Ob die EU überrascht wurde weiß ich nicht, ihre Strategie ist es für Verhandlungen und Ausgleich zu sorgen, dabei ist sie durchaus relativ erfolgreich.

Das Aufbrechen des eigenen Ost-West-Konflikts hat sie sich jedoch selbst zuzuschreiben: 20 Jahre lang wurde Osteuropa wie eine Halbkolonie behandelt - dass sich das bei erstbester Gelegenheit rächen würde (sobald die Länder sich dessen kollektiv bewusst werden und akut "gebraucht" werden) war klar.

Brasilien: Die erste Amtshandlung Temers ist offenbar der Versuch, die jahrelangen Korruptionsermittlungen einzustellen. Die (B)RICS müssen sich eine angemessene Reaktion einfallen lassen...China könnte alle Investitionen dort auf Eis legen, aber das dürfte eine Wiederannäherung eher erschweren. Ein Zeichen der SCO-Einigkeit, gerade was Indien angeht? Oder Einfluss auf das britische Referendum?

smukster 24.05.2016 | 23:46

Nein, vermutlich wird eher ein Hardliner ausgewählt - aber das käme den USA ja sogar gelegen, weil diesem dann leichter die Schuld am Scheitern des "Friedensprozesses" gegeben werden kann. Der Ideologie und dem Gesellschaftsbild der Taliban kann ich rein gar nichts abgewinnen, aber dass ihre Macht eher zu- als abnimmt zeigt m.E., dass sie von einem relevanten Teil der Bevölkerung unterstützt werden und ihre Interessen deswegen berücksichtigt werden müssen.

Aber ich fürchte eben, dass 'Frieden' gar nicht das Ziel ist. Die USA mögen die Feinheiten der örtlichen Mentalität nicht verstehen, aber von Strategie verstehen sie eine ganze Menge. Es ist wie Aussie oben sagt: Divide et impera, und wenn ein Abzug mittelfristig unausweichlich ist, soll die Region zumindest dem neuen Hegemon (China) unbeherrschbar hinterlassen werden.

Aussie42 26.05.2016 | 09:08

Ich hatte mich wohl vor einigr Zeit etwas abfaellig ueber amerikanische Atomwaffen geaeussert. So schlimm hatte ichs mir nicht vorgestellt:

Nun gut - kommen wir zur ersten Meldung des Tages: Der US-Rechnungshof hat in seinem aktuellen Bericht die Rückwärtsgewandheit der Atomstreitkräfte moniert. Diese nämlich benutzten immer noch Rechner aus den siebziger Jahren für ihr Kommando- und Kontrollsystem. Die Daten seien auf Floppy-Disks gespeichert. (Deren Speicherkapazität würde heutzutage kaum für einen kurzen Videospot reichen). Eine Pentagonsprecherin kommentierte die Kritik schulterzuckend: Das System bleibe in Gebrauch, weil es noch immer funktioniere. Die Floppy-Laufwerke würden allerdings bis Ende 2017 ausgetauscht, sagte die Sprecherin. Die Modernisierung laufe wie geplant weiter. Laut dem GAO-Bericht plant das Verteidigungsministerium, das System bis Ende 2020 komplett auszutauschen. Auch im Finanzministerium würden noch vollkommen veraltete Systeme benutzt, heißt es in dem Bericht weiter. Die Rechnungsprüfer beklagen vor allem, dass die Kosten für den Erhalt der überalterten Technik hoch seien und dass stattdessen besser in moderne Systeme investiert werden solle.

Aussie42 26.05.2016 | 10:28

Eben lese ich anderes schoenes Beispiel fuer die US-Rueckzugsstrategie. Die Einzelheiten der Toetung von Masur werden im Wallstreet Journal veroeffentlicht und machen so jedem klar, dass sich die USA um Vertraege mit den Staaten in der Region, nicht mehr kuemmern. Verbrannte diplomatische Erde bleibt zurueck. (In den westlichen Medien wird's natuerlich als Raeuberpistole verkauft. Wie's halt so ist.)

smukster 27.05.2016 | 03:22

Berühmt sind (oder waren?) ja auch die Computer der US-Flugsicherung...wobei mir ein funktionierender Rechner aus den 70ern in solchen Fällen lieber ist als eine hochmoderne, aus der Ferne regelbare Anlage, in die sich dann irgendwelche Skriptkiddies mit ihren Smartphones einhacken. Wenn die Leistung ausreicht.

Die pakistanische Regierung protestiert grundsätzlich immer bei solchen Aktionen der USA - das muss sie, um die Leute im Land zu beruhigen. Von daher sehe ich hier weniger die Frage der verbrannten Erde als Besonderheit denn die geradezu demonstrative Darlegung der Vorgehensweise im WSJ. Ist das als öffentliche Drohung gemeint - "Wir kriegen Jeden auf der Welt, egal wo!"?

Nächste Woche dürfte spaßig werden an der Börse...mal sehen, ob bis dahin noch irgendeine Ablenkung gestartet wird. Syrien hatte ich oben noch vergessen: Wenn tatsächlich die russische Basis angegriffen wurde (mit welchen Waffen?), ist das eine ziemliche Eskalation.

Aussie42 27.05.2016 | 04:30

naja, das Problem der alten Computer ist, dass sie viel zu langsam sind. Die Prozessoren, der interne Speicher, Zugriffszeiten auf Daten, alles ist den Faktor 2000 oder so langsamer als heute.

Das kann bei der Identifizierung von Angriffsobjekten zu erheblichen Fehlern fuehren. Auch die Reaktionen waeren viel zu langsam.

Da diese strategischen nukes hochgefaehrlich sind, ist deren optimale technische Kontrolle sehr wichtig. Dass da nicht upgedatet wurde, zeigt auch, dass die USA meinten niemanden fuerchten zu muessen.

Syrien-Irak. Nachdem die seit einem Jahr angekuendigte Befreiung Mossuls im April ausgefallen ist sollen jetzt Falludscha und Raqqa befreit werden. US-Fighter in der Luft. Am Boden die Verbuendeten. In Syrien sind das "Rebellen" und Kurden. Letztere haben aber keine Lust Raqqa zu befreien. Das wird also schiefgehen. Und Falludscha konnten schon die GIs nicht erobern.

Nichts Propaganda, um vom US-Rueckzug abzulenken. Strategisch nicht schlecht gedacht.

Die Russen wissen natuerlich, dass Sie ihre Einrichtungen in Syrien nicht vollstendig schuetzen koennen. Wenn die Leute aber direkt in die Basis eindringen konnten, muessen bei den Russen ein paar Koepfe rollen. Das Sicherheitssystem reichte offensichtlich nicht aus. Aber das kann geaendert werden.

Die Russen haben jetzt aber einen guten Grund den Nachschub des IS aus der Tuerkei zu unterbinden. Anders als die USA, muessen die Russen auch keine Ruecksicht auf Erdogan nehmen. Damit werden sich die Gewichte in Syrien wiederum verschieben.

