"Wir kommen schon irgendwie durch."

Egal wie! Wie das Volk den Staat im Stich lässt.
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Orientierungslosigkeit zeichnet diese Epoche. Die Sicherheiten, derer wir uns vor nicht allzu langer Zeit noch gerühmt haben, brechen weg. Prekäre Arbeitsverhältnisse, nie endende Krisen, selbst auf die Jahreszeiten ist kein Verlass mehr. Dass wir uns in einem Wandel befinden, schreien die Spatzen von den Dächern. Aber wie verhalten wir uns zu dieser Revolution gezwungenermaßen? - Wie eh und je.

„Wir kommen schon irgendwie durch.“, so lautet der bescheidene Schlachtruf, mit dem das Volk immer auf bedrohliche Veränderungen reagiert hat. Dieser Satz zeugt aber auch von einer gewissen Arroganz: das Volk wird zu allen Zeiten weiterbestehen. Es ist flexibel und lebenswillig genug, sich an neue Regime anzupassen. In Krisenzeiten ist es das Volk, das weiter macht, das einzige, das noch funktioniert und dazu fähig ist, neue Strukturen zu bilden. In diesem Satz ruht eine solide Wahrheit: Staaten vergehen, während das Volk bleibt. Die Frage drängt sich auf: Wozu braucht man überhaupt einen Staat?

Der Staat gibt Gesetze, bietet Schutz, sorgt für Gerechtigkeit. Es gibt eine stille Übereinkunft zwischen Volk und Staat, die bis heute nie in Frage gestellt wurde. Dabei haben die Mächtigen im Laufe der Geschichte lernen müssen, sich vor dem Volke zu fürchten.

Mittlerweile ist aber das Volk als solches in Auflösung begriffen. Seine Einheit liegt in Trümmern individueller Meinungen, die keinen gemeinsamen Nenner finden. Zwar ist der Austausch in unserer Kommunikationsgesellschaft nie so rege gewesen wie heute. Aber er dient ausschließlich der Meinungsverbreitung und deren Zustimmung. Kein Gespräch, das zu neuen Erkenntnissen führt. Im Gegenteil: die Meinungen verfestigen sich und werden stur verteidigt. Das Volk zerfällt in Gruppierungen, die sogar noch gegeneinander kämpfen.

Da ist keine Masse, vor der sich der Staat fürchten muss. Er ist auf sich alleine gestellt.

Angesichts der Krisen bleibt das Volk gelassen. Solange es nicht bei dem gestört wird, was es am meisten liebt: die Arbeit.

12:29 21.11.2013
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Geschrieben von

s.noah

Keine Geschichten erzählen, Geschichte machen.
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