FC Bayern zuerst

TV Die ARD-Sportschau hebt sich wegen der Quote Schalke, Dortmund und vor allem die Bayern regelmäßig bis zum Schluss auf. Dazu hat die ARD kein Recht

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Der Anlass dieses Beitrags ist klein, das gebe ich sofort zu. Die ARD-Sportschau, sicher ein Flaggschiff des Senders, beginnt regelmäßig mit Spielen wie Freiburg : Wolfsburg oder Augsburg : Mainz und endet mit Schalke, Dortmund und den Bayern. Der Hintergrund dieses Umstandes leuchtet sofort ein: Wer sich das vermeintlich Interessanteste bis zum Schluss aufbewahrt, der will die Menschen bei der Stange halten, der will während der Sendung steigende oder jedenfalls stabile Quoten, keine sinkenden.

So einleuchtend die Taktik des Senders ist, so muss sie dennoch verwundern. Ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht eigentlich unser Fernsehen? Unser Fernsehen, weil es staatlich ist und weil wir der Staat sind? Unser Fernsehen, weil wir es mit unserem Gebührengeld bezahlen?

Ja, so ist das. Und deshalb lassen wir uns gewissermaßen von unserem Fernsehen für dumm verkaufen, manipulieren, eben bei der Stange halten, indem uns das, was uns vermeintlich am meisten interessiert, möglichst lange vorenthalten wird.

Die Quote und das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das ist ohnehin so eine Sache.

Im Rundfunkstaatsvertrag heißt es:

Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat sich also an den Bedürfnissen der Gesellschaft zu orientieren. Es geht nicht darum, was der Intendant oder vielleicht noch Marcel Reich-Ranicki für wichtig und gut halten, es geht darum, was die Gesellschaft sehen will. Das ist demokratisch und entspricht dem, was oben bereits gesagt wurde: Es ist unser Fernsehen, wo kämen wir denn hin, wenn irgendwelche grauen Eminenzen festlegen würden, was wir sehen sollen und das nicht?

Die Quote ist offensichtlich ein guter Maßstab für die Frage, ob das öffentlich-rechtliche Fernsehen seinen Auftrag erfüllt oder nicht. Eine hohe Quote steht für eine großes Interesse, eine niedrige für ein kleines, das kann gar nicht anders sein.

Eine alleinige Orientierung an der Quote wäre jedoch fatal und wäre auch nicht demokratisch. Denn zu einer Demokratie gehört neben der Mehrheitsentscheidung genauso auch die Befriedigung der Bedürfnisse deren, die nicht in der Mehrheit sind. Deswegen müssen wir auch mit den samstäglichen Frühlingsfesten....Herbstfesten...Überraschungsfesten usw. der Volksmusik leben, insbesondere, weil das Privatfernsehen sich für die Alten ohnehin nicht interessiert, weil sie nicht werberelevant sind.

Apropos Werbung. Noch fataler als eine alleinige Orientierung an der Quote ist es für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, wenn es sich ebenfalls an der Werberelevanz der 13 bis 49 jährigen orientiert. Denn dann hat es seinen Auftrag vergessen, dann handelt es nicht mehr im Interesse der Gesellschaft, dann verkommt es zu einem bloßen Konkurrenten der Privaten um Werbekunden.

Natürlich: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen macht auch Werbung, dieses dient der zusätzlichen Finanzierung. Aber wenn man dann das Programm für die Werbekunden anpasst, dann beißt sich die Katze gewissermaßen in den Schwanz. Die Werbung dient dem Programm, nicht das Programm der Werbung. Punkt.

Zurück zur Sportschau. Fußball interessiert in Deutschland. Deswegen, nur deswegen soll es die ARD auch zeigen. Da das öffentlich-rechtliche Fernsehen jedoch unser Fernsehen ist und sich nur an unseren Interessen zu orientieren hat, sollte es das, was uns vermeintlich am meisten interessiert, am Anfang zeigen. Sich wegen der Quote das Spannendste bis zum Schluss aufzuheben ist nicht gerechtfertigt. Auch nicht, gerade nicht wegen der Werbung. Zeigt die Bayern zuerst!!! (Es sei denn, es gibt da so einen Vertrag mit der DFL und Sky, in dem drinsteht: Wolfsburg sofort, Dortmund und Schalke nicht vor 19:15 Uhr, Bayern nicht vor 19:30 Uhr. Davon hat der Verfasser jedoch noch nichts gehört.)

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von