Ansonsten: ab jetzt airline-mode. 30 Std Reisezeit nach Europa. Und Cathy Pacific hat kein sea-food in cattle classe.

smukster 27.05.2016 | 20:28

Wie gesagt: Wenn die Leistung ausreicht. Dass die optimal kontrolliert werden müssen ist klar.

Ich gehe schon davon aus, dass die USA ein Interesse daran haben, diese Städte zu befreien - denn sonst machen es die Russen und Iraner und werden endgültig zu den großen Helden der Region. Bei Mossul wurden m.W. nie ernsthaft Einheiten zusammengezogen, Falludscha ist realistisch (ich dachte das wäre schon längst, liegt ja zwischen Baghdad und Ramadi), Raqqa...welche "Rebellen" sollen das sein, bzw. "you and whose army"? Im November sind Wahlen in den USA, kurz davor macht sich ein spektakulärer Erfolg durchaus gut;-).

Eingedrungen, das auch noch...passenderweise erobert der IS ja gerade den Azaz-Korridor und bedroht Flüchtlinge, also könnten die Russen ihn dort aufreiben. Allerdings hat Moskau m.E. durchaus ein Interesse daran, Ankara nicht dauerhaft zu antagonisieren und in eine strategische Ecke zu drängen.

Die G7 haben zumindest angedeutet, dass die Sanktionen gelockert werden könnten, nachdem die Abstimmung der frz Nationalversammlung wohl ein Testballon war. Und Erdogan will sich weiterhin nicht billig abspeisen lassen, der böse Diktator!

Gut geflogen?

Aussie42 29.05.2016 | 07:25

Gut geflogen?

Danke der Nachfrage. Nach und von HK war die Haelfte Passagiere Chinesen (und andere Asiaten). Das sind ja sehr angenehme Zeitgenossen.
Mit Indern und Suedamerikanern und Westasiaten ist der Geraeuschpegel in der Kabine nach meiner Erfahrung hoeher. Aber meine Stereotype koennen mich auch mal taeuschen.

Bei der Staedte-Eroberung habe ich eine etwas andere Einschaetzung.
Da gibt's jetzt viel "so tun als ob". (Fuer Mossul haben. m.W. die Briten irakische Einheiten "unterstuetzt" aber wohl eingesehen, dass das aussichtslos ist, weil usw.)

Falludja und Raqqa werden nicht "fallen"...
...weil die Iraker nur ihre schiitische Miliz einsetzen koennten, was zur "Eroberung" einer sunnitischen Region nur im Desaster enden kann.
...weil die "Rebellen" Raqqa erobern muessten, was sie nicht koennen. Die Kurden sind ja nur in der US-Propaganda in die Operation eingebunden.

Wies weitergeht zeigt m.E. die Eroberung von "Rebellen"-Gebieten im Nordwesten Syriens, an der tuerkischen Grenze, der die Armee und die Russen tatenlos zusehen.
Sie haben recht, diese IS-Konzentration zu vertreiben (wenn die Rebellen weg sind) ist nicht schwierig. Die "Rebellen" sind derzeit ja nur noch die trouble-maker im Friedenprozess. Der aber muss bald abgeschlossen sein.

Hilfreiche koennte sein, dass die IS-Fuehrung in Syrien derzeit kein militaerisches Konzept hat.

smukster 29.05.2016 | 18:59

Wenn sie allzu lange "so tun als ob", kommen die Russen ihnen zuvor - die Frage ist doch, wer wieviel Einfluss in der "Zeit danach" hat, ähnlich wie 1944. "Rebellen" für die Befreiung von Raqqa gibts leider keine, und Fallujah...bei Ramadi haben die Sunniten doch auch mitgemacht, was ist jetzt anders?

Die kleine Enklave bei Azaz war ja inzwischen strategisch nicht mehr relevant, und ich sehe nicht wirklich, wie diese Taktik anderswo angewandt werden könnte. Sollen die Syrer und Russen jetzt alle Gebiete unter al-Nusra-Kontrolle erst vom IS erobern lassen, damit sie diese dann befreien dürfen? Absurdistan lässt grüßen. Die Amerikaner müssen sich langsam mal entscheiden, ob sie zu den getroffenen Vereinbarungen stehen wollen. Das werden sie auch, es ist m.E. einfach nur eine Frage der Zeit.

Interessanter (und ev. bedrohlicher) ist die derzeitige Entwicklung in Libyen. Erneut sollen hier (notdürftig verdeckt) Waffen an islamistische Milizen geliefert werden, um die Position der strategischen Verbündeten des Westens zu stärken, gegen die von Ägypten (und Russland) unterstützte gewählte Regierung. Meine Hoffnung ist nach wie vor, dass weder USA (so kurz vor der Wahl) noch EU tatsächlich Lust auf eine Invasion haben, aber dafür die Hand ins Feuer legen...?

*Also in Bus und Bahn sind ChinesInnen alles Andere als ruhig;-)*

Aussie42 29.05.2016 | 22:14

Wenn man das Interview mit dem al Jubeir in der FAZ liesst,
sieht man, dass sich KSA in eine unhaltbare Situation manoevriert hat und deshalb so tut, als koenne (Maximal-)Forderungen stellen.

Entweder die Jungs tun nur so, als waeren so blind, oder sie fallen auf ihre eigene Propaganda herein. Beides ist hochgefaehrlich. Sie werden weiterhin die "falschen Gruppen" unterstuetzen. Den Iran werden sie dennoch nicht "besiegen" koennen. Durch die gegenwaertige Verweigerung der Hajj fuer Iraner, verschaerft das KSA die Schia Sunni Konflikt.

Was in Syrien derzeit passiert ist Absurdistan, das durch das unklare Verhalten der USA entstanden ist. Die russische Strategie ist im Grunde ganz clever. Der allg. Feind vernichtet zuerst den Halbfeind und wird dann als allg. Feind vernichtet. So geht's zu.


Die iraqische Armee ist nach meiner Einschaetzung so unmotiviert wie immer. Ursache ist natuerlich die Korruption der Offiziere. Wenn nicht die Special Forces ab und zu mal Feuerwerk veranstalten wuerden, haette die iraqische Fuehrung gar keine Erfolge zu melden. Hoffnungslos.

Ueber Lybien mache ich derzeit mir keinen Kopp mehr.
Das Oel wird offensichtlich nicht mehr gebraucht. Darum halten sich die Konzerne raus.
Was jetzt innenpolitisch geschachert wird, wechselt unablaessig. Lybien ist ein failed state und soll es wohl auch bleiben.
Jede andere Loesung waere ein grosser Aufwand und vermutlich vergeblich. Wer soll das machen? Da werden die Schiffe mit den Migranten doch besser auf hoher See "gerettet" oder eben auch nicht. Das erhoeht lediglich das Risiko der Migranten.
Alle haben sich mit diesesem status quo eingerichtet.
Welcher lybische Clan sich am Ende als "Sieger" heraus mendeln wird, muss wohl abwarten. Jetzt muss erstmal gekaempft werden usw.

smukster 30.05.2016 | 05:32

Welche Wahl haben die Saudis denn? Wenn sie die Dschihadisten (braucht es da eigentlich auch ein -Innen?) nicht unterstützen, machen ihnen die eigenen Kleriker die Hölle heiß. Immerhin müssen sie sich wohl keine Sorgen machen vor einer US-Invasion, weil das tatsächlich den Dschihad auf ein neues Niveau heben würde, gerade auch in Europa. Da brauchts nicht mal chinesischen Beistand;-)...wobei die saudische Ölpreispolitik den Chinesen m.E. zu perfekt ins Konzept passt, um nicht abgesprochen zu sein. Oder hat auch hier Riad schlicht keine andere Wahl und muss das Go-Spiel nach chinesischen Regeln mitmachen?

Wenn ich die Proteste im Irak in den letzten Monaten richtig interpretiert habe geht es dabei um Druck auf die Regierung, mehr iranische Hilfe anzunehmen. Was die aber aus Rücksicht auf die Sunniten (zumindest sichtbar) nicht tun kann.

Libyen, ganz so chaotisch ist die Lage auch wieder nicht. Die libysche Armee hat in den letzten Monaten ihre Positionen gefestigt und insbesondere die Ölregion weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht, da die dortige Miliz allein zu schwach gegen den IS war. Sie könnte jetzt Sirte angreifen, wird das aber aus taktischen Gründen vorerst nicht tun. In Tripolis herrschen nach wie vor dieselben (islamistischen) Milizen, jetzt halt unter dem Label GNA und offiziell mit westlichem Segen. Ein Stellvertreterkrieg wie er im Buche steht.

Das Öl wird nicht nur nicht gebraucht, es schadet sogar. Die Amerikaner (vor allem) sind doch heilfroh für jedes Barrel, das vom Markt verschwindet und den Preis hochtreibt, und ich frage mich, wie zufällig gerade diverse Produzenten der "zweiten Reihe" interne Probleme haben: Libyen, Nigeria, Venezuela, Brasilien, Kasachstan...fehlen noch Angola und Mexiko, Brunei ist wohl "out of reach".

Aussie42 01.06.2016 | 08:01

Nur so viel (wieder am Reisen).

Meine Einschaetzung der iraqischen Armee haben die Jungs umgehend bestaetigt. Der energische Vorstoss von Elitetruppen hat sich eingegraben. (Das ganze erinnert an den Wehrmachtsbericht. ) Und die "Weltgemeinschaft" "sorgt" sich um die Zivilisten in Falludja. So funktioniert Ablenkung von unangenehmen Wahrheiten.

Und KSA will keine deutschen Panzer mehr kaufen. Selbst verrostete dt. Aufklaerungsflugzeuge ueber Syrien nehmen die al-Jubeir &Co den deutschen uebel. Gemein.

smukster 02.06.2016 | 19:11

Die Iraker gehen wieder nach ihrer bewährten Taktik vor: Einen Angriff starten und damit verstärkte US-Luftunterstützung "erzwingen" - denn die Alternative wäre, sich Hilfe in Teheran zu holen, und das will Washington in keinem Fall. In propagandistischer Manier wird nun der Angriff als humanitär "unverantwortlich" dargestellt, um so den Kampf gegen den IS so gut es geht auszubremsen. Hat bislang nicht geklappt, wird es vermutlich auch dieses Mal nicht.

Ablenkung ist überhaupt gerade das Motto der Stunde, scheint mir. Falls irgendwer noch an einen "freeze" geglaubt hat, hat ihn die OPEC heute eines Besseren belehrt. Und warum ausgerechnet jetzt eine Armenien-Resolution, die eine Einigung im Visa-Flüchtlings-Streit nicht einfacher macht? Wem soll Ankara damit in die Arme getrieben werden? Es liegt etwas Größeres in der Luft, aber was und wo...?

Interessant ist, was sich derzeit in Israel abspielt. Offenbar wollte der ex-Verteidigungsminister diesen Weg nicht mitgehen - und wurde durch Lieberman ersetzt, dem eine größere Sympathie für Moskau nachgesagt wird. Wie ich immer sage: Die Israelis sind strategisch viel flexibler als wir glauben, um die müssen wir uns keine Sorgen machen.

Gute Reise weiterhin, wohin auch immer. Frankreich soll derzeit interessant sein...;-)

Aussie42 02.06.2016 | 21:31

Frankreich soll derzeit interessant sein...;-)

Nach Frankreich fahren wir erst Ende Juli. Dann sind die Schupos und die argen Buerschlein alle wieder zu Hause.

Jetzt doch D, von Sueden nach Norden.

Ich denke auch, dass was Groesseres in der Luft liegt. Nach dem Verhandlungsfrieden in Syrien, ist die Kantonisierung des Irak noch offen. Im Sueden koennten die Schiiten endlich ihre Geschaefte machen. Im Norden wuerden die Kurden ihr Gebiet arondieren, evtl. mit Gebietsaustausch.

In der Mitte darf der IS bleibe. Fuer die Einstellung der Luftangriffe muesste Daesh die Autobomben zu Hause lassen.

Gleichzeitig muss die Iraq-Syrien-Grenze entsprechend der Stammesgebiete korrigiert werden.

Wird alles einige Monate dauern.

Der Deal wird von Russland-China(?)-USA(?) garantiert.

Erdogan wird dabei gebraucht. Der hat so deutlich ueberzogen, dass er ersetzt werden muss durch Generale oder eine Nationale-Versoehnungs-Regierung.

In diese Szenario pasen die gegenwaertigen Entwicklungen ganz gut. Zumal auch al Jubeir et. al. nicht meckern koennen. Mehr als einen freundlichen Staat der Region konnten sie nicht erwarten.

Es waere jedenfalls auch ein Szenario, dass den USA einen Rueckzug ohne Gesichtsverlust erlauben wuerde,

Wie gesagt, etwas gewagte Spekulation. Aber ewig kann das in Iraq/Syrien mit der gegenwaertigen Kriegs-Konstellation nicht weitergehen. Zu viele Widersprueche. Und den IS "besiegen" geht nicht, dass haben die im Pentagon inzwischen wohl auch eingesehen. Und einen failed monster-state will wohl niemand.

smukster 03.06.2016 | 02:05

Ich meinte gar nicht notwendigerweise Syrien/Irak, auch in Libyen oder Nigeria könnte durchaus etwas 'passieren'. Oder in Europa. Grad ist mal wieder Terrorhysterie angesagt, erst die US-Reisewarnung, jetzt der angebliche Anschlag von D'Dorf, daneben die Eskalation im Verhältnis zu Ankara...

Ablenkung höchstwahrscheinlich, aber wovon eigentlich? Den halbrevolutionären Protesten in Frankreich? Einem bevorstehenden Krieg gegen Libyen? Das gestrige OPEC-Nichtergebnis hat bislang keine nennenswerten Auswirkungen, aber das kann sich noch ändern, wenn die futures weiter in den Keller gehen und die Händler ihr Contango-Öl auf den Markt werfen.

Ihr Szenario zu Syrien/ Irak überzeugt mich nicht ganz, vor allem aus zwei Gründen: Erstens haben Russland und Iran eine extreme Abneigung gegen die Verschiebung von Grenzen und sind in Syrien die dominanten Akteure. Und zweitens glaube ich nicht, dass der IS als stabiler nicht-expandierender Staat bestehen kann, da er seiner Ideologie des Kalifatsaufbaus seinen Zustrom an Geld und Kämpfern verdankt - und ohne diesen pleitegehen und zerfallen dürfte. Ein dauerhaft aggressives 'Kalifat' werden aber die umliegenden Mächte nicht zulassen. Und "Rückzug ohne Gesichtsverlust" nach 2 Jahren ergebnislosem "anti-IS-Krieg"? Dann doch lieber ein Erfolg vor der Wahl...;-)

Offen bleibt dabei die Zeitfrage. Auch wenn eine 'dauerhafte' Etablierung nicht möglich ist, könnte die Zerschlagung des IS sich durchaus noch eine Weile hinziehen - bis es zwischen Iran und den Kurden eine Einigung auf die 'Zeit danach' gibt?

PS: Ich nehme an Sie meinten "Erdogan wird *nicht* gebraucht" - oder? Er weigert sich halt, sich einem der Blöcke wirklich unterzuordnen...ob er damit durchkommt?

Aussie42 03.06.2016 | 13:49

stimmt: Erdogan wird NICHT mehr gebraucht.

Ihre Alternativen "fuer was Grosses" halte ich fuer weniger wahrscheinlich. Die Proteste in Frankreich werden bald vorbei sein, weil sie aussichtslos sind. Wie das Ende sein wird ist m.E. offen. Vermutlich ird sich der Protest (wie so oft in der Vergangenheit) einfach totlaufen.

Warum soll irgendwer von aussen in Lybien militaerisch eingreifen? Das waere rausgeschmissenes Geld. Und um westliches Militaer "combat-ready" zu trainieren gibt's genuegend andere realtime "Truppenuebungsplaetze" around the world.

Und der Oelkrieg ist inzwischen eine low level Veranstaltung, die die maerkte kaum noch beeinflusst. Deren Nervositaet verursacht wohl vorallem mainland China.

Um mein Szenario nachzubessern, verzichte ich auf die Verschiebung der Grenzen. Recht haben Sie, R und C lieben sowas nicht. (Obwohl siehe Krim.... und Inseln im Meer...)

Die Einschaetzung des IS ist wohl zentral. Ich denke, diese Gruppe besteht aus "Pappkameraden", die junge Leute (oft Convertiten!) zur Identifikation und Nachahmung verleitet. Die Miliz zu daemonisieren, ist fuer den Westen vorteilhaft. (Die Gruende lass ich jetzt mal.)

Militaerisch besteht der IS aus leicht bewaffneten Infantriebrigaden, die wenig koordiniert operieren. Sie haben kaum gepanzerte Fahrzeuge, keine Luftwaffe (und keine Marine. grins...) obwohl sie das dafuer notwendige Geraet (Hubschrauber, Flugzeuge, Panzer, Artillerie) in grossen Mengen erbeutet haben. Meine Einschaetzung beruht natuerlich auf Medienberichten. Nur gelegentlichen gibt's Berichten ueber den Einsatz chemischer Waffen (wobei die Traegersysteme nicht erwaehnt werden). All in all der IS lebt von seinem Nimbus, real sind sie Handlanger ihrer politischen Fuehrung. Und das sind wohl militaerische Kader aus der Zeit von Hussein. Vermutlich spielen heute auch religioese Fuehrer eine Rolle. Mit dieser Gruppe ist eine "Verstaendigung" ueber die Aufteilung des Irak moeglich. Die IS Brigaden koennten leicht entsorgt werden. In Afrika gibt's ja viele neue Betaetigungsfelder fuer diese Rabauken.

Irak und Syrien befriedet, IS weg, dann koennten sich doch alle auf die Schulern klopfen.

Die Kurden scheinen noch ein Problem zu sein. Aber die haben inzwischen so viele weisse Steine gesammelt, dass ihre Interessen gewahrt werden muessen. Solange die Zustimmung der Tuerken nicht erfoderlich ist, kann sicher einiges gemacht werden.

Zeit? Es muesste schnell beginnen, denn es gibt derzeit ein "quasi-stationaeres", taktisches Gleichgewicht in Westasien, dass man strategisch nutzen koennte.

smukster 04.06.2016 | 20:38

In Frankreich gab es m.W. schon mehrfach "Reformen", die nach Protesten deutlich abgeschwächt wurden und damit kaum noch den angestrebten Effekt hatten. Aber das meinte ich auch nicht als 'Großes'.

Libyen ist derzeit der heißeste weil offenste Austragungsort des großen Wettkampfs zwischen NATO und Russland, von daher steht beim Kampf zwischen Tripolis und Tobruk ziemlich viel auf dem Spiel. Öl ist seit Mitte April geradezu auffällig stabil, aber das muss nicht ewig so bleiben und kann zu neuen Turbulenzen führen.

Die Nachkriegssituation in Syrien ist m.E. noch nicht endgültig entschieden, aber die Tendenz ist klar. Einen dauerhaften Erhalt des IS können sich m.E. weder Russland noch der Westen leisten.

Offen ist hingegen die künftige Stellung der KurdInnen ("weiße Steine"?): Einerseits wären diese ein idealer Bündnispartner (und militärische Bastion) der USA, während Russland Syrien vollständig erhalten will. Andererseits würde eine Autonomie Ankara "nicht sonderlich gefallen" und dessen Wiederannäherung an Moskau befördern. Am liebsten wäre den USA wohl eine Entmachtung der YPJ/G und die Einsetzung einer korrupten Regionalführung a la Barzani auch in Rojava; das würde auch Ankaras Interessen entsprechen und Distanz zur PKK schaffen...

Ihre Einschätzung des IS teile ich prinzipiell natürlich (große Mengen Gerät erbeutet, auch Flugzeuge?). Allerdings gehe ich davon aus, dass die Saddam-Offiziere nur taktisch den Ton angeben, nicht politisch. Für sie ist das eher ein Job.

Und "IS weg" wird nicht allen gefallen: Nicht nur treibt das "falsche Kalifat" einen Keil in die pro-Iran-Achse und bindet deren Kräfte, es dient auch wunderbar der 'Entsorgung' durchgeknallter junger Männer, die ansonsten zuhause (darunter Russland) Probleme bereiten würden.

Insofern gibt es m.E. durchaus vielerorts ein Interesse daran, dass der IS noch eine Weile bestehen bleibt...dennoch gilt s.o., zur Gesichtswahrung muss er beseitigt werden, und sei es nur auf dem Papier. Wie lange dieses bestehende komplexe Gleichgewicht anhält, liegt weitgehend in den Händen der Russen und Amerikaner. Solange kein plötzlicher Wechsel in der Region stattfindet, etwa ein abrupter Kurswechsel Baghdads oder Ankaras.

Aussie42 05.06.2016 | 08:28

Gut, zu Lybien haben wir unterschiedliche Einschaetzungen. Ich denke, das ist ein low level Konflikt in einem failed state. (Den IS dorthin zu "entsorgen" waere moeglich, denn es wuerde in Lybien nicht viel aendern. )
Wie gesagt,andere Einschaetzungen sind moeglich.

Syrien. Ja, der IS wird sich zurueckziehen muessen. Sehe ich auch so. ,Vorallem auch weil seine militaerische Position unhaltbar ist. Zu viele Fronten, unsicherer Nachschub.

Im Iraq ist es was anderes. Eine "moderate" IS Fraktion (mit anderem Namen) koennte dort im "mittleren" Kanton bleiben. Als Gegengewicht zu den Shia Milizen.

Ja, die Damen und Herren Kurden vertreten flexibel aber entschlossen ihre Interessen. Durch wechselnde Partnerschaften sind sie derzeit auf allen Seiten beliebt. Sie sind die good guy's mit den weissen Steinen, waehrend IS die bad guys mit den schwarzen Steinen sind. Bemerkenswerte Veraenderung, denn jahrzehntelang standen die Kurden auch in D als Terror-Truppe auf dem Index.

Die internen Kempfe zwischen einzelnen kurdischen Fraktionen werden durch die militaer-politischen Erfolge vermutlich verringert. Ein kurdischer Staat ist schliesslich greifbar. Das eint.
Ob zu diesem Staat auch eine Pufferzone zwischen Syrien und der Tuerkei gehoeren wird ist denkbar aber unwahrscheinlich. Ein Problem sind aber die kurdischen Siedlungsgebiete im Iran und in der Tuerkei. Offen.
Die einflussreichen Maechte in der Region werden sich wie bisher um gute Beziehungen mit den Kurden bemuehen, solange Westasien als Ganzes nicht befriedet ist. Und das wird dauern.

Was anderes.
KSA kommt zunehmend mehr unter Druck. Seine Weigerung, deutsche Waffen zu kaufen ist ein deutliches Zeichen der Schwaeche.

Ich denke, Obama wird den oeffentlichen Druck nicht mehr lange aussitzen koennen und die Veroeffentlichung der 28 Seiten zulassen muessen. Vermutlich als "leak".
Die Finanzierung von 9/11 durch Saudis wird in den USA aber auch in Europa das KSA-Image "verdunkeln". Nix mehr Ali Baba, mehr Mullah Omar.
Einreiseverbot fuer Saudis wegen Terrorgefahr :) waere eine huebsche Forderung.

smukster 06.06.2016 | 03:08

Gerade las ich über Somalia, und die Parallelen zur aktuellen Situation in Libyen sind schon auffällig. Dort gab es 6 Jahre lang eine "Übergangsregierung", die nicht einmal Mogadischu kontrolliert hat, und eine ganze Reihe ausländischer Interventionen (die gerade langsam beendet werden), die jede Stabilisierung verhindert haben. Allerdings kommen somalische Flüchtlinge nicht ganz so leicht nach Italien...

Von wo bekommt der IS eigentlich derzeit seinen Nachschub? Weiterhin aus der Türkei, oder auch von Süden? Ich gäbe was für Satellitenaufnahmen der irakisch-jordanisch-saudischen Grenzregion... Wenn tatsächlich eine Großoffensive auf Raqqa unterwegs ist (so viel mediale Ankündigung ist mir immer verdächtig), spräche das für die türkische Route - wäre zumindest aus syrisch-russischer Sicht logisch.

Irak und Syrien würde ich gar nicht unbedingt getrennt betrachten, allerdings klingt Ihre Einschätzung, dass eine sunnitische Miliz als "Rest-IS" übrigbleibt, recht einleuchtend.

Ja, es gibt wohl Annäherungen zwischen den Kurdenfraktionen, aber dass das von Dauer sein wird glaube ich nicht. Zu große ideologische Differenzen, und zu unterschiedliche Bündnispartner bislang. Ein Kurdenstaat würde eine neue Runde des divide et impera der Kolonialmächte einläuten, was in der Region niemand wollen kann. Insofern gehe ich davon aus, dass sie nur solange unterstützt werden, wie sie taktisch nützlich sind. Ja, das kann noch dauern...

Der Druck auf die Saudis ist unübersehbar; sie machen auch zunehmend ernst mit dem Verkauf von US-Staatsanleihen - gerade wurde offenbar 'Spekulation gegen den Rial' verboten, was ein sicheres Mittel ist, die eigenen Devisenreserven möglichst schnell loszuwerden - siehe China.

Der NYT-Artikel über die angebliche Drohung war diplomatisch äquivalent zur Emser Depesche; seitdem wurde durch die (zu niedrige?) Bezifferung ihres Bestandes und die Veröffentlichung der Geschichte des Petrodollars (Bloomberg) das Bündnis faktisch aufgekündigt - beides war eigentlich geheim.

Damit bleiben Riad drei Möglichkeiten: Sich völlig unterwerfen, die Amerikaner direkt in den Krieg hineinziehen und damit weiter unverzichtbar bleiben, oder sich nach einer neuen Schutzmacht umsehen. Die zweite versuchen sie jetzt schon seit vier Jahren erfolglos, und es müsste schon etwas sehr Großes passieren, um hier noch etwas zu verändern...

Aussie42 08.06.2016 | 21:50

Die saudische Entwicklungen haben Sie ja in Ihrem neuen Artikel ueber den Oelpreis sehr schoen aufgebroeselt.
Ich vermute allerdings, dass Riad nicht irgendwie rational agieren wird. Die alten Maenner werden vermutlich auf business as usual setzen und geradewegs in den Abgrund marschieren, wie seinezeit die Alten im RGW. Es gibt moeglicherweise einen politischen Beharrungsdrang, der mit dem zunehmendem Alter von Potentaten exponential steigt.

Ansonsten ist mal wieder alles im Fluss. Mal sehen was Erdogan noch einfaellt.

smukster 08.06.2016 | 22:37

Der ist mächtig unter Zugzwang, nicht erst seit dem letzten Anschlag. Er steht mal wieder da, hat hoch gepokert - und nichts in der Hand, um es zuhause vorzuweisen. Ein miserabler Stratege.

Einen Artikel über das merkwürdige Timing der Armenier-Resolution habe ich auch geschrieben, bin aber sehr unsicher. Zwei mögliche Erklärungen: 1. Demonstration der Unabhängigkeit angesichts der Kritik am "anrüchigen" Flüchtlingsabkommen, 2. Ankara von der EU "entfremden" und damit Moskau durch eine potentielle (nicht reale!) Annäherung ein Druckmittel an die Hand geben (Wie übersetzt mensch 'leverage'?)...Was denken Sie dazu?

Keine Frage, den 'Beharrungsdrang' gibt es - da muss ich an das Brettspiel 'Kreml' denken, bei dem es das 'Gerontokratieprinzip' gibt, nach dem immer der Älteste aufsteigt;-) - aber es gibt ja auch die Jungen um MbS.

Alle Handlungen der Saudis spielen den Chinesen in die Karten, ob es so geplant ist oder nicht. Wenn es nicht gelingt, die Amerikaner in einen größeren Krieg hineinzuziehen, sehe ich nicht welche Alternative Riad bleibt, wenn sie erst einmal die Wahl haben zwischen Untergang und Bündniswechsel. Da Riad seine Strategie des billigen Öls beibehält, haben die USA den nicht mehr funktionierenden Pakt seit Ende April aufgekündigt. Jetzt streben sie erstmal auseinander, bis...ja, was ?

Scheint Ihnen die (angedeutete) Logik des anderen Artikels schlüssig? Insbesondere die "Niger Delta Avengers" sind lustig, eine Retortenmiliz wie aus dem Lehrbuch...

Aussie42 09.06.2016 | 23:03

Zum anderen Artikel hab ich was geschrieben.

Gut moeglich, dass viele der heutigen Oel- Milizen von USA "ermuntert" werden. Failed states sind im Interesse der USA, vor allem um ihren weltweiten Rueckzug zu decken. Sowas wie verbrannte Erde zuruecklassen.

Erdogan hat laengst verloren und weiss es auch. Gegenwaertig wird er aber noch gebraucht.

Die Armenienresolution hatte m.E. vor allem innenpolitische Gruende in D: Ventil fuer die Kritik an Merkels Erdogan-Kurs. Diese Ausweichaktion war der moeglicherweise sogar mit der Tuerkei abgesprochen. Mal sehen was Erdogan daraus macht. Bisher nur heisse Luft.

smukster 10.06.2016 | 01:27

Diese Ausweichaktion war moeglicherweise sogar mit der Tuerkei abgesprochen.

Sehr gut möglich. Innenpolitische Gründe, das entspräche der 1. Erklärung. Nicht unplausibel, allerdings frage ich mich, ob die Kritik wirklich so stark und dauerhaft ist, dass das nötig wäre...?

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Sache entwickelt. Wenn das ernstere Folgen haben sollte, könnte auch mehr dahinter stecken, also eine bewusste Zerstörung des Verhältnisses zu Ankara, was dieses isolieren würde...mit welchen Folgen?

smukster 12.06.2016 | 14:52

Lästig ist er mit Sicherheit, aber bislang sehe ich weder den Hebel, über den er beseitigt werden könnte, noch den Nachfolger. Allen Problemen und Unzufriedenheit zum Trotz hat er vor einem halben Jahr erst eine Wahl gewonnen. Falle, Sie meinen wegen des damit verbundenen Ansehensverlusts bei türkischen Nationalisten? Skepsis. Es bräuchte weitere politische Misserfolge (in Libyen fällt mir eine Variante dazu ein) und dann einen innenpolitischen Funken...allerdings agiert er nicht so, als hätte er Angst vor Geheimdiensten oder 'Leaks'.

Aussie42 13.06.2016 | 09:02

failed states sind geo-politisch "neutralisierte" Gegenden, in denen konkurrierende Milizen sich gegenseitig bekaempfen (und "beschaeftigen"). Somalia oder Sudan beispielsweise sind fuer die USA ungefaehrlich. Und wenn dort doch mal Ansaetze einer politische Struktur entstehen, werden die mit ein paar special forces augeschaltet werden, damit das Chaos zurueckkehrt.

Gefaehrlich sind nur "Organisationen" die von funktionieren Staaten gesponsert werden (frueher Al-Quaida, heute IS, die beide von den Saudis finanziert werden.)

Ansosnten sind Milizen nur vor Ort wichtig, wenns um den "Schutz" von Rohstoff-Profiten geht (im Kongo, Lybien Nigeria.) Solche Milizen werden aber von den interessierten Konzernen bezahlt.

Syrien wird gerade wieder stabilisiert, indem die vielen kleinen "Rebellen" Milizen ausgeschaltet werden. Die USA und Russland haben sich im letzten Jahr darauf geeinigt, dass Syrien den Russen "gehoert" und den USA der Irak. So wird den Saudis, den Haupt-trouble-makern in Westasien das "Wasser abgegraben".

Die "Welt" ist eben anders, als uns die Zeitungen&Politiker weiss machen wollen.

Aussie42 13.06.2016 | 09:11

Vielleicht kann's so passieren.

Leute wie Erdo graben sich gern ihr eigenes Grab. Jetzt hat er sich mit dem Generalstab "verbuendet". Da haben aber bestimmt nicht vergessen, dass er diversen Generalen den Prozess gemacht hat. Solche Leute sind nachtragend.

Die hoeheren tuerkischen Offiziere sind zudem Laizisten mit guten Beziehungen nach den USA (wo viele ausgebildet wurden).

Laenger als ein Jahr gebe ich dem Erdo nicht. Eher viel weniger.

(Jetzt in Manchester UK. Heavy showers. 17 Degrees) :)

Aussie42 13.06.2016 | 14:07

Gute Frage.

China beobachtet, was passiert und greift zu, wenn sich ein "Schnaeppchen" bietet. (Ein Flughafen in D, oder Bodenschaetze irgendwo in Afrika.) Ob China auch in Westasien "mitwirkt" scheint mir fraglich. (@smukster ist anderer Meinung.)

Iran muss erstmal seine zivile und militaerische Infrastruktur erneuern. In Syrien mischen sie sich nur mit regulaeren Bodentruppen ein. Milizen sind den Iranis (im Gegensatz zu den Iraqis) zu unkontrollierbar.

Geldgeschenke fuer Milizen kommen derzeit wohl vor allem von den Aristokraten am Golf, die so ihre Herrschaft absichern wollen.

Heinz 13.06.2016 | 15:37

Danke, schöne Hintergrundinformation.

Clausewitz nannte den Krieg einmal "Politik mit anderen Mitteln".

Das war zu einer Zeit im Feudalismus, als Krieg noch mit Ehre verwechselt wurde. Kofi Annan hat das treffender formuliert:

"Krieg ist keine - und ich wiederhole - Krieg ist keine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Im Gegenteil, Krieg ist immer ein katastrophales Versagen des politischen Könnens und Vorstellungsvermögens."

Das sollten wir niemals vergessen, auch beim aktuellen Bürgerkrieg in der Ukraine und beim Wirtschaftskrieg gegen Griechenland nicht. Denn in Europa kann jederzeit ein anderes Land an der Reihe sein, solange es keine wirksame Friedenspolitik in Europa gibt.

Aussie42 14.06.2016 | 00:47

Du liest woh ueberall mit, oder?

Ansonsten: Schoenefeld, wo ich Sonntagnachmittag war, wird jetzt offensichtlich auf BER umgeschminkt. Auf diversen Schildchen steht das jedenfalls schon. Bischen enger als geplant, aber sonst ok die Loesung. In der Bauruine, wie bereits in Tempelhof, koennen dann Fluechtlinge betreut werden.

Hat doch was?

Parchim bei China wird dann nicht mehr gebraucht.

smukster 14.06.2016 | 03:56

Bislang scheint er mir innenpolitisch zu fest im Sattel zu sitzen, oder sehen Sie da ernste Brüche?

Über China schreibe ich demnächst mal wieder was. Bis auf Weiteres bleiben es wohl Cameo-Auftritte wie vor einem Jahr im Jemen, und sonst eben als Retter in der Not. Nigeria gerät gerade in arge Geldsorgen, vor allem wenn der Rückgang der Ölproduktion tatsächlich so extrem ist (woran gezweifelt werden darf: "Den Märkten" käme ein übertriebener Eindruck der Probleme ja durchaus zupass) - das wäre m.E. der nächste Kandidat für eine chinesische 'Rettungsaktion' a la in Rohstoffen rückzahlbarer Kredit.

PS. Heißt das, dass uns dann irgendwann eine 'Eröffnung' eines potemkinschen BER bevorsteht? ;-)

Aussie42 14.06.2016 | 12:08

Wenn sich Erdogan mit seinen Erz-Feinden, den Generalen verbuenden muss, ist er beinah am Ende. Er musste dafuer dem Militaer eine juristische Immunitaet zugestehen. Billiger war's nicht zu haben. Jetzt koennen die Generale den Erdo jederzeit und konsequenzenlos absetzen. Und alles nur weil Erdo den aussichtslosen Krieg mit der PKK wieder "belebt" hat. Dass das Scheisse ist, haben die Militaers ihm sicher schon seit langem gesagt.

Jetzt muss ein Waffenstillstand mit der PKK kommen, wenn das Militaer nicht weitere Soldaten "verheizen" will.

All in all: Erdogan hat die gesamte Innenpolitik in Griff. Doch er ist vom good will der Militaers abhaengig. Ein Putsch (wie frueher) eruebrigt sich.

BER-Prognose stimmt. Allerdings nicht mit padjomkinscher Methode, sondern mit der aus Fernost. Und zwar so.

Fuer SXF wird ein neues Terminal gebaut. (macht ne chinesiche Fima in 8 Wochen.) Danach sind noch 3 Wochen fuer die Modernisierung des DDR-Baus angesetzt. U.a. gibt's einen neuen Fussbodenbelag von Plaste&Elaste aus Jena.

Die Rollbahnen von BER koennen genutzt werden. Statt warten am gate werden Passagiere mit Bussen hin- und hergefahren. Gibt's in London, Amsterdam, Doha etc. ja auch.

Hab ich von einem official, der nicht genannt werden moechte.

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Ehemaliger Nutzer 14.06.2016 | 21:15

Ja, schöner Film, strahlt weit aus in die Gegenwart. hab schon mehrfach beworben 'Krater für den Frieden' Gaby Weber, seine 90 min reichen bei Weitem nicht, um die ganze Geschichte zu verstehen. G W beginnt die Recherche von der andeeren Seite: Argentinien, wo NS Vermögen und Personal zwischengelagert wurde, es kam dann aber die Verlängerung der Verjährungsfrist f Mord dazwischen. sehr nett 'Story of stuff' der Anfang, ein Film, exzellent der Zusammenhang der Zerstörung d Lebensgrundlagen und die Einstellung in der Fabrik. Gerade aktuell Südostasien. MIK nur sträflich gestreift. Das Projekt, das draus wurde, ist dann auch wirklich allzu nett.

smukster 14.06.2016 | 23:24

Der Bürgerkrieg wurde Anfang 2015 weitgehend(!) beigelegt. Es gibt noch kleinere Provokationen (ich vermute beiderseits), aber militärisch kann sich nichts mehr ändern, daher auch kein 'Krieg' mehr.

Es ist richtig, dass es immer wieder regionale Zuspitzungen gibt, die zeitweise die Möglichkeit einer größeren Eskalation in sich tragen: Syrien, Ukraine, wieder Syrien, aktuell Libyen. Bislang wurde das immer diplomatisch entschärft und wird es auch weiterhin werden.

smukster 15.06.2016 | 08:26

Hatte ich nicht so deutlich verfolgt, aber scheint zu passen. Dass sich das Blatt nochmal wendet, ist eher nicht zu erwarten...aber wer viel verspricht (und Macht beansprucht), muss eben liefern. Wirtschaftlich läuft es m.W. bislang leidlich, wobei mir zunehmend unklar ist, wer ihnen noch Geld leiht. Die Saudis brauchen sie jedenfalls nach Ende des syrischen Abenteuers deutlich weniger.

BER...das könnte aber auch Probleme geben, weil dann die Brandschutzhinweise auf chinesisch sind. Und weil der Bustransfer nicht klimaneutral genug ist. Aber eigentlich klingts ganz gut.

Heinz 15.06.2016 | 09:41

Eine Kurzgeschichte

Ein süddeutscher katholischer Prinz der Hohenzollern wollte bei einer spanischen, katholischen Prinzessin ins Bett steigen. Weil es schon damals eine Algebra des militärischen Gleichgewichts gab, protestierte der unwissende Geck Napoleon Nummer 3, obwohl die süddeutschen katholischen Hohenzollern mit den norddeutschen evangelischen Hohenzollern wenig am Hut hatten.

Der süddeutsche katholische HohenzollernPrinz zog dann wegen der möglichen politischen Verwicklungen den Schwanz ein und verzichtete.

Trotzdem gab es Krieg!, die Emser Depesche war sicher nicht der Anlaß, sondern nur eine Finte. Die Folgen sind bekannt und haben zur harten Haltung nach dem WK1 geführt.

Das ist nicht tragisch, komisch auch nicht, sondern Dummheit.

Heinz 16.06.2016 | 14:08

Ich gehe einmal davon aus, daß alle diese militärisch geführten Kriege der Vergangenheit mit etwas Intelligenz und Willen zum Frieden vermeidbar gewesen wären.

Die sind alle nicht vermieden worden, weil der Wille fehlte und weil die Beteiligten glaubten, schlauer zu sein, als die anderen.

Auf diese Weise wurden Millionen Menschen (verfügbares Humankapital) abgeschlachtet - und Tote haben nichts mehr zu sagen.

Die Methoden haben sich verändert: "Arbeit macht frei," steht nicht mehr über dem KZ, sondern als Damoklesschwert über dem Hartz4.Empfänger. In beiden Fällen ist das staatliche Gewalt.

Der Wirtschaftskrieg gegen Griechenland ist damit vergleichbar. Die Austeritätspolitik wird als alternativlos dargestellt und die Schmieren.Darsteller hängen sich auch noch das legale demokratische Mäntelchen um.

Gleichzeitig "geht es uns gut", zumindest der selbst ernannten Oberschicht. Die sich hier kreuzenden Warenströme basieren auf unterschiedlichen sozialen Verhältnissen, die wir nicht mit kaufen, also auch nicht sehen. Die "Funktionseliten", korrupt, wie die hier, der Herkunftsländer werden bei Laune gehalten, damit sie die sozialen Unterschiede - mit staatlicher Gewalt - aufrecht erhalten.

Nur in Ausnahmefällen wird noch militärische Gewalt eingesetzt, um zu disziplinieren.

smukster 16.06.2016 | 22:31

Vermeidbar, jein - früher war die gegenseitige ökonomische Abhängigkeit viel geringer, da gab es nicht so viele andere Macht- und Druckmittel wie heute. Und militärische Gewalt wird heute durchaus sehr regelmäßig zum Erhalt des Systems eingesetzt, auch wenn die meisten Staaten sich daraufhin 'freiwillig' an die Regeln halten.

Allerdings hatte ich jetzt doch einen etwas konkreteren Vergleich erwartet. Preußen bzw. das Kaiserreich strebte nach seinem "rechtmäßigen" Platz unter den Großmächten und wurde in der Folge des Krieges gegen F immer stärker, bis es sich dann 1914 aufs Eis wagte.

Heute dominiert D die EU durch seine Exporte finanziell und damit dank der Konstruktion der Eurozone auch politisch, aktuell geht es darum, Frankreich endgültig(?) auf dieses Modell zu verpflichten, um es besser als gesamteuropäische "Exportwaffe" gegen den Rest der Welt einsetzen zu können.

Da könnte mensch durchaus Parallelen zum KR sehen und sich fragen, ob auch die BRD sich "aufs Eis" wagen und daran scheitern wird...allerdings müssten sich dafür GB und Ru verbünden, und danach sieht es derzeit nicht aus.

PS. Bitte keine sinnlosen Nazivergleiche. "Irgendwelche Ähnlichkeiten" gibt es immer, klar.

Heinz 17.06.2016 | 08:52

»Preußen bzw. das Kaiserreich strebte nach seinem "rechtmäßigen" Platz unter den Großmächten und wurde in der Folge des Krieges gegen F immer stärker, bis es sich dann 1914 aufs Eis wagte.«

Das Problem entstand früher mit der Frankfurter Nationalversammlung, die vom Kartätschenprinzen, später Willem Nummer eins, zusammen geschossen wurde. Arroganz hat einen Namen, Friedrich Wilhelm IV schlug die Kaiserwürde "von Volkes Gnaden" aus, göttlich, wie er war - das Gebaren von Willem Zwoo war entsprechend.

Diesen ganzen Quatsch haben wir natürlich pädagogisch verbrääämt gelernt - und die Konstrukte der heutigen Staaten schließen daran direkt an und heißen ParteienOligarchie.

Heinz 17.06.2016 | 09:30

Zum Artikel noch ein Gedanke.

Selbst D ist als föderaler Bundesstaat zu unterschiedlich. Nehme ich die Entwicklung seit 1949, dann war Bayern ein Agrarland, das Ausgleichsempfänger war. MIt dem Aufbau nach dem Krieg und mit vielen Fachkräften aus der Zone und mit Heimatvertriebenen wurde Bayern zum Industrieland. Heute jammern die Bayern über ihre Bruttozahlungen an andere.

Die Unterschiede in der Produktivität und Struktur sind darum für D zu groß, für die EU noch viel grüßer. Das hatte bereits Leopold Kohr gesagt und daran wird die EU zerbrechen - Elefanten und Mäuse können nun mal nicht zusammen, darum braucht jeder sein Reservat.

Bezogen auf die Währung und die Sozialen Angelegenheiten ist das die Schnittstalle der Währungen, die gegeneinander floaten müssen, andernfalls floaten die Preise. Floatende Preise können wir im Im- und Export ja noch verkraften, nicht aber im Durchgriff auf die internen Finanzflüsse, also auf die gesamte Volkswirtschaft mit einer hohen Staatsquote an sozialen Transferleistungen.

Heinz 17.06.2016 | 10:36

Nicht alles, was so ausschaut, ist ein Nazivergleich.

Die Reichsgrundsätze über Voraussetzung, Art und Maß der öffentlichen Fürsorge haben die Nazis und die BRD und die DDR aus der Weimarer Republik geerbt. Darauf basieren die Jugenderziehungsheime der BRD, die Werkhöfe der DDR, (die Arbeitslager der Nazis), das BSHG der BRD und die Hartz.Gesetze heute.

Das ist also heute staatliche Wirklichkeit und staatliche Gewalt.

smukster 23.06.2016 | 01:34

Und ab welcher Grenze sind die Unterschiede der Produktivität zu groß? Mit demselben Argument kann mensch für eine wirtschaftliche bzw. Währungs-Aufspaltung der einzelnen Staaten plädieren, denn in jedem Staat gibt es solche Ungleichgewichte, s. Bayern/ Meck-Pomm. Es ist letztlich eine politische Frage, ob ein Ausgleich organisiert werden soll oder nicht, keine ökonomische.

China zeigt deutlich, dass eine Währungsunion mit noch viel größeren Unterschieden funktionieren kann - und ja, dort "floaten die Preise", d.h. Preise und Löhne in den Küstenregionen steigen rasant, während das Hinterland noch arm und dörflich ist bis hin zur Subsistenzwirtschaft. Dass das in der Eurozone nicht funktioniert, liegt wesentlich (nicht ausschließlich) an der deutschen Niedriglohnpolitik - d.h. Zuwächse unterhalb der Produktivitätssteigerung.

PS. In der Tat fing das lange vor 1871 an, deswegen schrieb ich Preußen bzw. das Kaiserreich. Den Beginn würde ich auf den Wiener Kongress datieren, aber darüber lässt sich trefflich streiten.

PPS. Es bleibt ein völlig unnötiger bis -sinniger Nazivergleich.

Heinz 23.06.2016 | 14:11

Gut, lassen wir die Vergleiche, die gemeinsame Ursache liegt sowieso früher in der Weimarer Republik bei den Reichsrichtlinien zur Fürsorge des Staates.

Die Unterschiede in der Produktivität sind dann zwischen Arm und Reich zu groß, wenn der Billiglohnsektor "aufgestockt" werden muß, damit die nötigsten (monetären) Lebenshaltungskosten bewältigt werden können. Diese Frage ist tatsächlich eine politische Frage und der Knackpunkt zur sozialen Marktwirtschaft.

Unabhängig von sozialen Transfers sollte ein Mensch von seiner Arbeit leben können.